Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2178 (29.7.1966)
- Date
- 1966-07-29
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9616703-9615320-9615568--4453-9615576- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— O 00 FRANQUEO PAGADO 0 c ÜÏÏ <- v h Concesión 908 0?£ <0 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXVII. BUSNOS A IRKS, VIERNES 39 DE JUKI O DE 1966 N? am EL ÍJEMPLAfiir en toda la República | J," PUEYRREDON 2190 1* teq. Buenos Aires T.E. 83 - 2618 Antisemitismus in Oesterreich Beteiligte an der „Endloesung" Die Häufung antisemitischer Vorfälle in Oesterreich in der jüngsten Zeit hat nun zu weiteren Konsequenzen geführt. Kürzlich traf in Wien eine Delegation des amerikanischen Jewish Committee unter der Leitung sei. nes Vizepräsidenten Dr Siawson. ein_ um sich an Ort und Stelle über die Richtigkeit der Meldungen zu informieren. Sie wurde von Vizekanzler Dr. Pittermann, Na tionalpräsident Maleta und Kardinal König empfangen, denen sie von der Besorgnis über die Entwicklung berichtete. Erstaunlicherweise hatten sowohl Bundeskanzler Dr Klaus wie Unterrichtsminister Dr. Piff] keine Zeit, um die Delegation ebenfalls zu empfangen. Es kam lediglich zu einer Unterredung mit Beamten des Unterrichtsministeriums. In einer Pressekonferenz erklärte der Delegationsleiter Dr. Siawson unter anderem, in Amerika sei man insbesondere über die Serie von Freisprüchen in Kriegsver. brecherprozessen, über die antisemitischen Manifestationen an den Hochschulen im Zusammenhang mit dem Fall Borodajkewycz und. was Siawson ausdrücklich betonte, über den Fa»! des Abgeordneten Scheibenreif be sorgt Die Delegation habe sich zwar überzeugt, dass von keiner allgemeinen antisemi. tischen Tendenz im österreichischen Volk gesprochen werden kann_ doch sehe sie Symptome für eine gefährliche Entwicklung, wenn keine wirksamen Massnahmen getroffen würden. Besonders bemängelt wurde bei der Pressekonferenz, dass im österreichischen Un. terrichtswesen viel z» wenig Hakenkreuze an einer Kapelle Wien. — in der Nähe von Innsbruck wurden an den Aussenwänden einer Kapelle antisemitische Inschriften angebracht. getan wird, um die österreichische Jugend von den Einflüssen einer unseligen Ver gangenheit fernzuhalten. Di“ Delegation regte in diesem Zusammenhang an, Studiengruppen österreichischer Lehrer in die Vereinigten Staa ten zu entsenden die sich über die Methoden der politischen und sozialen Erziehung in den USA informieren sollen. Bei den Unterredungen hagen. wie Dr. Siawson mitteilte. sowohl Vizekanzler Dr Pittermann wie Nationalratspräsident Dr. Maleta ihre Entschlossenheit erklärt, wirksame Massnahmen zur Bekämpfung des Antisemitismus zu ergreifen. Kardina1 König teilte der Delegation mit dass gegenwärtig daran gearbeitet wird, in Durchführung der Beschlüsse des Vatikanischen Konzils aus den Lehrbüchern für den Religionsunterricht etwaige antisemitische Stellen zu eliminieren. Die Aktion gegen den Antisemitismus in Oesterreich forderte vor kurzem gesetzliche Bestimmungen, damit der Staatsanwalt alle antisemitischen Manifestationen verfolgen kann. Die Immunität aller Mandatare die an. tisemitisches Gedankengut verwenden, soll -aufgehoben werden alle Lehrpersonen, auch Hochschullehrer die die Jugend zu ..Rassenhass“ und Antisemitismus erziehen, seien zu entfernen. In nichtöffentlicher Sitzung hat ein Senat des Obersten Gerichtshofes kürzlich, wie erst jetzt bekannt wurde die Nichtigkeitsbeschwerde verworfen, die von der wiener Staatsanwaltschaft gegen das Kümel-Urteil eingebracht worden war Der 24 Jahre alte wiener chemistudent Günther Kümel wurde Ende vorigen Jahres wegen Ueberschreitung der vermeintlichen Notwehr zu zehn Monaten strengen Arrests verurteilt. Die Anklage hingegen hatte die Ansicht vertreten, dass sich Kümel des Totschlags an dem Anti-Borodajkewycz - Demonstranten Ernst Kirchweger schuldig gemacht habe. Der Verteidiger. Rechtsanwalt Franz Grois, der wegen „gerechtfertigter Notwehr“ einen Freispruch gefordert hatte reagierte auf die Nichtigkeitsbeschwerde des Staatsanwalts mit dem gleicnen Rechtsmittel. Nachdem aber nun der Oberste Gerichtshof die Nichtigkeitsbeschwerde der Anklagebehörde verwor fen hatte, zog der Verteidiger seine Beschwerde gegen das Urteil zurück, so dass dieses nun rechtskräftig geworden ist. Günther Kümel hat im übrigen seine Strafe — die Untersuchungshaft wurde ihm angerechnet — bereits verbüsst. Er befindet sich auf freiem Fuss. Der langjährige Anführer der Leibwache Adolf Hitlers, der mehrfach wegen Kriegsverbrechen vorbestrafte SS- General Sepp Dietrich, starb in einem Vorort von Stuttgart im Alter von 74 Jahren. Sepp Dietrich gehörte bereits im Hofbräuhaus-Putsch von 1923 zu Hitlers Getreuen, und er blieb ihm weiter treu ergeben; er würde von ihm zu Aufgaben verwandt, die seiner Landsknechts- und Abenteurer-Natur am besten entsprachen. In der Kraftprobe zwischen SA und SS in der ersten Phase des Drittem Reiches, die mit dem Mord an Rohm und anderen SA-Häuptlingen endete, spielte er als Vollstrecker der Befehle Hitlers und Himmelrs eine blutige Rolle; er wurde dafür im Jahre 1957 von einem deutschen Gericht wegen Beihilfe zum Mord zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt. Vorher schon war er von einem alliierten Militärtribunal wegen seiner finsteren Rolle bei der Ermordung von mehr als hundert amerikanischen kriegsgefangenen Soldaten — dem berüchtigten „Fall Malmedy“ — zusammen mit 73 anderen deutschen Angeklagten wegen Massenmords verurteilt, aber seine lebenslängliche Zuchthausstrafe wurde vom amerikanischen Militärgouverneur später auf 25 Jahre reduziert, und nach zehn Jahren wurde ihm der Rest erlassen. Das Urteil im Malmedy. Fall spielte später eine innenpolitische Rolle in den USA. Senator Joseph McCar thy hatte versucht, sich auf die Seite der deutschen Kriegsverbrecher zu schlagen Gefaengnis mit Bewaehrung Nürnberg. — Ein 30jähriger Hilfsarbeiter aus Reichenschwand wurde von einem nürnberger Schöffengericht zu zwei Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist verurteilt weil er 1963 and 1965 die Wände einer Bahn- Unterführung mit Hakenkreuzen und antijüdischen Hetzparolen beschmiert hatte. Der Angeklagte gab an er habe unter Alkoholeinfluss gehandelt Die Verurteilung erfolgte wegen Vo'ksverhetzung. (¿-WS» Hakenkreuze in Coventry Coventry — Hakenkreuze und Naztparclen verunzierten die Hauptstrassen der Stadt Coventry Eine Hakenkreuzfahne wehte auf der Spitze der alten Kathedrale, und die Feuerwehr musste herbeigerufen werden um sie herunterzuholen. Auf dem Turm einer anderen Kirche im Stadtzentrum flatterte auch eine Fahne mit einem grossen Hakenkreuz. Auf Häuserwände. Bürgersteige und Anschlagsäulen waren nazistische Schlagworte gemalt. Eine dieser Schmierereien verlangte die Freilassung von Rudolf Hess. Die Polizei leitete sofort die Fahndung nach den Sohuldigen ein. und zu beweisen, dass die deutschen Gefangenen in der Untersuchungshaft misshandelt und ihre Geständnisse erpresst worden waren, — was Sepp Dietrich aus der Gefängniszelle heraus willigst bestätigte Es hat, im Ergebnis, weder ihm noch McCarthy, viel genützt. Die Beerdigung von Sepp DierrichTrarnem netffen Eud wigsburger Friedhof gestaltete sich zu einer Kundgebung von 5-000 alten SS-Kämpfern aus Deutschland, Oesterreich, Dänemark, Holland und Italien. Die Familie des in Nürnberg wegen Massenverbreohen gehängten früheren Reichsaussenministers Joachim von Ribbentrop, der auch einen hohen SS-Rang hatte, sandte einen Kranz mit Schleife, ebenso wie die Familie des noch in Spandau sitzenden „Stellvertreters des Führer, Rudolf Hess. Wie die Frankfuter Allgemei ne Zeitung berichtete, verneigten sich die österreichischen SS-Waffenbrüder mit dem Spruoh „Heil Sepp Dietrich, Heil Deiner deutschen Ehre“. Es erklang auch die Hymne der Waffen-SS. Unter den Anwesenden fanden sich zahlreiche SS-Leute, die wegen schwerer Verbrechen verurteilt waren und inzwischen freigelassen sind, aber auch solche, gegen die noch Untersuchungen schweben, wie gegen den aus dem Malmedy - Massaker bekannten SS-Offizier Joachim Peiper, gegen den beim Landgericht Stuttgart eine Voruntersuchung wegen seiner angeblichen Beteiligung an Mordtaten in Boves bei Cuneo in Norditalien schwebt. Abba Eban in Europa Tel Aviv. — Aussenminister Abba Fban ist nach Europa abgereist. Sein erstes Ziel ist Paris Von dort aus wird er Brüssel und London besuchen. Am 1. August wird er in Bern bei einer Versammlung der israelischen Botschafter in Westeuropa den Vorsitz führen. Israels Ausser,minister wird anschliessend vom 3. bis 9. August Dänemark einen offiziellen Besuch abstatten und später nach Island fliegen dessen Regierung ihn eingeladen hat. Mit der Auflösung der tschechoslowakischen Republik am 13. März 1939 gelangten die etwa 90 000 Juden der Rest-Slowakei in den Machtbereich EichmanHs. Er besuchte selbst die Slowakei, um die „Aussiedlung“ der Juden in die Todeslager zu fördern. Bei seinem Besuch im Juni 1942 erfuhr Eichmann auch vom Tode seines Lehrmeisters Reinhard Heydrieh in Prag. Eichmann war gerade beim Kegelspielen als ihm die Nachricht überbracht wurde. Der gesamte Komplex der „Endlösung“ in der Slowakei wird in einem Verfahren g«gen Franz Karmasin, ehemaligen Staatssekretär in der „autonomen“ slowakischen Republik eine Rolle spielen. Der heute als sudetendeutscher Politiker in Bayern tätige ehemalige „Volksgruppenführer“ muss sich jetzt, wie die Justizbehörden in München bekannt gemacht haben, in einem Ermittlungsverfahren wegen seiner früheren Rolle in der Slowakei verantworten. Das Verfahren wird wegen Verdachts der Beihilfe bzw. Mittäterschaft an Ermordungen geführt. Der ehemalige Leiter des Einsatzkommandos 6 der SS. Erhard Kröger ist von der Schweiz an d*e deutschen Behörden wegen des Verdächte der Beteiligung an Jü-~ denermordungen in Lemberg, Winnitza u.a. Orten in Osteuropa, ausgeliefert worden. Das Verfahren wird in Wuppertal geführt. Vereinte Nationen. — Der Sicherheitsrat beschäftigte sich mit den Klagen und Gegenklagen, die Israel und Syrien erhoben haben und beschloss, der UN-Organisation für die Ueberwachung der Waffenstillstände in Palästina Auftrag zu erteilen, die auf die Beschwerden beider Länder bezüglichen Dokumente vorzulegen. Inzwischen hörte der Rat die fcittere Anklage gegen die israelische Aggression“ aus dem Munde des syrischen Botschafters George J Tomeh an. Dieser ergriff das Wort, nachdem er zwei Stunden lang bemüht war zu verhindern, dass der israelische Repräsentant Michael Co may als erster sprechen konnte. Die Sitzung leitete der einzige arabische Vertreter im Sicherheitsrat Dr. Muhammed El Facra aus Transjordanien, den di; Sowjetunion und Bulgarien un terstützten. Der Streit ging darum, ob die syrische und 'srcelische Klage gemeinsam oder getrennt behandelt werden sollten. Facra konnte seinen Standpunkt durchsetzen, obwohl die Repräsentanten Grossbritanniens und Neuseelands der gegenteiligen Ansicht waren und der nordamerikanisce Botecaiter vorschlug, die Debatte aufzuschieben, bis dem Rat detaillierte Unterlagen zu beiden Klangen vorlägen. Botechaf ter Joseph S. Sisco der die USA-Delegation stellvertretend führt, ersuchte alleidings nicht ausdrücklich um einen Aufschub bis der Bericht des Chefs der UN-Kontrollkommission fi'i die Waffenstillstände, Genera ma’or Odd Bull, eintreffen würde Der Auslieferung ging eine dramatische Jagd voraus. Der SS-Fiihrer lebte unbehelligt in Italien und wurde von dort nicht ausgeliefert, weil seine Verbrechen unverständlicherweise als politisch angesehen wurden. Als er zum Termin nach Deutschland unter freiem Geleit kam. flog er nicht direkt nach Italien zurück, sondern machte einen Abstecher nach der Schweiz. Die Staatsanwaltschaft war energisch genug, ihn von dort ausliefern zu lassen, denn di« Schweiz «»achtet die Judenmorde nicht als „politisch“. Die an die Ludwigsburger Zentralstelle zur Verfolgung der Naziverbrechen neu einberufenen Richter und Staatsanwälte werden von der dortigen Bevölkerung nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Man klagt über Wohnungskummer und einen versteckten gesellschaftlichen Boykott. Gewisse Leute scheinen sich an der Verfolgung von Massenmördern zu stossen, die gerade die gesetzliche Pflicht der deutschen Richter und Staatsanwälte ist. Es sind die gleichen Kreise di« bei der Beisetzung von Hitlers SS-General Sepp Dietrich reiche Kranzspenden hinterlegten, und sich in ib reu GvaL.uieif" auch »licht dadurch stören liessen, dass unter den Trauergästen mehrere des Massenmordes verdächtige Personen waren. Dr. Robert M. W. Kempner Auf Antrag des transjordanischen Botschafters El Facra erteilte der Juli-Präsidenfc des Sicherheitsrates, 3 O. Adebo aus Nigeria, Botschafter Thome das Wort damit er inzwischen den Ratsmitgliedern seinen Standpunkt darlegen könne. Alliierte Urteile endgültig Karlsruhe. — Ein wegen. Kriegsverbrechens von einem Gericht der Alliierten verurteilter Deutscher kann wegen derselben Sache nicht noch einmal von einem deutschen Gericht abgeurteilt werden. Das unterstrich der Grosse Senat des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe in einer grundsätzlichen Entscheidung. Darin heisst es, die Betroffenen könnten von einem deutschen Gericht nur dann noch einmal zur Rechenschaft gezogen werden, wenn kein abgeschlossenes alliiertes Verfahren vor liegt. —- (AWZ) Gelehrige Schüler Hitlers Wien. — Studenten, die rechtsextremen Kreisen nahestehen, gründeten in Innsbruck eine „Nationaldemokratische Partei Oesterreichs- , die dem Vorhaben dienen soll, „nationale und demokratische Ideen zu pflegen“ und „am Erwachen des politischen Gewissens innerhalb der deutschen Demokratie teilzunehmen“'. Ihr „Führer“* ist ein für seine reaktionäre Einstellung bekannter universitätsprofessor. Positivere Einstellung gefordert Der israelische Botschafter in Bonn, Ascher Ben Nathan übte in einem Interview mit dem „Haarez“ Kritik an der einseitigen Haltung breiter israelicsher Kreise und der israo'ischen Presse gegenüber Deutschland und stehte fest, dass die Hervorhebung nagativer Ersehen ungen und Ignorierung der positiven wichtiger israelischen Interessen, die Zusammenrabeit beeinträch tigen müsse. Be i Nathan erklärte sich überzeugt, dass vor allem die deutsche Jugend ehrlich bemüht ist Deutschland zu demokratisieren und sich deshalb von anderer Ju gend in Europa in keiner Hinsicht unterscheidet Es se; deshalb ein Fehler seitens der Israelischer Studentenschaft Kontakte mit positiven Elementen in der deutschen Studentenschaft abzulehnen. Ferner meinte Ben Nathan, dass die bisherige Regelung, derzufolge deutsche Filme generell in Israel nicht aufgefüirt werden dürfen, eine Ueberprüfung erheische „Falls wir weiter gegenüber Deutschland aussch'iessiic-h eine negativ“ Haltung einnehmen werden, nur weil es sich um Deutschland handelt wenn wir es unaufhörlich kritisieren und verleumden werden, wird sich das schlipsslich auf wichtige israelische Interessen auswirken'“, erklärte Ben Nathan Dei Warenaustausch zwischen Israel und Westdeutschland wird in diesem Jahr 50 Millionen Pfund Sterling (ca. 400 Millionen IL) übersteigen, berichtet die londoner .Financial Times“ Seit Ende der Repalationsabkomxnen seien die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern beträchtlich gewachsen und Westdeutschland sei heute der drittgrösste Lieferant und dei drittbeste Kunde Israels. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N? 868,707 Komplize Hitlers gestorben Debatte im Sicherheitsrat