Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2175 (8.7.1966)
- Date
- 1966-07-08
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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L FRANQUEO PAGADO Concesión 90B TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 ISRAELITA Ano XXVII. BUENOS AIRES. VIERNES 8 DE JULIO DE 1966 N* 3175 EL EJEMPLAR en toda la República 15.- PUEYRREDON 2190 1* izq. T.E. 83 - 2613 Buenos Aires Luxemburgs Kampf gegen Bonn An den Häasei w;md**p Orte und Städte in Luxem bürg findet man Aufschriften wie ..Preisen raus!” von KURT KAISER-BLUETH ren in Bonn immer wieder . auf Granit. Die „Zwangsre- Die ..Preisen', das sind in : lautierten1' sollen allein ,,Letzebergisch , in der Lan! dem Buudesversor. dessprache die ein Idiom ist, j gmioggesetz der Bundesrepublik abgefunden werden das die Reichsdeutschen1, die Leute jenseits der Mosel. Man findet deutsche Wagen am Morgen mit durchschnit. tenen Reifen vor den Hotels und in die Windschutzschei ben werden den bundesdeutschen Gästen wenig schmeichelhafte Flugzetter gesteckt Was ist geschehen, um den Volkszorn so in Wallung zu bringen und weshalb will ausgerechnet das kleine Luxemburg die Verbrechen nicht vergessen, die ihm vor rund 26 Jahren von dem grossen Nachbarn angetan wurden? Die Ver'näältnisse hatten sich schon seit Jahren weitgehend normalisiert, als die Frage der „Zwangsrekrutierten“ zur Diskussion kam. Es handelt sich um die 12.031 unglücklichen jungen Luxem, tourger die die Nazis in eine verhasste Uniform zwanv und verpflichtete, unter dem Hakenkreuz für die Interessen eines Landes zu kämpfen, das im Mai 1940 ihre Heimat brutal überfallen hatte. Von diesen 12 031, die gegen jedes Völkerrecht zum Waffendienst für den Feind gezwungen wurden, gelang es 3.000, unter abenteuerlichen Umständen nach Spanien und nach London zu entkörn men. 3 500 wurden an der Ostfront getötet; ein ausserordentlich hoher Prozentsatz der sich daraus erklärte, dass diese ..Zwangsrekrutierten“, die als wenig zuverlässig galten, stets in vorderster Linie als Kanonenfutter eingesetzt wurden. Die Uebcrlebenden verlang, ten eine substantielle Entschädigung, nicht nur für die materiellen Verluste, sondern auch für die schwere moralische Schädigung, die dieser unmoralische Zwangsdienst für sie bedeutet hatte. Die deutsche Bundesrepublik, als Rechtsnachfolgerin des Dritten Reiches, verweigerte diese „substantielle Entschädigütig“ und zeigte sich, trotz der intensiven Bemührungen verschiedener luxemburger Regierungen, sehr wenig entgegenkommend. Das luxemburger Aussen ministerium stiess seit Jahheisst nur diejenigen, die im Zwangsdienst in den Reihen des Feindes körperliche Schäden und Verwundungen erlitten haben. Im letzten Jahr hat die luxemburgische Regierung einen neuen Ver such unternommen, die Regierung in Bonn zu mehr . Verständnis für diese Opfer I des Dritten Reiches zu bewe- I gen. Bonn hat indessen uni ter Vorgabe politischer Argu- I mente, wieder mit einem höf- liehen, aber bestimmten! Nein geantwortet. ' Die Presse aller Richtunl gen, vom katholischen ..Wort ‘ [ bis zur ,,D’Zeitung‘‘ der Kommunisten, sprach von „einem erschreckenden Zynismus“, der oeweise. „dass die Demokratie auch im heutigen Deutschland ein Fremdling sei.' Der Zorn des „Mannes von der Strasse“1 war nicht gekünstelt sondern echt. Die Reaktion der Bevölkerung war vor allem deshalb so vehement, weil sie das Gefühl hatte, die Bundesrepublik handele gegenüber den Opfern des Dritten Reiches nach zweierlei Mass. Da, wo es aus politisch-taktischen Gründen notwendig erscheine, sei sie relativ grossziigig, da aber, wo es nichts zu ris kieren gebe, ..wie bei uns Liliputanern1', setze sie sich kaltblütig über Recht und Verpflichtung hinweg. Nun hat eine neue Note Bonns an das luxemburgische Aussenministerium das Pulverfass zum Explodieren gebracht. Die luxemburger Zeitungen nennen das Communique des bonner Aussenam. tes „lügnerisch und gewissenlos 1 Das Organ der Sozialisten „Journal d’Esch1, er klärte Luxemburg habe nur einen geringen Teil der Milliardenverluste als Wieder gutmachungsleistung von der Bundesrepublik erhalten, die ihm von den Nazi-Okkupanten verursacht worden seien Gamicht zu reden von den moralischen Schäden, den Opfern der Deportationen, der Torturen, den Toten der Gaskammern... sohwei-gen müssen, anstatt eine öffentliche Diskussion zu provozieren. In einer eindrucksvollen Kammersitzung wies Staatsminister Werner die Argumente der deutschen Bundesregierung in der Angelegenheit der „Zwangsrekrutierten'1 zurück Aber der Minister versuchte auch die Erregung der Deputierten zu dämpfen, die eine Klage der luxemburger Regierung gegen die Bundesrepublik vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verlangt hatten Die Würde, mit der das Grossherzogtum bisher seine Forderungen verteidigt hat, sagte der Minister, duldet keine temperamentvolle Im provisation, die in eine Sackgasse führen müsste. Wir kennen gewiss das psychologische Trauma, das die Luxemburger durch die Zwangs rekrutierung von 1942—1944 erlitten haben und das das nationale Gewissen aufs tiefste aufgewühlt hat. Aber man muss trotzdem die Frage mit Vernunft und Mässigung behandeln. Auf Verlangen des Kammerpräsidenten erhoben sich die Abgeordneten von ihren Plätzen, um die Naziopfer und die 3.500 gefallenen Zwangsrekrutierten zu ehren. Am nächsten Tage wies die luxemburger Presse in ihren Leitartikeln auf die „Unglaubwürdigkeit einer Regierung“ hin, die Friedensappelle loslasse und zu gleicher Zeit das Gesetz des Stärkeren gegenüber einem kleinen, Land proklamiere. NS-Richter amtieren nach Auf hohen Posten in der Bundesrepublik amtieren nach Feststellung des Leiters des jüdischen Dokumentationszentrum in Wien. Simon Wiesenthal, nooh 15 durch nationalsozialistische Rechtsprechung belastet« Richter Anlässlich der Gründung des niederländischen Wiesenihal-Comites in Den Haag erklärte Wiesenthal die me.sten dieser Richter hätten im Kriege an Todesurteilen für Bagatellsachen mitgewirkt. Der Fall des Paderborner Gerichtspräsidenten Dr. Amedick sei vergleichsweise nooh ein „leichter Fall“. Amedick wird vorgeworfen, sechs junge Niederländer wegen Verbreitung einer illegalen Zeitung in den Tod geschickt zu haben. Die Namen der betreffenden Richtei, sagte Wiesenthal, habe er den zuständigen deutschen Behörden mit geteilt ohne dass bisher aber eine Reaktion erfolgt sei. Wiesenthal glaubt auch, einem Rätsel über die Herkunft antisemitischen Propagandamaterials auf die Spur gekommen zu sein, das im vergangenen Jahr in Rom 500 Konzilsvätern zugeteilt wurde, als im Konzil über dae Judenproblem beraten wurde. Viel von dieser ekUerregenden Literatur sei »om „Judenforschungsinstitut' in München herausgegeben worden Als Verleger nabe ein Dr. Voess gezeichnet. Dies sei jedoch nur ein Deckname. Die ihm bekannten Einzelheiten habe er schon im April dem münchner Polizeichef übergeben. Bisher haber er jedoch keine Antwort erhalten. (AWZ) In terna tionaler Waffen-Schmuggel Die meint Bundesrepublik, so das Blatt, hätte Indien und die Juden New York. — De; Korrespondent der „New York Tin.es1 berichtet aus Cochin, dass der Präsident des jüdischen Gemeindeverbandes für Südindien. Shabdai Samuel Koder die Ministerpräsidentin Indira Gandh während ihres kürzlichen Besuches in dieser Stadt aufsuchte. Koder unterrichtete Indira Gandhi bei dieser Gelegenheit von den Plänen, das 400jährige Jubiläum der Synagoge von Coohin im Jahre 1968 festlich zu begehen Frau Gandhi sagte zu, das Projekt zu unterstützen Die Vorfahren einiger der 85 Juden, die in Cochin leben, betraten im 1. Jahrhundert die Küsten von Kerala. Manche Juden hatten davon abgeraten, sich ar. Frau Gandhi zu wenden, da sie befürchteten diese könnte sich angesichts der schlechten Beziehungen zwischen Indien nud Israel unzugänglich zeigen Koder erwartet, dass die Jubiläumsfeiern Juden aus aller Welt anziehen dürften. Er hofft dass die indische Regierung hren Anschluss durch die Herausgabe einer Geder.kbriefmarke bekunden wird. (ITÄ) Die libanesischen Behör den gingen mit strengen Strafen gegen den Kapitän des bulgarischen Schiffes vor in dem man kürzlich 1.500 automatische Gewehre entdeckt natte. Die Gewehre waren in Kisten enthalten, die als „Nähmaschinen1 deklariert waren, und nur durch einen Zufall kam der wahre Inhalt der Kisten zu Tage Der Absender und die Empfänger der Kisten blieben im unklaren, und der Kapitän des bulgarischen Schiffes versicherte mit Nachdruck, dass er gutgläubig gewesen sei und wirklich geglaubt habe, das? es Nähmaschinen seien. Die Amtsstellen der libanesischen Regierung waren dagegen anderer Meinung Sie wissen dass Beirut seit längerer Zeit als Schmuggelplatz für Waffen benutzt wird, und sie möchten sich dagegen wehren dass der Hafen des freien Libanon für dieses Geschäft benutzt wer de. Zuerst hiess es, dass die Gewehre für die .Freibeitskämpfer1' im südarabischen Aden bestimmt seien, dann verdichtete sich der Verdacht, dass sie den kurdischen Rebellen zugedacht waren. Das war Jen Libanesen besonders unangenehm, veil sie nicht in einen Konflikt mit dem Irak geraten wollten. Die Regierung von Bagdad verdächtigt nämiich Bulgarien schon seit langem, ein Stützpunkt der Auslands kurden zu sein. In Bulgarien soll ein Sender „Freies Kurdistan“ stationiert sein, der der irakischen Regierung reichlich Sorgen bere’tet. Die Männer von Bgadad hatten in der letzten Zeit heftige Auseinandersetzungen mit Persien wegen der Unterstützung der Kurden nun scheint noch Hilfe für die Aufständischen aus Sofia zu kommen, wobei Bagdad damit rechnen musste, dass diese Unterstützung nicht ohne Billigung von Moskau ge währt wurde. Obwohl die Zusammenhänge wegen der verschiedenen Deckadressen nicht restlos geklärt wurden, verlangte der Irak auf jeden Fall von den Libanesen als von „arabischen Brüdern“, scharfes Vorgehen gegen die Waffenschmuggler und die libanesischen Zollbehörden schritten auch entsprechend ein IM SAARGEBIET Es handelt sich nicht um den einzigen Versuch, den Kurden in ihrem Kampf gegen die irakische Regierung Waffen zukommen zu lassen. Der Inhaber eines Papiergeschäfts in St. Ingbert im Saargebiet, Günther Lein, häuser, sieht einem Ermitt lungsverfahren und möglicherweise einem Strafprozess entgegen, weil er auch den Kurden mit Waffensendungen hatte zu Hilfe kommen wollen. Die Frau des Leinhäuser betreibt das Papiergeschäft und eine Leihbücherei, die eigentliche Finanzquelle der Familie waren jedoch die Waffengeschäfte des Ehemannes, die ihn des öfteren auf ausgedehnte Reisen nach dem Orient geführt hatten. Leinhäuser hatte einen ausgeklügelten Weg für den Transport von Waffen über Frankreich ausfindig ge macht, und die Route schier, zu funktionieren. Eines Tages fiel jedoch einer seine' Abgesandten beim Grenz- Übergang Schönbach bei Saarbrücken mit einer Ladung von 280 Pistolen in d'e Hände der französischen Zollbeamten. Diese beschlagnahmten die Pistolen und belegten den Transporteur der Ware ausserdem mit einer Gegen arabischen Boykott Wilmington (Delaware) — Der Stadtrat der nord amerikanischen Stadt Wilmington nahm eine Resolution an n der die Geschäftsleute aufgefordert werden sich der Teil, nähme an irgendeiner Aktion zu enthalten, welche dem arabischen Boykott gegen Israel dienen könnte. Dieser Beschluss wurde der jüdischen Gemeinde in Delaware als „Beweis der Gefühle'“ der Stadtverwaltung von Wilmington mitgeteilt. (ITA) Zollstrafe im Gesamtwert von 40.000 Dollar Die Ware war verloren, und inzwischen wartete Leinhäuser in Istam bul auf die Fracht, die für ihn über 30000 Dollar wert war. Nach diesem „Betriebsunfall'1 Kehrte Le nhäuser freiwillig nach Deutschland zurück, wo die Strafbehörden sich für seine Waffenge schäfte zu interessieren begannen. Auch hier zeigte sich, dass die T.änder Osteuropas eine Rolle bei den Waffengeschäften spielten, denn seine Waffensendungei; für die Kurden gingen auch über die CSR und andere Ostblockstaaten Im übrigen sah sich Leinhäuser als eine Art „Anwalt der Gerechtigkeit“ und „Helfer der verfolgten Kurden' an. Er verwies darauf, dass nicht nur Waffen, sondern auch Medikamente und Kleidung auf Schleichwegen an die Kurden gingen. Wenn die Internationale Liga für Menschenrechte das Vorgeneti der Iraker gegen die Kurden als „Völkermord“' bezeichnete, welche Skrupe1 musste dann Leinhäuser noch haben? Andere haben den Kurden sogar Kanonen beschaffen können, welches Verfcre chen beging ei dann mit der Lieferung von Gewehren und Pisto’en? Er verdiente gut, aber für ihn war es jedenfalls, nach seiner Erklärung, ein ..humanitärer Zweck“,, dem er sich widmete. Sollte es zu einem Prozess gegen Leinhäuser kommen dann wird die Oeffentlichkeit vielleicht mehr über die geheimnisvollen Transaktionen erfahren, die im ganzen Orient im Gange sind und die bei der Versorgung dei verschiedenen Aufständis'-hen-Gruppen mit Waffen dienen AUCH JENSEITS DER HEERE Im übrigen blüht der Waffenschmuggel nicht nur im Nahen Osten, Fast zur gleichen Zeit als die Libanesen l das Rätsel des bulgarischen : Schiffes zu ergründen ver- 1 suchten, hoben die Behörden I in New Mexiko eine Gruppe von Waffenschmugglein aus, die die kostbare Ware nach Ländern Südamerikas zu senden versuchten, in denen immer revolutionssüchtige Gruppen sich nach Waffen sehnen. Geheimdienst-Beamte waren einer Händlergruppe auf die Spur gekommen und hatten eine Schein-Anzahlung von 30.000 Dollar angeboten, um festzustellen, ob die Schmuggler wirklich Waffen liefern können. Als es zur Uebergabe der Ware kommen sollte griffen die Beamten zu und hoben den Ring der Waffenverkäufer aus. Die scheinbaren Käufer hatten erklärt, dass sie die Waffen für Panama brauchten. Mit dieser Angabe riefen sie keine Ueberraschung bei den Lieferanten hervor, da diese schon mit Panama im Geschäft gewesen waren. Die Waffenver. käufer hatten sogar Unterseeboote und Raketen angeboten, und die Polizei ist sicher, dass sie einen der grössten Waffenschmuggler. Ringe ausheben konnte. Angesichts der ständigen Kämpfe in verschiedenen Ländern machen Waffenhaldel und Waffenschmuggel eine Blütezeit mit und die Regierungen können sich dieser Erscheinung kaum erwehren. In israelischen Gewaessern Tel Aviv. — Ein ägyptisches 75 - Tonnen - Boot wurde in israelischen Gewässern aufgebracht und von einem israelischen Pilotenschiff in den Hafen «>n Haifa geleitet Die Besatzung. die aus vier Mann bestand, wird einem Verhör unterzogen. Allem Anschein nach ist das Boot irrtümlich in israelische Gewässer geraten. (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Riva-davia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N’ 868.707