Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2175 (8.7.1966)
- Date
- 1966-07-08
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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V PUEYRREDON 2190 — 1" izq- JúíJeMXiHaJshjCíelUa 83 - 2613 T. E. Año XXVII. BUENOS AIRES, VIERNES 8 »E JULIO DE 1966 N? 2175 JULI Um den Kampf Argentiniens um seine politische Unabhängigkeit zu verstehen, muss man dieses transzendentale Ereignis für die Entwicklung der lateinamerikanischen Länder, die früher unter spanischer Herrschaft gestanden haben, im historischen Gesamtzusammenhang betrachten. Der Ausgangspunkt der argentinischen wie aller damaligen Unabhängigkeitsbewegungen ist in den grossen Ideen der Freiheit und Gleichheit zu suchen, die von der Französischen Revolution proklamiert und die in den Feldzügen der französischen Revolutionsarmeen realisiert oder teilweise verwirklicht worden sind Man muss aber noch weiter in der Geschichte zurückgehen, um die inneren Zusammenhänge zu begreifen Denn ohne eine Kenntnis der spanischen Koloriisationsepoche und ihrer Methoden zur Beherrschung der jungen lateinamerikanischen Nationen bleibt die Entwicklung unverständlich. Man wird begreifen lernen, dass die Geschichte der Menschen und Völker mituntermerkwürdige Wege beschreitet. Häufig werden die bewegenden Kräfte übersehen, die einst zur Entdeckung oder Wiederentdeckung des amerikanischen Kontinents durch die Spanier geführt haben Nicht nur zeitlich fällt diese Epoche mti den grossen Judenverfolgungen durch die Katholischen Könige und mit der Vertreibung der Juden aus Spanien zusammen, de xen Blütezeit in einer jener wenigen Sternstunden der Menschheit erfolgte, deren kulturelle Leistungen auch heute noch und heute wieder gerade in Spanien mit Stolz anerkannt werden. Wir wollen in diesem Zusammenhang nicht in die wissenschaftliche Diskussion eintreten, in welchem Umfang die Expeditionen der spanischen Seefahrer direkt oder indirekt mit Mitteln ausgerüstet oder gar ermög licht worden sind, die von Juden freiwüllig oder zwangsweise hergegeben worden waren. Wir wollen auch nicht die Frage erörtern, ob Cristobal Colon (Kolumbus) selbst ein Jude war, wie es der bekannte Historiker und Forscher Salvador de Madariaga in seinem umfangreichen Werk über Kolumbus behauptet. Das dürfte nicht entscheidend sein. Dagegen ist es von höchstem Interesse, von JEHUDA GOTTHEIMER besonders für uns Juden, den hohen Anteil an wichtigen Geschehnissen zu erkennen, der von Juden oder den „Sc'heinchristen--, den Marranen, bei der Entdeckung, Eroberung und Kolonisierung Lateinameiikas geleistet worden ist Die traurige Kehrseite dieses historischen Phäno mens erlebten die Marranen hunderte hindurch ihre neuen Besitzungen in Südamerika als eine Quelle des Reichtums betrachtet hat. Gold, Kupfer, Erze und andere wichtige Waren wurden aus diesen Kolonien ins Mutterland zur Vergrösserung des Reichtums der Nation, zur Führung von vielen eu- 1 ropäischen Krieges und zu ten Provinzen am Río de la Plata“ war dieser politische Status der Bevormundung durch eine weit entfernte Regierung in einen harmonischen oder logischen Einklang zu bringen. Deswegen rebellierten die Vereinigten Provinzen und verlangten in der berühmten Mai-Revolution ihre Selbständigkeit, ohne bereits ein klares Bild davon zu haben, welche Form ihrem neuen politischen Le- Jerusalem and Bann Jerusalem. —- Eine Welle der Empörung durchflutet das Volk von Israel, nachdem der westdeutsche Botschafter Rolf Pauls in einer Rede in Tel Aviv Israel kritisierte, weil e« in einer kürzlichen Erklärung die Oder-Neisse. Grenze zwischen Polen und Deutschland enerkannte. Pauls hatte geäussert, dass Israel ..seine Dankesschuld an Bonn'1 vergessen habe. Bonn. — Staatssekretär von Hase wurde von ei nem Korrespondenten der ITA über die Reaktion der Deutschen Bundesregierung auf die israelischen Kritiken an der Rede des deutschen Botschafters Rolf Pauls auf der Messe in Tel Aviv befragt. Die Antwort von Hases lautete, dass Pauls die Meinung und Politik der Bun. desregierung klar zum Ausdruck brachte und Bonn sich vollständig mit den Aeusserungen seines Botschafters identifiziere. Die Rede des deutschen Botschafters und die Reaktion, die sie in der israelischen Presse hervorgerufen hat, haben dazu beigetragen, die Spannung in Bonn zu erhöhen und in politischen Kreisen Unbehagen auszulösen. Jerusalem. — Wie jetzt verlautet, hat der westdeutsche Botschafter in Jerusalem, Dr. Rolf Pauls einen siebenwöchigen Urlaub angetreten und ist nach Bonn abgereist. Dort wird er im Aussenministerium über die kiirzlioben Vorfälle berichten die neue Schwierigkeiten in den Beziehungen zwi sehen den beiden Ländern verursacht haben. Der israelische Botschafter in Bonn, Ascher Ben Nathan, traf hier in Jerusalem zu ähnlichen Ferien und Besprechungen ein Das neue Gebaeude der Knesset Wien. — Der Präsident des österreichischen Parlaments, Alfred Maieta, hat eine Einladung des Knesset-Präsidenten Kadisch Luz angenommen, den Feierlichkeiten zur Einweihung des neuen Gebäudes für die Knesset am 30. August beizuwohnen. Maieta, der mehrere Jahre lang von den Nazis wegen seiner Opposition gegen die nationalsoziali stischen Verfolgungen der Juden in ein Konzentrationslager gesperrt wurde. hat während seiner Karriere als Parlamentarier den Antisemitismus in Oesterreich energisch bekämpft. (ITA) WsMMmm, üü 8ÉÉ® Ü DAS HISTORISCHE GEBAEUDE IN TUCUMAN zu einer späteren Zeit, als die Inquisiton nach Südamerika kam und zahlreiche Opfer forderte, in Perú in Chile und anderswo. In diesem Zusammenhang sei nur auf die ,,Historia del Tribunal del Santo Officio de la Inquisición en Chile“- von José Toribio Medina und zahlreiche neuere Schriften des Historikers Boieslao Lewin hingewiesen. — Nicht nur auf Mystiker muss diese Verbindung zwischen dem Ende der jüdischen Existenz in Spanien und dem Beginn eines Ijebens in der Neuen Welt, die zu einem späteren Zeitpunkt die Rettungsinsel der verfolgten jüdischen Massen aus Europa geworden ist, einen starken Eindruck machen. Die Tatsachen als solche wirken imponierend. In jener Zeit, in welcher die Unabhängigkeitsbewegun. gen die verschiedenen spanischen Kolonien in Südamerika ergriffen, lebten hier kaum Juden, wenn man von den Nachkommen der Marranen absieht, die nur noch einige, von ihnen selbst kaum noch verstandene jüdische Gebräuche bewahrt hatten. Aber gerade viele der zur hohen Gesellschaftsschicht (alta sociedad) noch heute gehörenden Familien dürften von Marranen abstammen. Eis wird behauptet, dass die spanische Krone viele Jaliranderen Zwecken gebracht, oder wie manche Geschichtsschreiber sagen, aus den Kolonien herausgepresst, deren eigener Wohlstand die spanischen Regierungen erst in zweiter Linie oder garnioht interessierte. Als dann von der Französischen Revolution die Freiheit des Menschen verkündet wurde, fiel diese Idee bei der stolzen und politisch entrechteten Bevölkerung der Kolonien in Südamerika auf einen fruchtbaren Boden. Weder mit dem sozialen noch mit dem kulturellen Bildungsstand der führenden Schichten in den „Vereinigben gegeben werden müsse. Der innere Drang nach Freiheit und die tiefe Ueberzeugung, dass ein Land, ein Volk, eine Nation ein unabdingbares, unveränderliches Recht darauf habe, sein Schicksal selbst zu bestimmen, ist eines der schönsten und wesentlichsten Charaktermerkma-le des argentinischen Volkes gewesen und geblieben. Ein junges Volk in welchem der Gedanke der Freiheit immer lebendig war, musste diesem, seinem Willen auch einen politischen Ausdruck verleiben. Die Grosse Revolution war nur der äussere Anlass, der entsehei- Neuer Appell an Moskau London. — Eine Anzahl englischer Persönlichkeiten darunter ein Nobelpreisträger und verschiedene Parlamentsmitglieder, die für ihre freundliche Einstei- -ung zur Sowjetunion bekannt sind, schlossen sich der. 126 Deputierten an, die einige Tage zuvor im Unterhaus einen Antrag einbrachten, in dem sie auf die antijüdische Diskriminierung in Russland hinwiesen und Mos kau ersuchten, der sowjetischen Judenheit die gleichen Rechte wie allen anderen Minoritäten im Lande zu gewähren Zu den Unterzeichnern dieses Appells gehören Michael 1: oot. John Menson und Benn Whittaker vom linken Flügel der Labourpartei, Philip Noel Baker der ebenfalls Mitglied dieser Partei .st und im Jahre 1959 den Friedensnobelpreis erhielt. Jeremy Thorpe, der Führeder Liberalen, und der Schriftsteller Norman St. John Steves, ein Konservativer. (ITA) dende Impuls, die Stählung des eigenen Willens und die Erkenntnis, dass in einer neuen Zeit dieser alte Drang nach Freiheit nun auch in den Kolonien zu der entscheidenden, gestaltenden Kraft werden müsse. Die Vorstellungen der Männer der nationalen argentinischen Revolution waren durchaus keine einheitlichen Dies ist allein schon darauf zurückzuführen, dass bis zu diesem Zeitpunkt keine prak tische Möglichkeit bestanden hat, Ideen und Empfindungen in die Wirklichkeit des Alltags zu verwandeln. Ob an die Stelle des (spanischen' Vizekönigs nun ein eigener König treten solle, ob die Vereinigten Provinzen eine straffe zentralistische oder eine föderative Regierung erhalten sollten, ob eine Monarchie oder Republik auszurufen sei, all diese Fragen waren offen und bildeten den Gegenstand heftiger in terner Debatten und Auseinandersetzungen. Ein Romantiker wie Belgrano bezeich nete aen Vorschlag, einen Nachkommen der Incas auf den Thron zu erheben als die gerechte Sühne für das Unrecht, das die spanischen Eroberer einst den Ureinwoh nern des Landes angetan hatten... Nur in einer Frage waren sich alle Parteien der Vereinten Provinzen einig: die spanische Herrschaft musste mit allen Mitteln und auf alleu Wegen gebrochen werden. In der überragenden Persönlichkeit des von der Freiheitsidee tief erfüllten Generals José de San Martin erwuchs den südamerikanischen Freiheitsbestrebungen der Mann, der in gleicher Weise die Krafasciner Ueberzeugung mit der unbeugsamen Energie zur Verwirklichung verbunden hat und auf diese Weise dem Gedanken zum Triumph im Leben verhalf. In den spate - ren Wirren wird allerdings San Martin vergessen, bis er dann nach Jahrzehnten nach Argentinien zurückgebracht zum Symbol der Freiheitsliebe seines Volkes geworden ist. — Auf dem historischen Kongress in Tucumán wurde die argentinische Unabhängigkeit proklamiert. Damit war« de die Klarheit geschaffen, die von der Mairevolution nicht gebracht worden war. Eine Rückkehr zum Kolonialismus war damit ausgeschlossen. Argentinien hatte seine Freiheit durch eigenen ' Beschluss erhalten und den : Weg einer selbständigen, souveränen Nation beschritten. Es war ein dornenvoller Weg, der durch zahlreiche innere i Kämpfe immer wieder Er- 1 schütterungen brachte. : Der Kongress in Tucumán 1 hatte Pueyrredón zum Obersten Direktor ernannt, der sich als ausserordentlioh tüchtig bewährte und ein«: der schärfsten Vertreter des Zentralismus gewesen ist In der Regierungszeit Pueyrredóns überschritt San Martin die Kordillere. Die grossen Siege der argentinischen Waffen in Chile, so schreibt ein Historiker, befreiten Argentinien für immer von der Gefahr eines spnasiohen Angriffs vom Norden her. Bald sollte sich auch herausstel len, dass die Spanier kein Expeditionsheer nach dem Río de la Platá sohicken werden. So war jede äussere Bedrohung des Landes nach (Schluss auf Seite 2) Truman schickt Vertreter Independence (USA) — Expräsident Harry S Truman erklärte, er habe sich entschlossen, auf Rat seines Arztes nicht zur n’eier der Grundsteinlegung des ,,Truman - Zentrum für den Fortschritt des Friedens“1 in der Hebräischen Universität nach Israel zu reisen Truman Kündigte an dass ihn der frühere Ge neralstaatsanwalt Thurghee Marshall bei dieser Zeremonie vertreten wird Harry Truman. der Heute 82 Jahre alt ist sollte am morgigen Sonnabend die Reise antreten (ITA'