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Jüdische Wochenschau · 1966-03-18 · 2160 (18.3.1966) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2160 (18.3.1966)
Date
1966-03-18
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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iro ta o5_ O OI c O *- <u < O ¡ FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 ISRAELITA el ejemplar en toda la República 15.- Año XXVII. BUENOS AIRES, VIERNES 18 DE MARZO DE 1966 Nv 2160 PUEYRREDON 2190 1* ¡zq. T.E. 83 - 2613 Buenos Aires DER TAEGLICHZ NAZI Unter diesem Titel ver öffentlichte die „Stutt garter Zeitung“' den nachfolgenden Artikel der sich mit der inneren deutschen Situation beschäftigt. — Hier tritt ein Rektor zu rück, dort ein Kultusminister. mal gelten die Angrif. fe einem Bundesvertriebe lienminister, mal einem Oberstudiendirektor —■ der Vorgang ist fast immer derselbe. Zunächst übt sich die zuständige Behörde in schönen Dementis, dann wird ein neues Geschütz aufgefah ren, und endlich erfolgt der Rücktritt oder der Angegriffene bleibt, wo er ist. Auch die Gründe sind immer dieselben : Ein Mann, zu einem hohen Amt gelangt, entdeckt, dass manche Leute ein besseres Gedächtnis haben, als er selbst. Sie veröffentlichen Aeusserungen, die in braunen Tagen niedergeschrieben wurden und die damals so ganz anders klangen als heute. Die meisten der Angegriffenen werden wohl im stillen Kämmerlein denken: ,,Was kümmert mich mein dummes Geschwätz von damals“, aber öffentlich sagen dürfen sie es nicht. Aus vielen Gründen sind die Attacken ärgerlich. Sie erinnern uns immer wieder daran, dass vor gar nicht so und dass die meisten deutschen Bürger gegen sein Re gieren gar nichts einzuwendeu hatten. Erst nachdem das Reich zerstört war, ent deckten manche Juristen, dass das was sie unter Hitler geurteilt und geschrieben hatten, mit Recht eigentlich nicht viel zu tun gehabt hatte, und Historiker, die unter Hitler auf den Lehrstühlen gesessen hatten, merkten zu spät, wie weit sie sich von der Wahrheit entfernt hatten. Möglicherweise hätte Selbstkritik eingesetzt, wenn nicht das gigantische Manöver der Entnazifizierung jedermann zum Beweis seiner Unschuld gezwungen hätte. Die realen Ergebnisse dieser Veranstaltung waren bescheiden, die psychologischen Folgen verheerend. Denn die emsigen Sammler von- ,Persilsoheinen“ glaubten schliesslich selbst wenn sie das Tribunal der Spruchkammer unter die Nichtbetroffenen oder die Mitläufer eingestuft hatte, dass sie eigentlich völlig unschuldig seien. Welch verheerendes Urteil es in Wahrheit für einen Richter, für einen akademischen Lehrer bedeutete, trotz langen Studiums zum Mitläufer eines Mörders geworden zu sein, kam nur ganz wenigen zum Bewusstsein. Sie verstimmten. Die anderen aber die es ja langer Zeit das deutsche i nun rechtskräftig schwarz Staatsoberhaupt Hitler hiess, auf weiss von einer unorien- V' Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ BUNDESKANZLER Ludwig Erhard äusserte sich scharf gegen die Absichten de Ga.illes. die französischen Truppen aus der NATO zuriickzuziehen. — J. C. MENDEZ MONTENEGRO, einziger Zivilist unter den Kandidaten zur Präsidentschaft Guatemalas, trug eien Sieg bei den Wanlen davon, ohne das damit schon seine Präsidentschaft gesichert wäre. — SEKOU TOURE kündigte die Invasion Ghanas durch Truppen Guineas an. — DE GAULLE schlug den Deutschen Verhandlungen über die weitere Stationierung französischer Truppen in Deutschland vor. — POLNISCHE Schriftsteller protestierten gegen die Verurteilung von Sinjawsky und Yuri Daniel in Moskau. — KOENIGIN ELISABETH II. von England löste auf Ersuchen des Premiers Wilson das britische Parlament auf NEUE HEFTIGE Unruhen waren in Djakarta (Indonesien) zu verzeichnen wo Studenten gegen den Präsidenten Sokarno und für den abgesetzten General Nasution demonstrierten. — DIE BISCHOEFE Polens wiesen die Beschuldigungen der Regierung in Warschau entschieden zurück und beteuerten ihre patriotische Treue zu Polen. — FRANZ JONAS, der österreichische Präsident beauf. fragte den bisherigen Kanzler Joseph Klaus mit der Bildung einer neuen Regierung, nachdem die Konservativen einen entscheidenden Wahlsieg davongetragen natten. — PRAESIDENT JOHNSON wandte sich energisch gegen d.as Vorhaben de Gaulles, dass sich Frankreich vom At- J&ntik-Pakt zuriiekziehe. — TERRORISTEN in Dublin (Irland) zerstörten das Denkmal des britischen Admirals Nelson, — IN BRASILIEN wi.rde wieder einmal ein Komplott gegen die Regierung entdeckt. — RADIO BEIRUT meldet ein Wiederaufleben der Kämpfe im Yemen. — ROBERT MCNAMARA, nordamerikanischer Verteidi. gungsminister, wandte sich gegen die feindlichen Attacken des Roten China. — KENNETH KAUNDiA, der Präsident von Zambia. ■warnte vor einem „Rassenkrieg“ in Afrika, der ausbrechen müsse, falls Ian Smith der Premier von Rhodesien, seine Position festigen sollte. — PRAESIDENT SOKARNO hat bereits vor einigen Tagen seine Machtbefugnisse an den Generalstabschef, General Soeharto, abgetreten. — MASAYUKI IKEDA, japanischer Politiker, folgte einer Eiuladung Fidel Castros und besuchte Kuba, — tierten Spruchkammer bestätlgt erhalten hatten, dass ge gen sie nichts vorliege, setz ten ihre ununterbrochene Karriere fort. Das ging meistens gut. Einige der Herren mit Vergangenheit gelangten sogar unangefochten in exponierte Stellungen. Alles schien vergessen zu sein. Doch dann stand plötzlich die Vergangenheit wieder auf. Jetzt werden sie daran erinnert, die Männer, die heute zwischen fünfzig und sechzig Jahre alt sind und die in den ersten Jahren nach dem Wiederaufbau noch nicht so sehr im Mittelpunkt gestanden hatten, als dass die Oeffentlichkeit sich für sie interessiert hätte. Manche von ihnen werden überdies den Eindruck haben, dass die Attacken, denen sie jetzt ausgesetzt sind, nicht nur aus statsbürgerlicher Gesinnung geritten werden. Schliesslich, so meinen sie, wären ja auch die für die Personalpolitik verantwortlichen Stellen berufen, die Akten vor der Ernennung auf braune Flecken hin durchzusehen. Dass bei den Ernennungen etwas im argen liegt, zeigte sich auch daran, dass es in Berlin einem unstudier ten Herrn möglich war, zum Chefarzt zu avanzieren. Andererseits können sich die Verantwortlichen darauf be rufen, dass es keine Vorschrift darüber gibt, welche Art von Belastung für welches Amt noch für tragbar angesehen wird und weiche nicht. Die einzige Hoffnung liegt im Ablauf der Zeit. Wollen wir so lange warten? Oder können wir uns darauf verlassen dass die Herren, die heute ihre Bücher von damals nicht ohne zu erröten lesen können, davon absehen, nach Aemtern zu stre ben, die ihnen nur Angriffe einbringen? Offenbar auch nicht, denn die Vergesslichkeit ist gross und es kann durchaus sein, dass die Betreffenden die Erinnerung an ihr „Gedankengut“ aus dem Dritten Reich vollständig aus ihrem Gedächtnis verdrängt haben. Vielleicht müssen wir diese Ereignisse einfach hinnehmen als eine späte Frucht des Unheils, das die deutschen Wähler heraufbeschworen, weil sie der ersten Republik die Stimme verweigerten. Der „nationalen Revolution“ von 1933 folgte 1945 keine antinazistische. Jetzt holen wir sie in ganz kleinen Portionen nach, wie es deut. scher Art entspricht: mit Gründlichkeit aber ohne jedes System. Und während noch die einen in den Archiven und Bibliotheken nach belastenden Schriften suchen, sind die anderen schon wieder dabei, Bücher zu verbrennen und an den Haustüren Miss!iebi. ger „flammende Fanale“ aufzurichten. Zeichen für die Dekomposition einer Gesellschaft, die auch nach zwanzig Jahren trotz dem äusserlich so glanzvollen Anschein, trotz Frack und Orden, keine Mitte gefunden hat. Besässe sie noch, oder wieder. Vorstellungen von dem. was sich gehört, und dem, was sich nicht gehört, die Belasteten wüssten, was sie zu tun hätten und welches Amt Shazar in Nepal Jerusalem. — Präsident Salman Shazar und seine Gattin reisten zu einem einwöchigen Staatsbesuch nach Nepal, um auf diese Weise den offiziellen Besuch zu erwi dem, den König Mahendran vor einigen Mona, ten Israel abgestattet hat. Israels Staatspräsident wollte schon vor einiger Zeit diese Reise unternehmen, musste sie jedoch wegen des damaligen Krieges zwischen Indien und Pakistan aufschieben, deren Luftraum das israelische Flugzeug kreuzen muss, um die Haupt ätadt Nepals, Katmandu zu erreichen Die Reiseroute sah Landungen in Teheran und Kalkutta vor. (ITA) Revision verworfen Bonn. — Der Erste Strafsenat des Bundesgerichtshofes hat die Revisionen gegen das Urteil des Münchener Schwurgerichts im Wolff Prozess verworfen. Damit wurde die am 30. September 1964 in München gegen den ehemaligen SS.General und jetzigen Verlagsvertreter Karl Wolff ausgesprochene Strafe von 15 Jahren Zuchthaus wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen rechtskräftig. Gegen das Münchener Ur teil hatten sowohl der Ange klagte als auch die Staatsanwaltschaft Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt Wolff fühlte sich zu Unrecht verurteilt und argumentierte, er habe von der beabsichtigten Tötung der jüdischen Einwohner Warschaus in Treblinka nichts gewusst. Die Staatsanwaltschaft wollte Wolff dagegen nicht als Gehilfen, sondern als Mittäter Himmlers verurteilt sehen. Im Sommer 1942 hatte die SS die Bewohner des Warschauer Ghetto in das Vernichtungslager Treblinka überführen lassen wollen. Wolff war damals persönlieher Verbindungsoffizier der SS im Führerhauptquartier und sorgte im Aufträge Himmlers dafür, dass die notwendigen Elisenbahnzüge zur Verfügung gestellt wurden. (AWZ) Appell an Hollands Koenigin Den Haag. — Der deutschargentinische Anwalt Juan Dollberg aus Buenos Aires telegrafierte an die Königin Juliane und bat um Freilassung der letzten vier nazistischen Kriegsverbrecher, die noch im Gefängnis von Breda sitzen. Er nahm die Hochzeit der holländischen Kronprinzessin Beatritz mit dem Deutschen Claus Arnsberg zum Anlass, um an das Herz der Königin zu appellieren. ihnen verschlossen bleiben muss. Mangels eines solchen Komments aber wissen es weder die Regierenden noch die Regierten — und so reduzieren sich alle Fragen dieser Art zu Rechtsfragen. Mangels Rückgrats stützt sich die Gesellschaft der Bundesrepublik auf das Korsett der Paragraphen und wundert sich dann noch, wenn der Rechtsstaat zum Justizstaat entartet. EINE HOCHZEIT MIT BEIGESCHMACK von SEM FRANKEN STEIN Mit grossem Pomp wurde in Holland die Hochzeit der Kronprinzessin Beatrix mit dem deutschen Diplomaten Claus von Arnsberg gefeiert, der inzwischen das deutsch« .von“ in das niederländische ,vanabgeändert hat und zun* Prinzen ernannt wurde Als man die Absicht der ThronjOlgerin bekannt gab, oiesen Herrn von Arnsberg zu heira. ten, setzte sofort eine lebhafte öffentliche Auseinandersetzung ein, denn weite Teile der holländischen Bevölkerung waren durchaus nicht damit einverstanden, dass der spätere Mann ihrer künftigen Königin ein früherer deutscher Militär und Hitlerjunge sein solle. Die Holländer konnten sich nicht vorstellen, dass ein Soldat der einstigen Hitler-Armeen, der aus der Hitler-Jugend hervorgegangen war, einmal als angeheirateter Landesvater über die Niederlande thronen würde, die unendliches Leid vor wenigen Jahren unter der deutschen Besetzung hatten ertragen müssen. Schliesslich wurden doch alle Schwierigkeiten und Hemmungen überwunden, sodass die Hochzeit angekündigt und durchgeführt werden konnte, bei der es alter, lings zu unangenehmen Zwischenfällen gekommen ist. Si- 'herlieh werden weite Kreise diese Demonstrationen verurteilen, aber die Hintergründe dieser Aktionen können nicht übersehen werden Dass die Rabbiner in Holland die offizielle Einladung zu den Hochzeitsfeierlichkeiten ablehnten, weil die Kronprinzessin einen ehemaligen Hitlersoldaten und Mitglied einer histeristischen Organisation heiratete, ist eigentlich selbstverständlich, wenn man sich auch nur einen Augenblick das Schicksal der holländischen Juden vergegenwärtigt. Mit Recht könnt» man hinzufügen dass es garnicht erforderlich ist, das besondere, schwere Los der Juden in Holland vor Augen zu haben, sondern daran denken sollte, dass diese hitleristischen Befehlsempfänger sechs Millionen Juden in Europa einem grausamen Tod ausgeliefert, Millionen vertrieben ausgeplündert, beraubt, in ihrer Menschenwürde degradiert und geschunden haben. Das alles dürfte wohl ausreichen, um eine Einladung zur Hochzeit abzulehnen, die eine Königintochter mit einem Ex-Hitlersoldaten eingeht. Diese Haltung entspricht der eigenen menschlichen Würde, die sich die Juden bewahrt haben. Diese Einstellung wird nur noch dadurch unterstrichen, dass sie im Volk Hollands selbst den eigentlichen Resonanzboden hat. Denn er waren durchaus keine Juden, die gegen diese Hochzeit demonstrierten. Eis waren sicherlich die gleichen holländischen Bürger, Bauern und Arbeiter, die sich damals gegen die deutsche Besatzung aktiv zur Wehr gef.etzt und einen tatsächlichen und moralischen Widerstand geleistet haben. Es waren sicherlich die selben Arbeiter oder deren Söhne, die damals den Mut und die Zivilcourage aufbrachten, um offen gegen die Deportierungen der Juden zu demonstrieren, die einen Streik proklamierten und damit vor aller Welt und für alle Zeiten von jenen Schreckenstaten abrückten, die von den Landsleuten des jetzigen Prinzgemahls begangen worden sind. Ohne der Unversöhnlichkeit das Wort zu predigen, muss festgestellt werden, dasß auch die Toleranz Grenzen hat. Die Demonstrationen gegen die Hochzeit der Thronfolgerin in Holland haben gezeigt, dass gesunde Kräfte lebendig sind, die sich nicht dazu bereit finden, wegen einer Liebesgeschichte die Vergangenheit zu vergessen. — Was Eshkol forderte Tel Aviv. — Ministerpräsident Levi Eshkol hielt eine Rede an die israelischen Landwirte, die er ermahnte, die augenblicklichen Preise zu halten. 500 Landwirte waren auf der Landwirtschaftskonferenz der Histadruth versammelt, um den Ministerpräsidenten zu hören. Eshkol appellierte an die Delegierten und forderte sie auf, zu jenem Geist der Ohaluziut zurückzukehren, der vor 40 und bis 50 Jahren die Pioniere beherrschte, die die Grundlage für den Staat Israel geschaffen haben. Eshkol sprach sehr ernst; er erklärte: ,,Die Zeit ist gekommen, wo wir aufhören müssen, uns selbst auf die Schulter zu klopfen. Wir müssen lernen, die Dinge realistisch zu sehen.“ Israel kann und darf nicht mehr von anderen abhängig sein. Die anderen werden uns ohnehin nicht mehr oder nicht mehr lange helfen können oder wollen. Aber nicht deswegen allein sollen wir uns unabhängiger machen. Ich weiss, so fuhr der Ministerpräsident fort, dass einige von Euch fragen werden: Und wie steht es mit der Industrie? Macht Euch keine Sorgen deswegen, fuhr Eshkol fort, auch sie kommt an die Reihe... Dieser Geist der Chaluziut, der Opferbereitschaft und der Hingabe für eine grosse Sache, an den Eshkol appellierte, sollte nicht nur die israelischen Landwirte, Industriellen und Arbeiter von neuem beseelen, sondern das ganze jüdische Volk von neuem erfassen, damit das begonnene Werk weitergeführt und die Zukunft für neue, kommende Generationen gesichert werden kann. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad intelectual Nv 868.707

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