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Jüdische Wochenschau · 1966-03-11 · 2159 (11.3.1966) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2159 (11.3.1966)
Date
1966-03-11
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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o CQ FRANQUEO PAGADO Concesión 908 O E 4> «-* U r .? ñl c S? *- 4, <0 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXVII. BUENOS AIRES, VIERNES 11 DE MARZO DE 1966 N“ 2159 EL EJEMPLArIC en toda la República | ()a PUEYRREDON 2190 1* ¡zq. T.E. 83 - 2613 Buenos Aires Rauhe Naechte in Addis Abeba Wie häufig wird die Erde lu unserer Gegenwart von Zuckungen erschüttert, die sich in Naturkatastrophen ausdrücken. Erdbeben und Ueberschwemmungen ungewohnt schwere Stürme und merkwürdige klimatische Ab weichungen von der Regel des Normalen kennzeichnen die ,,äussere Atmosphäre“. Die Unruhe, die in der Natur herrscht, überträgt sich auf alle Leben wesen auch auf den Menschen. Unsicher sucht er seinen Platz. Nirgends kommt er zu der von allen ersehnten Ruhe. Wohin der Blick fällt, tref. fen wir die gleiche Unsicherheit der Situation an. Natürlich gibt es graduelle Unter- ( schiede, die sogar sehr erheblich sind. Aber gerade hierin ist ein weiterer Unruheherd zu erblicken. Das neidische Auge des Nachbarn, sein sicherlich nicht unberechtigtes Verlangen nach Gleichheit auch der wirtschaftlichen Lage und nicht nur der rechtlichen Position, die von B. B. SAMUEL Hoffnung, dass die Sonne des Wohlstands, des Glücks, der inneren Zufriedenheit auch für ihn einmal aufgehen möge, auch das sind Motive der Unruhe, der aus ihr resultierenden Gefahren, der Rebel. lionen, der Aufstände, der Kriege und der nie endenden blutigen Auseinandersetzungen. Kein Kontinent ist von diesen Krisen-Erscheinungen verschont. Heute gewinnt man den Eindruck, dass der alte Kontinent, dass Europa noch die ruhigste Entwicklung nehmen würde nachdem es in jüngster Vergangenheit wie kein anderer Erdteil von einem grausamen, alles vernichtenden Kriege erschüttert worden ist. In den letzten Wochen ist Afrika, wenn man es so sagen will, .an der Reihe' nachdem man sich an das schauderliche Blutvergiessen Bertrand Russells Botschaft T.r»,rlnn _ FMe las« der hört zu jenen tragischen Anomalien, .die alle jene beunruhigen, die sich entschieden dem Kalten Krieg widersetzen und eine bessere Verständigung zwischen den Nationen anstreben“, erklärte der berühmte englische Philosoph Bertrand Russell. Er gab diese Erklärung im Rahmen einer Botschaft ab die er an die Nationalkonferenz des Jüdischen Weltkongresses in London übermitteln liess. Er führte in dieser Botschaft weiter aus: ..Die Ironie der Situation besteht dar. in, dass die sowjetiussischen Juden, Ueberlebende eines Volkes, dessen Zerstörung zu den Hauptzielen der Nazis gehörte, immer noch um ihr nationales Leben kämpfen.“ Russell sagte über das Schicksal der Juden in Russland unter Stalin: ,,lm Jahre 1948 rotteten Stalin und seine Geheimpolizei die schöpferische, jüdische Intelligenz aus und zerstörten die jüdischen Institutionen: Verlagsanstalten, Schulen, Theater und alle übrigen Reste nationaler Existenz ausserhalb der Synagoge. Die Ent- Stalinisierung brachte nur wenig Erleichterung. Die Juden haben auch weiterhin keine Schulen, keine nationalen Theater und keine öffentlichen Institutionen“ Wenn eine Besserung zwischen 1956 und 1957 auch des öfteren versprochen wurde, habe man nur kleine Kultursymbole gestattet: einige wenige Bücher in Jiddisch, publiziert von kleinen Verlegern und im Ausland als Beruhimmgspropaganda ausgewertet. eine jiddische Monats^eitschrift. eine oder zwei Theatergruppen und einige jüdische Sänger, die auf Tourneen gehen. Das soll die eesamten, kulturellen Bedürfnisse von 3 Millionen Juden befriedigen. Ein Vergleich mit anderen nationalen Minoritäten in der USSR zeivt deutlich die krasse Ungere'htiq'keit dieser Situation, weil auch die kleinsten i Volksgruppen in Russland i eigenes kulturelles, soziales und politisches Leben zu führen, was nur den Juden untersagt ist. Ueber die religiöse Diskriminierung erklärte Lord Russell: „Wenn die antirelig-öse Kampagne der Sowjets sich auch gegen alle Konfessionen richtet, wird sie gegen die Juden mit ganz besonderer Strenge geführt. Die Propaganda gegen den jüdischen Glauben nimmt oft schon den Charakter antisemitischer Rassenverfolgungen an, wie dies deutlich aus den Schriften Kitchkos, Mayatskys und Osperovs hervorgeht. „Die Sperrung der Synagogen wurde erbarmungslos durchgeführt. Während zur Zeit der Oktoberrevolu lion noch 3.000 Synagogen in Russland bestanden, gab es einem UN-Bericht zufolge im Jahre 1956 nur noch 450. Seither wurden weitere 354 geschlossen, und das in grossen Städten mit einer zahlreichen, jüdischen Bevölkerung. Der iüdischen Religionsausübung werden alle Möglichkeiten entzogen, die den anderen Konfessionen zustehen. So wird es dem Ju. dentum unmöglich gemacht jene Freiheiten in Anspruch zu nehmen, die die Verfassung der Sowjets vorsieht. „Besonders tragisch ist es. dass immer noch keine Massnahmen getroffen wurden, Mitglieder jener jüdischen Familien, die durch die fürchterlichen Umstände des Nazi-Krieges atiseinandergerissen wurden, wieder zu vereinen. „Ich bin glücklich darüber dass britische Wissenschaftler bemüht sind die wahren Tatsachen aufzudecken. Die antijüdische Diskriminierung in den USSR beeinträchtigt ernstlich den Fortschritt jenes Landes als einer wahrhaft sozialistischen Gemeinschaft und behindert die Bestrebungen aller die nm eine internationale Koexistenz bemüht sind.“ — in Vietnam gewöhnt zu haben scheint. Die Entwicklung in Afrika hat einen von Asien sehr untesrchiedlichen Verlauf genommen. Während man es in Asien vermeiden konnte, dass Kleinstaaten entstehen, während dort grosse Räume zu einer staatlichen Einheit mit vielen, in sich mitunter stark differenzierten Völkerschaften und Stämmen zusammengefasst werden konnten, ist dieser Weg in Afrika nicht beschritten worden oder nicht durchzuführen gewesen. Der Schwarze Kontinent, dessen Bevölkerung dem äusseren Beobachter so uniform, so einheitlich vorkommt, dass es sogar schwer fällt, Menschen und Typen zu unterscheiden, wurde in eine grosse Anzahl von Staaten und Kleinstaaten aufgeteilt, von denen man vorher wusste, dass sie kaum lebensfähig sein können. Ob diese Zerschneidung des Kontinents in viele Staaten einer Absicht der Imperialisten oder der früheren Kolonial-Herren entsprochen hat oder nicht bleibe dahingestellt, da es sich hierbei Frage handelt," deren^Seatilwortung heute sicherlich noch nicht möglich sein dürfte. Wir haben uns jetzt mit dieser Tatsache zu konfrontieren, denn die afrikanische Vielstaaterei ist zu einem internationalen Problem ersten Ranges geworden Gewiss fiel schon seit langem auf, dass die afrikanisehen Politiker unter denen einige Weltruf im guten, andere im schlechte Sinne erringen konnten, von ganz neuartigen, bisher in der politischen Praxis wenig be. kannten Prinzipien und Vorstellungen gelenkt und beherrscht werden Scharfe Beobachter erkannten, dass hier mit den alten Masstäben nicht gemessen und mit alten Wertskalen nicht geurteilt werden könne. Lehrreich ist das Beispiel des Kongo schon deshalb um zu erkennen, in welchen permanenten Auseinandersetzungen die alten und die neuen Kräfte miteinanderstehen, wie weitgehend beide wechselseitig abhängig sind, wie sie sich abstossen und gleichzeitig anziehen, und wie unberechenbar und merkwürdig die Wege sind, die von den Amerikanern eingeschlagen werden Diese Wege weichen von jeder bekannten diplomatischen Praxis und Rücksichtnahme ab Die Entschlüsse sind unerwartet und meist überraschend, sowohl in ihren Erwägungen wie in ihren Wirkungen Die Aktionen sind ursprünglich und „antiprotokollarisch“ Das Moderne verbirgt als Tünche nur dürftig die elementaren, im ersten Augenblick verborgenen Kräfte. Der Kampf um die Macht in Ghana weist beinahe nur Ueberraschungsmomente auf Kwame Nkrumah galt eine lange Zeit als das Symbol des neuen modernen freiheitlichen Afrika. Ghanas enge Verbindungen mit Israel sollten zugleich das Unorthodoxe seiner Politik unterstreichen. Gewiss hat Nkrumah manche Wandlungen mitgemacht, die ihm im Interesse seines Landes und seiner eigenen Stellung zweckmässig erschienen. Die Annäherung an Nasser wurde ihm zum Verhängnis, denn mit Nasser traten neue Probleme auf, die Nkrumah und sein junges Land nicht bewältigen konnten. Die Begegnung mit Moskau war zu schnell, als dass sich Nkrumah dem Westen gegenüber hätte behaupten können. Die Rot- Chinesen entdeckten ihr Interesse an Ghana, aber Meister Nkrumah kannte nicht alle die widerstreitenden und widerstrebenden Kräfte im Zaume halten. Nkrumah verior die Uebersicht über seine eigenen Grenzen. Dieser Fehler rächte sich erbarmungslos an ihm selbst. ,Maiv stürzte ihn, . als er sich als Friedensretter in Fernostasien aufhielt. Bei anderen wollte er Ordnung machen, in seinem eigenen Land hat er offensichtlich versagt. Jetzt wurde die Frage Ghana zum Anlass des Scheiterns der Afrika-Konferenz, die ohnehin sinnlos war, da es bisher noch keine gemeinsamen und speziellen afrikanischen Interessen gibt. Es gibt zwar Afrikaner, die besondere Aspirationen erheä--~. —,ci.. nasser, dessen Statistenrolle in Addis Abeba aber nur noch dazu ausreichte, um unter Protest den Saal zu verlassen. Auch Nasser, der starke Mann vom Nil, hatte nicht die Möglichkeit, eine Blamage zu verhinden, deren negative Ergebnisse sich zwangsweise auch auf seine ohnedies stark erschütterte internationale Position auswirken müssen. Die Idee der afrikanischen Einheit dürfte in jenen letzten ' rauhen Nächten zu Addis Abeba zu Grabe getragen worden sein. Niemand weiss. wann sie ihre Auferstehung feiern wird. Nasser wird andere Betätigungsfelder suchen. Sicherlich will auch er nach Peking reisen, aber wird dabei zu verhindern trachten, dass ihn das Geschick Nkrumahs ereilt. Wie paradox und überraschend die Entwicklung in Afrika ist, sieht man auch aus der Meldung, dass der Präsident Guineas, Sekou Toure, sein Amt an Nkrumah abgetreten haben soll Ein Lächeln ging um die Welt, ein Raunen und sozusagen ein internationales Kopfschütteln. Wie ist das nur möglich? Wie kann ein Präsident sein Amt einem anderen .abtreten“, und dazu noch einem Manne, der garnicht Angehöriger desjenigen Staates ist. dessen Präsident er plötzlich wurde’ Guineas Präsident Sekou Toure ist doch nicht der Eigentümer der Präsidentschaft, der frei über diese verfügen, sie verkaufen, versteigern oder an Nkrumah abtreten kann. Das Groteske dieser Situation ist offensichtlich den beteiligten Afrikanern selbst schnell zum Bewusstsein gekommen. denn 24 Stunden später wurde nur noch von der Ehrenpräsidentschaft gesprochen, als wäre Guinea eine private Organisatinn, die solche Ehrenpräsidentschaf ten verleihen könnte. Genügt im übrigen der Entschluss, Ballettdirektor angegriffen von HORST WINCKLER Kürzlich wurden wir von einer merkwürdigen Nachlichtet überrascht. Völlig unerwartet wurden antisemitische Umtriebe in der Bayerischen Staatsoper gemeldet. Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei in München beschäftigen sich mit der Aufklärung von Zwischenfällen, die sich offensichtlich gegen den 57 Jahre alten jüdischen Ballettdirektor Heinz Rosen richteten. Rosen war in letzter Zeit von anonymen Anrufen belästigt und als „Saujud* beschimpft worden. Nach Aussage seiner Frau wurden ihm siebzehn Handtücher mit eingewebten Hakenkreuzen zugestellt. Rosen hat einen Nervenzusammenbruch erlitten; er ist zur Zeit arbeitsunfähig. Frau Rosen äusserte die Auffassung, dass der Intendant der Bayerischen Staatsoper, Professor Rudolf Otto Hartmann, schon wegen seiner eigenen Vergangenheit im Ditten Reich die besondere Pflicht gehabt hätte, ihren Mann vor solchen Verunglimpfungen und Schmähungen zu schützen. Die Eltern und Verwandten von Heinz Rosen waren während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet worden. Die Intendanz der Bayerischen Staatsoper hat inzwischen eine Erklärung zu dem Vorfall abgegeben, in der es heisst, Rosen habe gesagt, er habe auf seinem Schreibtisch ein Handtuch mit dem sogenannten NS-Hoheitsadler vorgefunden. Die Intendanz verurteile diesen Vorfall, „falls es sich hierbei um eine absichtliche Demonstration handele“ Man habe Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet Bisher sei es in der Staatsoper noch niemals zu antisemitischen Aeusserungen oder Handlungen gekommen. Die ganze Geschichte macht einen ebenso eigenartigen wie deprimierenden Eindruck. Die Verwirrung der Gefühle und Gedanken steuert wieder einmal einem neuen Höhepunkt zu. Was hat ein jüdischer Ballettdirektor in Deutschland zu suchen, zümai er oder seine Frau sich selbst darauf berufen, dass seine Verwandten vergast worden sind! Noch merkwürdiger dürfte der Hinweis darauf sein, dass der Theaterdirektor oder Intendant ein Nazi gewesen sei. Warum arbeitet ein Jude, ohne dazu gezwungen zu sein, unter einem Nazi, auch wenn dieser ein Ehemaliger ist. Vvaiuin verlangt, er von einem -Ehemaligen, dass er seine Vergangenheit überwunden habe, während ganz Deutschland seine Vergangenheit niemals überwinden wird? Dass aber die Vergangenheit von weitesten Kreisen nicht überwunden wurde, ergibt sich aus der gleichen Meldung, in der es heisst, „falls es sich hierbei um eine absichtliche Demonstration handeln sollte“. Wenn man einen jüdischen Ballettdirektor nach echt bayerischer Art als Saujud bezeichnet und ihm Handtücher mit NS-Symbolen ins Haus schickt dann soll es noch zweifelhaft sein, dass es sich um eine „absichtliche Demonstration“ nandelt oder nicht? — Was doch alles in der Bundesrepublik möglich ist... Schutzbauten in Israel Tel Aviv. — Die beschleunigte Ausführung von Luftschutzbauten, insbesondere in exponierten Gegenden, wurde kürzlich beschlossen. des Präsidenten Sekou Toure, um Ehrenpräsidentschaften eines Landes zu verleihen? Die Lage in vielen, und nicht nur in einzelnen afrikanischen Ländern ist konfus. Damit ist erneut äusseren Einflüssen das Tor geöffnet worden. Es warten schon viele darauf, wieder durch die gleichen Türen zu treten, durch die sie haben abziehen müssen: Engländer und Franzosen, Amerika, ner und Russen, Belgier und Portugiesen, Deutsche und rote Chinesen sowie manche anderen, die hoffen, dass nach den ersten gescheiterten Versuchen zur Selbständigkeit die afrikanischen Völker fremde Hilfe und Unterstützung in Form eines gelockerten modernisierten Kolonialismus annehmen werden. Dass diese Fehlentwicklung eingetreten ist, daran haben Politiker wie Nasser und Nkrumah ein gerütteltes Mass Schuld. Denn sie vernachlässigten ihre eigenen Länder und träumten von Macht und Pracht, bevor sie auch nur den ersten Schritt aus dem eigenen Elend gemacht hatten. Budget angenommen Jerusalem. — Das viel umstrittene Budget der Regierung in Höhe von 1.500 Millionen Dollar gelangte in der Knesset zur ersten Lesung. Einige Mitglieder der Koalitionsparteien übten an der Erhöhung der Einkommens- Steuer Kritik. Sowohl die Unabhängigen Liberalen wie die Nationalreligiösen verlangten eine Revision dieser Erhöhung. Trotz dieser Einwände wurde das Budget bei der Abstimmung mit 43 gegen 23 Stimmen angenommen. Dies beweist die Unterstützung der Koalition und ebenfalls die völlig negative Haltung der Opposition. CITA) Aegypten laedt ein Washington. — Wie bekannt wurde, habe Staatssekretär Dean Rusk einer Einladung Aegyptens zu Bespre. chungen mit Nasser Folge geleistet. Die Einladung soll auch an Präsident Johnson ergangen sein, aber das Weisse Haus gab keinerlei Erklärungen darüber ab, ob diese Einladung angenommen oder abgelehnt wurde. Die Einladungen überbrach, te der Präsident der ägyptischen Nationalversammlung, Answar el-Sadat, der aneab, dass Nasser damit engere Beziehungen zwischen Aegypten un dden USA herzustellen wünsche. (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N? 868.707

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