Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2155 (11.2.1966)
- Date
- 1966-02-11
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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POtrrirtcüON 2190 — 1* ¡zq. JfoJfenuut&JsSuzeliia 83 - 26 1 3 T. E. Año XXVII. BUENOS AIRES, VIERNES U DE FEBRERO DE 1966 N? 2155 Weg zum Mond In einer grossen Tageszeitung waren in diesen Tagen Bilder vom wahren Gesicht des Mondes zu sehen, nachdem die. russische Wissenschaft mit der glücklichen Landung einer Mondsonde einen überraschenden und überragenden Erfolg erzielt hat. In der selben Zeitung wurde ein anderes Bild veröffentlicht, das einen amerikanischen Soldaten in Begleitung zweier Kinder zeigte. Die Unterschrift unter diesem Foto war erschrekkend: Amerikanischer Soldat führt ein gefesseltes Kind und dessen Grossmutter ab, die zu den Guerilla-Kriegern in Vietnam gehörten und gefangen genommen wurden. Der Junge mag noch keine acht oder neun Jahre alt sein, seine Grossmutter zeigte ein undefinierbares Alter; es können vielleicht 35 oder auch 60 Jehre gewesen sein, die diese Frau alt war; beide, Grossmutter und Enkel wurden von einem hühnenhaft grossen Amerikaner geführt, denn beiden waren die Augen verbunden. Dass in dieser — gewiss scharf antikommunistischen — Zeitung diese beiden Bilder zusammen gezeigt wurden, illustriert nur noch stärker den für jeden aufmeiksamen Beobachter sichtbaren schweren Kontrast zwischen den Erkenntnissen der Menschen und Ihrem Tun. Wenn man von der Nationalität der Akteure, die man im übrigen beliebig vertauschen kann, für unsere weitere Betrachtung absieht, spiegelt sich in diesen, zufällig gemeinsam veröffentlichten Bildern die Problematik unseres Jahrhunderts wider, der gewaltige wissenschaftliche Fortschritt und das vollkommene Versagen in der Lebensgestaltung der Nationen «uid ihrer Bevölkerungen — Der Mond Ein weiterer Traum der Menschheit steht nach der Meinung ernster wissenschaftlicher Experten vor seiner Erfüllungdie Reise nach dem Mond. Der Einfluss, den dieser einzige Erdsatellit auf die Menschen aus. geübt hat, ist bis in die ältesten Zeiten zu verfolgen und hat seine tiefen Spuren in der Geschichte und der Literatur beinahe aller Nationen hinterlassen. Die physikalischen Einflüsse des Mondes auf die Erde, vor allem auf die Meere, die Einteilung dar Zeit, der Mondkalender und viele andere Faktoren haben in der Entwicklungsgeschichte des Menschengeschlechts einen unaus- Vertrauensvotum Jerusalem. — Die neue israelische Regierung erhielt ein Vetrauensvotum von 66 gegen 28 SUmmen, nachdem die Opposition wegen der Erhöhung der Steuern die Regierung zu Fall bringen wollte. — Die Erhöhung der Steuern ist erheblich. So wird für die Neuanlage eines Telefons eine Gebühr von 880 IL gegenüber vorher von nur 450 IL verlangt. Die Erhöhung der Steuern ist durch die Erhöhung des Staatsbudgets um 12,5 Prozent notwendig geworden. — von JEHUDA GOTTHEIMER löschbaren Einfluss ausgeiibt, vor allem auch im Leben des jüdischen Volkes, das an seinem alten Kalender festhält. Der Mond hat die Phantasie der Menschen stets angeregt. Seine Schönheit, seine .Leuchtkraft', seine eigenen und eigenartigen Formbildungen, sein die Nächte mitunter erhellendes Licht, die seltsame Stimmung, die eine .Mondlandschaft' hervorrufen kann, all das hat das menschliche Hirn seit immer beschäftigt und die grössten Geister inspiriert. Eines der schönsten, aber auch ergreifendsten Gedichte der deutnen damit, dass in einigen Jahren oder Jahrzehnten eine solche Reise möglich sein werde. Welcher Laie könnte darüber urteilen, ob nicht schon in diesem Jahr der erste Mensch auf dem Mond landen wird? Jedenfalls ist es kein Wahngebilde mehr von einer Mondreise zu sprechen. Nachdem ein von der Erde geschickter und von Menschenhand gebauter Körper, eine Rakete, eine Sonde, eine Flugkapsel in den Weltraum vorgestossen und auf dem Mond gelandet ist, warum sollte nicht auch ein Mensch dahin geschickt werden können, wenn er mit Die Verteidigung Israels Washington. — Einen Appell, Israel direkt mit Waffen zu beliefern, richteten 55 demokratische, 20 republikanische Abgeordnete und 10 Mitglieder der parlamentarischen Kommission für auswärtige Angelegenheiten an den Staatssekretär Dean Rusk. Das Schriftstück zirkulierte auf Veranlassung des Deputierten Bmanuel Seiler unter den Parlamentsmitgliedern. Seiler gab seiner ernsten Besorgnis über die militärischen Vorbereitungen der Araber Ausdruck, die sich anschikken, die gegen Israel gerichteten Beschlüsse ihrer Spitzenkonferenz in die Tat umzusetzen. Der Appell unterstreich die Notwendigkeit, Israels Verteidigung zu stärken, damit „diejenigen abgeschreckt werden, welche die Sicherheit des jüdischen Staates bedrohen“. Die 75 Parlamentarier heben in ihrer Eingabe hervor, dass „die indirekte Hilfe, die die Vereinigten Staaten zur Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts der Rüstungen leisten, heute nicht mehr den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht.“ (ITA) sehen Literatur schuf Goethe unter dem bezeichnenden Titel „An den Mond“, das mit den Versen beginnt: „Füllest wieder Busch und Tal, Still mit Nebelglanz, Lösest endlich auch einmal Meine Seele ganz; „Breitest über mein Gefild Lindernd deinen Blick, Wie des Freundes Auge mild Ueber mein Geschick.“ — Der Mond ist der ständige Begleiter der Erde und damit der Menschheit, die in mehrtausendjährigem Studium allmählich seine Geheimnisse zu erforschen bemüht ist. Wie sieht der Mond von der anderen Seite aus, wurde in einem Scherzgedicht oder Schlager gefragt; hinter dieser simplen Formulierung steht aber der Wissensdurst, der nun durch das Zusammenwirken wissenschaftlicher und technischer Erkenntnisse und Erfindungen gestillt werden soll: noch in unseren Tagen. Obwohl die Russen die ersten gewesen sind, die mit Erfolg einen von der Erde zum Mond abgefeuerten Körper landen lassen konnten, wäre es natürlich verfehlt, nur ihnen diesen Triumph des Geistes zuzuschreiben. Nur das internationale Zusammenflüssen des Wissens brachte diese wie andere Leistungen zustande. Denn Geist und Wissen sind übernationale Phänomene, obwohl die Menschen bisher noch nicht einen Weg zu einer vollständigen Zusammenarbeit gefunden haben. II. Mann auf dem Mond Die alte Phantasmagorie von der Reise nach aem Mond ist kein Trugbild mehr, denn ernste Forscher rech den Materialien und Vorrichtungen ausgerüstet wird, um dort zu sehen, zu beobachten, Feststellungen zu treffen, vielleicht ohne zunächst seinen Schutzraum zu verlassen. Der Phantasie, die jetzt von festen Erfolgen ausgehen kann, bleibt ein weiter Spielraum zum Denken und Träumen. Sicherlich werden die neuen Erhebungen die von dem Lunik nach der Erde gesandten Fotografien und alle Begleiterscheinungen in höchstem Masse unser Wissen weiten und zu neuen Erkenntnissen führen. Die grosse Frage aber, die uns alle mit Ungewissheit erfüllt, ist aber die, was die Menschen mit dieser neuen Errungenschaft beginnen werden. Was wird der Mann auf dem Mond beginnen? Als das Flugzeug erfunden wurde, war einer der grossen zivilisatorischen Fortschritte erreicht, von dem auch die Alten in längst vergangenen Zeiten geträumt haben. Aber das Flugzeug, das Segen zu spenden imstande ist, brachte auch den Tod. Jede Verkehrsmaschine, die Länder verbindet, vermag auch Länder zu zerstören. Das ist nur eines der vielen Beispiele, die dafür zitiert werden können. Man denke nur an die Freilegung der Atomkraft, ein Fortschritt und Erfolg, der allein genügen würde, um die schrecklichsten Leiden der Menschheit zu beseitigen den Hunger auf der Erde auszurotten und allen Menschen die Möglichkeit eines menschenwürdigen Lebens zu bieten. Und was hat der Mensch getan? Hat er seine geistigen und materiellen Kräfte auf diese Aufgaben konzentriert? Die Antwort ist ein klares Nein. Ungeheure Ausgaben in astronomischen Ziffern werden für die schrecklichste, Tod, Verderben und Untergang bringende Waffe aufgewandt, die jemals produziert worden ist. Nur die unvorstellbare Grausamkeit der Folgen ihres Einsatzes hat die noch immer miteinander Krieg führenden Nationen davor zuriiekgehalten, diese Waffe tatsächlich zu gebrauchen. Nur das Wissen darum, dass die todesbringenden Folgen auch den treffen können, der die Waffe besitzt und anwendet, war bis heute der wirkliche Hinderungsgrund für ihren Gebrauch. Trotzdem haben sich die führenden Nationen noch immer nicht dazu entschlossen können, durch ein internationales Abkommen zu einem absoluten und radikalen Verbot der Herstellung dieser Waffen zu gelangen und eine internationale Kontrolle zu errichten, die sowohl die Produktion wie den Einsatz verhindern könnte. Sicherlich kann und soll man nicht abwägen, ob die positive oder die negative Seite all dieser Erfindungen tiberwiegt, ob man, unter diesem Aspekt betrachtet, wirklich berechtigt ist, von einem Fortschritt zu sprechen oder nicht. Dass aber die Entwicklung der Wissenschaft und der Technik zu höchst bedenklichen Ergebnissen geführt hat, ist gewiss. Was wird also die Kehr¬ Grossfeuer in Tel Aviv ^äude der ZIM, der israelischen bcniffanrtslinie, das in Tel Aviv am Boulevard Rothschild liegt, brach am vergangenen Wochenende ein Grossfeuer aus, bei dem ein 70jähriger Mann den Tod land und 67 Personen verletzt wurden, die aber nach kurzer Zeit wieder entlassen werden konnten. Der Sachschaden ist hoch und wird auf eine und eine halbe Million Dollar geschätzt Da sich bei Ausbruch des Brandes sehr viele Menschen in dem Gebäude befanden, mussten sich viele auf das Dach des Hauses flüchten, wo sie dureh Hubschrauber gerettet wurden Der Brand im ZIM-Gebäude wird als das grösste Feuer in der Geschichte der Stadt bezeichnet. Der Oberbürgermeister von Tel Aviv, Mordechai Namir, hat eine Untersuchung angeordnet. 500 Personen konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen, während die anderen aufs Dach fl ächteten, wo sie von den Hubschraubern aus ihrer schwierigen Lage befreit wurden. Einige jüngere Menschen kletterten an der Aussenwand des Hauses herab. Der 70jährige Angestellte, der ums Leben kam, versuchte es, den Jungen nachzumachen, wobei er jedoch verunglückte. Das ZIM-Gebäude gehörte mit seinen fünf Stockwerken zu den schönsten und modernsten Biirohäusern Israels. — Jerusalem. _ Einstimmig stellte die israelische Regierung fest, dass jeder Mensch in Israel das Recht besitzt, an jedem Ort und in der dem einzelnen richtig erscheinenden Form zu beten. Zu dieser Feststellung gelangte die Regierung nach einem Bericht des Ministerpräsidenten, dass angeblich ein Druck auf Reformgruppen ausgeübt worden sei, die in einem Raum gebetet haben, welcher der Bne Brit gehört. Mit Rücksicht auf viele Briefe aus dem In- und Ausland, die sich über diese Vorgänge beklagten, habe er eine Untersuchung angeordnet. Er habe festgestellt, dass von Regierungsseite niemals ein Druck auf diese oder andere Gruppen ausgeübt wurde. Ebenso wenig habe die telaviver Stadtverwaltung einen Druck ausgeübt; es sei unrichtig, dass die Stadtverwaltung mit einer Steuererhöhung für den Saal gedroht habe, in dem diese Gottesdienste stattgefunden haben. Religionsminister Dr. Wahrhaftig erklärte es für unzutreffend, dass man mit der Zurückziehung des Zertifikats der Kaschn.it für diesen Saal gedroht hat. Im übrigen sei der Saal nur für eine Nacht vermietet worden da die Bne Brit niemals längere Vermietungen vornehmen würde. — Wie ein Sprecher der Regierung dann den Journalisten mitteilte, habe diese Regierungserklärung selbstverständlich nicht sagen wollen, dass nunmehr liberale oder konservative Rabbiner Trauungen vornehmen könnten, da diese Amtshandlung an die Entscheidungen des Rabbinats gebunden seien die einzige religiöse Autorität in Israel mit Rechtspersönlichkeit. (ITA) Aus der Haft befreit von HORST W1JNCKLER Einer der übelsten und gefürchtesten SS-Leute aua dem Schreokenslager Auschwitz, der wegen Massenmord zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist, wurde wegen „Krankheit“ aus der Untersuchungshaft entlassen Wie z'mperlich, feinfühlend und entgegenkommend war doch die Dritte Frankfurter Strafkammer, als sie diesen Beschluss mit Rücksicht auf den schlechten Gesundheitszustand Mulkas fasste. Obwohl Mulka nicht mehr und nicht weniger als der Adjutant des Lagerkommandanten Höss gewesen ist, erinnerte er sich während des langen Prozesses an keine seiner Grausamkeiten, bestritt, was nur möglich war, und gehörte zu denjenigen, die sich der Wahr« beitsfindung mit den „Rechten des Angeklagten“ widersetzten. Für diesen Angeklagten, gegen dessen milde Bestrafung die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hat, die lebenslängliches Zuchthaus beantragt hatte, wurde auch von der Verteidigung Berufung eingelegt, über die bisher nicht entschieden ist. Der heute 70 Jahre alte, als Kriegsverbrecher angeklagte Mulka soll an Kreislauf- und psychischen Schäden leiden. Das Gefängnislazarett, in dem er lag, bietet ihm wohl nicht den entsprechenden, ange. nehmen Aufenthalt, um seine Leiden zu beheben. Obwohl die Staatsanwaltschaft mit einer Haftentlassung nicht einverstanden war, befindet sich Mulka auf freiem Fuss ES läuft noch eine Beschwerde des Staatsanwaltes gegen den gerichtlichen Freilassungsbeschluss... Man stelle sich diesen ganzen Komplex vor: ein zu 14 Jahren Zuchthaus wegen der schrecklichsten Verbrechen verurteilter Angeklagter, dessen Urteil noch nicht rechtskräftig ist, aber vorliegt, wird aus dem Gefängnislazaretfc entlassen, weil er Kreislaufstörungen und nervliche Beschwerden hat(!). Man hat Mulka als Kriegsverbrecher bezeichnet. Gegen diese Bezeichnung wurde von vielen Seiten in den Fällen protestiert, wo es sich um die Wachmannschaften der Lager und andere Personen handelt, die sich aktiv an der Ausrottung der Juden beteiligt haben. Hier handelt es sich nicht um Kriegs\ erbrechen, denn mit der Kriegführung hat die systematische , Exterm'nat'on" c’er Juden nichts zu tun. Hier stehen nicht Kriegsverbrecher und Kriegsverbrechen vor den Gerichten zur Aburteilung, sondern gemeine Massenmörder wegen schändlichster Verbrechen. — seite der Landung einer Mondsonde auf dem Erdsatelliten sein? Vorläufig sind wir nur Zeugen eines relativ friedlichen Wettlaufs in die Ferne, zum Mond und zu anderen Planeten. Welche Möglichkeiten eröffnen diese Fortschritte für die Perfektion des Rückschritts, des Krieges, der Vernichtung? TU. Das andere Bild Das andere Bild, das wir in der Zeitung fanden, enthüllt die ganze Grausamkeit des Krieges und den bedrückenden Tiefstand der menschlichen Kultur und Zivilisation. Die Zeiten sind doch längst vorbei, wo Kriege zwischen zwei Heeren und nur zwischen ihnen ausgetragen worden sind. Das bewiesen die rücksichtslosen Luftangriffe überlegener deutscher Bombergeschwader auf eine nicht vorbereitete, uribewaffnete, hilflose Zivilbevölkerung in Rotterdam und anderwärts, ohne dass es überhaupt zu einer Kriegserklärung gekommen war Das zeigte der Verlauf de« Zweiten Weltkrieges, der mit der gleichen Grausamkeit gegen Frauen, Kinder und Greise geführt worden ist, und keineswegs nur zw/scht-ii Ar-; meen ausgetragen wurde. Di© I Fronten waren mitunter si« | cherer als das Hinterland- | Schliesslich wurden die Grenzen zwischen Front und Hinterland vollkommen ver« wischt. Heute würde ein Krieg überhaupt nicht mehr an be- Schluss auf Seite 2) GLEICHGEWICHT Paris. — Ein Artikel im „Figaro“ unterstreicht, dass die supermoderne israelische Flugwaffe den wesentlichen Ausschlag für e:n Gleichgew'cht zwischen den Kräften im Mittleren Osten gibt Selbstverständlich sei das kleine und relativ arme Israel zwischen Syrien und Aegypten eingeseh'ossen. die ebenfalls über eine starke Luftwaffe verfügen, die insbesondere niit russischen MTG und Bombern ausgerüstet seien. Nur wenn man berücksichtigt. dass Israel durch Qualität die Qualität der arabischen Staaten auszugleichen vermag könne von einem militärischen Gleichgewicht gesprochen werden. (ITA)