Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2154 (4.2.1966)
- Date
- 1966-02-04
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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/ 4 — Viernes. 4 Ae Febrero de 1966 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXVII _ N« ÎI54 Ereignisse der Der Stellvertreter Woche Das Theaterstück des deutschen Dichters Rolf Hochhufch „Der Stellvertreter“ das sich mit der Frage der Haltung des Papstes Pius XII. zu den Nazis auseinandersetzt. hat schon an menchen Plätzen der Erde zu Diskussionen und Zusam. menstössen geführt. Die hier in Argentinien angekündigte Aufführung in einem bonaerenser Theater jedoch genügte, um merkwürdige Konsequenzen zu tragen. Eine Gruppe katholischer und rechtsgerichteter Verbände riefen eine Pressekonferenz zusammen, auf welcher „Erklärungen“ abgegeben worden sind, die allgemeine Aufmerksamkeit hervorrufen mussten. | Man kann darüber streiten.! ob ein literarisches Werk, das j sogar im katholischen Itaj lien vorgeführt wurde. Gei genstand politischer, rassistischer und sonstiger Betrachtungen sein kann. Die viel gepriesene Freiheit wird jedenfalls verletzt, wenn man eine literarische Zensur dieser Art einführt, und dazu noch auf eigene Rechnung. Ausserdem verlangen die Protestierenden von allen anderen, dass sie ihre eigene Auffassung als die allgemeine ansehen sollen ohne dass hierfür irgendwelche Anhaltspunkte vorhanden wären. — Hochhuth kritisiert bekanntlich den Papst Pius XII., der auf jem Stuhle Petri sass. als Hitler in Europa wütete und nicht nur Millionen Juden dahinschlachtete, sondern auch katholische Priester ermordete, ohne dass Pius hiergegen die nach Hochhuth erforderliche und mögliche, in jedem Fall aber zu erwartende Stellung genommen und Hitler zur Eine Achtzigjaehrige Vor einigen Wochen konnte Bert'ha Badt-Strauss, literaturhistorische Autorin, in Shreveport (Louisiana) im Süden der Vereinigten Staaten, ihr 80. Lebensjahr vollenden. Schon 1912, ein Jahr vor ihrer Heirat mit dem Pädagogen Professor Dr. Bruno Strauss (geb. 1889». kam ihr Buch über Rahel Varnhagen (1771—1833), die Frau des Schriftstellers Karl August Varnhagen von Ense, deren Salon ein geistiger Mittelpunkt Berlins war. heraus. Die intellektuelle Jüdin unserer Zeit schrieb hier über eine intellektuelle .Jüdin der Periode um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert Dr. Bertha Badt-Strauss hat bis 1939 in Berlin gelebt, vielseitig schriftstellerisch und juristisch tätig. Ihr Name war in der jüdischen Presse wie — bis 1933 — in der allgemeinen zu finden, im Berliner Tageblatt und in der Vossischen Zeitung 1936 erschien (im Philo-Verlag, Berlin) ein Bändchen „Jiidisehe Gestalten und ihre Zeit“; darunter befand sich eine einzige Frau: Esther Liebmann, von Bertha Badt- Strauss. Ein Jahre danach kam ihr Buch „Jüdinnen“ heraus, das im wesentlichen den Berliner Salons gilt. Gemeinsam mit ihrem Mann hatte sie schon 1929 ..Moses Mendelssohn, der Mensch und sein Werk“ und 1931 Hermann-Cohen-Briefe veröffentlicht. In Amerika hat sie, sich über schwere körperliche Behinderung hinwegsetzend, unermüdlich weiter geschaffen. Noch 195T trat sie mit einer biographischen Schrift „White Fire — The Life and Works of Jessie Sampter“ hervor, einer ungewöhnlichen New Yorkerin gewidmet, die, als Kind gelähmt, sich nur noch geistig beschäfhgen konnte und. obwohl oder weil sie einem jüdisch indifferenten Milieu entstammte, zum Judentum und zum Zionismus fand und als Freundin von Henriette Szold, sich schliesslich in Palästina niederliess. Die jetzt 80-Jährige ist die Tochter des um die breslauer jüdische Gemeinde verdienten Gymnasialprofessor Dr. Benno Badt. Seiner hat sie 1961 in pietätvoller Erinnerung gedacht, in den „Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer in Israel“ (Tel Aviv), zugleich aber auch seines Freundes, des breslauer Rabbiners und Religions - Philosophen Jacob Guttmann (1845—1919). Der Bruder der Jubilarin war Dr. Hermann Badt (in Israel gestorben), der als Ministerialdirektor im preussischen Innenministerium hauptsächlicher Bevollmächtigter des Landes Preussen im ehemaligen Reichsrat war. E. G. L. Kindler-Taschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: Nr 54: HERMANN KESTEN: Meine Freunde die Poeten. Essays — Nr 55: JOVCE CARY: Spiel ohne Ehre. Roman. Nr 56: FRIEDRICH SCHILLER: Pitaval Merkwürdi ge Rechtsfäll.e Nr. 57/58/59: GERALD REIT1JNGER: Ausrottung der Juden Eiuropas 1939—1945. Nr. 60: MARQUIS De SADE: Die Kastanienblüte und andere Erzählungen Nr 61: DIE SIEBEN TODSUENDEN — Vierzehn Essays Nr. 63: ELIA KAZAN: Amerika — Amerika Roman Nr 64/65- HORST LANGE- Schwarze Weide. Nr 66 GEORGES P-ERNANOS: Ein böser rraum Nr. 67: IJEONHARD FRANK: Das Ochsenfurtei Man nerquartett. Es kosten: Eanfachband DM 2.50 Doppelband DM 3,80. Dreifachband DM 4,80. Bestellungen durch alle Buchhandlungen Kindler Verlag G.m.b.H., München | Ordnung gerufen hätte. Wir i wollen an dieser Stelle nicht erneut in eine Erörterung dieser umstrittenen historischen Frage eintreten und dürfen uns insoweit auf die vielfachen Veröffentlichungen in der jüdischen wie allgemeinen Presse, insbesondere auch in der Jüdischen Wochenschau, beziehen, die seinerzeit grosse Beachtung gefunden haben. Das Recht der freien Meinungsäusserung steht jedem zu, erst recht einem Dichter. Soweit hierdurch andere Rechte verletzt werden hat die Staatsgewalt durch ihre hierfür geschaffenen Organe einzutreten. Mit der allgemeinen Behauptung, es handle sich um kommunistische Elemente, ist nichts gesagt, Bisher ist auch ein solches Argument niemals aufgetaucht. Den Dichter Hochhuth als Kommunisten zu denunzieren, ist abwegig. Auch sein Theaterstück hat keine kommunistischen Tendenzen. Vielleicht stört es die Herren und Damen, die gegen Hochhuth und den Stellvertreter wettern, dass dieses Stück eben keinen kommunistischen Charakter hat. Umso stärker ist die Aversion und die Verleumdung sowie die Umtriebe, um durch Verbote die freie Meinungsäusserung zu verhindern. Eine Pressekonferenz Gegen ein Theaterstück auf Pressekonferenzen und dazu noch in einer Kirche zu polemisieren, dürfte ein Novum sein. Warum nehmen diese Kreise, die von Rechtselementen durchsetzt sind, und bei denen die Tacuara - Jugendlichen eine erhebliche Rolle zu spielen scheinen, gegen Hochhuth in dieser Form Stellung? — Auch andere Zeitgenossen sind auf der Bühne oder bei öffentlichen Veranstaltungen angegriffen worden. Hätten diese Kreise nicht unter einem so grossen Aufwand sich darum bemüht, die Oeffentlichkeit zu mobilisieren, das Theaterstück hätte sicherlich kein solches Aufsehen erregt, Die jetzt unfreiwillig gemachte Propaganda dürfte das Gegenteil dessen erreichen, was die tibereifrigen Organisatoren der Pressekonferenz gewollt haben. Ausserdem haben sie sich selbst ins Unrecht ge- Die LIGA ISRAELITA ARGENTINA CONTRA LA TU¬ BERCULOSIS blickt auf eine 50jährige Tätigkeit zurück. setzt. Denn noch niemals ist durch Gewaltmassnahmen eine Ansicht bewältigt oder überwunden worden. Der Geist lässt sich weder polizeilich bekämpfen noch durch brutale Gewalt beseitigen. Die Idee ist nicht durch äussere Machtmittel zu überwinden. Drohungen gegen die Regierung Es musste auffallen, dass die Organisatoren der Pressekonferenz und Gegner Hochhuths in einer so überaus unangenehmen und wohl auch für Kirchenanhänger ungewöhnlich scharfen Form gegen die Regierung Stellung nehmen. Wenn man wirklich nicht anders einer Gefahr zu wehren vermag, die von einem Theaterstück ausgeht, als durch Verbote oder Intervention der Polizei oder anderer Regierungsstellen, wie in diesem Falle, so hätten wohl die in diesem Lande dominierenden katholischen Kreise einen anderen als diesen aussergewöhnlichen Weg wählen können, die Presse in einer Kirche zu mobilisieren. Dass aber diese Herrschaften auch noch Drohungen gegen die Regierung ausstossen, muss auffallen. Was soll dadurch in der Oeffentlichkeit erreicht werden? Will man die Gelegenheit benutzen, der Regierung noch weitere Schwierigkeiten zu machen? Will man den Eindruck erwecken, dass es eine Meinungsverschiedenheit gäbe? Wer wird das glauben? Wozu also dieses unwichtige Biblioteca Ciencia e Historia de las Religiones dirigida por MARSHALL T. MEYER G. STEPHEN SPINKS: Introducción a la Psicología de la Religión. lEO BAECK: La esencia del Judaismo (Wesen des Judentums) Grandes Epocas é Ideas del Pueblo Jadío L IEJEZKEL KAUFMANN: La Epoca bíblica II. RALPH MARCUS: La Epoca Helenística m GERSON D. COHEN: La Epoca Talmúdica IV. ABRAHAH S. HALKIN: La Epoca Judeo- Islámica .V CECIL RCTH: La Epoca Europea VI SALO W. BARON: La Epoca Moderna Editorial Paidos Buenos Aires und unglaubwürdige Manöver? Die Tacuara wird wieder einmal auf die Strasse gehen, das ist doch die einfache Konsequenz, die man aus den von den Pressekonferenz-Veranstaltern gewählten Formulierungen entnehmen muss. Wer hat Angst davor? Die Polizei? Die Regierung? Das Heer? Irgendein Teil der Bevölkerung? Gegen wen Tacuara auch immer gehen wird, sie wird eine gehörige Abfuhr erfahren. Dass die Kirche mit dieser Art von Aktionen mit Sicherheit nichts zu tun hat, ergibt sich aus diesem Sachverhalt. Die kirchlichen Kreise sind nicht darauf angewiesen, die Tacuara auf die Strasse zu schicken, wenn sie etwas durchzusetzen haben. Und die Juden? Man wird an die alte berliner Redensart erinnert: „Wer ist schuld?“ — Antwort: „Natürlich die Radfahrer und die Juden!“ Der Präsident der die Pressekonferenz veranstaltenden katholischen Organisation hielt es auch für notwendig, die Juden zu apostrophieren Der Grund ist nicht erkennbar? Vielleicht aus Ignoianz oder nur aus Böswilligkeit? Feststeht, dass die Juden weder mit dem Theaterstück des Herrn Hochhuth noch mit der Aufführung in Buenos Aires irgendetwas zu tun haben. Hochhuth ist kein Jude. Noch niemals hat das jemand behauptet. Hochhuth ist Christ, Protestant und als solcher laut Beschluss des letzten Konzils den Katholiken gleichgestellt. Hochhuth ist keine Jude. Er hatte nur die manchen Christen absurd erscheinende Idee, gegen Unrecht aufzutreten Seine Idee wird in den Augen mancher Gottesstreiter noch absurder, weil er nicht nur Unrecht bekämpfen will, sondern das gegen die Juden gerichtete Unrecht als sol. ches bezeichnet. Dass er als Christ es wagt, gegen die Haltung eines Papstes anzugehen, macht sein .Verbrechen' komplett. Diese Herrschaften wissen nicht — oder wollen es nicht wissen — dass selbst höchste kirchliche Würdenträger die Position des Papstes Pius XII. wegen seiner Haltung zu den Nazis angegr ffen haben, während die Juden bis. her konstant und beharrlich schwiegen. Ob dies aus Feigheit oder .Klugheit' oder einfach deswegen geschah, da^s wir Juden in diesem Streit keine Stellung zu nehmen haben, da wir nur die Opfer sind, mag dahingestellt bleiben. Auch im Theater, stück treten die Juden nicht als Ankläger auf, sondern .nur* als Opfer. Und das sind wir bis heute geblieben, oder in dieser Rolle wollen uns die Herrschaften sehen, die für sich nicht nur die Wahrheit, sondern auch die Moral, die Entscheidungen der Regierung, die Beherrschung des öffentlichen Lebens und viele andere, ihnen gefallende Sachen in Anspruch nehmen. Geist der Versoehnung Hochhuths Drama ist nicht als eine Kampfschrift geschrieben worden: sie versucht, insbesondere durch ihre sorgfältige Quellen^tudie die Wahrheit zu ermitteln, wie Hochhuth sie zu verstehen meint. Das schliefst nicht aus, dass andere das Verhalten des Papstes anders bewerten, obwohl die historische Wissenschaft, auch in einigen Punkten die kirchliche, nicht ohne weiteres den Fürsprechern päpstlicher Politik Folge leisten. Sicher ist. dass mit Drohungen gegen die Regierung oder gegen die Juden, w'ie sie in jener Pressekonferenz auszustossen für richtig erachtet wurden, nichts getan ist. Die Wahrheit wird über Strassenschlachten, wie man sie uns in Aussicht gestellt hat, triumphieren. Wir brauchen doch nicht so weit zu gehen. Betrachten ■wir das letzte Konzil. Lesen wir die sogen. Judenerklärung. Oder werden die Damen und Herren der Pressekonferenz oder der künftigen Rassenkämpfe bestreiten, was das Konzil gesagt ( Fortsetzung ¿1er Ereignisse auf Seite 51 Die BARMIZWAH unseres Sohnes CLAUDIO JOSE findet s.G.w. am Sonnabend, den 12. Februar 1966, im Bet Israel, Cramer 2070, um 8 Uhr 30 statt. MAURICIO ERMAX und Frau JENNY geb. GOLDSTEIN Vilela 4019 Buenos Aires Anschliessend an den Gottesdienst findet ein Kiddusch statt. LUAGH - (KALENDER) 14. Shewat 15. Shewat Freitag, den 4. Februar Sonnabend, den 5. Februar Schabbat B’SHALAJ SHIRA — Haft. Richter, 4 Kap. CHAMISCHA ASSAR B’SHEWAT 16. Shewat 17. Shewat 18. Shewat 19. Shewat 20. Shewat 21. Shewat 22. Shewat Sonntag, den 6. Februar Montag, den 7. Februar Dienstag, den 8. Februar Mittwoch, den 9. Februar Donnerstag, den 10. Februar Freitag, den 11. Februar Sonnabend, den 12. Februar Schabbat JITRO — Haftara Jesaja, Kap. 6 Sonntag, den 13. Februar 23. Schewat Montag, den 14. Februar 24. Shewat Dienstag, den 15. Februar 25. Shewat Mittwoch, den 16. Februar 86. Shewat Donnerstag, den 17. Februar 27. Shewat Freitag, den 18. Februar 28. Shewat Sonnabend, den 19. Februar 2§. Shewat Schabbat MISHPATIM — Schabbat SHEKAXJ5M Haftara 2. Buch Könige, Kapitel 11 (FW ■tsetzui bat. Z* die K’rc Schuld Sprochen diesen die Bese zogen. S] storiker geben. Obristen -sittlich päpstlich* über den semorde kt, wie mierten rerrforbe ln Rom zurtici1- Frage Arnika H. bchetweis« . kann sich nicht er*( züchtigten eine Alatn mit der za verfol rächst « linie mi essierter iistischer wieder bei men wir meiden, despolitik Mit R< gnverstäm gentiniens uscheinuni turbulenter Schon vor per Gewerl als der Du pertner utu die Zucker kein Jude derum zu Zwischenfai durch die nichts and heisst. 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