Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1966-01-21 · 2152 (21.1.1966) · p. [Seite 4]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2152 (21.1.1966)
Date
1966-01-21
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9616703-9615320-9615339--4220-9615343
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

11 entity mentions

JÜDISCHE WOCHENSCHAU 4 — Vierw*. 21 rtf Enrrn df ] 96t Am XJ^U. — N? 2152 S. ADLER-RLDEL (Jerusalem): BARON MORITZ IIRSCH Portraet der Woche Ein grosser jüdischer Philanthrop und sein Werk <13. Fortsetzung) Zu Beginn dieser zweiten Besprechung hatte der Vorsitzende darauf hingewiesen, dass ein Memorandum von Baron Hirsch eingegangen wäre, in dem dieser sich bereit erklärte, an dem Kolonisationswerk mitzuwirken. Es ist unverständlich, weshalb dieses wichtige Dokument in dem Aufsatz von Dr. Meisl nur mit wenigen Worten angedeutet wurde, da es bereits 1904 zumindest an drei Stellen in ¡vollem Wortlaut veröffentlicht worden war Die amerikanische Monatsschrift ..The Maccabean“ brachte in ihrer Märznummer des Jahres 1904 einen Artikel mit dem Titel ,.The Jewish Colonisation Association and Palestine: Baron Hirsch’s Real View“. Dieser enthielt das französischen Original der von Baron Hirsch im August 1891 in Karlsbad verfassten Note. Der Artikel wurde vom ,,Jewish Chronicie“ am 25 März 1904 und von der Zeitschrift ..Die Welt“ am 8. April 1904 übernommen. Die „Welt“ veröffentlichte den Wortlaut des Hirschschen Dokuments. weil es. wie sie schreibt, „die wahren Ansichten Baron Hirschs über die Palästina-Kolonisation darzulegen geeignet ist.“ Das Memorandum hat folgenden Wortlaut- „Ich habe Kenntnis genommen von dem Protokoll der Verhandlungen der Versammlung, die am 29. Juli 1891 in Paris getagt hat. und an der teilgenommen haben: einer seits mehrere Mitglieder des Zentralcomites der „Alliance lsraelite Universelle' mit Mons. Zadock Kahn, Grand-Rabbin von Frankreich, an der Spitze, und andererseits die Delegierten der russischen Vereine zur Förderung der Kolonisation Palästinas. „Diese letzteren haben sich vorgenommen und haben es auch durchgesetzt, von der Alliance die Gutheissung un j die moralische Unterstützung zu Gunsten ihres Planes zu erlangen. „Ihr Plan geht dahin: a) Kolonien von russischen Juden in der asiatischen Türkei, namentlich in Syrien und Palästina zu schaffen; b) eine Agrarbank zu errichten, die mit allen förderlichen Mitteln diese Kolonisation erleichtern soll. „Ich habe in Paris mehrere Delegierte empfangen, die mir mündlich ihre Ideen und ihren Plan auseinandersetzten; sie schickten an mich ausserdem einen Brief mit einem beiliegenden Memorandum über den Plan ihrer Unternehmungen, um meine Beistimmung und Patronanz für die Sache zu gewinnen. Ich habe davon Kenntnis genommen. „Ich habe den Herren Delegierten bereits während ihres Besuches die Gründe dargelegt, weshalb ich ihre Ansc-hauungen nicht teilen und das Projekt der Kolonisation der asiatischen Türkei nicht rückhaltlos approbieren könne. Es ist ihnen nicht unbekannt, dass, wenn sie sich meinen Ansichten anschliessen wollen, sie ihren Standpunkt, den sie bisher beinahe ausschliesslich eingenommen haben. nämlich den der religiösen Erinnerungen und der historischen Ueberlieferung zum Teile ändern müssen. Mögen diese Erinnerungen noch so gross und ehrwürdig sein, sie bilden doch keine genügend feste Unterlage, um die Auswanderer in ihrer neuen Heimat vor neuem Unbill und neuem Unglück zu sichern. „Die Herren Delegierten wissen, dass es meiner Meinung nach die Pflicht aller derjenigen ist, die das wirkliche Wohl unserer Glaubensgenossen im Augen haben, das Projekt der Kolonisation der asiatischen Türkei nur mit dem ausdrücklichen Vorbehalte sehr eingehender Vorstudien anzunehmen, von denen ich später sprechen werde. „Nachdem ich ihnen gegenüber meine Meinung geäussert hatte, habe ich hinzugefügt, dass ich völlig geneigt sei, um mein grosses Bestreben, ihnen nützlich zu sein, zu zeigen, ihnen bei den Unterhandlungen in Konstantinopel behilflich zu sein und zu ihren Delegierten noch einige meiner Wahl hinzuzugesellen, sowohl um an Ort und Stelle eine Erforschung der tauglichen Oertlichkeiten, die man eventuell wählen könnte, vorzunehmen, als auch, um von der Regierung die bestmöglichen Bedingungen zu erlangen. Man kann doch im Ernste nicht blindlings eine Kolonisation beginnen, und man muss der Emigrationsbewegung ein ernstes und tiefes Studium vorangehen lassen. Man muss deshalb vor allem eine Kommission aus drei oder fünf fachkundigen Personen einsetzen; sie wird zur Aufgabe haben, an erster Stelle die für die Kolonisation geeignetsten Oertl'c-hkeiten und Landstücke auszuwählen.! dann, sich mit den Behörden in Verbindung setzen miis- : sen. um die gewählten Grundstücke zu den besten Bedingungen zu erwerben. „Es ist klar, dass man, wenn man das Prinzip der Kolonisation in der asiatischen Türkei akzeptiert, damit beginnen muss. Nur auf diese Weise werden diejenigen, welche beauftragt sein w'eiden, die Grundstücke auszuwählen und die die Verantwortung für diese Sache auf sich nehmen wollen. Zeit haben, sich genau durch persönliche Beobachtung zu unferrienten. und in der Lage sein, die Unterhandlungen danach zu führen. „Dieses Vorstudium, welches in den Angelegenheiten der eigentlichen Kolonisation so dringend notwendig ist. ist es nicht weniger auch vom Standpunkt der Schaffung einer Agrarbank.“ Baron Hirsch geht dann weiterhin auf die einzelnen Voraussetzungen dieses von ihm für erforderlich gehaltenen Vorstudiums ein, insbesondere weil seiner Meinung nach „der Ackerbau in der Türkei nicht gedeiht“, während „der Boden der argentinischen Republik... von einer sprichwörtlichen Fruchtbarkeit“ ist. Er fährt dann aber fort: „...Wenn die Delegierten der russischen Vereine auf ihrem Projekte bestehen, bin ich ganz bereit, sowohl meinen Einfluss als auch meine tätige Mitarbeit bei der kaiserlich-ottomanischen Regierung ihnen zur Verfügung zu steilen. „Ich w'ollte ihnen bloss die Notwendigkeit, das Projekt genau und gründlich zu studieren, und den Vorzug der Kolonisation in Argentinien vor allen Kolonisationssystemen beweisen, die bisher vorgeschlagen w'urden. Dieses vorausgehende Studium ist für mich eine Frage von solch hoher Bedeutung, dass sie allen anderen vorangeht; es ist übrigens eine unumgänglicne Bedingung meines endgültigen Eingreifens.“ Diese aussichtsreichen Verhandlungen scheinen keine Fortsetzung gefunden zu haben, offenbar W'eil die Chowewe Zion ihren Anteil an den Kosten der Driegationen nicht aufbringen konnten. Damit scheiterte der Versuch der Schaff mg einer allgemeinen jüdischen Kolonisationsgessllschaft für Palästina und die Beteiligung von Baron Hirsch an ihr. Aehnlich verlief ein weiterer Versuch, Hirsch für Palästina zu gewonnen, den Dr. M. I. Bodenheimer (1865—1940) ebenfalls im Jahre 1891 unternahm. Auf Veranlassung von Julius Plotke, der später die Gemeinde Frankfurt a. M. im Verwaltungsrat der ICA vertrat sandte Bodenheimer an Hirsch einen praktischen Vorschlag für ein Kolonisationsprojekt in Syrien. Hirsch bestätigte mit Dank den Empfang des Memorandums und versprach, darauf zuriiekzukommen, was jedoch nie geschah. In diesem Zusammenhang ist interessant festzustellen, dass Hirsch bei seinen Kolonisationsplänen in Argentinien nicht nur von praktischen Erwägungen gelenkt wurde, sondern auch an politische Ziele dachte. Dies ergibt sich aus den Erinnerungen von Dr. Bodenheimer, der den Präsidenten der Hamburger Bürgerschaft, Siegmund Hinrichsten, für den Judenstaatsgedanken gewinnen wollte. Dabei wurde ihm von diesem berichtet, „auch Baron Hirsch habe ursprünglich beabsichtigt, aus seinen Kolonien in Argentinien einen Judenstaat zu machen. Er w'ollte zu diesem Zweck eine Konferenz der jüdischen Grossgemeinden einberufen. Aber sein Schwager, Freiherr von Bischoffsheim, se: ihm in die Parade gefahren. Er habe ihm vorgehalten. dass er durch diesen Plan der Emanzipation der Juden einen Stoss für ewige Zeiten versetzen würde. Auf meinen Zweifel erwiderte Hinrichsen: ,Sie dürfen mir glauben, ich habe ja selbst ein solches Rundschreiben erhalten.“ Er holte es aus seinem Schreibtisch und las mir einige Stellen vor...“' In den Jahren nach der Gründung der ICA konzen- Dr. KOXRAD ADENAUER, erster Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, wurde kürzlich 90 Jahre. Man wartet — bisher vergeblich — darauf, dass er die Regierung an die Erfüllung der von ihm eingeleiteten Wiedergutmat hungsgesetagebung ermahnt. trierte Hirsch all seine Zeit und Energie auf ihre Leitung und auf die Entwicklung der Kolonien in Argentinien. Der i von ihm erhoffte Erfolg blieb jedoch, wie bereits ausge- , führt, aus. Die Administratoren versagten, und die Direktoren lösten einander häufig ab. Hirsch wurde unwillig und verbittert durch die dauernden Klagen und Anklagen, die Kolonisten und Direktoren gegeneinander erhoben. Er erklärte Feinbsrg, der zu seinen engeren Mitarbeitern gei hörte, dass er jedes Vertrauen in die Direktoren, die Dele- Kindler-T aschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: Nr 54: HERMANN KESTEN: Meine Freunde die Poeten Essays — Nr 55: JOVCE CARY- Spiel ohne Ehre. Roman. Nr. 56: FRIEDRICH SCHILLER: Pitaval Merkwürdi ge Rechtsfäll.e Nr. 57/58/59: GERALD REITUNGER: Ausrottung der Juden Europas 1939—1945 Nr 60: MARQUIS De SADE: Die Kastanien blute und andere 2-rzählungen Nr. 61: DIE SIEBEN TODSUENDEN — Vierzehn Essays Nr. 63: ELIA KAZAN: Amerika - Amerika Roman Nr 64/65- HORST LANGE- Schwarze Weide Nr 66 GEORGES BERNANOS: Kn böser Traum Nr- 67: LEONHARD FRANK: Das Ochsenfurtei Man rierquartett Es kosten: Einfachband DM 2.50 Doppelband DM 3,80. Dreifachband DM 4.80 Bestellungen durch alle Buchhandlungen Kindler Verlag G.m.b.H., Miln eben Biblioteca Ciencia e Historia de las Religiones dirigida por MARSHALL T. MEYER G. STEPHEN SPINKS: Introducción a la Psicología de la Religión. lEO BAECK: La esencia del Judaismo (Wesen des Judentums) Grandes Epocas é Ideas del Pueblo Judío I. IEJEZKEL KAUFMANN: La Epoca bíblica II. RALPH MARCUS: La Epoca Helenística III GERSON D. COHEN: La Epoca Talmúdica gierten der Kolonien und die Kolonisten selbst verloren habe. In dieser verärgerten Stimmung erhielt Hirsch, der sich im Mai 1895 in London aufhielt, einen Brief aus Paris von Theodor Herzl, damals Pariser Korrespondent der Wiener „Neuen Freien Presse“, der die Bitte enthielt, sich mit ihm über d‘e Judenfrage unterhalten zu können. Es kann sein, dass sich Hirsch daran erinnerte, einen von Herzl gezeichneren Bericht übe ■ die Auflösung der Judenkolonien in Argentinien vom Februar 1892 gelesen zu haben. Theodor Herzl, der Begründer des modernen Zionismus, wusste um jene Zeit noch wenig von den innerjüdischen Zusammenhängen. Auch „hat er die genauen Pläne Hirschs und die Bemühungen der Cfhowewe Zion um ihn nicht gekannt''. Aber er war im Laufe der Jahre unter dem Eindruck der wachsenden antisemitischen Bewegung in Paris in den Bann der Judenirage geraten und begann, seine Gedanken darüber niederzusebreiben. Er hatte er. fahren, dass Hirsch sich „auffällig und millionärisch um die Juden bekümmerte“, und darüber wollte er mit ihm sprechen. Hirsch antwortete höflich, dass er während der nächsten zwei Monate in London bleiben müsse und stellte ihm anheim, ihm schriftlich mitzuteilen, was er ihm zu sagen beabsichtige. Herzl antwortete mit einem Brief, in dem er andeutete, dass er demnächst Hirsch in einem zweiten Brief den Plan einer neuen Judenpolitik vorlegen W'erde. Dieser Brief scheint den beabsichtigten Eindruck £uf Hirsch nicht verfehlt zu haben, denn schon wenige Tage später erhielt Herzl eine Einladung, in Paris bei Hirsch vorzuspreefoen. (Schluss folgt) IV. ABRAHAH S. HALKIN: La Epoca Judeo. Islámica . V CECIL RCTH: La Epoca Europea VI SALO W. BARON: La Epoca Moderna Editorial Paidos Buenos Aires Zur BAR MIZWA unseres Sohnes ERNESTO ALBERTO (Tito) laden wir unsere Freunde und Bekannten in die Synagoge Bet Israel, Cramer 2070, am 29. Januar 1966 um %9 Uhr ein. Anschliessend Empfang daselbst. ALFR.EOO WATBKMANN und Frau ROSI gr*. BLUMENTHAL L V A C H — ( K * L E U D E R ) Freitag, den 21. Januar Sonnabend, den 22. Januar 29 Tewet 1. Shewat Roeoh Ghodes SHEWAT Schabbat WAERA — Haftara Jesaja, 66 Kap. Sonntag, den 23. Januar 2. Shewat Montag, den 24. Januar 3. Shewat Dienstag, den 25. Januar 4. Shewat Mittwoch, den 26. Januar 5. Shewat Donnerstag, den 27. Januar 6. Shewat Freitag den 28. Januar 7. Shewat Sonnabend, den 29. Januar 8. Shewat Schabbat BO — Haftara Jeremía, Kap. 46 Sonntag, den 30. Januar Montag, den 31. Januar Dienstag, den 1. Fteoruar Mittwoch, den 2. Februar Donnerstag, den 3. Februar Freitag, den 4. Februar Sonnabend, den 5. Februar Schabbat B’SHALAJ SHIRA ” OHAMISOHA ASSAR B’SHEiWAT 9. Shewat 10. Shewat 11. Shewat 12. Sbweat 13. Shewat 14. Shewat 15. Shewat Haft. Richter, 4 Kap. I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.