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Jüdische Wochenschau · 1965-12-17 · 2147 (17.12.1965) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2147 (17.12.1965)
Date
1965-12-17
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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CP <u <ü FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXVI. BUENOS AIRES, VIERNES 17 DE DICIEMBRE DE 1965 N? 3117 ISRAELITA EL EJEMPLAR«« en toda la República m PUEYRREDON 2190 1* T.E. 83 - 2613 Buenos -Aires izq. Zwei deutsche Rechtsanwaelte Sturm gegen Leemans von JAKOB KATZ-ROGASEN 250.000 Juden Zwölf ehemalige SS-Männer haben sich seit einigen ■ Wochen vor dem Schwurgericht in Hagen wegen Mor. I des und Beihilfe zum Mord an 250.000 Juden in dem Vernichtungslager Sobibor in Polen zu verantworten. Sobibor war neben Treblinka uiKi Belzec eines der drei Vernichtungslager, die die! SS-Führung Ende 1941 zur j sogenannten Endlösung der Judenfrage unter dem Decknamen ..Aktion Reinhard'1 im ehemaligen ..Generalgouvernement“ errichten liess. Hauptangeklagter des Soj bibor-Prozesses ist der 53! jährige Portier und ehemalij ge SS-Oberscharführer Kurt I Bolender aus Hamburg, dem j die Anklage Mord an 360! Menschen und Beihilfe zum i Mord an 84.000 Menschen j vorwirft Der 54iährige Bühnenmeister und damalige SS - Oberscharführer Karl Frenzei aus Göttingen muss j sich nach Anklage wegen 1 Mordes an einer unbestimm-; ten Zahl von Juden und i Beihilfe zum Mord an rund ' 250.000 Juden und der 58i jährige Lagerhalter Franz; Wolf aus Eppelheim bei Hei. j delßerg wegen Mordes in eij nem Fall und Beihilfe zum Mord an 115.000 Juden verantworten. Unter den übrigen neun > Angeklagten ist auch der Maurer Erwin Lambert, der , seit Oktober vergangenen Jahres auf der Anklagebank; im Trebllnka-Prozess sass i Wie in Treblinka hat er auch im Vernichtungslager Sobibor die Gaskammern gebaut. II. Widerstand Juden haben in vielen Vernichtungs- und KZ-La - gern den Versuch unternommen sich gegen ihre Peiniger zu wehren. Es ist unrichtig, wenn behauptet wird, dass sich die Juden ..wie Schafe zur Schlachtbank“ führen liessen. Juden haben in diesen Situationen einen unerhörten Mut bewiesen, nicht nur den Löwenmut dei Verzweiflung. Die Legende von der Feigheit der breiten jiid’schen Massen ist zweckgebunden und macht einen peinlichen Eindruck. weil hierdurch das Andenken all dieser anonymen Helden entehrt wird. Im Sobibor-Prozess sind etwa 34 Zeugen geladen worden. Die meisten von ihnen waren in Sobibor ..Arbeitsjuden'1 und haben einen Häftlingsaufstand am 14. Oktober 1943 überlebt. Damals hatten sich rund 200 bis 300 Juden mit Messern, Knüppeln. Aexten, einigen Pistolen und Gewehren, die sie sich verschafft hatten, gegen ihre Unterdrücker erhoben. Rund 20 deutsche und ukrain’sche Aufseher, darunter der stellvertretende Lagerkommandant. waren bei diesem Aufstand ums Leben gekommen. Etwa 130 Aufständische waren den Minen, mit denen Blick in die Welt von HAROLD SCHWARGZ BONN ANTV/ORTETE mit einer heftigen Note der Sowjetregierung, -die Westdeutschland .verdächtigt* hatte. Europa beherrschen zu wollen. — DEAN RUSK, der nordamerikanische Staatssekretär, besuchte Franco, den er für eine stärkere Beteiligung Spaniens an der europäischen Verteidigung gewinnen wollte. E.ne ARGENTINISCHE EXPEDITION erreichte den Südpol in Fussmärschen. — ANASTAS MIKOYAN, Veteran der russischen Kornmunisten, trat von seinem Amt als Präsident der Sowjetunion zurück. — PAPST PAUL VT. schloss mit einer Ansprache vor 20.000 Personen das II. Vatikanische Konzil ab, das vier Jahre gedauert hatte. — GENERAL TULIO MARAMBIO (Chilene), persönlicher Repräsentant des UN-Generalsekretärs U Thant, verhandelte mit Indern und Pakistanern über die Beilegung des Grenzkonflikts. — GENERAL NASSER sollte angeblich von elf Kommunisten gestürzt werden, die jetzt in Kairo angeklagt wurden. — IAN SMITH, der rhodesische Rebell, drohte damit, die ausländischen Arbeiter deportieren zu lassen. — DIE VERSTAENDIGUNG mit der Orthodoxen Kirche wurde vom Vatikanischen Konzil angestrebt. — AUS MOSKAU wird eine erhebliche Steigerung des Militäretats für das kommende Jahr angekündigt. — KOENIGREICH MAROKKO brach die diplomatischen Beziehungen zu Syrien ab. — Die RUSSISCHE MONDRAKETE zerschellte auf der Mondoberiläche. was allgemeine Enttäuschung auslöste. — MICHAEL STEWART, Englands Aussenminister führte in Moskau Verhandlungen über die Verteilung von Atomwaffen. — SCHWERE KAEMPFE werden aus Südvietnam gemeldet, die auf eine Verschärfung des Krieges hinweisen. — GENERAL DE GAULLE erhielt 44 Prozent aller Stirnmen, was aber nicht zum Sieg ausreichte da ei die absolute Mehrheit braucht, um im ersten Wahlsieg zu triumphieren. — NEGRAO DE LIMA trat sein Amt als Gouverneur des Staates Guanabara an und versprach „Arbeit und Ordnung“. — FRANCISCO FRANCO, beinahe 30 Jahre spanischer Diktator, wurde 73 Jahre alt. — ' Sobibor umgeben war, und den Schüssen der Wachtposten zum Opfer gefallen. — Widerstand!, dieses Wort hat etwas Geheimnisvolles, etwas Heroisches an sich. Was bedeutete aber dieser Widerstand, den unbewaffnete, ausgemergelte, halb verhungerte Juden geleistet haben, als ganz Europa den .glanzvollen* deutschen Siegern zu Füssen lag? Der jüdische Widerstand gegen die nazistischen, bis an die Zähne bewaffneten Rohlinge und Sadisten ist historisch noch viel zu wenig erforscht, um ihn in seiner ganzen moralischen Werthaftigkeit erkennen zu können. Kriegshelden und Generäle haben das nicht gewagt, was die armen jüdischen Häftlinge taten. III. Die Gebildeten In der zweiten Revisionsverhandlung' im Auricher Mordprozess hat der Fünfte Strafsenat des Bundesgerichtshofes auf lebenslang, lieh Zuchthaus für den Kinderarzt Werner Scheu aus Borkum und den Reitlehrer Karl Struve aus Bad Homburg entschieden. Das Auricher Schwurgericht hatte die Angeklagten im Sommer vergangenen Jahres in einem Wiederholungsprozess zu zehn bzw. neun Jahren Zuchthaus verurteilt, obwohl es sie für schuldig befunden hatte 1941 im litauischen Grenzgebiet um Neustadt 220 Juden ermordet zu haben. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft und auf Antrag des Bundesanwaits musste der Berliner Strafsenat diesen fehlerhaften Schuldspruch und damit auch die Strafe abändern, weil für Mord nur lebenslänglich Zuchthaus verhängt werden darf. Die Urteile sind jetzt rechtskräftig. Zwei Tatbestände sollen bei dieser Meldung festgehalten werden, die nicht abgeleugnet werden können, auch nicht bei noch so gut gemeinten Annäherungsversuchen, denen gegenüber Juden nur Grund zur Skepsis haben. Da haben wir bei der grossen Mehrheit der NS-Angek'agten in den KZ-Mordproze.*-sen meistens .einfache1 Leute die Instrumente waren, sicherlich allzugern bereit dazu, diese Rolle als Instiumente zu spielen. Hier aber haben wir einen Arzt, der seinen Beruf als Helfer der Menschheit geschändet hat. Das was bedauerlich ist, bleibt die Tatsache, dass es sich durchaus nicht um einen vereinzelten Fall handelt, wie alllgemein bekannt ist. Das war die eine Gruppe der Intellektuellen, die im Dritten Reich bereit war, ihrem Führer zu folgen und seine Mordbefehle auszufiihren. Die anderen waren die Richter. Beispiele sollen hierfür nicht angeführt werden; es gibt ausführliche Berichte und Bücher hierüber. Aber dass m der Bundesrepublik Richter bereit sind, die ehemaligen NS-Aerzte durch Rechtsbeugung zu decken, das ist mit solcher Klarheit noch niemals in Erscheinung getreten, jedenfalls uns nicht bekannt. Es heisst in der oben wiedergegebenen Nachricht wörtlich: „Der Berliner Strafsenat musste (wird das bedauert?) diesen fehlerhaften Schuldspruch abändern..., weil auf Mord nur lebenslängliches Zuchthaus verhängt werden darf*. Und das wussten die Richter in Aurich nicht? Sind sie noch im Amt? Vielleicht in Entschädigungssachen? IV. Die Fussmaersche Wegen Mordes an mindestens 35 KZ-Häftlingen muss sich der Stabsschirrmeister des Bundesgrenzschutzes und ehemalige SS - Rottenführer Erich Schemel (43) aus Hünfeld (Hessen) vor dem Fuldaer Schwurgericht verantworten. Mitangeklagt ist der frühere Lagerleiter und SS- Hauptscharführer Wilhelm Kersten (58) aus Nürnberg, dem Anstiftung zum Mord in 34 Fällen zur Last gelegt wird. Die Häftlinge des Aussenlagers Lieberose (Mark Brandenburg) mussten vom 1. bis 10. Februar 1945 zum Hauptlager Sachsenhausen bei Berlin marschieren. Der Hauptangeklagte, der sich zur Zeit in Untersuchungshaft befindet, soll auf dem Marsch erschöpfte und fusskranke Häftlinge getötet und euien ungarischen Juden erschossen haben, nachdem er ihn vorher zum Schaufeln seines eigenen Grabes gezwungen habe. Der frühere Vorgesetzte Schemels, der heutige Kaufmann Wilhelm Kersten, soll den generellen Befehl weitergeleitet haben, marschunfähige Häftlinge auf dem Evakuierungsmarsch vor der herannahenden russischen Front zu erschiessen Auch das, was Juden auf diesen Evakuierungs - Märschen zu leiden haben, ist selbst der jüdischen Oeffentlichkeit wenig bekannt. Hier wurde von den Henkern des Dritten Reiches der Versuch unternommen, die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen und so viele Häftlinge, wie es nur möglich war, zu ermorden, um keine lebenden Zeugen ihrer Verbrechen den Befreiern zu überlassen. Tausende sind auf diese Wei. se in den letzten Kriegstagen ums Leben gekommen. — V. Czenstochau Jede Stadt, jedes Dorf, jeder Platz im nazistisch besetzten Polen ist mit jüdischem Blut getränkt worden, in Schweinfurt wurde ein Prozess gegen das Lagerpersonal von Czenstochau durchgeführt, bei dem selbst den deutschen Zeitungen die „erstaunliche Gedächtnisschwäche** dieser ehemaligen Helfer des braunen Regimes auffällt. Mindestens 30.000 Juden wurden aus dem Ghetto Czenstochau ins Vernichtungslager Treblinka geschafft. Unter welchen Be- Sühneaktion Stuttgart. — Der israelitische Teil des Stuttgarter Pragfriedhofes ist von einer aus 15 jungen Männern bestehenden Arbeitsgruppe der Evangelischen Jugendhilfe instandgesetzt worden. von KURT KAISER-BLUETH Der kürzlich vom Strassburger Europa-Parlament gegen die sozialistischen Stimmen zuhi Präsidenten gewäni. te flämische, christlich-soziale Senator Victor Leemans aus Antwerpen steht seit einiger Zeit unter schwerstem Beschuss sämtlicher belgischer Widerstandsverbände, die behaupten, dem Senator Propaganda für nazistische Ideengänge vor dem Kriege und eine Zusammenarbeit mit den Nazibehörden der Besetzungsjahre zum Vorwurf machen zu können. Auf einer grossen Pressekonferenz in Brüssel haben die Delegierten der „Widerstands-Union für ein geeinte« Europa“ die Wahl von Victor Leemans als Nachfolger des wallonischen Christlich-Sozialen Duvieusart, der eine grosse Figur der belgischen Widerstandsbewegung war, als untragbar erklärt. Auf dieser Konferenz, der die prominenten Repräsentanten aller nichtkommunistischen Widerstandsorganisationen, von den Sozialisten bis zu den Konservativen, beiwohnten, erklärten die Redner, dass es in» tolerabel sei, dass das Europa-Parlament von einem Mann geleitet werde, der „jahrzehntelang sich darum bemüht habe, den Nazi-Konzeptionen in Europa zum Triumph zu verhelfen. Diese Wahl, so erklärte einer1 der Sprecher der Widerstandsorganisationen, sei ein Insult für diejenigen, die ihr Leben für die Idee eines Europa geopfert hätten, die gewiss nicht die des Europas von Hitler gewesen sei. Diese Wahl sei deshalb so intolerabel, weil so viele authentische Europäer in den Konzentrationslagern der Diktatur gestorben seien. Professor Roels vom Antwerpener Universitätsaentrum und der General Gérard, Präsident der Nationalen Union des Widerstands und der Deportierten“, erklärten, da<ss Senator Leemans von den 30er Jahren bis zum Zusammenbruch des 3. Reiches „der getreue Helfer des Nazismus in Wort und Schrift gewesen sei“. Er sei schon vor dem Kriege Nazi gewesen und habe 15 Jahre für den Erfolg des Nazismus gearbeitet. Leemans sei „das schlechte Ge nie der universitären Jugend gewesen“ und moralisch verantwortlich dafür, dass zahlreiche junge Männer in ein schlechtes Abenteuer hineingeschliddert seien. Die einen seien im Kampf gegen ihr eigenes Land, in den feindlichen Reihen stehend, gefallen, die anderen durch Leemans schädlichen Einfluss vor die Kriegsgerichte und ins Gefängnis gekommen. Zu diesen aufsehenerregenden Angriffen von Männern, die keineswegs radikalen Kreisen zuzuzählen sind und sich des Respekts der überwiegenden Mehrheit der belgischen Bevölkerung erfreuen, kann der journalistische Informator allein sagen, dass eine ebenso sachliche wie gründlich-leidenschaftslose Klärung des Falles unumgänglich erscheint, zumal sich Premierminister Pierre Harmel hinter Leemans gestellt und die detaillierten Vorwürfe der Widerstandsverbände als unbegründet bezeichnet hat. dingungen diese Deportation vor sich ging, soll hier mit Rücksicht auf die Leser nicht geschildert werden. Vor Gericht stand ein Herr Franke, ehemaliger Verwaltungschef von Czenstochau. Auch er will nichts gewusst haben, sagt er heute. Aber Franke ist kein gewöhnlicher Franke, nein er ist der Rechtsanwalt Dr. Eberhard Franke, der heute in Dortmund seine Praxis ausüben darf! Von der Evakuierung des Ghetto will er nichts gewusst haben, wenigstens nichts offiziell. Er sagte: „Mir wurde gesagt, das sei Sache der 9S. Ich erfuhr davon, als ich plötzlich nicht mehr durchs Ghetto fahren durfte.“ Aber an den Häuserwänden prangten Plakate: „Wer Juden hilft, wird erschossen!“ Unterschrift: Franke, Stadthauptmann. Der Rechtsanwalt heute: „Das war eine Verordnung von oben“. Er kann sich nicht an sie erinnern.., VI. Noch einer Da war noch einer, der frühere Stadthauptmann in Czenstochau gewesen ist, ein Dr. Richard Wandler, jetzt Rechtsanwalt in München, vorher Oberbürgermeister in Hof. Er erinnert sich nur an einen Fall, dass jemand erschossen worden sei. Ein Mann mit so schlechtem Gedächtnis — oder ist es das schlechte Gewissen? — dürfte zur Ausübung seines Berufes als Rechtsanwalt ungeeignet sein. Aber nur wegen seines schlechten Gedächtnisses? Man sollte sich in der demokratischen Bundesrepublik diese Frage einmal vorlegen. VII. Nur nebenbei bemerkt Herr Heinz Lammerding führt oder führte einen Zivilprozess gegen den Chefredakteur der Widerstandszeitung „Die Tat“ und gegen den Röderberg - Verlag in Frankfurt, der Widerstandsliteratur herausgibt. Der Prozess war in Düsseldorf angestrengt worden. Wer ist Lammerding? Seines Zeichens ehemaliger SS- General, von den Franzosen in Abwesenheit wegen Kriegsverbrechen zu Tode verurteilt. In der demokratischen Bundesrepublik läuft so ein Mann nicht nur frei herum er kann sogar noch andere verklagen, weil sie offensichtlich nichts anderes taten, als auf gewisse Tatsachen hinzuweisen. Der Fall Lammerding wurde in verschiedenen deutschen Zeitungen, der Opposition versteht sich, im Zusammenhang mit dem Prozess gegen den Tat-Redakteur aufgerollt, was aber sicherlich keinerlei Folgen haben dürfte. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rlvadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N? 868.707

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