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Jüdische Wochenschau · 1965-12-03 · 2145 (3.12.1965) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2145 (3.12.1965)
Date
1965-12-03
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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o Cû c II nt c i *» < O FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 ISRAELITA EL EJEMPLAR en toda la República 10.- Año XXVI. BUENOS AIRES, VIERNES 3 DE DICIEMBRE DE 1965 PUEYRREDON 2190 1* ¡zq. T.E. 83 - 2613 Buenos Aires N* 2145 Faschistische Inquisition 'Lekrer vergiften Jugen<l 7 V'» von HORST WINCKLER Seit langem schon kann mau in Frankreich eine zunehmende Aktivität des ultra konservativen Katholizismus, des Katholizismus der extremen Rechten beobachten. Vor den Toren der Kirchen werden von Schock- Ko.mnandos Flugzettel verteilt, in denen die Fana^ker der “integralen Tradition” mit einer schärfe ohne Beispiel gegen die “pfogress^stische Erkrankung’’ der Kirche und den „unheilvollen Reformwahn der Verderber der Kirche” protestieren. Die Agitatoren, die sich ‘‘Die Soldaten Gottes” nennen und von sich behaupten, dass “authentische Christentum'’ zu repräsentieren, scheinen über reichliche Geldmittel zu verfügen, denn sie überschwemmen die Gläubigen mit Broschüren, Flugblättern und Losungsworten, die entweder an den Kirchentüren verteilt oder durch Austräger in die Briefkästen geworfen werden. Auch die Post wird von den Extremisten in massiver Form zugunsten ihrer “Rettungsaktion für die bedrohte Kirche ’ eingespannt. Die Maßlosigkeit der Sprache ist ebenso ungewöhnl.ch. wie die pathologische Decr.agogie ihrer Argumentation. Selbst der Papst bleibt vor den Angriffen dieser ‘‘Tempelreiniger'" nicht verschont. •'Beim Papst“, so heisst es in einem Flugblatt, das in Zehntausenden von Exemplaren in Paris und in der französischen Provinz verbreitet wurde “hat sich eine marxistische Mafia eingenistet, die systematisch die Kirche desorganisiert und die Wurzeln ihrer Kraft attackiert. Was zur Zeit im Vatikan vorgeht, ist eine der grössten Tragödien des4 Kirchengeschichte ...” Die “Soldaten Gottes” greifen alles an, das Kirchenkonzil die Reformen, die dazu dienen sollen, den Hass und die Vorurteile abzubauen die Modernisierung der Riten, die katholischen Intellektuellen die fortschrittliche Ideen haben und “öle Agenten der kommunistischen Gottlosigkeit sind”, die liberalen Priester, die “das trojanische Pferd” ins Innere der katholischen Festung manövriert haben und die sich so zu Komplizen des Verrats machen.’’ Hilter diesen gemeingefährlichen Fanatikern der faschistischen Rechten steht nur eine kleine M'nde^®U des Klerus, aber diese Minderheit ist von einer beunruhigenden Akt.vitüt, und Dvnamismus ist ebenso stark wie offenbar ihre KriegsiDifsm Gruppen des Rechtsrad’kalismus ist auch der Ab be Boyer zuzuteilen, der jüngst wegen Kindesentfuhruvg vor Gericht stand. Für Boyer stehen hinter den iberalen Tendenzen der K che Geheimagenten des W z onismus: Seine ‘Act-on Pa tima” will, wie sie erkriit .‘das christliche Gewissen «mt allen Mitteln zum Aufstand bringen. Diese Organisation 5t paramilitärisch orgamsiefl-t und hat wahre Korn. mandos geschaffen ei Aufgabe es ist, dem Ungeist der Entchristianisierung den von CHARLES ROESMER Weg zu versperren. Dann ist da noch die “Cité Catholique”. die ebenfalls den Interessen der Ultras dient und ausgezeichnet organisiert ist. Die Organisationen der extremen Rechten mehren sich und man verzeichnet in letzter Zeit wieder drei Neugründungen. Jüngsten Datums ist die “Promotion du Laicat’', die junge katholische Ultras von ausgesprochen terroristischer Tendenz zu einem “Kampfverband” zür Rettung des Katholizismus zusammengeschlossen hat. Führer dieser Gruppe ist ein 21jähriger Jüngling, der seine Leute auf Tragischer Selbsthass oder eine Ironie des Schicksals von JOEL LIBMANN FRANTZ Der Selbstmord des nordamerikanischen Nazi-Führers Daniel Burros hat grosse Aufmerksamkeit in vielen Kreisen der Bevölkerungder Vereinigten Staaten und in manchen anderen Ländern hervorgerufen. Wenn man die näheren Umstände dieses wirklichen Sensationsfalies kennt, wird man über die Auswirkungen dieser Affäre nicht mehr erstaunt sein. Dabei ist der Sachverhalt einfach, wenn er auch aussergewöhnlich eigenartig ist. Dass jemand Antisemit, dass er ein Mitglied des Ku Klux Klan ist, dass es Menschen gibt, die nazistischen Gedanken frönen, das alles ist nicht ungewöhnlich; man kann leider sagen, dass man es hierbei mit relativ häufigen Erscheinungen zu tun hat. Ebenso wenig wundem wir uns, einem Juden zu begegnen oder einem Menschen, dessen Vorfahren Juden gewesen sind. Das Ungewöhnliche liegt nur darin, wenn wir einem Menschen gegenüberstehen, der in sich die Kombination dieser beiden Erscheinungen darstellt: Jude und Antisemit, Jude und Ku Klux Klan, Jude und Naz: zugleich zu sein. Und das war beim Herrn Daniel Burros der Fall. — Sicherlich ist Burros an sich nicht interessant. Er muss wohl nicht „ganz richtig“ gewesen sein. Vater und Mutter waren Juden, Daniel selbst wurde Barmitzwa, wie dies dem jüdischen Gesetz entspricht. Dann, nach einigen Jahren wurde der ehemalige Barmitzwajunge Daniel ein ergebener Nazi in der Bewegung des Lincoln N. Rockwell. Ku-Klux-Klan-Jude Burros gab eine antisemitische Zeitschrift heraus, griff alle bedeutenden amerikanischen Persönlichkeiten, unter ihnen vor allem die jüdischen, heftig an. Als ihm ein Journalist seine jüdische Abkunft mit allen vorhandenen Dokumenten nachwies, bedrohte er den .Kollegen“, zog dann aber vor, selbst aus dem Leben zu scheiden, als die New York Times das vorhandene Material veröffentlichte. Die ganze Geschichte, eine rechte ,story‘, wäre kaum erwähnenswert, wenn sie nicht ein grelles Licht auf die — psychische — Situation mancher Juden werfen würde. Dass es sich hier um einen .typischen1 Fall handelt, wird niemand ernsthaft behaupten wollen. Aber derartige J scheinungen gab es des öfteren in den letzten Jahrzehnten. Der jüdische Selbsthass stellt ein interessantes psychisches, soziologisches und vielleicht auch geschichtliches Phänomen dar. Zu diesem Thema äusserte sich vor vielen Jahren — sehr ausführlich übrigens — Constantin Brun, ner, ein geist- und sprachgewaltiger Denker, der übrigens selbst einmal gesagt hat: das Wort Jude ist der Judenfleck. Der klassische jüdische Selbsthasser aber ist ein anderer Philosoph, der Wiener Jude Otto Weininger, dem es Vorbehalten blieb, die Austilgung des Jüdischen in den Menschen zum Kulminationspunkt einer neuen Menscnheit zu machen. „Alles, was dieser falsche Prophet in jüdi. schein Selbsthass gegen seine Volksgenossen vorbrachre, findet sich später im Vokabularium der Judenfeinde ", schrieb Felix A. Theilhaber in einer geistreichen Studie über Weininger. Der Antisemitismus Weiningers ist ein wesentlicher Bestandteil seiner ..Philosophie“, die man wohl richtiger mit einer krankhaften Irrlehre als mit dem hochklingenden Wort Philosophie bezeichnen müsste. Jedenfalls schreibt Weiningers Biograph Lucka, ebenfalls ein getaufter Jude, er, Weininger habe das Judenproblem gelöst und überzeugend nachgewiesen, dass das Judentum der Feind aller Kultur sei... Weininger war ein verirrter Jugendlicher, 23 Jahre alt, machte er seinem Leben ein Ende. Er war ein unglücklicher, kranker Mensch, der nicht nur sich selbst und die Juden gehasst hat. Möglicherweise wäre auch er dem Ku Klux Klan beigetreten, wenn er nur die Gelegenheit hierzu gehabt haben würde. Der Unsinn der antisemitischen und vor allem der ras. sistischen Idee tritt aber bei solchen Sensationsfällen, wie Burros einer ist, deutlich in Erscheinung. Diese Rasseohelden haben nicht gemerkt, dass ihr eifriger Anhänger Burros auch ein Jude war. Gewiss offenbart dieser Vorfall ein Stück tragischer Verquickungen eines ungesunden gesellschaftlichen Lebens, das auf Vorurteilen aufgebaut ist; zugleich aber fehlt nicht der komödienhafte Teil, der die Mitmenschen über den Ku-Klux-Klan-Juden Burros lachen liess die Sprengung von Versammlungen des christlichen Progressismus dressiert. Die Sprengkommandos des Laicat reisen durch Frankreich und machen Jagd auf die “Verräter”. Offenbar durch Hitlers “Mein Kampf” inspiriert, suchen sie ihre Gegner durch Terror mürbe zu machen und einzuschüchtern, so haben sie unlängst eine Versammlung eines der linkskatholischen „Témoignage chrét-’en“ nahestehenden Dominikaners der in Nimes über sozialpolitische Probleme sprach, gesprengt und den Priester aufs gröblichste beleidigt. Hier griff die Polizei ein und verhaftete eine Anzahl der Ruhestörer. Die Sprecher der genannten Organisationen erklären, dass man den katholischen Glauben gegen die modernen Ideen schützen müsse. Die Freiheit des Gewissens, von denen die progressiven Kreise faseln, so sagen sie, sei der Anfang vom Emde des Katholizismus und untei'gra- Die “Katholische Aktion” be die Autorität des Papstes, ist ihrer Ansicht nach vom Marxismus vergiftet. Sie haben fliegende Kommandos gegründet, deren Aufgabe es ist. die fortschrittlichen Priester, die “Steigbügelhalter des Marxismus“ mit allen Mitteln mundtot zu machen, und man will sie durch systematisches Sprengen aller ihrer Veranstaltungen zum Schweigen bringen. Der Kultusminister des Bundeslandes Schleswig-Hotstein, Herr Claus Joachim von Heydebreck, machte in Kiel während einer Pressekonferenz beunruhigende Mitteilungen über einige Vorfälle in einem seinem Ministerium unterstellten Gymnasium. Schüler hatten sich über drei Lehrer wegen nazistischer Aeusserungen beklagt, die schon schwere Brocken sind; in einem Fall nahm das Ministerium die Suspendierung dieses NS-Studienrats vor. Die drei Lehrer sollen vor allen Dingen die Vorkommnisse in den Konzentrationslagern bagatellisiert haben. Einer dieser Schulmeister schämte sich nicht zu behaupten, es seien die Amerikaner nach der Besetzung Deutschlands gewesen, die Gasöfen in den KZ errichtet haben, um hierdurch die Deutschen zu belasten. Auch sonst pflegten diese Schulmeister die alten nazistischen Ideen zu verbreiten, was sie für notwendig hielten, um die heranwachsende Generation in echtem NS- Geist zu erziehen und offensichtlich auf neue Gewalt, und Schandtaten vorzubereiten. Gewiss soll man sich davor hüten, Binzelfälle zu verallgemeinern und hieraus irgendwelche Rückschlüsse zu ziehen. Immerhin muss auffallen, dass immer wieder im Bundesland Schleswig-Holstein solche Fälle Vorkommen. Im meerumschlungenen Holstein haben sich allzu viele Ehemalige niedergelassen, offenbar deswegen, weil sie sich dort sicher fühlen, Vieie der Ehemaligen die heute hohe Rentenempfänger der Bundesrepublik sind, wohnen dort. Vielleicht hätten sie anderswo auch nicht diese Renten zugesprochen erhalten. Wie weit sich die Lehrer, die jetzt zur Rechenschaft herangezogen werden, vorgewagt haben, ergeben die Schiileraussagen. Im Chemie-Unterricht soll einer der Lehrer bei einem Versuch zur Herstellung von Seife sinngemäss vor Schülern erklärt haben, dazu werde Fett benötigt. Das beweise, dass Juden in der NS-Zeit nicht zur Herstellung von Seife verwandt werden konnten, denn sie seien ja nicht fett gewesen. Einer der Beschuldigten soll ferner eine zusätzliche Stunde für Leistungsschwache mit der Bemerkung angekündigt haben: „Heute wollen wir Auschwitz spielen und sehen, hinter wessen Namen ein Kreuz kommt.1* Es dürfte an der Zeit sein, endlich durch eine allgemeine Untersuchung der Schulverhältnisse in diesem Land zu einer Bereinigung der Atmosphäre zu gelangen, sonst ist für die Zukunft nichts Gutes zu erwarten. Entwicklung der Industrie Israels Auch im Jahre 1965 setzte sich die Ausweitung der Industrie Israels fort. Sie liegt mit rund 10% über der in der gleichen Periode des Vorjahres, und auch das Handelsdefizit konnte infolge dieser Produktionserhöhung entsprechend abgebaut werden. So wurde das Handelsdefizit für die Zeit vom Januar 1965 bis Ende Juli 1965 von 276 Millionen Dollar in der gleichen Periode des Vorjahres auf 220 Millionen Dollar für die ersten sieben Morrte 1965 gesenkt, und diese Bewegung setzte sich dann, wenn auch etwas lang sanier im August und September fort, in denen das De fizit um weitere 11% reduziert werden konnte I Die Tatsache, dass die Industrieproduktion um 10% erweitert werden konnte, während die Zahl der eingesetzten Arbeitskräfte nui um L % vermehrt werden musste, zeigt aber auch, dass auf dem Gebiet der Mechanisierung und Automatisie rung unserer Industrie recht bedeutende Fortschritte gemacht werden konnten, wenn auch zweifelos auf diesem *~ ebiete noch viel zu tun bleibt. Vor allem muss der In dustrief orschung verstärktes Augenmerk zugewandt und alle vorhandenen Kräfte müssen hier zu einer echten Zusammenarbeit gebracht werden. Für Forschungszwecke sind im Jahre 1965, allein 90 Millionen IL, aufgebracht werden, wovon die Regierung über die Hälfte dieser Summe zusteuert. Dies konnte Ministerpräsident Levi Eschkol kürzlich bekannt geben. Israel wird ähnlich wie die Schweiz etwa sich der Produktion von Spezialartikeln zuwenden müssen, da es auf dem Gebiet der Massen- Standardartikel wohl kaum mit den grossen Weltkonzernen konkurrieren kann. Dazu gilt es auch, beste Qualität zu erzeugen. Auf dem Gebiet der Strickwarenindustrie zum Beispiel ist dies der Industrie bereits gelungen. Solche Erfolge wirken sich dann aber auch für andere Produkte Israels aus, wenn der Begriff „made in Israel“ sich mit Erfolg durchsetzen konnte. Es muss daher auch für eine ständige Qualitätskontrolle Sorge getragen werden, wie dies etwa vom Israel Standard-Institut getan wird. Aber auch das kaufende Publikum muss auf der Lieferung von waren einwandfreier Qualität bestehen, was nur im Gesamtinteresse der Industrie Israels gelegen ist, Israel ist nicht reich an Naturschätzen; umso wichtiger ist es, dass es von den vorhandenen Naturschätzen, wie besonders den Phosphaten des Negew, der Pottasche und den Chemikalien des Toten Meeres, dem Kupfer von Timna, den richtigen Gebrauch zu machen weiss. Es gilt nicht nur, diese Naturschätze abzubauen, sondern sie zu veredeln und erst dann zum Export zu bringen. Auf diese Weise ist es möglich, eine grosse chemische Industrie aufzubauen, die zum grossen Teil Rohstoffen des Landes selbst verarbeitet. So wird es Israel, auch gelingen, den jetzt erreichten Zustand der vollen Beschäftigung aller Arbeitskräfte weiterhin aufrecht zu erhalten. Ein weiteres Ziel dabei muss es ferner sein, zu einer gesunden Verteilung der Bevölkerung über das ganze Land zu kommen, wozu auch eine Verlegung der Produktionsstätteji in die bisher vernachlässigten Entwicklungsgebiete notwendig ist. Der Industrie stehen heut« gute Arbeitskräfte zur Verfügung, für deren Ausbildung Sorge getragen wird. Auch zeigt es sich, dass die israelische Industrie nicht überkonservativ ist sondern bereit, sich schnell und gewandt auf neue Produkte, neue Arbeitsmethoden und Verfahren umzustellen. Gut» Spezialisierung, hoher Qualitätsstandard und intensive Bearbeitung der ausländischen Märkte werden es der Industrie Israels ermöglichen, durch ihren Anteil zur Liquidierung des Defizits in der Handelsbilanz einen ausschlaggebenden Beitrag zu leisten. Dr. KURT OTTENSOOSER Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 331 Registro de la Propiedad Intelectual N» 863.707

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