Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2136 (1.10.1965)
- Date
- 1965-10-01
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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O ÛÛ FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXVI. BUENOS AIRES, VIERNES 1» DE OCTUBRE DE 1965 N* 3136 E L E J en toda E M P L A R la República PUEYRREDON 2190 1* izq. T.E. 83 - 2613 Buenos Aires Der „Todesengel von Treblinka“ In dem gxossen Prozess ge- »en die SS-Sehergen, die im KZ Treblinka gewütet haben, und der vor kurzem beendet worden ist, kamen Vorgänge zur Sprache, die von allgemeiner Bedeutung sind. Diese NS-Kriegsverbrecher-Prozesse haben gewisse Nebenwirkungen, die über die Bemiihurgen der Gerichte. die Schuld der vor ihnen sitzenden Angeklagten abzuwägen und Urteile gegen einzelne Angeklagte zu fällen. w :ic hinausreichen. Gewiss nat der Vorsitzende im grossen Auschwitz - Prozess insoweit recht, als er sagte, es könne nicht Aufgabe des Gerichts sein, historische Wahrheiten zu erforschen oder allgemeine Werturteile abzuwägen. Aber dass historische Wahrheiten durch die gerichtlichen Ermittlungen, durch Poiizeiberichte. Zeugenaussagen, Dokumente usw. ans Tageslicht gebracht werden, ist nicht zu bestreiten, ob dies zu den Funktionen eines Gerichts gehören mag oder nicht. Im übrigen soll man nicht nur den strafrichterlichen Aspekt bei der Führung und Wertung derartiger Prozesse in den Vordergrund schieben. Denn hier handelt s sich eben nicht um gewöhnliche Strafverfahren, die gevon JAKOB KÄT2-R0GASEN <ven einen Mörd;r oder eine i den. Aber diese Prozesse stel- Gruppe von Mördern eingeleitet werden mussten. Was damals geschah und was nunmehr durch einen Prozess behandelt wird, waren Verbrechen eines bis dahin völlig unbekannten Ausmasses, aber auch Verbrechen, die mit einer ganz ungewöhnlichen Grausamkeit systematisch begangen worden sind. Durch den abnormen Hintergrund, auf dein sich diese Morde und Brutalitäten abgespielt haben, gewinnen auch diese Prozesse eine Bedeutung, die über einen normalen Mordprozess hinausgeht. Dies abzustreiten, wäre ein Vorbeisehen an den Realitäten. Dass diese Prozesse aus den genannten Gründen nun auch zu politischen Prozessen werden, ist eine Behauptung, die gewiss diskutiert werden kann. Obw'Ohl es rieh um gemeinste Morde handelt, kann nicht vergessen werden, dass hier eine staatlich gelenkte Mord- und Menschen - Vernichtungsmaschine in Gang gesetzt worden ist. Diese Prozesse sind gegen einzelne Uebeltäter eingeleitet worden, die wegen ihrer individuellen Schuld zur Verantwortung gezogen wer- Blick in die Welt von HAROLB SCHWARCZ LYNDON B. JOHNSON teilte mit, dass die USA und Panama einen neuen Vertrag über den Kanal absch iessen werden, durch den die panamesische Souveränität wirkungsvoller geschützt werde. — STEFAN STEFANOPOULOS, der griechische Ministerpräsident, erreichte ein Vertrauensvotum mit nur vier Stimmen Mehrheit, wodurch die Krise in Griechenland nach 71 Tagen — vorläufig — gelöst ist. — WILLY BRANDT, Oberbürgermeister Berlins, erklärte, nicht noch einmal für den Kanzlerposten kandidieren zu wollen. — NACH SCHWEREN und blutigen Zusammenstössen in Bolivien soll im Mineng&biet die Ruhe wiederhergestellt werden sein. — KONRAD ADENAUER, 89 Jahre alt, teilte mit, die US£ und andere Länder besuchen zu wollen, ohne weitere Einzelheiten anzugeben. — VICTOR MENDAKA, Innenminister des Kongo, erklärte, dass es nicht wahr sei, was über ein gegen Mose Tschombe verübtes Attentat verbreitet wurde. — 100.000 ODER MEHR INDER demonstrierten gegen das Rote China in einem Marsch, der an der chinesischen Botschaft in New^ Delhi vorbeiführte, um gegen die chities'schan Anschuldigungen zu protestieren. — MOHAMED AYUB KHAN, der Präsident Pakistans, erklärte, dass trotz des von den UN vermittelten Abbruchs der kriegerischen Handlungen das indisch -pakistanische Problem ungelöst sei.,— BUNDESKANZLER ERHARD wurde nach dem Wahlsieg seiner Partei erneut mit der Regierungsbildung beauftragt.— ARTHUR J. GOLDBERG, der neue amerikanische Botschafter vor den UN, griff in seiner ersten Rede da6 Rote China an. — PAPST PAUL VI. wird vor den UN sprechen; er ist der erste Papst, der einen Besuch in den USA abstattet. — IRAKISCHE OFFIZIERE, die in 4 Militärflugzeugen aus Bagdad nach einem gescheiterten Putsch geflohen waren, wurden in Kairo inhaftiert. — AMINTORE FANFANI, Expremier Italiens und jetziger Aussenminister dieses Landes, wurde zum Präsidenten der 20- Generalversammlung der Vereinten Nationen gewählt. — DAS VATIKANISCHE KONZIL erbrachte bei der Abstimmung über das Vorprojekt über die religiöse Freiheit einen Erfolg der .modernen1 Richtung. — Die DOMINIKANISCHE REPUBLIK wurde von neuen Unruhen erschüttert. — len zugleich eine Anklage ge gen jenen Unrechtsstaat dar, der den Angeklagten die Möglichkeit und die Macht gab, solche Untaten zu begehen. In diesem Sinne ist der SS-Unrechtsstaat immer der Hauptangeklagte, dessen ungeheuerliche Schuld aber die Angeklagten weder entlasten noch rechtfertigen kann. Manche Angeklagte und noch häufiger ihre Verteidiger vex-suchten die Gelegenheit zu benutzen, um offene oder versteckte Propaganda für das in Trümmer gesunkene Dritte Reich und seine Paladine zu machen. Deshalb wurde das Plädoyer des- Rechtsanwaltes Max Ostrop als ungewöhnlich empfunden, der seine Ausführungen mit einem ehrenden Gedenken an die Opfer des Vernichtungslagers Treblinka einleitete. Der Verteidiger versuchte nichts zu .beschönigen“ an diesem Völkermord und unterstellte allen früheren Lagerinsassen, die in diesem Prozess ausgesagt haben, dass sie als Zeugen nach bestem Wissen ihre Erklärungen abgegeben hätten. Dann erst wandte er sich seinem Mandanten, dem Angeklagten August Miete zu, den die wenigen Ueberlebenden heute noch als „Malchamowes“ (Todesengel) bezeichnen. Er ist neben dem Hauptangeklagtsn Franz von den Zeugen am häufigsten identifiziert und am schwersten mit Exzesstaten belastet worden. Der ehemalige Landwirt Miete, meinte der Anwalt, sei heimtückisch zur SS und zum Euthanasie-Programm gelockt worden, um dann in die Todesmaschinerie von Treblinka gepresst zu werden. Miete sei schliesslich, da er keinen Ausweg gesehen habe, zum „gehorchenden Werkzeug“ geworden. Punkt um Punkt geht der Anwalt die lange Liste der einzelnen Taten durch. Er kommt zu dem Schluss, dass dort, wo die Zeugen einander nicht widersprochen hätten Miete nur die Befehle seines Vorgesetzten befolgt habe. Das trägt dem Anwalt Immer wieder böse Blicke von Franz ein, auf dessen Kosten dieses Plädoyer weitgehend geführt wird. Miete sei ein „zum Henker missbrauchter Mensch, der zu vollziehen hatte, was die Machthaber von ihm verlangten.“ Auch er könne weitgehend Befehlsnotstand in Anspruch nehmen. Sein Verhalten im Lager könne weder als Mord noch als Beihilfe zum Mord gewertet werden, da niedrige Beweggründe fehlten. Miete, der 150 bis 200 Erschiessungen auf Befehl im sogenannten Lazarett gestanden hat, könne allein als Beihilfe zum Totschlag, sofern das Gericht den Notstand nicht anerkenne, verurteilt werden. Dies ist der erste Strafantrag eines Verteidigers im Treblinka-Prozess, da zuvor auch für den wegen vielfachen Mordes angeklagten Gustav Münzbarger auf Freispruch plädiert worden war. Der Anwalt, der fast nur die Geschworenen ansprach, iiess keine einzige Zeugenaussage zu Lasten seines Mandanten gelten. Wenn Münzberger seinem Mitangeklagten Horn damals in Treblinka vorgeworfen habe, er „mache nicht richtig mit“, dann waren nach Ansicht dieses Verteidigers mit solchen Worten nicht die Judenmorde, sondern die Kameradschaftsabende gemeint. Der Versuch der Verteidiger, lipcar vor dem Rrteilsspruch einen wichtigen Bafehlsaotstandszeugen zu ermitteln, 'scheint zu misslingen. lieber jenen Franz Preissler, der 1942 von Warschau in das KZ Dachau geschickt worden sein soll, weil er die Beteiligung an Exekutionen verweigerte, will die vom Schwurgericht um Hilfe gebetene Kurie in Rem keine Unterlagen zur Verfügung stellen. Preissler soll wegen seines Verhaltens vom Papst zum Ritter des Sylvesterordens ernannt worden sein. Die Nuntiatur in Bad Godesberg hat dem Gericht mitgeteilt, dass sie „aus Gründen der Seelsorge“ in dieser Sache keine Hilfe leisten könne. Immerhin ist es bemerkenswert, wenn man hervorheben muss, dass auch ein Verteidiger einen Strafantrag stellt und sich nicht einfach damit begnügt, Freispruch zu verlangen und jede Verantwortung seines Schützlings abzuleugnen. Mit solchen Scheinargumenten, denen das Gericht natürlich nicht folgte, es sei der Kameradschaftsabend gemeint gewesen, zeigt der Verteidiger doch nur selbst, dass man ihn nicht ernst nehmen kann. Im übrigen sind solche Verdrehungen und Entstellungen üblich für die nazistische Verteidigung in der Weimarer Republik gewesen, wo gutwillige, sprich oder lies: pronazistische Richter nur allzu gern Uber solche „Eselsbrücken“ zu einem Freispruch oder einer nicht adäquaten Strafe gelangt sind. Als einmal einer der vielen jugendlichen Hitzköpfe, der von den Drahtziehern und Feinden der Republik aufgehetzt worden war, sich wegen Beleidigung Dr Gu*1 stav Stresemanns zu verantworten hatte, sagte der Verteidiger, sein Mandant habe nicht gerufen: „Stresemann sei der grösste Verbrecher, sondern der grösste Versprecher“. Das genügte für einen Freispruch... Wenn man aber heute lobend erwähnen muss, dass ein Verteidiger keinen sinnlosen Freispruch fordert, so deutet das allein schon darauf hin, dass die Lage nicht erfreulich ist. Kein Verteidiger hätte jemals — vielleicht von gezählten Ausnahmen abgesehen —, Freispruch für Mittäter in der Mordmaschine des Dritten Reiches fordern dürfen. Wer dort mitgemacht, mitgeschossen, mitgeschlagen, mitgemordet hat, ist schuldig. Wer könnte dies denn im Angesicht der ungeheuerlichen Verbrechen bestreiten? — Wer? — Weng Triumph gegen die UN von ARIE ASCHKENAS Aus^jîeïatÿ. kommt die Nachricht, ein Sprecher des arabise nerrTîtfykotts gegen Israel habe triumphierend erklärt, dass sich das gegen Israel angewandte System als ausserordentlich erfolgreich bewiesen habe. Trot2 aller von Israel aufgewandter Kräfte und Anstrengungen, auf die grossen internationalen Organisationen und Gesellschafte Einfluss zu nehmen, habe sich der über Israel verhängte arabische Boykott weiter ausgedehnt: Die Zahl der Gesellschaften, die den arabischen Boykott-Anweisungen folgen, sei zwanzigmal grösser als früher. Immer mehr internationale Kompagnien schliessen sich den Boykottbestrebungen an. Eine Konferenz der mit der Durchführung und Beaufsichtigung des Boykotts beauftragten Funktionäre, die kürzlich in Libyen stattgefunden habe, fasste den Beschluss, mit drei grossen internationalen Trusts zu brechen, weil diese den Boykottbefehlen keine Folge geleistet hätten, was ihnen nachgewiesen worden sei. In dem Communiqué, das von dieser Konferenz veröffentlicht worden ist, — die Tagung dauerte elf Tage, — wird von den erreichten Erfolgen gesprochen. Die angewandten Massnahmen seier so wirkungsvoll, dass damit gerechnet werden kann, dass hierdurch die Ziele der arabischen Politik erreicht werden würden... Dass der arabische Boykott besteht und Israel Schaden-zufügt, wird niemand bestreiten. Dass es Firmen gibt, die dem arabischen Druck nach geben, ist ebenfalls bekannt. Immerhin konnte sich die israelische Wirtschaft trotz aller Drohungen und Boykottmassnahmen in einer überraschend kurzen Zeit und in einem nicht vorgesehenen Umfang entwickeln.. Dass dar Boykott bisher ein wirkungsvolles Mittel ist, um die arabische Politik durchzusetzen, wurde selbst von der Konferenz in Libyen nicht behauptet, die nur für die Zukunft vorweggenommene Erfolge ankündigt. Dass durch den Abbruch der arabischdeutschen Beziehungen die arabische Boykottbewegung einen fühlbaren und schweren Schlag erhalten hat, wird verschwiegen. Abgesehen von der Frage, ob die Boykottbewegung der Araber ein Erfolg oder Misserfolg ist, muss lestgesteilt werden, dass diese Bestrebungen nach wie vor einen grobem Verstoss gegen den UN-Oharter und die von den Vereinten Nationen proklamierten und verfolgten Prinzipien darstellen. Die behaupteten Triumphe sind nicht allein gegen Israel gerichtete internationale Verbrechen, sondern richten sich genau so oder mehr gegen die UN und ihre Grundsätze. Das wird stillschweigend von den UN geduldet. Wenn sich diese internationale Körperschaft nicht hiergegen wehrt, wird sie weiter an Prestige und Durchschlagskraft verlieren und ruhig zusehen, wie man ganz offen ihre Autorität untergräbt. Die jetzige Vollversammlung wäre die Gelegenheit, dem illegalen Treiben der arabischen Boykottbewegung endlich ein Ende zu bereiten. nicht die Täter selbst, ihre Helfer und ihre Hintermänner oder jene Schreibtisehmörder, die bisher überhaupt nicht oder nur sehr selten zur Verantwortung gezogen worden sind. Der Fall des Franz Preissler ist nicht bewiesen. Es wäre der einzige, bisher bekannte Fall, in dem ein Soldat oder Zivilist, der die Beteiligung an einer Exekution abgalehnt hat, in ein KZ geschickt worden ist. Aus welchen Gx-ünden der Vatikan die vom Gericht erbetene Rechtshilfe abgelehnt hat, ist im einzelnen nicht bekannt. Die Mitteilung, dies geschehe aus „Gründen der Seelsorge“ wirkt nicht überzeugend. Immerhin ist es bedauerlich, dass von dieser Seite bisher nichts oder sehr wenig geschehen ist, um die historische Wahrheit zu ergründen. Inzwischen ist die Diskussion über das Urteil im Auschwitz-Prozess nicht abgeklungen. In weiten Kreisen herrscht Empörung oder Unzufriedenheit mit dem Ausgang dieses Monster-Prozesses, über den auch an dieser Stelle noch manches zu sagen bleibt. Eine Meldung aus Casablanca Boston. — John Cogley, Korrespondent des „Christian Science Monitor" berichtete aus Casablanca, dass bei den Unterhaltungen innerhalb und ausserhalb der Arabischen Spitzenkonferenz die Ueberzeugung aufkam und durch die Botschaft Bourguibas, in der dieser seinen Boykott der Konferenz begründete, noch verstärkt wurde, dass Sowjetrussland sich gemeinsam mit den Vereinigten Staaten aktiv einem neuen arabisch-israelischen Krieg widersetzen würde, da dieser den Dritten Weltkrieg auslösen könnte. Cogley zitierte einen syrischen Politiker, der zu ihm sagte: „Die Russen haben uns die Waffen geliefert die wir verlangt haben. Aber wir machen uns keine Illusionen. Wir wissen, dass Nordamerika intervenieren würde, um Israel zu schützen, und wir erwarten keüxe wirkliche Hilfe von Moskau. Die Chinesen könnten uns helfe«, aber wie sollten sie dies tun? Sie sind zu weit entfernt!“ (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N# 826.206 C0: 553 fo'âSÆS