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Jüdische Wochenschau · 1965-06-25 · 2122 (25.6.1965) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2122 (25.6.1965)
Date
1965-06-25
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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FRANQUEO PAGADO O Cú O 3 _ -g « Concesión 908 o S,- <5 S TARIFA REDUCIDA < ü Concesión 1629 A no XXVI. BUENOS AIRES, VIERNES 25 dl« JUNIO DE 1955 N» 2122 EL EJEMPLAR en toda la República PUEVRREDON 2190 19 m. T. E. 83 2613 Buenos Aires Wende „Wenn die SS-Leute, wie sie es hätten tun können, sich an die Front gemeldet imien, so hatte auf ihre Schüsse ein Feind zurückgeschassen. Wenn sie aber ihre Opfer, vor allem Juden, vor den sebsbgeschauielte« Gräbern niederknallten. so kamen keine Schüsse zurück und als Echo ihrer Taten hörten sie nur das Stöhnen der Sterbenden." Diese Aussage des P chcerg des Obersten Gerichtshofes des Staates Pennsylvania, Michael A. Musnianro, der als Zeuge im Auschwbz-Proaess geladt war. bildete den Höhepunkt seiner Vernehmung vor dem Schwurgericht. Spannung und La tlosigkeit herrschten in dem über, füllten Schwurgerichtssaal, als der weisshaarige ehe*na lige Präsident im Nürnberger Einsatzgruppenprozess gegen Otto Ohlendorf und beisitzender Richter im grossen Nürnberger Konzentrations lagerprozess gegen Oswald Pohl seine Aussage über den sogenannten Befehlsnotstand von ROBERT M. W. XEMPNER machte. Vom höchsten bis zum niedrigsten SS-Mann versucht sich fast jeder Massenmörder heute vor den deutschen Schwurgerichten damit zu verteidigen, r habe auch kriminellen Befehlen folgen müssen. Es war sehr schwer, diesen Mythos zu widerlegen, da vorbestrafte SS- Offiziere aus Kameraderie mit ihren früheren SS-Män. nern, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen nur sehr zurückhaltend über dieses Problem aussagen wollten. Unsere Anregung, endlich einmal einen hochstehenden, völlig unabhängij gen u id unwiderlegbaren | ausländischen Juristen als | Zeugen zu vernehmen, wurde daher von der Staatsanwalfc-; schaff und den Nebenklägern; positiv aufgemtmtren.! Ueber zweihundert Perso- I nen hatte Musmam.o — der , übrigens auch ein US- ' ‘mi-! rai im Ruhestand ist — aufgrund eines Sonderauftrages der USA-Marine während Die spielenden Kinder von SEM FRAIS K EIS ST E US Die Stadt Bamberg wollte ein Erinnerungsmonument an der Stelle errichten, an welcher einmal die Synagoge stand, die ein Opfer der nazistischen Zerstörungswut während der Pogrome im November 1938 geworden war Dies war gewiss eine gutgemeinte Geste. Haben doch während der letzten zwanzig Jahre viele deutsche Städte und Gemeinden, grosse, mittlere und kleine. Bauten dieses Stils und dieser Art vorgenomiren. um a.uf diesem Wege „wie dergutzumachen“, was eine barbarische Zeit angerichtet hat. So entstanden viele Synagogen in Deutschland, auch dort, wo es überhaupt keine oder nur wenige Juden gibt; so wurden Gemeindezentren und Betsäle geschaffen, die ein neuer Mittelpunkt eines gemeindlichen Lebens sind. Einige von ihnen wie in Berlin sind voll ausgenutzt andere haben eigentlich nur einen symbolischen Wert. (Welchen symbolischen Wert kann man schwer feststellen». — Die kleinen jüdischen Gruppen ln Deutschland haben längst verstanden, dass diese Wiedergutmachung^ Gesten eigentlich kaum eine Bedeutung haben. Aber wer kann au solchem Vorhaben einfach: Nein! sagen?, wer hat ein Recht dazu und wer den Mul? Wenn auch die Stadt Bamberg beinahe 20 Jahre zur Realisierung solchen Vorhabens benötigte der gute Willen war vorhanden. Aber Bubenhände — oder besser gesagt: Banditenhände — haben Hassparolen angeschmiert;, das Hakenkreuz durfte nicht fehlen. Man begnügte sich allerdings nicht mit dem Beschmieren des Monuments des sen Profanierung kurz vor der Einweihung entdeckt wur de. Auf dem jüdischen Friedhof wurden zahlreiche Grabsteine mit Hakenkreuzen, „Es lebe der Führer" und andere Slogans bekannten, beleidigenden, aufhetzenden Inhalts bemalt. Man benutzte für die reihenweise Schändung der Steine weisse und schwarze Farbe. Es ist ge schichtlich nicht erwiesen, dass die Vandalen jemals die Ruhe der Toten gestört haben. Das ist in erster Linie eine Erfindung deutscher Judenhasser. Wird man angesichts dieser Schmierereien und Untaten weiterhin bei der Behauptung bleiben, dass es spielende Kinder gewesen seien, die solche Verbrechen begingen? Sicherlich sind es beute wenige, die solche niedrigen Straftaten gutheissen. Gerade deswegen sollte man sehr energisch Vorgehen, ausnahmsweise die Täter fassen und sie auch bestrafen. Man sollte begreifen, dass die Bilder der Friedhofschändung durch die Weltpresse gegangen sind und Aufsehen erregt haben. Der Prestigeverlust wird noch grösser sein, wenn man schliesslich wieder feststellt, dass die Täter nicht gefasst worden sind. Gerade Men sehen gerechten Sinnes, die keine Verallgemeinerungen vernein nen, werden einmal mehr enttäuscht sein, wenn anstelle von Strafen Redensarten das Ergebnis polizeili eher Untersuchungen sein sollten. Von .jüdischer Seite sollten die deutschen Behörden darum gebeten werden, von derartigen Reue- und Sympathiekundgebungen wie dem Bau von Monumenten Denkmälern und Synagogen so lange absehen au wollen bis eine neue Generation herangewachsen ist, die den Kampf gegen Tobe und ihre Ruhestätten ebenso verabscheut, wie dies alle anderen zivilisierten Völker tun. der Johre 1945 und 1946 vernommen, darunter viele 33- (ihrer. Walter Sehellenberg, Hitlers vielwissender Geheimdienstchef, Hugj Blasohke, der Reichszahnarzt der SS. General Koller; Stabschef der Luftwaffe, aber auch i. tere Chargen hatten, wie Musmanno als Zeuge erklärte ui ’ dokumentaris h bewies, vor ihm ausgesr , es habe stets einen Weg gegeben, um sich vor inellen Befehlen zu drücken: Versetzungen, vorgetäuschtt Trunkenheit, Meldung an die Front u. ä. Musmanno konnte beweisen, dass er selbst Angeklagte, die so gehandelt hatten, trotz ihrer anfänglich mörderischen Tätigkeit, stets mildernd beurteilt habt«. In spannungsreicher Atmosphäre platzte ein Versuch der Verteidigung. Musrn nnos Aussage üb.-- d<-'i Mythos des Befehlsnotstandes mit dem Vorhalt au diskreditieren. in Nürnberg sei doch gegen den Grundsatz nulla poena sine lege verstossen worden. Mit souveräner Art wies der bewährte Vorsitzende Land gerichtsdirektor Dr Hans Hofmeyer, solche nationalistischen Fragen als nicht zur Sache gehörig zurück, zum Bedauern von Musmanno, der gern persönlich klai gemacht hätte, dass Mord schon einige Jahrtausende vor den Nürnberger Bestimmungen straf bari gewesen sei. Die Zerstörung des Mythos von Befehlsnotstand brachte eine entscheidende Wendung im Prozess. Von gleicher Wichtigkeit war da* Erscheinen einer polnischen Kommission unter dem Oberrichter Dr Sehn. Er brachte die Bereitwilligkeit -der polnischen Behörden mit. dem deutschen Gericht Vernehmungen von weiteten Zeugen, d h polnischen Opfern von Auschwitz. innerhalb von Polen zu gestatten Eine deutsche Ge richtskomission sollte daher erneut nach Polen fahren. Dies bedeutet eine Verlängerung der Beweisaufnahme, die eigentlich früher geschlossen werden sollte. ★ Inzwischen ist in Essen der Massenmord - Prozess gegen den 56 Jahre alten ehemaligen Leiter des Sonderkommandos 7a.. dem früheren SS-Standartenführer Albert Rapp zu Ende gegangen Er wurde wegen gemeinschaftlichen Mordes an 1180 Menschen zehnmal zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Landgerichts-li vektor Wasser wies in der ürteilbegründung darauf hin. Rapp sei an der Ausrottung des jüdischen Volkes beteiligt gewesen. Im Gegensitz zu einigen Gerichten, die noch immer nicht begriffen haoen dass die Mitwirkung an der „Endlösung”' eine wirkliche Mittäterschaft ist und keine Gehilfenschaft mit niederen Strafen, erklärte das Schwurgericht. dass für solche Taten nur lebenslängliches Zuchthaus iu Frage käme. AMNESTIE DURCH DIE HINTERTUER Nachdem die Verjährungsfrist — wenn auch nur bis zum 1. Januar 1970 — verlängert worden ist, versuchen die Befürworter eines Endes der NS-Mordprozesse durch parlamentarische Türen wenigstens einen Teil ihrer Anhänger von der Strafverfolgung auszuschliessen. Es wird der Versuch gemacht, durch Einführung neuer gesetzlicher Bestimmungen Mörder in untergeordneten Stellen” oder solche, die angeblich ..auf Befehl" gehandelt haben, oder deren Schuld „gering” gewesen sei, oder die „nicht aus eigenem Antrieb” gehan delt hätten, einer gerichtlichen Hauptverhandlung zu entziehen. Von mehreren Abgeordneten. aber auch von einer Ländervertretung, ist der Versuch gemacht worden — und auch im Bundesrat bei einer seiner letzten Sitzungen bereits erörtert worden — für solche Fälle ein besonderes Verfahren einzufiihren. Die Staatsanwaltschaften sollen nämlich in die Lage versetzt werden, von der Anklageerhebung abzusehen. Praktisch würde dies einer Teilamnestie gleichi kommen. Der Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main und auch der Treb’inka-Prozess in Düsseldorf beweisen, dass die Schuld von Angeklagten erst in einer Hauptverhandlung erwiesen und bemessen wer den kann. Mehrere Angeklagte dieser Prozesse, die zu- , nächst sehr wenig belastet! erschienen — im Auschwitz- Prozess z. B. der Angeklagte Dr. Lucas — sind erst im Ijaufe des Verfahrens durch neu aufgekommene Zeugen als Täter wiedererkannt worden. Erst durch die Öffentlichkeit einer Hauptverhand lung, Pressemitteilungn usw wird in der ganzen Welt bekannt, wer die Angeklagten sind. In einem staetsanwaltschaftlichen Vorverfahren hinter verschlossenen Türen kann, wie jeder Jurist wissen sollte, niemals ein Mord fall völlig aufgeklärt werden. Blick in die Welt v«n HAROLB SCHWARM KONFLIKT IN VIETNAM nimmt immer schärfere Formen an und veranlasst« die Amerikaner wir roni Sendung neuer Truppenkontingent«. — DE GAULLE erklärte, Frankreich müsse au einem a-usgleichenden Faktor zwischen Russland und den USA werden, damit das Gleichgewicht auf diese Weise hergesiellt werde. — In SANTO DOMINGO halten die Strassenkämpfe an, ohne dass es bisher gelungen wäre, eine Regierung au bilden. — IN TEHERAN wurden vier Attentäter gegen das Leben des Ministerpräsidenten hingerichtet, während zwei Komplizen zu lebenslänglicher Haft begnadigt wurden. — JOSIP BROZ, genannt Tito, stattete in Moskau einen Besuch ab, nachdem er längere Zeit in Ostdeutschland ge wesen ist, wo er Besprechungen mit Ulbricht führte. — PAPST PAUL VI. will auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen sprechen, um die Notwendigkeit des Friedens au unterstreichen. — DIE DIFFERENZEN zwischen der Sowjetunion und Rotchina haben sich in den letzten Wochen erheblich verschärft. Die Chinesen versuchen, die Russen von der Teilnahme an der afroasiatischen Konferenz auszuschalte« — BUNDESKANZLER ERHARD widersetzte sich dem Vorhaben der Kreditgewährung durch westliche Gruppen zugunsten des kommunistischen Regimes in Ostdeutschland. —• DIE GERUBCHTE verstmmen nicht, dass man mit überraschenden Veränderungen in der sowjetischen Hierarchie rechnen müsse. — FREIHEIT DES KULTUS wird das erste Thema sein, das auf der Vierten Sitzungsperiode des Oekunieniaehen Konzils behandeltwerden wird, wie offiziell mitgeteilt wur de. — IN LATEINAMERIKA ist der Be Völker ung.szii wach a*n grössten, was sich aus Veröffentlichungen der UN ergibt. — Die »normalen WETTERBBDINGUNGEN, iw» auf der ganzen Eide herrschen, Vulkanausbrüche, Ueberschwemu mungen, Hitzewellen usw-, werden von verschiedenen Fachleuten auf die Atom- und nuklearischen Versuche zairückgefiihrt. — ACHMED BEN BELLA, Diktator Algiers, wurde zur allgemeinen Ueberraschung gestürzt. — BERNHARD BARI'CH, Finanzberater aller amerikanischen Präsidenten von Wi'son bis Bisenhower, sta>rb wn Alter von 94 Jahren. — EIN DEUTSCHER RETTETE Syrisches Spionagenetz Haifa. — Die israelischen Behörden konnten ein syrisches Spionagenetz, das in Israel tätig war, unschädlich machen. Es wurden fünf Jugendliche im Alter von 22—24 Jahren. die sehr geachteten haifaer Familien angehören., festgenommen. Die Verhaf. tung erfolgte auf Anordnung des Friedensgerichts. Die Spionagetätigkeit wurde unj ter dem Deckmantel eines ■ Importgeschäfts für Waren; aus Zypern durchgeführt , Hin.und wieder begaben sich | einzelne Personen „in Gej schäften' nach Zypern. Die I Behörden nehmen an. lass sie dort mit Agenten des syrischen Geheimdienstes zm sam men ge troffen sind Einige der Verdächtigen halien ihre Schuld eiugestanden. Bonn: — Ein Deutscher, der im Zweiten Weltkrieg I Tausenden von Juden im KZ . das Leben gerettet hat. folg-; te einer Einladung. Israel zu; besuchen. Es handelt sich ' um Ludwig Wörl. der von j 1934 bis zum Kriegsende in nazistischen Konzentrationslagern interniert war. in diesen elf Jahren hat er täglich sein Leben aufs Spiel gesetzt, um seinen Mitmenschen zu helfen. Als Wörl 1934 von der Existenz des KZ Dachau erfuhr, begann er. geheime Flugblätter zu verteilen, in denen Protest erhoben wurde. Die Gestapo verhaftete ihn und schickte ihn nach Dachau. Trotz der Folterungen verriet er die Namen seiner Freunde nicht, so dass er neun Monate in einer engen Stra.fz.elle zubringen musste, wo er in völliger Dunkelheit an Ketten lag. Nachdem er diese Zelle verlies«, wurde er dem Lagerlazarett zugeteüt. Infiltrant arschassen Tel Aviv. — Eis Araber, der sich in Israel eingeschliehen hatte, ist von einer israelischen Patrouille in der Gegend von Ke ren Schalom in der Nähe der Gazazone auf einer Streife erschossen worden. Dies teilte ein Sprecher der Israel Armee mit. Dort studierte er gestohlene medizinische Bücher und setzt« sich in den Besitz von Medikamenten und selbst von Instrumenten, so dass er einen geheimen Krankendienst organisieren konnte. Zu seinen "Patiencen’' gehörte auch der Expräsident der Sozialdemokraten Schumacher. Die SS entdeckte Wörl und bestrafte ihn. Doch als “reiner Arier” konnte er ohne besonderen Befehl aus Berlin nicht zum Tode verurteilt werden. Dieser Befehl traf nie ein, denn Wörl besass in Berlin Freunde, die auch für die Rettung von Juden arbeiteten. So konnte Wörl sein Werk fortsetzen, das darin bestand. Namen auf den Schwarzen Listen auszuradieren. ganze Listen zu verbrennen oder Menschen zur Flucht zu verhelfen. 1942 wurde er nach Auschwitz überführt, und auch dort half er trotz der strengeren Kontrolle den Juden weiter. Im Jahre 1945 wurde er von den alitierten Truppen befreit. Kürzlich wurde Wörl im Auschwitz-Prozess als Zeuge vernommen. Er strafte diejenigen Lügen, die sich zu ihrer Verteidigung auf ‘‘höheren Befehl” und “Befehlsnotstand" beriefen. “Sie waren alle Freiwillige", erklärte Wörl. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N9 826.205

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