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Jüdische Wochenschau · 1965-06-18 · 2121 (18.6.1965) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2121 (18.6.1965)
Date
1965-06-18
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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! FRANQUEC PAGADO Concesión 90$ EL EJEMPLAR IU „ en toda ta República PUEVRREDON 2190 1« t*q. T. E 83 2613 Buenos Aires +*» P S & ï* 55 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Alio XXVI. BUENOS AIRES, VIERNES 18 DE JUNIO DE 1965 N» 2121 DIE AFFAERE VIALON Sein Verstand ist allzeit ' to-Insassen erfahren hatte, bereit. Als junger Mann be-; Als der Regierungsdirektor stand er die zweite juristi- : Viaion im Mai 19*2 die Absche Staatsprüfung mit ,lo- : leilung II im Reichskommisbenswert'; der kluge Rat des ’ sariat Ostland übernahm. Gereitten entzückte Kon- ‘waren schon rund 250.000 rad Adenauer. Alle, die ihn 1 Juden getötet worden. Die kennen, rühmen seinen . Hinterlassenschaft von minscharfen Intellekt. ' destens 100.000 weiteren To- Nur einmal im Leben ver-; desopfern hatte das von Bersank der wache Geist des I lin gen Ostland gefahrene Friedlich Karl Viaion. heute i Finanz-Talent während sei- Staatssekretär in Bonn am Rhein, offenbar in ein Dämmerdasein: zwischen 1942 und 1944. als im Baltikum etliche hunderttausend Juden liquidiert wurden. Viaion. damals Leiter der Finanzabteilung beim Reichskommissar Ostia nd in Riga, merkt« nichts davon. “Der Tatbestand der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung". so erklärte Viaion am 25. März 1963 vor dem Koblenzer Landgericht, “ist mir nicht bekannt gewesen. Ich habe erst nach dem Kriege — ich möchte sagen: wie jeder andere — davon erfahren.'’ Die Auslage, die Viaion als Zeuge ln einem Judenmord-Prozess gegen elf ehemalige Angehörige der SD- Zentiale Minsk machte, wurde von einem Bundesbüiger angeiochten. Und seit zwei Jahren ermittelt die Koblenzer Staatsanwaltschaft gegen den Staatssekretär im Bundesministerium für Entwicklungshilfe wegen Meineid-Verdachts. Zuchthaus und Ehrverlust drohen einem der höchsten Bonner Beamten, wenn sich erweisen sollte, dass er damals, als seine Behörde der Juden Gold und Silber registrierte, doch etwas vom Schicksal der KZ- und Ghetner Amtszeit zu verwalten. Ex-Reichskommissar Heinrich Lohse erinnert sich an den Sachverstand seines Abteilungschefs II: “Herr Via Ion war einer meiner fähigsten Leute. Sein Vorgänger war der Aufgabe nicht gewachsen und nicht ostlandfähig. Der ostlandfähige Haushalts-Experte, Sohn eines Reichsbankdirektors. beendete den baltischen Schlendrian. Seine Behörde vermietete Ghetto-Bewohner an NS-Dienststellen und Privatfirmen. Bis 1944 kassierte sie „aus der Verwertung der Judenarbeit“ fünfeinhalb Millionen Reichsmark. Wehere viereinhalb Millionen für ihren Ostland- Etat ergatterte die Vialon- Dienststelle durch Beschlagnahme jüdischen Eigentums, das teils bei den Verwaltungsstellen abgeliefert, teils verkauft wurde. Gewissenhaft wies Viaion am 20. Oktober 1942 sämtliche Reichskommissare darauf hin, dass die Juden häufig Wertgegenstände (“Gold und Silber. kostbare Musikinstruments ’’> versteckt hätten, empfahl “geeignete Massnahmen, auch diese Gegenstände zu erfassen’’ und den Juden “schwerste Strafe’’ anzudrohen. Und als er am 25. September 1942 anordnete, für arbeitsfähige Juden „aus dem angefallenen jüdischen Vermögen Wäsche, Kleidung, Schuhwerk und sonstige für den notdürftigen Lebensun terhalt erforderliche Gegenstände“ zurückzuhalten und einzulagern, spezifizierte er: „Es ist dabei darauf zu achten, dass nur minderwertige Gegenstände für diesen Zweck ausgewählt und an die Juden ausgegeben werden.“ Viaions fiskalischer Spürsinn galt auch den toten Seelen. Seine Dienststelle handelte mit Grabsteinen jüdischer Friedhöfe. Preis pro Kubikmeter schwarzen Basalts: 300 Reichsmark. Unversehens jedoch wurden die Gold- und Silberquellen verstopft- SS-Reichsfiihrer Heinrich Himmler befahl am 21. Juni 1943, „alle im Gebiet Ostland noch in Ghettos vorhandenen Juden in Konzentrationslagern zusammenzufassen.“ Vermögensverwalter Viaion zeigte keine Angst vor dem schwarzen Mann. Er versuchte die Himmler-Order zu hintergehen und entwarf den Plan für eine Art Sonder- KZ. Der Etat-Fachmann am 31. Juli 1943 in einem geheimen Schreiben an den Generalkommissar in Estland: „So wird z- B. ein kleiner Teil des bisherigen Rigaer Ghettos voraussichtlich zu einem Konzentrationslager umgestaltet in dem Werkstätten-Betriebe wehrwichtige Aufträge erledigen... Die Leitung dieses zu errichtenden KZ soll nach meinem Wunsch vom Generalkommissar Riga übernommen werden... Der finanzielle Ertrag soll, wie bisher, meinem Haushalt zufiie- Tito und die Araber von SEM F RAIS K ENS TEES Marschall Tito hat es bisher vermieden, einen klaren Standpunkt in der Israel-Frage zu vertreten. Er weiss, dass das jüdiscl e Problem komplizierter ist, um auf den einfachen Max-er sehen Nenner gesetzt au werden. Dieser grösste Partisan im Kampf gegen die nazistische« Unterdrücker hat viele Juden unter seinen Fahnen versammelt und gerettet, und die Juden wissen, auch wenn sie heftige Gegner des Kommunismus sind, dem Partisanenführer Tito eine treue Dankbarkeit zu bewahren. Tausende Juden aus Jugoslawien konnten unter Titos Herrschaft nach Israel aus wandern, bei dessen Gründung in den UN Jugoslawiens Vertreter sich der Stimme enthalten hatte. Das jugoslawische Verhältnis zu I.-arel hat in letzter Zeit eine neue Belastung durch die Anerkennung des jüdischen Staates seitens der Bundesrepublik erfahren Dies kam beim letzten Staatsbesuch Titos in der CSR neutliöh zum Vorschein. Denn Jugoslawien unterhält zur Bundesrepublik keine diplomatischen Beziehungen, nachcem diese vor einigen Jahren von Bonn u,nttr Berufung auf die Hallstein-Doktrin abgebrochen wori’cn sind. (Die Hallstein Doktrin führt zum Abbruch der Beziehungen Bonns zu denjenigen Ländern, die Ostdeutschland anerkennen oder mit „Pankow“ in Beziehungen treten). — Tito ist daran interessiert, dass die arabischen Länder die ostdeutsche Republik anerkennen, um damit zu verhindern, dass die erst abgebrochenen Beziehungen zu Bonn allzu schnell wiederhevgestellt werden. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass Tito selbst auf diesem Umwege die Wiederherstellung der Beziehungen von Jugoslawien zu Bonn erzwingen oder beschleunigen wall. Jedenfalls machte der Abbruch der arabisch-deutschen Beziehungen die Araber plötzlich auf einem ganz neuen Gebiet zum Bundesgenossen des jugoslawischen Diktators. An diesem kleinen Beispiel kann man das kaum mehr zu übersehende Durcheinander internationaler Interessen feststellen, deren Kreuz und Quer zu einem ständigen Stellungswechsel führen muss- — ssen. Viaions KZ kam nicht zustande. Die Himmlerschen Heerscharen vereitelten die Betriebsgründung, und am 15. Februar 1944 beklagte sich Viaion vor seinem Chef Lohse über das „beängstigende“ Ansteigen der Schulden des Reichskommissariats. Das Schicksal der Juden, das zuvor seine Kasse gefüllt hatte, was Friedrich Karl Viaion entgangen. Und für schriftliche Aeusserungen, aus denen sich Mitwisserschaft mutmassen liesse. findet der Staatssekretär heute entwaffnende Erklärungen. Bei der Vorlage eines von ihm Unterzeichneten Geheimerlasses vom 27. August 1942, wonach „alle Gold- und Silberwaren“ in den Gbetti „genau zu erfassen... und ... zu meiner Verfügung zu stellen“ waren, verliess ihn das Gedächtnis: „Ich kann nicht behaupten, dass das Schreiben gefälscht ist . . Ich betone aber ganz klar, dass ich mich an diesen Erlass nicht erinnere. Ich habe keine Kenntnis von ihm.“ An jenen Erlass vom 25. September 1942, der die Einbehaltung von Gebrauchsartikeln aus dem „angefallenen jüdischen Vermögen“ für arbeitende Juden befahl, kann sich der Staatssekretär zwar erinnern. Auf die Frage indessen, wobei denn wohl diese Kleidung, die Wäsche , und das Schuhwerk angefallen seien, antwortete er: „Die Juden hatten ja viele Sachen im Koffer mit ins Ghetto gebracht.“ Und auch für die Frage, ob ihm nicht spätestens bei der Auflösung des Ghettos ein Licht aufgegangen sei, findet Viaion eine schlichte Erklärung: „Wenn von Auflösung und Verkleinerung des Ghettos die Rede war, so konnte das durch Verschiebungen und Verlegungen sowie Arbeitseinsatz verursacht sein.“ Die Koblenzer Staatsanwälte, die den Ostland- Beamten wegen Meineid Verdachts verfolgen, sind denn auch bislang über Indizien für die Mitwisserschaft nicht hinausgekommen Die Dokumente sind spärlich, zumal das Berliner Ministerium für die besetzten Ostgebiete den Regierungsdirektor Viaion am 8. März 1944 anwies festzusteilen, „welche Akten im Falle einer Räumung mit ins Reich genommen werden müssen, und welche Akten vernichtet werden können.“ Munition für die Meineids- Pirsch der Koblenzer lieferten hauptsächlich Ost Kölle gen. Bereits zum Koblenzer SD-Prozess, bei dem Viaion seinen umstrittenen Schwur tat, steuerten zwei sowjetische Beamte Unterlagen über die baltische Periode des Finanz-Künstlers bei. Und im Oktober vorigen Jahres machten zwei DDR-Staatsanwälte Visite bei der Koblenzer Staatsanwaltschaft. Vor einiger Zeit schliesslich durften Staatsanwalt Braun und Gerichtsassesor Renne aus Koblenz in Ost- Berlin 190 Aktenblätter kopieren. Dazu kam die Aussage des ehemaligen KZ-Häftlings Karl Simsen aus Schwerin, der über seine Erlebnisse im Judenlager Salaspils bei Riga berichtete: „Der Empfang der jüdischen Häftlinge im Lager — die Transporte kamen alle acht bis zehn Tage — widersprach allen menschlichen Begriffen. Auf dem freien Platz vor der Baracke sechs, in welcher das Eigentum der jüdischen Häftlinge sortiert Oer dritte Kurden. Krieg dreht New York: — Die irakischen Kurden haben an die UN und die Grossmächte appelliert dafür Sorge zu tragen, dass ein neuer Kurden- Krieg verhindert wird. Der Führer der seit Jahren mit der Regierung in Bagdad in Streit liegenden Kurden, Barasani, hat das Mitglied des kurdischen Revolutionsrates Ismet Scherif beauftragt UN-Genera)sekretär U Thant und dem USA-Präsidenten Johnson eine entsprechende Denkschrift Barasanis ziu überbringen. Der Appell wurde auch an die Regierungschefs Englands, der Sowjetunion sowie an die Staatspräsidenten Frankreichs und Aegyptens gerichtet. In einem Aufruf an die Weltöffentlichkeit ersuchte Barasani alle Mächte, dem Irak keine Waffen zu liefern, bis die Kurden-Frage gelöst sei- Blick in die Welt von HARQLB SCHWARCZ ... itN-KOMM[SSION, die zur Untersuchung von Verstössen gegen die Menschenrechte bei den Kämpfen m der Dominikanischen Republik eingeseezt wurde, bat eine Reihe schrecklioher Grausamkeiten festgestellt. _ BLUTIGE KAEMPFE mit grossen Verlusten werden wieder aus Vietnam geneidet. _ Selbst MIKOYAN, der Präsident der Sowjetunion gratulierte den Amerikanern zu ihrem grossen Weltraum Erfolg. — KEINE RUHE herrscht in Bolivien, wo die Minen durch Truppen besetzt worden sind. — ATTENTATE gegen ausländische Diplomaten sind zu keiner Seltenheit geworden: in Deutschland schossen jugoslawische Emigranten (Faschisten) auf den Konsul ihres Landes, um ihre Gegnerschaft zu Tito zu bekunden — JEAN SALVAY. der Präsident der Internationalen Boy Scouts Organisation, verstarb in Genf. — LAL BAHADUR SHASTRI, Indiens Ministerpräsident, machte auf seiner Reise nach Kanada, wo er mit dem kanadischen Ministerpräsidenten Lester Pearson die Weltprobleme besprach, auch in Kairo für eine Unterhaltung mit Nasser Station. — ROBERT F. WAGNER, seit 12 Jahren Oberbürgermeister von New York, will nicht für eine weitere Amtsperiode kandidieren. — Ein NEUES KOMPLOTT soll gegen Moische Tschombe geschmiedet aber verhütet worden sein, wie aus Leopoldsville geneidet wird. — KOENIG HASSAN II. von Marokko löste das Parlament nach Rücktritt der Regierung auf. Die Krise ist auf die schlechte wirtschaftliche Lag« des Landes zurückzuführen. — CHOU EN-LAI, der chinesische Ministerpräsident, setzte seine anklagenden Reden und Beschuldigungen auf seiner Afrikareise gegen die USA unentwegt fort. — TERROR-AKTIONEN wurden nun auch in Guatemala gemeldet. — CHARLES DE GAULLE besuchte erneut die Bundesrepublik, wo er lange Besprechungen mit Kanzler Erhard führte, die der Entspannung dienen sollten. — JUANA CASTRO RUZ, die die Schwester des Kubaners Fidel Castro sein soll und seit langem von den Amerikanern ais Propagandistin benutzt wird, gab lobende Erklärungen über Johnsons Interventionen in Vietnam und San Domingo ab- — Die LEITENDEN MILITAERS in Südvietnam haben wiederum die Regierung, nunmehr die echte seit 1963, übernommen. — und bis zum Abtransport untergebracht wurde, mussten sich die Häftlinge -völlig nackt auskleiden... Alle wurden in einer menschenunwürdigen Weise untersucht... Während dieser Zeit war auch der heutige Staatssekretär im Lager.“ Auch das Protokoll einer Rigaer Arbeitstagung der Gebietskommissare des Reichskommissariats Ostland vom 21. bis 23. Januar 1943, an der auch Viaion teilnahm, kam erst kürzlich in die Hände der Koblenzer- Vialon-Chef Hinrieh Lohse erinnerte die Tagungsteilnehmer am Morgen das 22. Januar an die „Hunderttausende liquidierte Juden“ und ermahnte: „Es gilt, Menschen zu sparen, da die Arbeit eines jeden Menschen zum Siege ausgenutzt werden muss. Nach Ausschaltung der Juden ist dieses Problem besonders dringlich geworden.“ Staatsanwalt Braun reist jetzt in Norddeutschlend umher, um die noch lebenden Zeugen dieser Tagung darüber zu vernehmen, ob Friedrich Karl Viaion am Morgen des 22. in seinem Büro sass oder Lohses Reden lauschte. Die Frage, ob nicht erst ein eventueller Meineid, sondern schon die Vergangenheit des Staatssekretärs ausreichen würde, ihn von der Bonner Bühne zu verabschieden, ist bislang nur in der Presse erörtert worden So schrieb die .Süddeutsche Zeitung" unlängst, es sei für die Bundesregierung „diskriminierend, dass sie einen Staatssekretär, gegen den ein derart schwerer Vorwurf erhoben wird und schon seit Jahr und Tag anhängig ist, nicht mindestens bis zur Klärung des Falles suspendiert“.- Die „Frankfurter Rundschau“ mahnte: „Es wird Zeit, dass Bundeskanzler Erhard diesem Vialon-Spuk ein Ende bereitet!“ Der Kanzler scheint nicht geneigt, dem glänzenden Beamten den Abschied zu geben, der aus dem Finanzministerium 1958 ins Bundeskanzleramt einrückte und schliesslich Staatssekretär für Entwicklungshilfe wurde. Und Bntwicklungs - Minister Schel beschirmt seinen besten Helfer, der mitunter nach Altvätersitte noch am Stehpult arbeitet. Scheel: „Das ist ein erwachsener Mann, ein Jurist mit vierzig Jahren Staatsdienst, ohne jeden Mangel und ohne jeden Tadel.“ Viaion sieht es so: Wer solche Dinge aufgreife, besorge damit — gewollt oder ungewollt — die Geschäfte des Ostblocks. (Aus dem „Spiegel“) Redaktions ~ Schluss für diese Ausgabe war Mittwoch, den 16. Ju~ ni. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N9 826.205

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