Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2117 (21.5.1965)
- Date
- 1965-05-21
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYKREDON 2190 — 1» izq. JGíJenuiitaDkAjCíeliia T R. g 3 t *5 1 3 Ano XXVI. BUENOS AIRES, VIERNES 21 I>E MAYO DE 1965 N" 2117 USA - Politik im Nahen Osten Washington: — Da* State Department versucht, sich seinen Verpflichtungen für Je israelische Sicherheit zu entziehen. Die Beamten zeigen sich nicht mehr gewillt, die Zusagen zu bestätigen, die Israel im vergangenen Jahr vom Präsidenten Johnsohn gegeben worden sind. Dieser hat jetzt die ganze Frage des arabisch-israelischen Komplexes dem State Department übertragen. Die neue Devise dieses Ministeriums heisst, dass die unmittelbare Bedrohung des Friedens im Nahen Osten von Israel eher als von den Arabern ausgeht. Die Beamten haben enthüllt, dass sie Israel ausdrücklich vor dem Versuch gewarnt haben, die Ableitung der Wasserquellen Israels durch die Araber mit einer militärischen Aktion zu beantworten. Die Araber wurden ermahnt, keine mili tärischen Operationen gegen Israel zu unternehmen, doch solange die Ableitungsarbsiten innerhalb arabischen Territoriums vor sich gingen, würden sie nicht als eine bewaffnete Aggression angesehen werden. Das State Department war bemüht, ein israelisches Ersuchen um Waffen, das nach der Kündigung des Waffen-Abkommens mit West- Deutschland gestellt wurde, ausweichend zu behandeln. Es zeigte sich günstig beeindruckt, als Nasser es unterlass. das Vorhandensein nordamerikanischer Tanks in den deutschen Waffenlieferungen an Israel auszuschlachten. Der ägyptische Präsident griff zwar die Regierung in Bonn wütend an, doch tat er dem State Department den Gefallen, beflissen zu übersehen, dass Amerika in die Sache verwickelt war. Da die sowjetischen Waffen weiter nach Aegypten fliessen, so ist das State Department zu irgendeiner Geste genötigt, die so aussieht, als wolle es Israel helfen, sein Bedürfnis nach Waffen zu befriedigen. Dem State Department wäre as angenehm, “diese sowjetische Falle“ zu vermeiden und sich “von den Russen nicht verführen zu lassen, die USA an die unpopuläre, israelische Seite in einem Weitrüsten zu locken, in dem sich der kommunistische Block mit der arabischen Front identifiziert.’’ Die Amerikaner haben eine neue Formel erfunden. Sie wollen eine neue Politik einschlagen, eine Politik der Mässigung, die darauf hinausgeht. sich der Lieferung schwererer Waffen nach Nahost zu enthalten, wobei jedoch beschränkte Ausnahmen, von Fall zu Fall, und nach Massgabe der jeweiligen Dringlichkeit erlaubt von MILTON FRIEDMAN sein sol'en. Israel wird somit sorgfältig verringerte Wafj fenmengen. doch eben nur von Zeit au Zeit, bekommen. Diese Lieferungen sollen mit ähnlichen Sendungen an Transjordanien, Libanon, Irak und Saudi-Arabien “ausgeglichen’' Werden. Nach Auffassung des State Department würde auf diese Weise die selbst in beschränkten Mengen an Torael verkauften Waffen den Arabern leichter verdaulich machen und sie davon abhalten, sich aus sowjetischen Waffenquellen zu versorgen. Allerdings hat Irak den grössten Teil seiner modernen Rüstungen von Russand bezogen. Aegypten erhält buchstäblich seinen gesamten Rüstungsbedarf vom Sowjetblock. Das gleiche gilt für Syrien. Die neue USA-Politik ist daau angetan, eine Situation zu schaffen, in der sowohl die Vereinigten Staaten wie die Sowjetunion ultramoderne Waffen an alle Araber schicken werden. Andererseits scheint die amerikanische Reaktion auf die israelischen Bedürfnisse höchst karg, zaudernd und wahrscheinlich weit hinter den realen Notwendigkeiten zu rückble ibend vorgerehe n zu sein. Die USA-Regierung hat auf diplomatischen Wegen mitgetei't, dass Amerika entschlossen sei, sich nicht offen mit der Sicherheit Israels zu verbinden, sondern systematisch, was Qualität und Quantität betrifft, die ägyptischen Waffenmengen sowjetischer Herkunft zu kompensieren. Die Sendungen von Waffen an Israel werden in kleinen Mengen durchgeführt werden und gleichzeitig von ähnlichen Lieferungen an die arabischen Siaaten begleitet sein, um diese nicht zu verärgern. Das Wettrüsten im Mittelosten ist in vollem Gange. Man gibt zu. dass Aegypten Geschosse für den Boden kampf besitzt, die Israel erreichen können. Aber die Experten haben dem Präsidenten von einer angemessenen Befriedigung des israelischen Waffenbedarfes abgeraten weil die ägyptischen Raketen “eher Reklamewert als wirkliche militärische Bedeutung besitzen, wenn man sie mit den letzten Raketen der Nordamerikaner vergleicht.’’ WIE ICH ES SEHE Antisemitische Tendenzen von JEHUDA GOTTHEMER Mit der Frage der Enti Wicklung und der Abwehr j rechtsradikaler und antisei mitischer Tendenzen in der Bundesrepublik beschäftigen sich verschiedene Organisationen, Institute und Ministerien- Da der Einfluss der deutschen Antisemiten auf ihre Gesinnungsgenossen in der ganzen Weut erheblich ist, dürften diese Studien für uns von allgemeinem Interesse sein. Sehr richtig hat man hervorgehoben, lass die politische Auseinandersetzung mit den Vertretern rechtsextremer Gruppen da, zu geführt hat, dass sich weitere Kreise in vielen Ländern hierfür interessieren Den neuesten Untersuchungen, die vom Bundesministerium des Innnern für das Jahr 1964 veröffentlicht worden sind, hat man eine Einleitung vorangestellt, die kritisch betrachtet werden sollte. In diesem Zusammenhang wird u. a. gesagt, dass der organisierte Rechtsradikalisrr.us zur Zeit keine Gefahr in der Bundesrepublik darstelle und kein politisch bedeutender Faktor sei Man beruft sich auf die Erklärungen demokratischer, intei nationaler Verbände von Verfolgten und Widerstands, kämpfern, die zu dem Ergebnis gelangt seien, die agita. torischen Zentren des heutigen Faschismus lägen nicht in der Bundesrepublik. Diese Behauptung mag zutreffen, ist aber für die Beurteilung der Probleme nicht wesentlich. Denn auch dann, wenn die agitatorischen Zentren ausserhalb Deutschlands line Erklaerung Ludwig Erhards Bonn. — Bundeskanzler Ludwig Erhard erklärte in einer sehr besuchten Pressekonferenz: „Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel geschah nach meinem Beschluss vom 7. März. Mir schien, dass es an der Zeit wäre, unsere Beziehungen mit Israel endlich normal zu gestalten, wie es die freie Welt getan hat und selbst jene Länder, die mit den arabischen Völkern diplomatische Beziehungen pf'egen. Ich bedauere zutiefst, dass einige arabische Staaten uns das Recht absprechen zu können glauben, das sie 85 Staaten zugestehen. Doch dies müssen wir mit G eichmut hinnehmen, und ich hoffe weiter, dass der Bruch nicht das letzte Wort in den deutsch-arabischen Beziehungen sein wird.“ (ITA) liegen, bleibt die Bedeutung der in Deutschland vorhandenen und von dort ausstrahlenden rechtsradikalen und antisemitischen lenc.enzen von grosser Bedeutung, wenn nicht für die Entwicklung anderer, gleich gelagerter Gruppierungen richtunggebend. Es ist eine Tatsache, dass weder die alten Nationalsozialisten noch neofaschistische Verbände im deutschen Parlament vertreten sind. Das allein aber ist kein überzeugendes Argument., dass diese Gruppierungen keinen Einfluss hätten. Der Hinweis dürfte interessant und für die Beurteilung der nazistisch- und neofaschistischen Tarnarbeit wichtig sein, dass wir die gleiche Erscheinung auch in anderen Ländern beobachten sonnen, wo die Extremisten und Antisemiten keine unmittelbare Parlamentsvertretung besitzen. und in vielen Pallen überhaupt nicht erst anstreben. Während die Nazis vor allem in den letzten zehn Jahren vor ihrer Machtergreifung alles daran setzten, um den Deutschen Reichstag zu erobern, den sie nachher ansteckten, hat man heute ganz offensichtlich seine Taktik geändert. Ob man der Auffassung ist, ohne das Parlament wirkungsvoller seine Propaganda-Arbeit zu leisten, oder ob andere Gesichtspunkte hierbei massgebend sind, die Tatsache ist nicht zu leugnen, dass der Einfluss auf die Parlamentarier von aussen geübt wird- Trotzdem die antisemitische Welle in der Welt ’eb haft an alle Küsten schlägt, ist der Antisemitismus als solcher ebenso wenig wie Faschismus und Nazismus in alter oder neuer Form eine begehrte oder dankbare Ware. Man bedient sich dieser Tendenzen, obwohl sie allgemein — jedenfalls im Augenblick noch — verpönt sind. Die Wunden des Zweiten Weltkrieges sind noch zu frisch, als dass man eine Wiederholung der alten Hasstheorien billigen könne jedenfalls offiziell nicht Antisemitismus ist im Augen, blick kein attraktiver Pro- ] grammpunkt für eine politische Partei in einer Demokratie, aber antisemitische Tendenzen finden trotzdem stets Geschmack bei einem bestimmten Pub ikum. Die Wahlen ziu den verschiedenen Landtagen und Kommunen in Deutschland haben gezeigt, dass in keij nem Fall eine rechtsradikale Partei mehr als 1 Prozent der Wählerstirr.men im eigenen Namen gewinnen konnte. Die Deutschen führen diesen Rückgang der Rechtsradikalen auf die weiter fortschreitende politische und wirtschaftliche Konsolidie rung zurück. Es gibt Länder, in denen zwar die gleiche Erscheinung beobachtet werden kann, von einer wirtschaftlichen Konsolidierung jedoch kaum die Rede sein kann- Also müssen noch andere Faktoren mitwirken In den zehn Jahren zwischen 1954 und 1964 ging die Mitgliederzahl der radikalen Organisationen von 78 000 auf 22.000 zurück. Aber im Jahr 1961 waren es 86 Organisationen, im Jahre 1964 dagegen 119, auf die sich der schwindende Mitgliederbestand verteilte. Dagegen ist die Auflage der rechtsradikalen - antisemitsichen Presseorgane nicht unbeachtlich. Rund 200.000 beträgt die Gesamtauflage der 1963 noch 52 Zeitschriften, während ein Jahr später 45 derartige Zeitschriften bereits weniger als diese Auflageziffe hatten. Wenn es auch richtig ist, dass im Vergleich mit den Millionenziffern deutscher Presse-Erzeugnisse diese Auflage geringfügig erscheinen mag und auch tatsächlich ist, soll man sich nicht über den vorhandenen Einfluss dieser Produkte täuschen Die Auflageziffer einer Zeitung ist zur Beurteilung ih. res Einflusses ohnehin von einer relativen Bedeutung. Man braucht nur an eine Zeitschrift wie „Die Fackel“ von Karl Kraus oder .Der Brenner“ von Ludwig Ficker zu denken. Zu diesem ’Thema äusserte sich Paul Noack (Der Monat, Heft 11 des Jahrganges 1964) und mein te wohl mit Recht dass man voreilig dazu neigt, die Wir Jerusalem. — Ministerpräsident Levi Eshkol machte den Ländern, die Im Jahre 1949 mit Israel Waffenstillstands-Verträge unterzeichnet haben, öffentlich den Vorschlag, in direkte Verhand ungen einzutreten, um diese Abkommen in Frledensvertrüge zu verwandeln. Er wies darauf hin, dass vor ku:-zem arabische Stimmen laut wurden, die offen den Krieg ablehnten und zu Frieden und Koexistenz mahnten- „Ohne verfrühten Optimismus“, so führte er aus, „dürfen die Israelis mit Recht annehmen, cfas, es in der arabischen Welt und unter irren politischer Führern Männer gibt, die aufrichtig an eine Koexi-tenz glauben.“ Eshkol betonte, dass der Frieden sich auf das heutige Iesrael mit seinen bestehenden Grenzen gründen muss und der Grundsatz gelten müsse, dass „der Frieden dazu dienen soll, die Beziehungen zwischen den j Staaten, nicht aber die Staaten selbst zu wandeln“. „Der Tag wird kommen“, schloss Eshkol „an dem di« araoischen Staaten erkennen werden, dass die wahre Spaltung nicht zwischen Israel und den Arabern liegt sondern zwLschen den Friedensfreunden und den Kriegslüsternen, und dr-ss sie daraus ihre logischen Folgerungen ziehen weiden.“ In einer Rede vor der Knesset wies Levi Eshkol auf die Vorteile hin, die ein Friedensschluss allen Beteiligten bieten würde und die sich auf den freien Verkehr zu La'to und in der Luft, das Postwesen, den Tourismus, einen gemeinsamen Handelsmarkt, die EVsehlie ssung neuer Energiequellen und auf Studien für die Entsalz mg des Meerwassers beziehen würden. Gemeinsam könnte es auch möglich sein, dem Wettrüsten Einhalt zu tun und sich einer Abrüstung zu nähern- Die auf diese Weise frei werdenden Kräfte würden es ferner gestatten, die Ansiedlung der arabischen Flüchtlinge zu erleichtern. Er erklärte die Bereitschaft Israels, an dieser Aufgabe mit Unterstützung der Gross- I machte teilzunehmen. (ITA) I Deutsch-israelisches Communiqué Jerusalem: — Die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Westdeutschland Wurde gleichzeitig in Jerusalem und Bonn angekündigt. Die Bekanntmachung enthält den Briefwechsel zwischen Bundeska nzler Ludwig Erhard und dem israelischen Premierminister Levi Eshkol. Erhard erklärt in seinem Schreiben, er sei “sehr befriedigt“ von dem Abkommen. und fügt hinzu, dass “es möglich war, in gegenseitiger Uebereinstimmung die noch mit Israel schwebenden und die Lieferungen von Waffen betreffenden Verträge umzuwandeln, so dass nynmehr die deutsche Regierung in zwei bis drei Monaten mit der Regierung Israels in Unterhaltungen über die Zukunft der Wirtschaftshilfe eintreten wird.“ Der Bundeskanzler gibt auch weitere Sicherheiten, die sich auf einen anderen kung einer Publikation nach der Auflageziffer zu werten. Zuweilen sei es aber bedeutend wichtiger, wer eine Zeitschrift liest und nicht wie viele. Der bitterböse Karl Kraus aber meinte einmal: „Unter den Lesern der Fakkel sind viele Esel“. Das änderte allerdings nichts an deren Wirkung. Bei den antisemitischen Presseorganen treffen die Bemerkungen über den .Brenner“ und die .Fackel“ gewiss zu. Obwohl die Auflage der antisemitischen Zeitschriften, die heute in Deutschland veröffentlicht werden, nicht sehr hoch ist. sollte ihre Breitenwirkung nicht unterschätzt werden. Der Leserkreis setzt sich nämliph aus Elementen zusammen, die nicht die breite Wählermasse bilden, wohl aber einen Kreis von Aktivisten, unter ihnen mit Sicherheit Jugendliche, für die allein 11 und jetzt noch immer 10 besondere Jugendzeitschriften radikalen und antisemitischen Inhaltes herausgegeben werden. Insoweit ist es also richtig, dass es in einem entscheidenden Masse darauf ankommt, wer ein Presse-Er. Zeugnis liest. Aber auch die Bemerkung von Karl Kraus dürfte zutreffend sein dass sich unter diesen Lesern viele Esel befinden... Man soll nun nicht glau ben, dass die Geschichte von den Eseln gleichgültig wäre Denn gerade die Engstirnig keit und die Primitivität ei nes bestimmten leicht be- (Schluss atuf Seite 2> zwischen beiden Ländern schwebenden Fall beziehen. Es handelt sich um das Problem der deutschen Wissenschaftler und Techniker, die in Aegypten an der Entwicklung fortgeschrittener Waffen für das Nasser-Regime arbeiten. Hierzu bemerkte Erharddass “eine grosse Zahl von deutschen Wissenschaftlern und Sachverständigen, die in der Kriegsindustrie von Ländern ausserhalb der NATO beschäftigt sind, in den letzten Monaten nach Deutschland zurückkehrten. “ In seiner Antwort macht Premierminister E-ihkol die Feststellung, dass der Bundeskanzler “schon von dem Beschluss der isrelischeri Regierung unterrichtet worden war, die sich bereit erklärt hatte, das deujteche Angebot vom 8. März auzunsh.men, welches ihr durch den Sonderbeauftragen des Bundeskanzlers, Dr. Kurt Birrenbach, übermittelt worden war und den Vorschlag zur Aufnahme voller dip omatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern beinhaltete.“ “Die Entscheidung unserer beiden Regierungen" schreibt Eshkol, “wurde vor einem düsteren historischen Hintergrund and einem stürmischen politischen Hintergrund getroffen", womit er auf den von den Nazis begangenen Völkermord anspielte, dessen Opfer sechs Millionen europäische Juden waren, sowie auf die Opposition unter den Israelis, di« sich gegen den Gedanken eines Botschafteraustausches mit Deutschland wehrten. (ITA) Gefecht an der syrischen Grenz« Tel Aviv. — An der Grenze mit Syrien kam es nach einer zwei Monate langen Waffenruhe zu einem Zusamrr.enstoss zwischen israelischen and syrischen Soldaten. Das Gefecht brach in der Nähe der Grenzsiedtong Misehmar Hajarden aus und dauerte 45 Minuten Während dieser Zeit wurden Schüsse aus Maschinengewehren und leich ten Kanonen gewechselt Verluste wurden nicht gemeldet. Der Kamp? entbrannte einige Kilometer von dem O^t entfernt, an dem die Syrer mit Arbeiten für die Ableitung der Wasser des Jordanflusses beschäftigt sind