Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2113 (23.4.1965)
- Date
- 1965-04-23
- Page
- [Seite 24] (sequence 24)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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ISRAELITA FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1829 BUENOS AIRES, VIERNES Î3 DE ABRIL DE I9«5 Año XXVI. N* 211» EL EJEMPLAR 1f| en toda la República |||am PUEVRREDON 2190 19 tsq. T E. 83 2613 Bnenos Aires ourguiba fordert Maessigung Blick in die Welt von HAROLB SCHWAR6Z Parts. — Der Präsident Tu- ( nesieus, Habib Bourguiba, ' liat seine Mahnung zu einer Massigung der arabischen ■ Position gegenüber Israel erwwiteit und erklärt, dass „die Vernunft Uber Gefühl und Hass gestellt und eine Lö j sung des Palüstinaproblems gefunden werden muss." Wie erinnerlich, hatten die Aeusserungeu Bourguibas, die er wahrend seines Besuches machte, den er in atabi- , sehen Hauptstädten vor 1 Wo- 1 chen abstaLtete. die Wut der Araber errege, schon damals emptahl Bourguiba eine Kouipi imiss.dsung in der Palästina frage und führte aus. dass „die Araber realistisch denken und die Phase; der Feindseligkeiten über-! winden müssen", da „die Zeiten sich geändert haben und; menschliches Empfinden fordern, sodass es notwendig geworden ist, Gefühle und Hass durch die Vernunft zu ersetzen". Jetzo veröffentlichte „I-e Monde" ein Interview mit Bourguiba. den die Zeitung über seine Reaktion auf die 1 arabischen Proteste befragt . har. Bourguiba sagte: „Ich bin von vielen nicht verstanden worden. Einige arabische Flüchtlinge aus Palästina haben meinen Standpunkt begriisst. Aber der Zufall 1 wollte e* dass Nasser zur Zeit, als ich meine Erklärunj gen abgab, gerade mitten in einer Wahlkampagne stand. . Und andere arabische Staa-! ten getrauen sich nicht, ihm mit einem Nein au antworten .“ Souiguiba glaubt, dass die Zeit seine Auffassungen in dieser Frage begünstigt. Er ist der Meinung, dass die arabischen Politiker, die seit 17 Jahren nichts als Fehlschläge erlitten haben, auch heute nicht durchdringen werden. Als einen Erfolg seiner Erklärungen betrachtet er die Tatsache, dass die Araber gezwungen waren, sich mit seinen Ansichten zu befassen. Als eine mögliche Richtli nie schlug er die Anwendung der Grenzen für Israel vor, die im Jahre 1948 von den Vereinten Nationen empfohlen wurden, denn „bisher sind diese Grenzen niemals respektiert worden“, wie er hinzufügte. „Wenn diese Grenzen gezogen werden, so wird Israel Gebiete zurückgeben müssen, die es besetzt hat, z. B Jaffa, Akko und Nazareth, und die Flüchtlinge könnten in ihre Heime zurückkehren“ Er zweifle allerdings daran, dass die Israelis damit einverstanden sein würden, doch die Position der Araber könnte dadurch verbessert werden. Hierzu bemerkte er. dass die ständigen Klagen der Araber über die Existenz des Staates Israel ,,eine Ungerechtigkeit sind und selbst dann, wenn sie berechtigt sein sollten, den Arabern nicht helfen können“ Bourguiba betonte, dass er beim Aussprechen seiner Meinung ü’ber den arabisch- Was alles moeglich ist von HORST WINKLER Das Fehlurteil im Prozess gegen die Mitarbeiter Eichmanns, die SS-Offiziere Krumey und Hunsche, hat allgemein grosses Aufsehen erregt. (Die J. W. veröffentlichte bereits Artikel von Robert M. W. Kempner, dem stellvertretenden USA Hauptankläger in den Nürnberger Prozessen, und von Heinz Galinski, dem Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde, über dieses Urteil. D. Red.) — Dabei hat man im wesentlichen das Ergebnis der Untersuchungen und Beratungen des Gerichts kritisiert. An der Begründung wurde meistens vorbeigesehen. Jedoch dürf ten selbst bei ruhiger Betrachtung, soweit eine solche im Angesicht der Gerichtsentscheidung möglich ist, die Urteilsgründe als provozierend bezeichnet werden müssen. So lange liegt die Zeit der nazistischen Schreckenstaten nicht zurück. Es leben noch viele Augenzeugen und auch solche, die mit den Nazis sprechen und verhandeln mussten. Einige von ihnen haben im Eichmann Prozess in Jerusalem ausgesagt, andere haben hierüber mündlich und schriftlich Zeugnis abgelegt. Es wäre also für ein Gericht eine Leichtigkeit gewesen, sich über die Methodik nationalsozialistischer Verhandlungen mit jüdischen Gemeindefiihrern und anderen Verfolgten zu unterrichten. Das ist offensichtlich nicht geschehen. Wie wäre es sonst möglich gewesen, dass ein deutscher Richter im Jahre 1965 behaupten kann, dass die Besprechungen des Angeklagten Hunsche mit den .Aelteren der Juden1 wohl nur gesellschaftlichen Charakter gehabt hätten... Das ist doch der schlimmste Hohn! Will man den „Judenältesten“ damit unterstellen, sie hätten mit den Mördern und Mordgehilfen ihrer Leidensgenossen in gesellschaftlichen Beziehungen gestanden? — Was soll das alles bedeuten? Man kann zum verstorbenen Joel Brand eingestellt sein, wie man will, man kann seine Aktionen gutheissen oder verurteilen, dass er das Leben der verantwortlichen jüdischen Führer richtig beschrieben hat, wurde noch niemals in Zweifel gestellt. Seine Schilderungen stimmen mit denen aller anderen überein und unterscheiden sich wenig von der Situation, in welcher jüdische Gemeindeführer ausserhalb Ungarns in von Nazis terrorisierten Ländern geebt haben. Aber ein deutscher Richter wagt es. von .gesellschaftlichen Beziehungen“ zu sprechen... Das ist mehr als empörend Dass gegen einen solchen Richter der offensichtlich die Nazis schützt, nichts unternommen wird, dürfte leider sicher sein. Wieder einmal schont die Republik ilwe Feinde. UNRUHEN wurden aus Südkorea ge melde, wo 1500 Studenten demonstrierten und mit der Polizei zusammensliessen. — VON FREMDEN PLANETEN haben russische Gelehrte geheimnisvolle Sendungen aufgefangen, die alle 100 Tage zu hören sein sollen. Man spricht von Lebewesen, die eine weitvorgeschrittene Kultur und Technik besitzen sollen. Diese These ist stark bestritten. — HEINRICH LUEBKK, Präsident der Bundesrepublik. Unterzeichnete das Gesetz über die Verlängerung der Verjährungsfrist von Kriegsverbreche*», womit dieses Gesetz in Kraft getreten ist. — KOENtG HASSAN II. von Marokko befahl eine politische Amnestie, um auf diese Weise zur inneren Befriedung seines Landes beizutragen. — Gegen den SCHAH VON PERSIEN ist ein neue» Attentat verübt worden; ein junger Soldat schoss auf ihn. Wer sind die Hintermänner? — IN PORTUGAL wurden Studenten verurteilt, weil sie einer verbotenen kommunistischen Partei angehören sollen. — FIDEL CASTRO sorgt für eine neue Sensation: als Nachfolger für den kubanischen Präsidenten Dorticos wird eine Frau, Ceiia Sanchez, genannt, engste Mitarbeiterin des Diktators. — GRENZZWISCHENFABLLE waren wiederum zwischen Pakistan und Indien zu verzeichnen; Indien will seine Streitigkeiten vor die UN bringen. HA OHI MIN, Präsident des kommunistischen Nordvietnam. verurteilte im Parlament die amerikanische Intervention mit heftigen Worten. — PIETRO NENNT, der Ohef der italienischen Sozialisten, hatte eine lange Besprechung mit dem Papst, über die Einzelheiten nicht bekannt gegeben worden sind. — JOSEPH CALS ist der neue Ministerpräsident Hollands, dem es nach einer siebenwöchigen Krise gelang, eine neue Koalitionsregierung aus Katholiken, Protestanten und Mitgliedern der Arbeiterpartei zu bilden. — DIE SOWJET-UNION versprach der Regierung Nordvietnams umfassende Hilfe, was allgemein als Antwort auf die Rede Johnsons über die nordamerikanische Position im Vietnam-Konflikt betrachtet wird. — KARDINAL STEFAN WYSZYNSKI erklärte in Rom, dass die polnische Regierung eine neue Kampagne gegen die Religion eröffnet habe. — VALERIAN ZORIN, der neue russische Botschafter in Paris, schlug einen russisch-französischen Freundschaftspakt vor in der Absicht, Frankreich von seinen westlichen Alliierten zu separieren. — * ZEHN NEUE TODESURTEILE wurden in Algier von einem Revolutionstribunal gegen politische Gegner gefällt, die angeblich an einem Umsturzversuch beteiligt gewesen sein sollen. — israelischen Konflikt „nichts anderes getan habe, als mit lauter Stimme das zu sagen, was viele im Stillen denken“, denn „die meisten arabischen Regierungen sind nicht stabil genug und fürchten den Zorn Nassers“. Am Schluss des Interviews wiederholte der tunesische Präsident seinen eigenen Entschluss die diplomatischen Beziehungen seines Landes zu Westdeutschland wegen der Anerkennung Israels durch die deutsche Bundesrepublik nicht abzubrechen, und gab seiner Ueberzeugung Ausdruck dass viele arabische Länder seinem Beispiel folgen würden. FRIEDEN UND KOEXISTENZ Auch dem „Figaro“ gab Bourguiba ein Interview, in dem er sich für die Schaffung einer „Atmosphäre des Friedens und der Koexistenz zwischen den Araberstaaten und Israel“ einsetzte. Er äusserte, dass nicht nur die UN Resolution vom Jahre 1948 erfüllt werden müsste, sondern dass auch der UN Beschluss über die Gründung des Staates Israel anerkannt werden muss. Es liege im Interesse aller, die Zuständigkeit der Vereinten Nationen zu achten. Hierdurch würden auch den arabischen Flüchtlingen eine Möglichkeit geboten. einen Teil ihrer Böden zurückzuerhalten von denen sie verbannt worden sind. Doch noch viel wichtiger sei „die Schaffung einer Atmosphäre des Friedens und der Koexistenz“. Bourguiba bezog sich auch in diesem Interview auf die stürmischen Proteste, die seine früheren Aeusserungen in der arabischen Presse hervorgerufen hatten, und bemerkte in diesem Zusammenhang: „Meine Vorschlä ge bezogen sich nur auf gegenseitige Konzessionen und andere arabische Staafcslenker gehen mit mir einig. Die arabische öffentliche Meinung ist allerdings erregt, und dieser Zustand macht den Politikern Kopfzerbrechen.“ Ueber seine Beziehungen mit Aegypten sagte Bourgui ba folgendes: „Eis ist ein Mangel an Realismus, eine scheinbare Einigkeit in der Arabischen Liga mit einer gemeinsamen Hauptstadt unter der Führerschaft eines einzigen Mannes herstellen zu wollen. Dieser Traum bereitete Aegypten schon in der Vergangenheit Sehwieris'keiten.“ fITA) INTERESSANTE DETAILS Tel Aviv. — Präsident Habib Bourguiba von Tunesien enthüllte, dass den ägyptischen Politikern seine Absicht, für die Beilegung des arabisch-israelischen Streits einzutreten, bekannt war und sie mit seinen öffentlichen Erklärungen einverstanden waren. Bourguiba bekräftigte seine Position in einem Interview, das in der französischen Wochenschrift „Nouvel Observateur“ erschienen ist, wo er neuerlich zu Verhandlungen aufruft um der Snannung zwischen Arabern und Israelis ein Ende zu bereiten. Er verwendet sich iin besonderen für die Beendigung des bitteren Hasses zwischen den beiden Völkern und warnte, dass die arabischen Massen zu einem Fanatismus aufgehetzt werden, der an dem Tage, an dem zu Verhandlungen geschritten wird, gefährlich werden könn te. Bourguiba sprach von seinem kiirzlichen Besuch in Kairo und erklärte: „Ich sagte in Kairo, dass ich die Absicht hätte meine Meinung offen auszusprechen unter der Bedingung, dass man mich nicht des Verrats an der arabischen Sache beschuldigen würde. Alle stimmten mir zu. Es gab einige abweichende Auffassungen über die Form, in der dies geschehen sollte, doch ernste Einsprüche wurden nicht erhoben.“ Er fügte hinzu, dass Aegyptens Präsident Nasser in einem Interview in der französischen Zeitschrift „Réalités" ähnlichen Gedanken Raum gab, „die den meinen nicht so unähnlich gewesen sind.“ Der tunesische Präsident bemerkte. „Israel ist zwar eine koloniale Schöpfung“, doch man könne es „nicht auf die gleiche Stufe stellen wie andere koloniale Regime, die wir bekämpfen, denn der jüdische Staat ist ein beson deres Gebilde, das aus aussergewöhnlichen Umständen hervorging“. Er habe auch Gründe zu der Annahme so hob er hervor, dass Präsident Tito von Jugoslawien die fortgesetzte Feindseligkeit der arabischen Führer gegen Israel nicht gutheisse. Aus seinen Unterhaltungen mit Tito habe er den Eindruck gewinnen können, dass dieser „ohne jeden Zweifel einer der besten Freunde der Araber im allgemeinen und Nassers im besonderen ist“, und dass er „trotzdem die arabisch.jüdische Koexistenz für möglich hält.“ Von Belgrad war Bourguiba nach Kairo gereist, wo er seiner Aussage nach Nasser und dessen Mitarbeitern seine Ideen auseinandersetzte. Hierüber berichtet er: „Ich sagte ihnen, dass die Araber unmöglich ewig eine defensive Stellung halten können und unsere Position Israel nur stärken und der Welt unsere Unfähigkeit, das Problem zu lösen, beweisen würde.“ Darauf habe er die Aegypter gefregt: „Warum wollt ihr rücht einmal meine Methode ausprobieren?“ UNFRUCHTBARER HASS Bourguiba erzählte, er habe ein transjordanisches Flüchtlingslager in der Nähe von Jericho besucht und an diesem Ort erkannt, welch „furchtbare Verantwortung die arabischen Völker seit 17 Jahren auf sich geladen haben. Diese Flüchtlinge werden mit unfruchtbarem Hass und leeren Hoffnungen gespeist.“ Er könne diese Gefühle verstehen, so äusserte er, doch „für die Araber dienen sie als ein Vorwand, der jede Aktion hemmt“. Hier unterstrich er, dass „der Hass der Araber dazu verleitet, Antisemitismus mit Antizion ismus zu verwechseln und die Massen zu fanatisie ren.“ Er warnte, dass es „der sicherste Weg zur Niederlage ist, sioh von seiner eigenen Propaganda mitreissen au lassen“. „Dies ist der Augenblick“, fuhr Bourguiba fort, „um mit lauter Stimme das zu sagen, was ein jeder in den leitenden Kreisen im Mittelosten im Stillen denkt. Die Dinge müssen ihren Lauf nehmen. Es muss zu Vorschlägen und Gegenvorschlägen und zu einer internationalen Aktion kommen. Eine neue Situation, die eine neue Einstellung bedingt, muss geschaffen werden.“ Auf die Frage des Journalisten Jean Daniel, ob sein Appell zu Verhandlungen nicht das mögliche Verschwinden Israels durch Mittel, die nicht kriegerisch seien, bedeuten solle, entgegne te Bourguiba: „Dies liegt der Wahrheit sehr fern. Wir dürfen allerdings nicht drohen, die Juden ins Meer zu werfen, wenn wir dies nicht tun können. Schon dies nicht auszusprechen, kann zur Findung einer Art von Koexistenz helfen.“ Als wichtigste Aufgabe bezeichnete er „eine Einigung über die Entschädigung für die Flüchtlinge und die Bereitschaft zur Er- „Jtiden rau«" Düsseldorf. — Unbekannte schmierten mehrere Hakenkreuze und die Parole „Juden raus“ auf Hauswände. Die Polizei ist der Auffassung, dass es sich um „einen dummen Scherz Jugendlich«“ handelt. (AWZ) fiillung der UN-Riesolution vom Jahre 1947. Auf diese Weise wird es nicht unmög lieh sein, eine Lösung zu finden.“ Der Vorschlag Bourguiba» beinhaltet „eine klare diplo matische Aktion der arabischen Völker. Sollte diese fehlsoh lagen müssen wir una die internationale Zustimmung zu unserem klaren Standpunkt sichern.“ E<?«ö AUS JERUSALEM Tel Aviv. — „Wir würden uns sehr freuen, Präsident Bourguiba zu empfangen und mit ihm über die Mittel zu einem Frieden zwischen den arabischen Ländern und Israel zu debattieren“, erklärte Aussen minister Golda Meir in einem Interview, da» die Zeitung „Maartv“ publizierte. POLIGLOTA — Rivadavia 891 966.20$ Impreso en la Imprenta Registro do la Propiedad Intelectual N*