Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1965-04-23 · 2113 (23.4.1965) · p. [Seite 21]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2113 (23.4.1965)
Date
1965-04-23
Page
[Seite 21] (sequence 21)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9616703-9614788-9614941--3839-9614962
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

^bef Viente*. 2S de Abril de 1965 LA SEMANA ISRAELITA *w>*> ..der a “ “feie. %Liude‘ 4« d®* ¡¡um », **k, ^eitun» ünri Jw l,fen haL^M,t ld¿Sn®ír «» No,y, 712U de« ' S“ iö(ii' er<lwi zu lag. v*AVe“ at , ®* Jueen4. fr, *Hen erfüllen. bodas de destacar la ón y esckr ación en 9l )la alemana de su laber len. 30 Der Begriff der jüdischen Sportorganisationen ist zu ei ner Selbstverständlichkeit geworden, man turnt in Israel, und in den Gemeinden Euro ras und Amerikas bestehen Sportorganisationen Aber es war nicht immer so. Vor knapp siebzig Jahren war es ein noch kaum vorstellbares Ziel, von einer körperlichen Ertüchtigung innerhalb jüdischer Sportgruppen zu reden. Man schreibt das Jahr 1898. In den jüdischen Studentenkreisen in Berlin beschäftigt man sich ernsthaft mit den neuen Parolen, die von der jungen zionistischen Bewegung ausgehen Nordaus Muskeljudentum findet eine Resonanz, der Gedanke der nationalen Wiedergeburt wird aufgenommen. — es ist die Reaktion auf das Verflachen des jüdischen Lebens in Deutschland, das vom Libe ralismus und nationaler Begeisterung, die von der Schaf fnng des deutschen Reiches 1871 ausgeht. beherrscht wird. Man ist auf- und abgeklärt religiösen Dingen gegenüber- Die jüdische Jugend in Berlin rekrutiert sich in der Mehrzahl aus den deutschen Ostprovinzen, wo ihre Vor fahren lange als Händler und Handwerker ansässig sind. Man ist strebsam und fleissig, es ist die erste Generation, die in der jungen Reichshauptstadt studieren kann, und unter den 43 er. sten „Turnbrüdern* gibt es viele bekannte Narren. Die Initiative ging von dem späteren Rabbiner Wilhelm Levi aus, aber ein Turnverein brauchte einen Turnlehrer, um eine öffentliche Bestätigung zu erhalten. So musste Richard Blum, damals ein Medizinstudent, der spä ter als Orthopäde lange in Haifa gelebt hat, und im Februar 1963 verstorben ist, schnell eine Turnlehrerprüfung ablegen, andere besuchen Vorturnerkurse in der deutschen Turnerschäft. Die jüdische Gemeinde in Berlin weigert sich zuerst, die Turnhalle ihrer Schule zu geben, aber das Jugendamt der Stadt stellt einen Turnsaal zur Verfügung. Schon im Jahre 1900 erscheinen die ersten Nummern eines noch recht be scheidenen Presseerzeugnisses, der „Jüdischen Turnzeitung“, „Offizielles Organ des Die jüdische Turner schüft Die Anfaenge der jüdischen Sportbewegung jüdischen Turnvereins Bar Kochba, Berlin“. Wir lernen, was die ersten Turner bewegt hat. die kraftstrotzenden Gedichte, mit denen sie sich aufmuntern und anspornen, wie nett die Ausflüge, die „Turnfahrten“ beschrieben werden- „Es hatten sich drei zehn Herren beteiligt“... wir erfahren „Von Spielen und Uebungen ohne Geräte, Freiübungen ohne Belastung“ — rhythmische Uebungen, die heute selbstverständlich sind. Der Herbst des Jahres 1900 bringt zwei Erfolge; es wird eine „lehrlingsabteilung“ gegründet, und damit der Rahmen eines akademischen Vereins gesprengt, und die jüdische Gemeinde erlaubt doch die Benutzung ihrer Turnhalle. Durch die Turnzeitung nimmt die Gruppe die Verbindung mit jungen Menschen in anderen Gemeinden auf, man stellt Kontakte zu bestehenden Gruppen her, von deren Existenz man nichts gewusst hatte, sie regt zur Gründung ähnlicher Ver eine in anderen Gemeinden an. Seit 1895 besteht ein jii discher Turnverein in Konstantinopel, in Philipopel seit 1898, in Bialitz-Biala wird eine jüdische Sportorganisation 1899 gegründet, im gleichen Jahre in Wien, und 1900 dort eine zweite. Sofia 1899, und Bukarest, Hai berstadt und Mährisch- Ostrau 1900. Die Mitglieder der kleinen Vereine schreiben fleissig Briefe an die Tumzeitung, bald werden die ersten Rufe zur Vereinigung laut, aber die jungen Gruppen sind selbst noch nicht konsolidiert, und im März 1903 können die nun auf 400 angewachsenen Mitglieder des Bar Kochba einen Beschluss fassen, einen Verband der jüdischen Turnvereine zu gründen, der dann auf dem Sechsten Zionisten.Kongress im gleichen Jahre verwirklicht wird! Die „Jüdische Turnerschaft“ bezweckt „die Pflege des Turnens als Mit von H. W. GOLDSTEIN a s Forum Sionisfa Bar Kochba wünscht der JÜDISCHEN WOCHENSCHAU und ihrem Chefredakteur, Herrn Dr. Hardi Swarsensky, zum 25jährigen Jubiläum der Zeitung weiterhin viel Erfolg in seiner Arbeit. LEO SMECHOW Sekretär KURT ZIMMERSPITZ Präsident Die herzlichsten Glückwünsche anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der JÜDISCHEN WOCHENSCHAU entbietet der KEREN KAJEMET LEJISRAEL Comité Centroeuropeo Wir senden dem Herausgeber der „SE* MANA ISRAELITA", unserem hochgeschätz' ten Dr. HARDI SWARSENSKY, zum 25. Jubi' läum die besten Glückwünsche und Massel und Broche für weitere erfolgreiche Arbeit. Beth Hamidraset CERRITO 774 tel zur körperlichen Hebung des jüdischen Stammes im Sinne einer national-jüdischen Idee.“ Der Name klingt an die gar nicht freundliche Deutsche Turnerschaft an. die in vielen Ortsgruppen offen an. tisemitisch eingestellt ist — so ein Bericht aus Graz aus dem Jahre 1909. in der Jüdischen Turnzeitung: „In der deutschesten Stadt Oester reichs versammelten sich 4.500 Turner im Zeichen des ArierparagrapheiV. In den langen Diskussio nen mit den anderen jüdi sehen Kreisen vergleicht man sich gern mit der Deutschen Turnerschaft, die im Ausland Gruppen hat, ohne sich angeblich um die innenpolitischen Belange der einzelnen Landet zu kümmern- Im Gründungsjahr setzte sich die Jüdische Turnerschaft aus 15 Vereinen zu1 sammen, neben fünf weiteren Gruppen in Bulgarien, die in einem besonderen Landesverband zusammenge. schlossen waren, aber durch die Turnzeitung den Kontakt mit der Jüdschen Turner schaft aufrechterhielten. Der Berliner Bar Kochba zählte 1904 schon 660 eingeschriebene Mitglieder, in neun verschiedenen Sportabteilungen. Zur ersten kommt es nach dem „Jüdischen Turntag“ 1905; einige Gruppten sondern sich ab, aber trotzdem gibt es eine stetige, wenn auch langsame Entwicklung. In Palästina kann die erste Turngruppte erst 1906 in Jaffa errichtet werden, denn es fehlen im Lande die Menschen, um den Sport ptopulär zu machen. Durch die Einwanderung von Elias Auerbach und Ernst Hermann 1909 wird der Geist des Bar Kochba hierher verpflanzt. Es entstehen Turngruppen ip Petaeh Tikwa, Rischon le Zion, Rechowot, Ness Ziöna' und Gedera. Später foigen Vereine in Jerusalem, Sichron Jaakow, Ekron, Haifa, Beurut. Im Jahre 1908 schon sandte das Hebräische Gymnasium ihren Sportlehrer zur Ausbildung nach Deutsch land und in die Schweiz- Aus einem Interview mit Zwi Orloff erfahren wir Einzelheiten über den Turnbel trieb in Palästina. Häufig bildet der gemeinsame Dreschplatz der einzelnen Kolonie den Versammlungsort Volksfeste werden zu einer ständigen Einrichtung, die die Jugend Jaffas mit den Kolonien vereinigt. Pferderennen, Preisschiessen. Wettlauf, Springen und Ringkampf. Pessach 1908 improvisieren die jaffaer Schüler ein Schauturnen auf dem Festpatz in Rechowot. „Der Eindruck dieses improvisierten Schauturnens war ein ausserordentlicher und wird auch den Kindern in stolzer Erin. nerung bleiben “ Ein besonderes Problem stellen die Kommandoworte dar, denn man sieht ein, dass die deutschen Ausdpiikke nicht geeignet sind, die Skandinavische Jugend protestiert Kopenhagen. — Der jüdische Jugendverband Skandinaviens, der die jüdischen Jugendorganisationen in Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland umfasst, hat gegen die neueste deutsche Haltung in der Frage der Belieferung Israels mit Waffen protestiert. Eine entsprechende Note wurde dem deutschen Botschafter in Kopenhagen überreicht. Jugend in Palästina, in der Türkei und in Bulgarien an zusprechen, die Zeitschrift erbittet 1908 Vorschläge für hebräische Ausdrücke und Berichte über praktische Versuche. Die Jüdische Turnerschaft wird organisatorisch in die verschiedenen Landes. kreise eingeteilt, den deutschen, den westöstereichischen, in den Wiener Turn verein, den Turnverein Zion und seit 1909 den Fussballklub Hakoa-h. der Kreis Galizien-Bukowina, der es auf 27 Vereine bis Ausbruch des Weltkrieges bringt, Bulgarien mit 10 Turngruppen und die Türkei, in der sich nach 1908, nach der Proklamation der Verfassung, die bestehen den jüdischen Sport gruppen gut entwickeln. In der letzten Landesgruppe, Palästina, erfolgt der Zusammenschluss erst 1912. Der deutsche Kreis organisiert Turnfahrten nach Palästina, 1913 und 1914. dann unter bricht der Krieg jede orga. sierte Turnerei, die Jugend zieht die Uniform au. Es dauert verhältnismässig längere Zeit, bis eine junge Generation und die Aelteren, die noch ein Interesse für die jüdische Sportbewegung bewahrt haben, sich neu zusammenfinden. Die Initiative geht vom deutschen Kreis aus, der sich im September 1919 zu einer ersten Tagung in München versammelt. Auf dem 12. Kongress, im August 1921, wird die Neu Schaffung der Jüdischen Turnerschaft proklamiert, und auf dem „Turntag“ in Karlsbad 1923 tritt der Makkabi Weltverband erstmalig an die OeffentJichkeit- Es ist in jenen Jahren nicht leicht, für eine zionistische Sport- Organisation, sich durchzusetzen, denn auch die ande ren jüdischen Kreise haben die Bedeutung des Turnens und der sportlichen Betäti- Afto XXVI. — IT 2:713 — *1 gung erkannt und Organisationen gegri;-ndet. Nach 1929 wird die Parole einer palästinensisch ausgerichteten Erziehungsarbeit gegeben. Der Plan der Makkabia kommt auf, die 1932 erstmalig verwirklicht werden kann, nachdem die Frage des Sportplatzes in Tel Aviv gelöst worden ist. Zu der ersten grossen Veranstaltung erscheinen 116 Landeslireise mit 500 aktiven Sportlern neben 2.000 Teilnehmern aus Palästna, ausserdem zieht das Ereignis vi^le Touristen an. Die weitere Entwicklung des Makka bi-Welt verba ödes in Israel und in der Welt gehört zur Gegenwar t>geschichte. Die Entwicklung der letzten drei Jahrzehnte hat die ersten zionistischen Sportvereine in Mittel- und Osteuropa vernichtet. — sie leben nur noch in der Erinnerung und durch ihre Erfolge. Wo immer heute die jüdische Jugend turnt, unter welchem Banner, soll sie erinnert werden, weiche revolutionäre Idee es einmal gewesen ist. einen Jüdischen Turnverein, eine jüdische Turnerschaft zu schaffen eine Entwicklung, die mit dem Gedanken der nationalen Wiedergeburt des jüdischen Volkes parallel verlaufen ist- Die südamerikanische Weltl e schliesst sich mit Freude dem 25jährigen Jubiläum der an und beglückwünscht ihren Gründer und Herausgeber Dr. Hardi Swarsensky einen der hervorragendsten Leiter des argentinischen Judentums und Mitglied der Exekutive des Jüdischen Weltkongresses sowie seine Mitarbeiter, die es in gemeinsamer Arbeit verstanden haben, die Zeitung auf einem so hohem Niveau zu halten int Kampf gegen Nazismus und Antisemitismus im Kampf für die Einheit des jüdischen Volkes im Kampf für das Prestige der Zionistischen Bewegung und für die Verankerung des Staates Israel im Herzen und Bewusstsein ihrer Leser, — MARK TURKOW (Sekretär) Dr. MOÏSES GOLDMAN (Präsident) Zum 25jährigen Bestehen der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU sprechen wir unserem langjährigen Präsidenten. Herrn Dr. Hardi Swarsensky und seinen Mitarbeitern unsere besten Glückwünsche aus in der Hoffnung, dass die JUEDISCHE WOCHENSCHAU auch weiterhin mit der gleichen Entschlossenheit für alle jüdischen Auf' gaben und Ziele kämpfen möge, insbesondere für die Verbreitung des zionistischen Gedankens die jüdische Erziehung unserer Jugend die Vertiefung jüdischen Wissens die Einheit des jüdischen Volkes und für den Aufbau Israels durch Mitarbeit im KKL und im KH, dem Jüdischen Nationalfonds und der Vereinigten Kampagne- — DER VORSTAND DER THEODOR HERZL GESELLSCHAFT

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.