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Jüdische Wochenschau · 1965-04-15 · 2112 (15.4.1965) · p. [Seite 12]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2112 (15.4.1965)
Date
1965-04-15
Page
[Seite 12] (sequence 12)
Language
German, Spanish
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ISRAELITA FRANQUKO pagado Concesión 308 TARIFA REDUCIDA Concesión 162é BUENOS AÍRES. JUEVES 15 DE ABRIL DE 1065 Año XXVI. N* 21U. EL EJEMPLAR ffl en toda (a República |(|aBi PUEVEREDON 2190 1« íjmj. T . E 83 2613 Ráenos Airea DER HOTE PHARAO Blick in die Welt Obgleich es in Israel kei nerlei Beschränkungen gibt, Rundfunk. oder Fernsehüberitagungen aus den Nachbarin ndern zu empfangen, hat der Abbruch aller direk. ton persönlichen Beziehun gen dazu geführt, dass die Israelis seit vielen Jahren unvergleichlich mehr Kontakt mit Europa und Amerika haben als mit den arabischen Ländern. Durch Reisen und Besucher nehmen sie ständigen Anteil an den Entwicklungen in Uebersee und haben vom Leben dort recht klare Vorstellungen. Diejenigen, die bis zur Staatsgründung Aegypten oder den Libanon kannten, vergessen oft, dass sich auch dort vieles verändert hat. Vor einigen Wochen hat der Korrespondent der deutschen Tageszeitung „Die Welt", Pe ter Mever.Ranke, der vier Jahre lang in Kairo gelebt und auch die anderen I.ändern dieser Weltgegend ausser Israel besucht hat ein Buch über „Aegypten und die arabisclie Wirklichkeit — Der Rote Pharao“ veröffentlicht »Verlag Christian Weg nert. Man nimmt zwar ein Buch, dessen Klappentext unter Aegyptens Nachbarn Palästina, nicht aber Israel im Ja hi« 1964 erwähnt, mit gewisser Skepsis in die Hand, ist dann aber angenehm überrascht, eine durchaus nicht voreingenommene Darstellung der Zustände in Ae gypten m finden. Natürlich ist das Buch in erster Linie für deutsche Ieser bestimmt, aber für die Israelis besteht ein besonde rer Reiz darin einen Blick hinter für sie so fest geschlossene Tinen zu tun. Wer sich an Groppi in Kairo erinnert oder an den Strand von „Alex“, wird die anschaulichen Beschreibungen mit doppeltem Interesse lesen. die der Verfasser von dem heutigen Zustand der Städto gibt. Ueberfüllung. Lärm, schlecht funktionierende öffentliche Dienste und eine despotische, untüchtige Bürokratie, Mangel an Grünflächen an Lebensmitteln und Ersatzteilen, das sind die stärksten Eindriikke. die an vielen Einzelheiten demonstriert werden. Vielem wird gezeigt, was als Gefahr auch die Israelis be droht hat. wie etwa verfal lende Siedlungsbauten, die aus sch'echtom Material errichtet und nicht gepliegt wurden, oder, wie es so schön heisst. Scharen von „Bak schisch Janitscharen“ „Kai ro ist überiordert“, so heisst es mehrmals kurz und bündig. Einige Thesen des Buchas, das mehr ist als die mehr oder minder zufälligen Beobachtungen eines gewandten Journalisten, verdienen des halb Beachtung, weil der Au. tor offenbar a priori versucht hat, eine positive Stellung zu Nassers Staat zu beziehen. Immer wieder betont er. dass die Aegyptor keine Araber sind. Trotz aller Versuche die eigene altägyptische Kultur und deren wunderbare Zeugen zugunsten der arabischen Tradition aus dem Be wusstsein der Massen zu ver. drängen, findet Meyer-Ranke in der Form der heutigen ägyptischen Gesellschaft erstaunliche Aehnlichkeit mit der pharaonischen Organisation des Niltals im Altertum Wie damals gibt es die grosse Misse der auf menschenunwürdigem Niveau lebenden Fellachen und die riesige Bürokratie, bei der „Beziehungen“ entscheidend sind für das Fortkommen — und nicht Tüchtigkeit. Sehr klar wird ein ent scheidender Unterschied zwischen Nasser und den „echten" arabischen Ländern her ausgearbeitet, in denen na tionale Bewegungen lange Zeit, oft Untergrund, gekämpft haben, bis sie an die Macht kamen. In Aegypten gibt es keine Partei oder Bewegung. auf die Nasser sich stützen kann, sondern nur die sogenannte „Neue Klasse“, die von dem Regime grosse Vorteile hat: die Bürokratie und die städtischen Arbeiter. Es ist in Israel kaum bekannt, dass Nasser der persönlich bescheiden lebt, den Kontakt mit dem Volk scheut, seit vielen Jah ren nie auf dem Laude war. Ganz im Gegensatz zu Hussein übrigens, der es verstanden hat. mindestens mit den Beduinen, auf deren Treue seine Herrschaft beruht, persönliche Beziehungen zu pfle gen. Geheimdienst und Per sönlichkeitskult verdecken nach Meyer-Ranke den Mangel an echter Popularität Da bei „harmonisiert Nassers Sendungsbewusstsein mit einem Menschenschlag. der ständig nach Propheten Aus schau hält und stets von an Trauer um einen Freund Clnkago. — Die Juden von Cliikago schlossen sich der Trauer der übrigen Bevölkerung irm den Erzbischof der römisch katholischen Dtö/e der Stadt, Kardinal Albert Meyer, an, der im Alter von 62 Jahren verschied. Wie erinnerlich war Kardinal Meyer einer der ame rikanischen Prälaten, der am efrigsten in der letzten Sitzung des Oekumenischen Konzils in Rom dafür einl-rat, dass die Erklärung über die Beziehungen zwischen Juden und Christen zur Annahme gelangte, von den Juden das Stigma des Gottesmordes genommen wurde und die Katholiken zur Bekämpfung des Antisemitismus ermahnt wurden. Als in den letzten Tagen des Konzils zu befürchten stand, dass die Erklärung über die Juden nicht mehr zur Abstimmung gestellt oder „vertagt“ werden könnte, liess Kardinal Meyer zusam men mit Kardinal Ritter aus St. Louis eine Bittschrift an Papst Paul VI. zirkulieren, die den Papst um seine Intervention bat. Auf diese Weise kam die vorläufige Annahme der energischen Deklaration zustande, die auf der kommenden Knnzilssitzung zur Beratung gelangen wird. tlTA) deren das Heil erwartet, ohne selbst dazu beitragen zu wollen. Nicht zuletzt darum fällt es Nasser leicht, Aegypten und die Welt des Nahen Ostens immer von neuem in Erregungszustände und eine Art von Halleluja-Stimmung zu versetzen, ohne dass dio Dinge in Wirklichkeit vom Fleck kommen.“ Eine starke Karte Nassers in seinen internationalen Verhandlungen ist die Furcht vor dem Chaos, das nach sei neu» Abtritt droht. Heute ist die Armee Nassers Werkzeug nicht umgekehrt. Die Offi zierskaste leidet angeblich mehr unter dem Trauma des , Raussclimisses“ aus Syrien als den erfolglosen Kriegen mit Israel und im Jemen So schümm die Zustände in der unfähigen Verwaltung sind, so bedeutend ist die ägyptische Propagandama schine. Eine Zahl genüge als Illustration: Kairo hat tag. leih 200 Sendestunden in vielen Sprachen. Ob die Propaganda, wie der Verfasser meint, bereits ihren Höhepunkt überschritten hat und die Aeg.vpter bei den Arabern schon allgemein als .Maulhelden' betrachtet werden, ist schwer zu beweisen Die vielen afrikanischen Stu deuten in Kairo haben wohl kaum eine Möglichkeit, Ver gleiche mit anderen Ländern anzustelien. Dass in Aegypten eine Elite fehlt, die das Volk führt, widerspricht allen Vorstellungen. die im Westen, abei auch im Zionismus bestehen Eine „Neue Klasse, die Ansprüche stellt ohne Pflichtbewusstsein und Leistung“ kann nach unseren Auffas. sungen kein Land aufbauen. Das staatliche Gehaltssystem sieht elf Einkommensstufen vor mit der enormen Span nung von 5 bis 166 LE monatlich. und das bei täglich propagiertem Sozialismus Dass das Einkommen der Millionen von Fellachen weit unter diesem Minimum liegt, sei nochmals unterstrichen. Zur Zeit des Königs Faruk war Aegypten das I-and der Paschas und Eifendis während in Israel die Sozialisten die aktivste Gruppe der Gesellschaft waren. Paradoxerweise hat jedoch nicht Israel. sondern Aegypten die radikalsten Eingriffe in die Privatwirtschaft vorgenommen. Es hat enteignet und verstaatlicht in grossem Stil. Die Ergebnisse ähneln den Zuständen in den Volksrepubliken Europas, wo derartige Veränderungen ebenfalls von oben herab duivhgeführt wurden, ohne sich auf eine Bewegung von echten Sozia listen stützen zu können. Tn Osteuropa gab es aber eine breite Intelligenzschicht, eine moderne Landwirtschaft und Industrie und eine Wirt schalt, die nicht so hoffnungslos einseitig und auf Warenaustausch mit dem Ausland angewiesen war wie die ägyptische Inflation. Ver schuldung. hohe Produktionskosten. schwerfällige unpünktlich liefernde Handelsgesellschaften eine hemmende Bürokratie, das sind charakteristische Symptome des heutigen Zustands, ganz zu schweigen von der akuten Lebensmittelknappheit. Die. Führer berauschen sich an Produktionsziffern statt sich um Rentabilität und Qualität zu kümmern, eine Ten. denz, die sich besonders in den ersten Jahren von Israels Selbständigkeit auch im Lande bemerkbar machte. Meyer-Ranke spricht nicht von den deutschen Wissen schaftlern, die an der Aufrüstung aktiv mitarbeiten ob wohl er den ägyptischen Be miihungen auf diesem Gebiet und dem noch ambitiöseren und kostspieligeren der Weltraumforschung viel Beachtung schenkt. Er erwähnt natürlich die zahlreichen deutschen Techniker und zitiert einen berliner Werkmeister wie folgt: „Die haben hier die Koppe in den Wolken und die Beene im Schlamm“ wobei der gute Mann wohl kaum daran gedacht hat. dass Thomas Mann in der Josephsgeschichte die Aegyp ier als Kinder des Sch'am mes bezeichnet. Die Bevölkerungsdichte des Niltals ist doppelt so hoch wie die des Ruhrgebiets. Ohne amerikanische Lebensmittel, die ohne Devisenzahlung geliefert werden, würde Hungersnot herrschen und hätte Nasser nicht das Geld fiir seine energisch betriebene Aufrüstung, so stellt der Verfasser fest. Der ägyptische Patient hat zwar die (volkssozialistische) Opera tion bisher iiberstanden. aber er ist nicht gesund Nicht nur politisch, auch ökonomisch wird Nasser immer abhängiger vom Ostblock, und die Verstaatlichung der Landwirtschaft erscheint un ausbleiblieh. Dass die Russen nicht nur die kommunistischen Parteien in den Mittleren Osten eingedrungen sind, sondern durch Nasser, cedarf für uns keiner aus fülirlichen Beweise. Im zweiten Teil des Buches beschreibt Meyer-Ranke seine Eindrückte in den Nachbarländern und kommt dort manchmal zu Ergebnis, sen. die uns seine Beurtei lung Aegyptens mit etwas Vorsicht aufnehmen lassen so etwa wenn er auf S. 277 behauptet, Transjordauien sei lebensfähig, wenn es auf sich allein gestellt wäre. Ebenso entspricht es einfach nicht den Tatsachen, dass die Engländer keinem Man dat des Vorderen Orients Le bewohl sagten, ohne nicht (wörtlich zitiert! ein Parlament installiert und grossgezogen zu haben (S. 110». Die Bundesrepublik bedeu tet mit Krediten in Höhe von einer Milliarde Mark das festest« Band zwischen Kairo und dem Westen. Trotzdem hat sich, nach Meinung Meyer Rankes. Aegypten durch Riistungs- und Weltraumprojekte sowie den noch immer nicht beendeten Krieg im Je men übernommen. „Es lebt auf Kredit und versucht, sich mit fremder Hilfe an einer harten Wirklichkeit vorbeizumogelu.“ KKWI (Tel Aviv) Geschenk der Schweiz Genf. — Die schweizer Regierung hat dem Joint Milchprodukte im Wert von 63.000 Pfund geschenkt, die diese Organisation für ihr Ernährungsprogramm in Tunis und Algerien verwenden wird. (ITA) von HAR0L& SCHWARCZ HERN AN SU, ES Zl'AZO, Expräsident Bolivtens, wurde verhaftet, aber wieder freigelassen; er ist heute der Chef der revolutionären, nationalistischen Bewegung. — KARDINAL ALBERT MEYER, Ohikago, einer der Vorkämpfer der liberalen Richtung im Vatikan, ist 61 Jahre alt verstorben. Er hatte sich auf dem letzten Konzil energisch fiir verschiedene Reformen eingesetzt. — CHOU BN LAI, der chinesische Ministerpräsident, verlangte vom Generalsekretär der UN, Dr. U Thant, dass nur die beteiligten Parteien den Frieden in SUdvietnam hersteilen sollten. — DEAN RUSK, Aussenminister (Staatssekretär) der USA, nahm in Teheran an einer Ministerkonferenz teil, die sich im wesentlichen auch mit dem Konflikt in Viet nam beschäftigte. — UNRUHEN IN PERU veranlassten die Regierung zur zeitweiligen Aufhebung der konstitutionellen Garantien.— HAROLD WILSON, britischer Premier, hatte lange Gespräche mit de Gaulle, die nach offizieller Mitteilung zufriedenstellend verlaufe sein sollen. — KOMMUNISTISCHE Störungsmanöver gegen den freien Zugang zum westlichen Teil Berlins sollten die Eröffnung des Bundestages in der alten Reichshaupistadt erschweren. — GESTUERZTE DIKTATOREN machten in den letz ten Tagen von sich reden: Perez Jimenez, Exdiktator von Venezuela wird wegen Verschleuderung öffentlicher Ge/der abgeurteilt, und Cheddi Jagan, Expremier von Britisch- Guayana, hält grosse Reden in Kuba.., — KOSYGIN UND BRFZHNEW, die heutigen russischen Gewalthabei, besuchten Warschau und erneuerten die bestehenden Freundschaftsverträge mit Polen. — KARDINAL BEA, Vorkämpfer für einen Ausgleich mit den nicht-katholischen Glaubenbekenntnissen, war in Konstantinopel Gast der orthodoxen Kirche; seit dem Jahre 1054 hatte kein hoher katholischer Würdenträger an einer orthodoxen Messe teilgenommen. — GEHEIM ORGANISATION Ku Klux Klan stiess Drohungen gegen den USA-Präsidenten Johnson aus. — GAMAL ABDEL NASSER forderte die Iraker auf, die Feindseligkeiten gegen die Kurden einzustellen, um den Kampf gegen Israel aufzunehmen. — DIE KOMMISSION FUER MENSCHENRECHTE der UN, die in Genf tagte, behandelte die Frage der Aburteilung der Kriegsverbrecher. Debatteredner Morris B. Abram <USA i, beschuldigte die Russen, die Verfolgung der Kriegsverbrecher zu erschweren, weil sie das in ihrer Hand befindliche Material erst veröffentlichen, wenn es ihnen op F-ortun erscheine. — Dr. LUTHER .KING, der Führer der amerikanischen Neger, will einen Boykott gegen Alabama durchführen, der Stadt, in welcher die meisten Feindseligkeiten gegen die Neger zu verzeichnen waren. — Belastungs-Material Bonn. — Die deutsche Bundesregierung beanstandete, dass die Sowjetbehörden während der 20jährigen Besatzungszeit die in der So w jetzo ne liegenden Tonnen von Aktentnaterial nicht da. hingehend geprüft haben, ob es Belastungen für Kriegsverbrecher enthält. Staatssekretär Karl Günther von Hase forderte die Sowjetunion auf, etwas zur schnellen Klä. rnng dieser Angelegenheit zu tun. Er dankte der polnischen und der tschechoslowakischen Regierung, dass sie den deutschen Appell mit der Bereitschaft beantwortet haben, Belastungsmaterial zur Verfügung zu stellen. Ehrung jüdischer Kriegs« pfr Paris. — Unter Führung von René Oassin, Ehrenprä. sident des Staatsrates und Präsident der Alliance Israe lite Universelle, versammelten sich unlängst vor dem Invalidendom in Paris jüdische Veteranen, um das Andenkeh von 4 000 ausländischen Juden zu ehren, die im ersten Weltkrieg fiir Frankreich gefallen sind. Damals befanden sich 14.000 Juden, die nicht Franzosen waren, in der französischen Armee. Wird er daraus lernen? Berlin. — Ein zwanzigjähriger, früherer westberliner Polizist wurde für seine an tisemitischen Bemerkungen mit vier Wochen Gefängnis bestraft. Im Gefängnis muss te er ein Dokumentarbucf» über die Nazizeit lesen und einen Aufsatz über diese Zeh schreibe' BRANDSTIFTER AM WERK Hartford (.Connecticut). Ein Feuer zerstörte den Anbau einer Jeschiwa in dieser Stadt buchstäblich bis auf den Grund. Der Brand verursachte Schäden in Höhe von 25.000 Dollar. Man glaubt, dass Vandalen am Werk wa ren, die zuerst die Betstube verwüsteten, Thorarollen auf den Boden warfen, KKL-Büchsen erbrachen und Tische und ein Harmonium zerschlugen. Der Direktor der Schu le. Dr. Baer, äusserte da in dieser Stadt noch niemals antisemitische Attentate zu verzeichnen gewesen sind, sei er überzeugt, dass die Brandstiftung von einer Bande Halbstarker verübt worden sei. (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavfa 881 Registro de le Propiedad Intelectual iW 838-201 ■

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