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Jüdische Wochenschau · 1965-04-02 · 2110 (2.4.1965) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2110 (2.4.1965)
Date
1965-04-02
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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! Viernes, 2 de Abril de 1965 LA SEMANA ISRAELITA Año XXVI. N* 211« — 3 Wir warteten auf Dubnow Simon Dubnow war der Historiker meiner Generation Er und Heinrich Graetz waren unsere Wegweiser und Lehrer in jüdischer Geschichte. Obzwar wir schon vorher über Dubnow gehört hatten und wussten, wer er ist, so kam er zu uns plötzlich und eroberte uns wie im Sturm. Kaum erschien der erste Band der „Weltge schichte des jüdischen Volkes“, — da fand er gleich bei uns Aufnahme, Wärme und Bewunderung. Warum? — ist schwer zu erklären Möglich, weil seine Bände den stolzen Titel „Weltgeschichte“ trugen, weil seine Darstellung des Geschehens auf uns wirkte, weil wir noch niemals ein Geschichtswerk von einem Mann aus dem Osten hatten und weil wir die klassische Uebersetzung aus dem Russischen ins Deutsche von Dr. Aaron Steinberg rein und fliessend fanden. Wir warteten schon lange auf einen Dubnow und seine zehn Bände erschienen zur richtigen Zeit, in den Jahren 1925—1929. Die „Volkstümliche Geschichte der Juden“ von Heinrich Graetz, der uns beeinflusst und unsere Hoffnungen gestärkt hatte, endete mit der „Blutanklage von Damaskus“. Wir suchten eine Fortsetzung mit der Periode des modernen Zionismus Deshalb warteten wir mit Spannung von Band zu Band und je mehr Bände veröffentlicht wurden, desto grö sser wurde unsere Verehrung für Dubnow. In den Schulen der ehemaligen östereichisch-ungarischen Monarchie lernten wir in den Religionsstunden auch jüdische Geschichte In der Volksschule (Wien) erzählte Professor Antscherl den kleinen Kindern interessante Episoden aus der Bi. belzeit. im Gymnasium ver suchte Dr. Fink vom Pazmanitentempel unsere Augen für Geschichte zu öffnen, aber in Bielitz war es Professor Michael Berkowicz, ehemaliger hebräischer Sekretär von Theodor Herzl, der unsere Liebe zum Studium und zur Forschung der von JOSEF FRAENKEL jüdischen Geschichte ent. zündet hatte. Wir lasen Flavins Josephus, Jost und natürlich Graetz. Aber von Ber kowicz hörten wir zum ersten Mal: „Graetz und Dubnow...“ oder „Graetz mein, te... aber nach Dubnow...“ Einst erzählte uns Berkowicz eine Episode- Ein junger Student aus einer ange¬ Geschichtsthema „Die Makkabäer“, „Sabbatai Zvi", „Gabriel Riesser“ usw.) und unsere Hauptquelle für unsere Referate war Heinrich Graetz. Wir bereiteten uns vor, um am der Debatte, die gewöhnlich folgte, teilzunehmen. Als die ersten Bände von Dubnow erhältlich waren, hatten wir manchmal Lieber Dr. Swarsensky, Zuerst: Masel tov! Gebe Gott, dass wir den 50 Jahrestag erleben. Sie als Redakteur und ich als Mitarbeiter- Ich erinnere mich, wie ich während des Weltkrieges mit Ungeduld und Spannung auf Ihre Zeitung gewartet hatte. Jede gusgabe war wie ein langerwarteter Familienbrief und gab Trost und Hoffnung. Ich gehöre zu den ersten Lesern und zu den ältesten Mitarbeitern Ihrer Zeitung. Ihre Feier ist auch meine Feier. Ihre Freude ist auch meine Freude. Sie waren und sind ein treuer Wächter jüdischer Interessen. Ihre Zeitung fand in der Familie der jüdischen Presse Anerkennung und Ansehen. Sie hat einen guten Namen, was Ihnen zu verdanken ist. bleiben Sie uns lange erhalten, — als Redakteur und als Freund der jüdischen Journalisten. Ihr JOSEF FRA ENKEL MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Geschäi te mit der grösste» Auswahl. SARMENTO 1147 T. E 35 1033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zahlungserleiehteruneeti Zuvorkommende fachmännische Bedienung sehenen Familie wollte sich taufen lassen; man hatte ihm eine grosse Zukunft vorausgesagt. Alle Bemühungen, ihn von diesem Weg abzuhalten, waren erfolglos. Er wollte aus dem Judentum austreten und musste — gemäss den damaligen Vorschriften — eine diesbezügliche Bestätigung von der jüdischen Kultusgemeinde bekommen. Deshalb suchte er Rabbiner Dr. Osias Thon auf. Dr. Thon diskutierte und argumentierte mit ihm, aber ohne Resultat. Schliesslich sagte er ihm, dass er ihm eine derartige Bestätigung geben werde, aber erst in einer Woche Unterdessen müsste ihm der Student versprechen, dass er eine Geschichte des jüdischen Volkes lesen würde. Er gab ihm einige Bände und vereinbarte eine weitere Zusammenkunft. Dieser Student gehörte später zu den Freunden Thons, zu den besten jüdischen Journalisten und spielte eine wichtige Rolle unter den jüdischen Führern. Das jüdische Volk benötigt — beendigte Berkowicz seine Episode — geistige Waffen, um seine Kinder zu erhalten. Und es gibt keine bessere Waffe als Kenntnisse in der jüdischen Geschichte und Literatur. Im Gymnasium lasen wir das „Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Literatur“ von Kayserling-Biach. Eigentlich bestand dieses Textbuch aus Fragmenten und kurzen Aufzählungen von bedeutenden Ereignissen der jüdischen Vergangenheit- Ausser, halb der Schule hatten wir Graetz und kamen ein oder zweimal in der Woche zusammen, um einen Vortrag aus der Geschichte zu hören. Ein jeder von uns wählte ein Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKTüPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN FUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. Eigene Fabrikation — Unverbindlich« Verfftkraag Auf Wunsch Zahlungserleichter’ingen MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private nur Samstag und Sonntag von 9—19 Uhr im Ausstellungshaus Calle ANDONAEGUI 2083 Tel.: 52-2993 4 Quader von Station Urquiza über dasselbe Thema noch ein Korreferrat. Diesmal war die Hauptquelle — Dubnow- Später fanden wir in Dubnow Referenzen, die wir bei Graetz vermissten: den jüdischen Osten. Dubnow ver. knüpfte ein farbenreiches Bild der osteuropäischen Juden mit dem Westen, dagegen war für Graetz der Westen das Zentrum der jüdischen Geschichte. Die organisierten Studenten Wiens und anderer Städte waren in ihrer Majorität politische Zionisten. In den zionistischen Verbindungen un^ Vereinen wurden Seminare abgehalten. Diese Semi. rare waren für uns obligatorisch. Fast täglich fanden Vorträge statt. Die Kenntnisse der Geschichte, Literatur, des Zionismus und der Geo- Papst und Araber Rom- — Die Notwendigkeit, aus den früheren Schwierigkeiten zwischen den Völkern Arabiens und des Westens zu lernen, hat Papst Paul VIin einem Brief an die katholischen und orthodoxen Patriarchen in arabischen Ländern unterstrichen. Er forderte die Christen und Moslems in Arabien zu einem gegenseitigen Verstehen auf. Der Brief wurde zum ersten Jahrestag der Reise Paul VInach Palästina sowie auch aus Anlass seines kurzen Aufenthalts in Beirut auf seiner Reise nach Indien geschrieben. Es gelte, sich nach Ueberwindtingen der „sterilen Gegensätze“ der Vergangenheit „ganz in dem immensen und begeisternden Bemühen um die Verwirklichung einer gerechteren, friedlicheren und brüderlichen Welt ein zusetzen“, heisst es in dem Schreiben. Die katholische Kirche werde immer bemüht sein, die kulturellen Unterschiede zwischen der westlichen und der arabischen Kultur zu respektieren und ihnen zu erlauben, sich zu entwickeln und auf allen Ebenen zum Ausdruck zu bringen. Der Papst bringt in seinem Brief ferner seine Anteilnahme an den Sorgen und Problemen in den arabischen Ländern zum Ausdruck und gedenkt dabei auch der so „sehr schmerzlichen Bedin. gungen“, unter denen diejenigen leben, die „von ihren Häusern und von ihren Her den entfernt wurden“. Alle Söhne der Kirche in der arabischen Welt seien dazu aufgerufen, zur Schaffung besserer Lebensbedingungen beizutragen. graphie Palästinas wurden gepflegt und nach zwei oder drei Semestern musste ein jeder sieh einer Prüfung unterwerfen. Adolf Boehm, Isidor Schalit, Robert Stricker, Franz Kobler, Leo Goldham. irier und andere waren unsere „Professoren“. Nur wer erfolgreich die Prüfung bestanden hatte, wurde ein „volles“ Mitglieq der Verbindung. Als Textbücher benützten wir Boehm, Graetz und Dub. now. Wir interessierten uns natürlich auch für unsere Historiker und hatten besondere Vorträge über Heinrich Graetz und Simon Dubnow. Graetz wurde fast immer, besonders in den Diskussionen, mit Samson Raphael Hirrch und Moses Hess, und Dubnow mit Achad Haam in Ver. bindung gebracht, und wenn wir ein Referat über „Achad Haam hatten, so wurde Dubnow zitiert. Eigenartig: Dubnow, der kein Zionist war, stand uns näher als der Kulturzionist Achad Haam. Obwohl beide ähnliche Anschauungen über Diaspora hatten, — wenn auch nicht aus den gleichen Gründen, — so standen wir in grösserer Harmonie mit Dubnow, den wir positiv sahen, während wir Achad Haam als eine negative Kraft betrachteten. — Achad Haamismus war stark, wenn die Zionistische; Organisation keine Erfolge erzielen konnte. Er bildete ein „Nachtasyl“ für Zionisten, die ihren Glauben an den Endsieg des Zionismus verloren hatten. Aber mit politischen Errungenschaften der Zionistischen Organisation wurde der Achad Haamismus schwach unj löste sich mit der Bildung des Staates Israel in Nichts auf. Als politische Zionisten war unsere Ablehnung von Achad Haam erklärlich. Viele politische Zionisten standen auf dem Standpunkt der „Negation der Galuth“. Diaspora-Nationalismus und reiner Zionismus waren entge gengesetzte Anschauungen. Wir Studenten hätten Dubnow — wegen seiner starken und betonten Bejahung der Diaspora nicht befürworten sollen. Aber nach einer Zeit von prinzipiellen Auseinan. LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs Aires — PUEYREDON 219«. 1* izq. — T. E. 83-2613 29. Adar II 5725 2. April 1965 dersetzungen erkannten wir, dass eine Synthese beider Richtungen notwendig ist Wir wurden in dieser Hinsicht mehr durch die Wirklichkeit als durch Theorien abgelenkt. Wir Studenten kämpften auf vielen Fronten. Auch widmeten wir viel Zeit, um Kollegen, auf dem Wege zur Taufe, zurückzugewinnen. Irgendwie fiel uns ein Aufruf in die Hand, den Dubnow einst, noch vor dem ersten Weltkrieg, in Petersburg veröffentlicht hatte. Auch in Russland verliessen viele das Judentum, um ein „Entreebillet zur europäischen Kultur“ zu erhalten. Dubnow nannte die Taufe eines Studenten einen Pesthauch des Verrats und verglich einen Abtrünnigen mit einem Ue. berläufei-, der die belagerte Festung im Stich liess. Seine Sprache war unsere Sprache, und wir wiederholten sie öfter in unseren Diskussionen. Dubnow verlangte, dass unser Lager, unsere Festung rein bleiben sollte, und dass jüdische Studenten mit Abtrünnigen, nun unter der Maske „Christen“, keinen gesellschaftlichen Verkehr haben sollten. Wir wachten im Sinne von Dubnow, dass unser Lager heilig bleibe und hatten eine Grenzlinie zwi- Zu wenig und zu spaet Jerusalem. — Dr. Arie Kubowy, der Präsident des Jad Waschern, äusserte, dass der Beschluss Bonns, die Verjährungsfrist für die Naziverbrecher zu verlängern, „nicht weise ist, keine Lösung darstellt und dazu dient, das weitverbreitete Misstrauen in die Deutsche Bundesrepublik zu rechtfertigen.“ „Jetzt wird es klar, dass der Bundestag zu spät handelte und zu wenig tat“, erklärte Dr. Kubowy im israelischen Rundfunk. (ITA) sehen uns und den anderen gezogen. Aber in zionistischen Fragen schauten wir nicht auf Dubnow. Unsere Verehrung für ihn hatte mit seiner Stellung zum Zionismus nicht« zu tun, obzwar er nach der Balfour - Deklaration seine Ansichten über den Zionismus geändert hatte. Aus dem Nicht-Zionisten wurde ein Pro-Zionist, aber kein Zionist. Für uns war es auch von Bedeutung, dass der grosse Historiker gemeinsam mit unserem Leo Motzkin, dem Präsidenten vom „Comité des Delegation« Juives“, sich für jüdische Minderheitsrechte eingesetzt hatte und dass er mit unserem Stephen S. Wise zu den Mitgründern des Jüdischen Weltkongresses gehörte. Unsere Generation besass schon als Textbuch „Die Z onistisehe Bewegung“ von Adolf Bcehm (1929—1921). Beide Teile brachten eine historische Darstellung der zionistischen Entwicklung bis San Remo. Erst viel später, in den Jahren 1935—1937, ersch'enen die zwei Bände von Boehm in zweiter Aufla. ge und ausführlicher. Ein dritter Teil sollte noch kommen, aber die Nazis marschierten in Wien ein. Adolf Eichmann wollte Bcehm im „Judenrat“ haben, aber diel jüdische Tragödie ging 'hm nahe und er starb im Jahre 1941. Auch Dubnow wurde im selben Jahr von den Nazis in Riga ermordet. | Obzwar wir zuerst Graetz, | dann Boehm hatten, warte- 1 ten wir mit einer gewissen! Spannung auf Dubnow. ins. i besondere auf die Bände IX l und X, um zu sehen, wie der | grosse Historiker jüdische Kolonisation in Palästina und den modernen Zionismus j darstellen würde. Wir woll- : ten wissen wie Dubnow im; Rahmen der Weltgeschichte | des jüdischen Volkes den Zionismus einfügen und I schildern würde. Als dann I diese zwei Bände zu erhalten j waren, bereicherten wir un- I sere Kenntnisse. ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Br. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung BUEROSTUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. E.: 83 - 2613 Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwaltungen - Miets-, Zivil- und Handelssachen T. E. 80 - 6930 PUEYRREDON 2190 esq. Av. LAS HER AS

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