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Jüdische Wochenschau · 1964-12-04 · 2093 (4.12.1964) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2093 (4.12.1964)
Date
1964-12-04
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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FRANQUEO PAGADO Concesión 908 EL EJEMPLAR lfl en toda (a República PUEÏRREDON 219« 19 tzq. T. E. 83 2613 Buenos Aires ** Q « i _ TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXV. BUENOS AIRES, VIERNES 4 DE DICIEMBRE DE 1964 N? 2093 Internationales Echo zum Kirchenkonzil Jerusalem. — Präsident Salman Shazar äusserte zu einer Gruppe katholischer Prälaten, die er in seinem Haus empfing, dass er die Deklaration des Oekumenischen Konzils über das jiidi sehe Volk als „eine tapfere und reinigende Erklärung“ betrachte. Er hatte 34 Bischöfe, die nach Beendigung des Konzils Israel besuchten, zu sich eingeladen. Slu'zar begrüsste die Annahme der Deklaration über die Juden, die das jüdische Volk von der Anklage des Gottesmordes freispricht und den Antisemitismus verurteilt, und betonte, dass diese „ausdrücklich verbietet, die Juden zu hassen, und die alte Beschuldigung zurücknimmt, für die kein tatsächlicher Grund vorhanden ist, die jedoch die Geschichte des jüdischen Volkes mit Blut getränkt hat“. Mit dem Hinweis darauf, dass das kirchliche Dokument noch der endgültigen Annahme bedürfe, um als Dogma verkündet zu werden, führte Präsident Shazar aus: „Wenn das Dokument in der nächsten Session als Dogma verkündet wird, so wird ein grosser Schritt getan sein, um die Menschheit von einem tief eingefleischten Hass zu befreien, der meinem Volk immer wieder Unterdrükkung. Erniedrigung und brennende Scheiterhaufen gebracht und gleichzeitig bewirkt hat, däss eine grosse -Zahl sich als Christen bekennende Menschen das Antlitz Gottes geschändet haben.“ Als Gastgeschenk überreichten die Bischöfe dem Präsidenten ein Album mit Bildern von dem Besuch des Papstes Paul VI. in Israel, das dieser mit seinem Autogramm versehen hatte. Das Album enthält u. a. den hebräischen Text zweier Ansprachen, die Präsident Shazar bei diesem Anlass hielt, sowie die Abschiedsrede des Papstes. Die Bischöfe besuchten das Gewölbe auf dem Zionsberg, in dem die Ermordung von Millionen von Juden im Zwei ten Weltkrieg graphisch dargestellt wird, und wohnten dem Entzünden der Kerzen im Andenken an die jüdischen Märtyrer bei. Sie besichtigten die Hebräische Universität und statteten dem Religionsminister Dr. Zorach Wahrhaftig eine Höflichkeitsvisite ab. STIMME AUS ROM Rom. — Die katholische Welt hat günstig und fast einstimmig auf die kürzlich erfolgte Annahme der Deklaration über die Juden durch das vatikanische Konzil reagiert, wie aus einem Bericht ersichtlich ist, den die von den Jesuitenpatern geleitete Zeitung „Civilitä Cattolica“ publiziert, die in der katholischen Welt grösstes Ansehen geniesst. Das Blatt misst auch der Reaktion der Juden grosse Bedeutung bei und hebt besonders hervor, dass 13 nordamerikani. sehe jüdische Organisationen, unter denen orthodoxe, liberale und Reform-Gemeinden vertreten sind, sich „trotz sonst widersprechender Tendenzen“ günstig zu diesem Dokument geäussert haben. Die überwältigende Mehrheit, mit der die Deklaration im Konzil angenommen wurde, habe nach Aussage der „Civilitä, Cattolica“ einige spontane Reaktionen auf das von Kardinal Bea aufgesetzte Schriftstück nicht klar hervortreten las sen. So weist das Blatt auf die Behaup. tung einiger arabischer Bischöfe hin, dass „diese Sache allein von Kardinal Bea ohne die Unterstützung anderer Konzilsmitglieder verfochten wird“ was eine „offensichtliche Verdrehung der Wahrheit“ genannt wird. Auf 20 Seiten unternimmt die Zeitung eine Analyse der Meinungen von 35 Bischöfen, wobei besonders der Umstand unterstrichen wird, dass die nordamerikanische Geistlichkeit „fast einstimmig entschlossen war, die Deklaration über die Juden zu unterstützen“. Die Zeitung druckt die Rede des Kardinals Bea ab. Sie berichtet auch, dass auf dem Konzil erwähnt worden ist, dass man sich einer Studie bedient habe, die an der Universität von Kalifornien unter leitender Mitwirkung der Liga gegen Diffamierung der Bne Berit durchgeführt wurde und in der nachgewiesen wird, dass „viele bekannte antijüdische Vorurteile noch heute unter den Katholiken und in gewissen protestantischen Kreisen fortleben“. Leider so fügt der Herausgeber der Zeitung hinzu, sei die. se Haltung auch heute noch nicht völlig verschwunden, nicht einmal in den lateinischen Ländern, wie man aus verschiedenen antisemitischen Schmähschriften folgern müsse, die an die Konzilsväter verteilt wurden. „Nur sehr wenige katholische Kreise bestimmter beschränkter Sektoren“, schreibt die Zeitung, „haben nicht für die Annahme der Erklärung über die Juden gestimmt, und gewisse vereinzelte extremistische Gruppen konnten sich nicht enthalten, ihre Pamphlete zu verbreiten, die voll antisemitischer Argumente waren, welche den Geruch der Fäulnis an sich tragen und mit entnervender Monotonie antisemitische Argumente den Konzilsvätern vortrugen, was nur als eine Beleidigung der Intelligenz und des gesunden Menschenverstandes der Kardinale und Bischöfe bezeichnet werden kann.“ In einer Fussnote werden einige der Quellen dieser Hassliteratur mit dem Kommentar angegeben, dass sie z. T. aus orthodoxen syrischen Zirkeln herrührt, „deren Beweggründe wohl verständlich sind“. ERKLAERUNG DES KARDINALS BEA Rom. — Kardinal Agostin Bea, der die kürzliche Deklaration über die Juden bis zu ihrer überwältigenden Abstimmung im Oekumenischen Konzil verfochten hat, wandte sich gegen jegliche politische Interpretierung des Dokuments, die er als „willkürlich und die Intentionen des Konzils entstellend“ bezeichnete. In einem im „Osservatore Romano“, dem offiziellen Sprachrohr des Vatikans erschienenen Artikel weist der Kardinal darauf hin, dass die Deklaration auch von den Beziehungen der Kirche zu den Hindus, Mohammedanern und Buddhisten handelt, worin „offensichtlich keine politische Absicht erblickt werden kann“. Ebenso entbehre der Teil über das jüdische Volk „jedweder politischen Auslegung und bezieht sich nur auf den zwischen der Religion des Alten Testaments und dem christlichen Glauben bestehenden Zusammenhang, sowie auf die religiöse Zukunft des jüdischen Volkes im Lichte der Doktrin“. „Die Deklaration berührt auch nicht ausdrücklich die Frage der Schuld jener. welche an der Verurteilung Christi aktiven Anteil nahmen“, fährt Kardinal Bea fort. „Sie stellt nur fest, dass es unmöglich ist, die vier Millionen Juden, dife zu jenen Zeiten ausserhalb Palästinas lebten, zu verurteilen und noch viel weniger die Juden unserer Zeit. Die geistlichen Konsequenzen aus diesen Tatsachen liegen einzig und allein auf religiösem Gebiet. Wir können nur hoffen, dass nach allen diesen objektiven Darlegungen die Deklaration ihrem Sinne gemäss verstanden wird und alle Stimmen über politische Absichten zum Schweigen kommen werden. Die Intentionen des Konzils und seines Dokuments gründen sich auf Wahrheit, Gerechtigkeit, und christliche Nächstenliebe; sie stehen im Einklang mit dem Evangelium und dürfen nicht falsch interpretiert werden. Es handelt sich um eine religiöse Frage, durch die das Konzil nur dem Frieden in der Welt dienen und seiner Hoffnung Ausdruck verleihen wollte, dass die Religion nicht dazu missbraucht werden solle, um die politische Diskriminierung und Vorurteile zu rechtfertigen. (ITA) Israels arabische Bevoeikerung In israelischen Regierungskreisen bricht sich langsam die Ueberzeugung Bahn, dass die Beziehungen zu den arabischen Kreisen im Lande sich nicht allein auf offizielle Feiern und Ministerbesuche in den arabischen Orten beschränken sollten. Bei solchen Gelegenheiten danken die arabischen Notabeln, mit dem Bürgermeister von Nazaret an der Spitze, der Regierung Israels regelmässig für ihre konstruktiven Bemühungen, aber Misstrauen und innerer Widerstand innerhalb der arabischen Bevölkerung werden damit nicht beseitigt. Wir wollen nicht nur an die radikalen Aussenseiter.Gruppe der „El Ard“-Leute denken, denn die Tatsache, dass grosse Massen der Araber Israels weiter mit Begeisterung jede Rede Nassers anhören und dass sie den Jahrestag der ägyptischen Revolution feiern, sollte ein Warnungszeichen für den Staat sein. Gideon Rafael, ein alter Fachmann für arabische Probleme, vertrat seit langem die Meinung, dass man den Arabern in Israel nicht nur als Patron und Protektoratsbehörde gegenüber treten sondern dass man auch mit ihnen auf gleicher Ebene diskutieren müsse. Rafael liess sich als Referent vor jungen Arabern ansetzen und begann mit ihnen die Probleme des Mittleren Ostens zu erörtern. & erschloss den Hörern eine neue Welt, jenseits der Phrasen, die sie regelmässig in den arabischen Radiosendungen hören und zeigte ihnen, wie durch das Gleichgewicht der Kräfte zwischen West und Ost lokale Kriege unmöglich gemacht werden. Die Konflikte werden „eingefroren“, und es gibt an mehreren Stellen der Welt Waffenstillstände, die ebenso unbequem sind wie der an den Grenzen Israels, aber die Kriegsfackel kann nicht entzündet werden. Rafael wies in seinen Vorträgen auf die guten Beziehungei Israels zu den afrikanischen Ländern und auf die Zusammenarbeit bei Entwicklungsaufgaben hin, die ln ab. Araber protestieren gegen Amman Jerusalem. — Mohammedanische und christliche Araber in Israel protestierten gegen diejenigen Mohammedaner, die die Deklaration des Kirchenkonzils über die Juden angegriffen haben, sowie gegen die Haltung der Regierung von Amman, die angekündigt hat, sie wolle alle jene Prälaten auf die Schwarze Liste setzen, die in Rom für diese Deklaration gestimmt haben. Die nichtjüdischen religiösen Führer in Israel bezeichneten den Beschluss des Konzils als „historisch“. Die Mohammedaner unter ihnen betonten, dass jene, die am Oekumenischen Konzil Kritik üben, vergässen. dass Jesus im Koran als Sprössling des Judentums erwähnt wird. Erzbischof Hakim von Akko und Galiläa sowie der oberste christliche Prälat haben öffentlich erklärt, dass sie die Deklaration über die Juden „begrüssen". (ITA) f solutem Gegensatz zu den Vernichtungs . Forderungen der Araber steht. Interessant waren die Diskussionen die sich an seine Vorträge anschiossen. In einer Veranstaltung in Nazaret fragte ein junger Araber, warum Israel nicht die Teilungsgrenzen von 1947 akzeptieren wolle. Rafael antwortete sofort, die Araber hätten die Teilung mit aller Schärfe abgelehnt, sie hätten sie durch den Krieg von 1948 unmöglich gemacht, und nun hätten sie eben die Verantwortung für das misslungene Experiment des Krieges zu tragen. Aehnlich argumentierte Ra. fael, als er gefragt wurde, warum Israel nicht gemäss dem Beschluss der UN die arabischen Flüchtlinge repatriierte. Er erklärte, dass es sich bei diesem Beschluss wie bei allen Beschlüssen der Vollversammlung der UN um Empfehlungen handele, und die Regierung Israels könne entscheiden, ob sie die Empfehlungen beachten wolle oder nicht. Gerade die Araber hatten 1947 betont, der Teilungsbeschluss vom 29. November 1947 stelle nur eine Empfehlung dar und müsse nicht unbedingt durc-hge. fiihrt werden. * Versammlungs-Teilnehmer fragten Rafael warum Israel gegen die Unabhängigkeit Algeriens gestimmt hatte. Rafael zögerte nicht mit seiner Antwort; „Israel musste seine gesamten internationalen Beziehungen berücksichtigen, und Frankreich war für Israel sehr wichtig. Ferner hatte Israel mit Libyen sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Dank der entscheidenden Stimme Israels erhielt Libyen von den Un die Unabhängigkeit verliehen, aber der Dank dieses Staates bestand darin, dass er sieh einige Wochen später der Arabischen Liga anschloss und bei jeder Gelegenheit gegen Israel auftrat und gegen Israel stimmte.“ Rafael kamen seine Erfahrungen als Mitglied der israelischen UN-Delegation zugute und er konnte darauf hinweisen, dass er selbst zahlreiche Friedensgespräche geführt hatte, die jedoch ergeb. nislos blieben. Die Ausführungen Rafaels machten gerade auf junge Araber grossen Eindruck, und die Aktion „Aufklärung“ bei den Arabern Israels soll fortgesetzt werden. Sie soll insbesondere auch die Lehrer erfassen von denen heute immer noch unfundierte natio. nalistische Propaganda ausgeht. ZUSAMMENKUNFT Ein weiterer Ruf zur Zusammenarbeit zwischen, jüdischen und arabischen Bürgern Israels ging von einem Symposion aus, das kürzlich in Je. rusalem abgehalten wurde. Auf dieser Veranstaltung trat der arabische frühere Mapam - Kneset - Abgeordnete Rustum Bastouni mit sehr weitgehneden Forderungen auf. Er erklärte: „Ein arabischer Bürger, der sich mit der Existenz des Staates nicht ab.! quenzen ziehen und gehen* Würden Juden diese Forde» rung vertreten so wurden arabische Nälionairiten der i Nachbarländer über Unterj drückung schreien, aber hier ■ kam dieser Appell gerade von j einem in Israel lebenden I Araber, der sich seinen Plata! in der israelischen GeselL | Schaft sichern konnte. Rustum Bastouni und Ihrahib Schawat. der Leiter der Kulturarbeit der Histadrut in Nazaret, forderten die jüdischen Bürger Israels auf. die arabische Bevölkerung näher kennen zu lernen. Die Araber | ihrerseits sollten sich als lo.! yale Staatsbürger betrachten. Schawat setzte sich für Aufstellung eines gemeinsamen Friedens-Corps ein das aua Juden und Arabern bestehej und das bei der Bntwicklui/ der arabischen Orte helfsolle. Schawat erwartet, dass Rieses Friedens.Corps für Araber und Juden ein gleicher; Sehmelztiegel wie die Armee! für die Juden verschiedener Herkunft sein wird und zu eij ner Verständigung beitragen 1 kann. j Sowohl Bastouni als auch! Schawat beklagten sich dar- .-bi.. - dass der Wettiaof -t-r Parteien, die Fronten verfälsche und die Eingliederung der Araber erschwere. Prof. Uriel Hed von der Hebräischen Universität setzte sich für eine „multilaterale“ Gesellschaft der Toleranz in Israel ein und grenzte sich von der Unduldsamkeit ab, wie sie in Zypern zu beobachten ist. Pro f. Hed forderte, dass die Universität in Jeru. salem nicht nur arabische Studenten auf nehmen solle, der Tag müsse kommen, an dem auch ein arabischer Dozent an der Universität lehren könne. Das Symposion in Jerusalem stand zwar nicht mit den Aufklärungs-Aktionen in Zusammenhang, die von der Re. gierung ausgehen. Das Zusammentreffen beider zeigt, dass in weiten Kreisen die Notwendigkeit einer intellektuellen Auseinandersetzung mit den Arabern im Lande selbst und einer Annäherung dieses Bevölkerungsteils empfunden wird. Neuer syrischer Angriff Tel Aviv. — Syrische Positionen richteten ihr Feuer gegen eine israelische Patrouille, die auf einer neuen Strasse ihren Dienst versah, welche in gleicher Weise bei der Attacke vom 13. November unter Beschuss genommen wurde. Die Insassen des israelischen Patrouillenautos erwiderten das Feuer und setzten ihren Weg fort. Verluste waren nicht zu beklagen. Wie ein offizielles Communiqué besagt, bedienten sich die Syrer schwerer Maschinengewehre und möglicherweise auch leichter Kanonen. (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N9 826.205

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