Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2090 (13.11.1964)
- Date
- 1964-11-13
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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o S |! Sí? franqueo pagado Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXV. BUENOS AIRES. VIERNES 13 DE NOVIEMBRE DE 1964 EL EJEMPLAR en toda ta República PUEíRREDON 2190 1« Izq. T. E. 83 2613 Ráenos Aires Neue Versuche Nassers BIlcLll,dJl,^elt Der saudische Ministerprä. das immer noch zum Imam Abschnitte des svidarabischeti j Ausgleich mit dem Sauditen- DER IMPONIERENDE WAHLSIEG des amerikani %idpni Tiimir Fpiui 1 Hpr ai/*H ol ßprli* Mrtnt./vnU»« t »«p.. i—» -J 1 ' " Der saudische Ministerprä. sident Emir Feisal, der sich inzwischen zum Herrscher Saudi-Arabiens proklamiert hat. war zur Spitzenkonfe renz nach Alexandrien erst gekommen, nachdem die Arabische Liga ausdrücklich zugestimmt hatte, die Entwicklung im Jemen von der Tagesordnung der Beratungen abzusetzen. Aber der ägyptische Staatschef Nasser hatte auf Erörterung dieses Themas. das ihm so viel Sorgen bereitet, nicht verzichtet. Er behielt den saudiarabischen Ministerpräsidenten, über den die ägyptische Presse;: nge Zeit hindurch Pech und Schwefel gegossen hatte, in Alexandrien zurück und begann mit ihm Wege zur Ver ständigung über den Jemen zu suchen. , Zu dieser Geste hatte ihn wohl der Misseorfolg der Mis sion veranlasst, die Nassers i Stellvertreter Marschall Abdj el Hakim Amr im Jemen übernommen hatte. Abdel , Hakim Amr sollte bei einer j grossen ägyptischen Offensi. ■ ve in Südarabien anwesend sein mittels der man die Moj narchisten endgültig erledigen wollte. Nasser wollte durch diesen grossen Sieg un mittelbar vor der Spitzenkoni ferenz vollendete Tatsachen ' schaffen und Saudi-Arabien. . das immer noch zum Imam el Badr hielt, zum Nachgeben zwingen. Am 26. August wurde auch der grosse Sieg gemeldet. Die Zeitung „Al Ahram", die stets offizielle Meinungen wiedergibt berichtete über die „vollständige und endgültige Niederlage der Reste der Reaktion an der Nord grenze des Jemen“. Die Zeitung wusste weiter zu melden, dass die Gebirgs.Zone erobert sei, in der der Imam sich versteckt gehalten hatte. El Badr sollte nach der Darstellung des „El Ahram“ nach Saudi-Arabien geflohen sein. Die Aegypter hatten bei ihrer Offensive Luftstreitkräfte und Fallschirmjäger eingesetzt, sowüe riesige Men gen von Kriegsmaterial verwendet. Nichts wurde unversucht gelassen, um dem Kriege im Jemen ein Ende zu be reiten, und die Kairoer Zei. tung ,,A1 Ahram“ behauptete, der Jemen sei endgültig „gesäubert“ worden. Diese Behauptung hatte man im Jahre 1964 schon einige Male in ägyptischen Zeitungen gelesen. Aber am 3. August hatte gerade der Korrespondent des „Ahram“ den Besuch einer ägyptischen Parlamentarier-Delegation im Jemen beschrieben und die Abgeordneten hatten Front- Abschnitte des siidarabischen Landes besichtigt. Aus den Erklärungen des Korrespondenten konnte man entnehmen, dass Truppen des Imaln nicht nur in der Gebirgszone im Norden des Landes, sondern auch im Zentrum kämpf ten, nur 40 Kilometer nürd. lieh der Hauptstadt Sanaa. Der Schluss, der aus diesem Bericht zu ziehen war, musste naheliegend sein: Trotz des Einsatzes von fast 40.000 Aegyptem kämpften der Imam und seine Getreuen mitten im Jemen un<i mach ten der Regierung Salal das Leben schwer. Die grosse August-Offenive sollte die entscheidende Wendung herbeiführen aber auch sie hat anscheinend ihren Zweck nicht erreicht. Es liegen Meldungen über Entsendung von weiteren 3.000 ägyptischen Soldaten nach Siidarabien vor. Wäre der Jemen befriedet worden, so hätte Nasser die Zahl seiner Truppen nicht vermehrt, sondern radikal verringert. Heute stehen über 45.000 ägyptische Soldaten im Jemen. Die Ausgaben für diese Heeresmacht stellen eine unerträgliche Belastung für den ägyptischen Etat dar. Unter diesen Umständen beschloss Nasser, das Steuer heruinzuwerfen und einen 99 Literarische Neonazis von KURT KAISER-BLUETH Der Neonazismus organisiert sich in Deutschland. Seine Taktik ist indessen nuancierter geworden, sie hat nicht ganz mehr den Holzhammerstil der tausend Jahre. Man arbeitet jetzt eher indirekt, aber deshalb nicht weniger gehässig. Die aktiven Neonazis haben oft ein Alibi. Sie sind keine „Ehemaligen“. Wenn man sie stellt, zücken sie lächelnd ihr Geburtsdatum. Sie sind entweder erst in den Jahren des 3. Reiches geboren oder kurz vorher. Mit dem Resultat, dass sie die Unschuldigen spielen und ohne jeden Schuldkomplex umso intensiver hetzen können. Die ehemaligen Nazis, die „alten Kämpfer“ sitzen meist hinter den Kulissen und sind stille Teilhaber. Aber auch manchmal noch die eigentlichen Drahtzieher. Die Neonazis in der Bundesrepublik haben sogar das, was die Altnazis vor ihrer „Machtergreifung“ niemals besessen haben — ein „literarisches Kabarett“. Es spielt schlecht, aber mit verbissener und zynischer Bösartig- keit und ersetzt sein Talent durch einen hassgetränkten Fanatismus. Es nennt sich | „Zeitberichter“ und ist ein „deutsches Kabarett". Im Gegensatz wohl zu den ande- ' ren, die „kosmopolitisch“, „voiksverräterisch“ und „zersetzend“ sind. Chef der literarischen Prop gandastaffel ist ein Gerd Knabe, der als 17-Jähriger kriegsfreiwillig Hitler half. ' die halbe Welt zeitweilig zu erobern. Knabe war, nach seiner Feststellung „bis zum letzten Kriegstag Soldat“ und „selbstverständlich damals ¡blutjung und begeistert...“ | Schon in der Kriegsgefangenschaft fiel Knabe unan- Misstrauensantraege abgelehnt Jerusalem. — Drei Misstrauensanträge wegen der Handhabung des Problems der in Aegypten beschäftigten deutschen Wissenschaftler wurden von der Knesset abgelehnt. Die Anträge waren von der Cherut, der Mapam und den Kommunisten getrennt eingereicht wor. den. Im Namen der Regierung antwortete Vize-Premierrninister Abba Eban. Er bezeichnete den Vorwmrf der Cherut, dass die Regierung Eshkols sich nicht um die Intervention der USA in diesem Fall bemüht habe als „unrichtig“ und nannte die Beschuldigung der Kommu nisten, dass israelische und deutsche Wissenschaftler bei der nuklearen Forschung Zusammenarbeiten, „völlig unbegründet“. Er versicherte, dass die israelische Politik sich weiter unbeugsam gegen die Arbeit der deutschen Wissenschaftler für Aegypten wendet und teilte mit. dass die wiederholte Aufforderung an Westdeutschland, diese Wissenschaftler zurückzurufen Erfolge zeitige. (ITA) genehm auf als er versuchte, unter seinen mitgefangenen Kameraden Nazipropaganda zu machen und die Amerikaner ihm die Note „unverbesserlich“ gaben. Diese Note hat gewiss mit dazu beigetragen, ihn im deutschen Rechtsradikalismus Karriere machen zu lassen. Die „Zeitberichter“ reisen durch die bundesdeutschen Lande und wecken die alten unseligen Leidenschaften vergangener Unglücksjahre wieder auf. Den toten Tucholsky missbrauchend, von dem sie ein Abgrund trennt, ha ben sie ihm das Motto als Paravant. für ihre Maulwurfs, arbeit gestohlen. „Was darf die Satire?“ heist es in ihrem Programmheft, „alles'“ So hat das Kurt Tucholsky gewiss nicht gemeint. „Die „Zeitberichter“ haben drei wesentliche Kampfziele: Verächtlichmachung des Parlamentarismus und der Demokratie, antisemitische Hetze, „satirische“ Schän düng der Millionen Opfer der Biutdiktatur der „Altnazis“ und Verächtlichmachung der Gewerkschaften. Ihr Programm lautet: Ein Hauch von Herz. Betrachten wir einmal ein wenig genauer, wie d s braune Herzchen schlägt. Die „Zeitberiehter“ wenden sich gegen die „Ueberfremdung“ der Bundesrepublik. Sie sind gegen die Kampagne zur „Zersetzung und Verweichlichung der Bundeswehr“ sie glauben, es wäre Zeit, dass sich die Gewerkschaften auflösen, da es „uns ja allen gut geht und die Funktionäre dann wieder ehrlicher Arbeit nachgehen können...“ Der Strafvollzug ist ihnen zu hu- Ausgleich mit dem Sauditenköthg Feisal zu suchen, in dem er den wichtigsten Protektor des verhassten Imam el Badr sieht. Die weitgehenden Hoffnungen, die der ägyptische Staatschef gehegt hatte haben sich nicht erfüllt. Feisal hat Anerkennung des republikanischen Regimes Im Jemen ausdrücklich abgelehnt. König Hussein von Transjordanien, der auf Wunsch von Kairo Salal anerkannt hatte, wollte als „Fachmann für Anerken. nung“ zwischen Nasser und Feisal vermitteln. Die saudische Delegation und der Rundfunk von Mekka lehnten jedoch in sehr wenig freundlichen Worten seine Intervention ab und gaben zu erkennen, dass sie ihn, Hussein, — weiter — wegen seines Umschwenkens — als Verräter ansehen. Nasser und Feisal einigten sich in Alexandrien immerhin darauf, dass sie gemeinsam einen Wege zur Lösung des Jemen-Konflikts suchen wollen. Beide Staaten wollen die alte Freundschaft wieder herstellen, die wegen des Jemen-Konflikts gelitten hatte. Man soll die Bedeutung dieser Erklärungen nicht über, schätzen, denn auch auf der ersten Spitzenkonferenz in Kairo im Januar hatte es Annäherungen — und Versöh nungsversuche gegeben, die jedoch zu nichts geführt hatten. Jetzt scheinen jedoch sowohl Nasser als auch Feisal bereit zu sein einen Mittelweg im Jemen zu suchen. Die Aegypter haben in Aussicht gestellt, dass möglicherweise ein anderer, den Saudi-Arabern genehmerer Politiker als Salal, an die Spitze der Regierung des Jemen treten wird. Sein Nachfolger würde die Aufgabe haben, die Anhänger des Imam zu versöhnen und möglicherweise sogar eine Art Koalitions-Regierung zu bilden. Das alles sind vorläufig nur Ideen. Die konziliante Haltung Nassers gegenüber dem Jemen ist von seiner Position von HAROLD SCHWARCZ DER IMPONIERENDE WAHLSIEG des amerikani- 1 sehen Präsidenten Lyndon Johnson dürfte neben dem Sturz Krutscnews das wichtigste Ereignis' der letzten Monate sein. — DIE FLUCHT DES BOLIVIANISCHEN PRABSIDEN TEN Victor Paz Estenssoros und die Machtübernahme durch den Vizepräsidenten, General René Barrientos, »11 | die Voraussetzungen für eine Befriedung dieses Landes bil- 1 den. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. — j Der BESUCH VON CHOU EN LAI, Ministerpräsident ¡ Rot-Chinas, in Moskau, eröffnet neue Perspektiven für ei- ■ ne Wiederannäherung der beiden grossen kommunistischen Länder. — ¡ Die EINSTELLUNG DER FEINDELIGKEÍTEN im Ye- \ men soll durch eine Vereinbarung der verschiedenen Par- ] teien erreicht worden sein. Der FRANZOESISCHE MINISTBRiPRAESIDENT Georges Pompidou erklärte, sein Land habe niemals ernsthaft den Austritt aus der Atlantischen Union erwogen. — PRAESIDENT GENERAL CASTELLO BRANCO versprach dem Volk Brasiliens Wahlen für das Jahr 1966. — EDUARDO FREI, der neue Präsident Chiles, be grösst» die Wiederentdeckung Lateinamerikas durch das alte Europa. — DIE ENGLISCHE ARBEITER-REGIERUNG plant die Nationalisierung verschiedener wichtiger Industrien und will andere, weitgehende Reformen durchführen. — Zu neuen SCHWEREN ZUSAMMENSTOESSEN ist es in Südvietnam gekommen, wo amerikanische Positionen von den Kommunisten angegriffen worden sind. — KOENIG SAUD VON SAUDI ARABIEN wurde durch den Erbprinzen Feisal, seinen Halbbruder, entthront. Feisal rief sich zum neuen König dieses grössten arabischen Staates aus. — Zwischen OSTDEUTSCHLAND UND NORDKORHA wurde ein Handelsvertrag abgeschlossen. — AHMED BEN BELLA der Präsident Algiers, hielt eine neue Drohrede gegen Israel und... Moisés Tschombé. — in der gesamten arabischen Politik beeinflusst. Die wichtigsten Partner Nassers sind heute Irak und Transjordanien, aber beide Staaten stehen auf schwachen Füssen. Die inneren Probleme Transjordaniens das von amerikanischer und britischer Finanzhilfe völlig abhängig ist, sind zur Genüge bekannt. Naser una der irakische Präsident Aref tauschen dauernd Freundschaftsbeweise aus, aber der ägyptische Staatschef weiss, dass das Regime Aref von Konsolidie rung weit entfernt ist. Die Bevölkerung des Irak, die zum mohammedanisch-schiitischen Bekenntnis zählt, ist gegen Aref und fühlt sich zurückgesetzt. Die Kurden die solange mit der Zentralregierung im Kriege lagen, wollen erneut gegen Bagdad man. sie verhimmeln die unj sterblichen Leistungen der Hitlerarmee im 2. Weltkrieg j (Oradour sur Glane, Tülle, : Lidice —!) und berauschen sich an einem super-Natio- I nalismus, der den biergesättigten Spiessern richtig ans Herz geht. — Besonders schamlos ist je- I doch, was sich Knabes Hakenkreuz-Knaben an wüster Beschimpfung der jüdischen i Märtyrer und der Ueberlebenden leisten: „An den; Beatles verdient Mister Ep- ■ stein (und was für Prozenj te!>“; „in Wiens eleganten 1 Vierteln sieht man nur Juden“, und „Shylock ist noch j immer dabei, ständige Wiei dergutmachungs - Ansprüche i anzumelden“! Und noch eine j Kostprobe: In die Zentralstelle in Lud-! wigsburg kommt eine Frau, um „eine Anzeige gegen 3 Millionen Opfer“ zu erstatten „Donnerwetter“, sagt ein Staatsanwalt, „das ist ja mehr als im Auschwitz-Pro- | zess, das wird den Generalstaatsanwalt aber freuen —!“ Aber es stellt sich heraus, dass die „3 Millionen“ den „Untaten“ der Alliierten, den Polen, Russen und Jugoslawen zum Opfer gefallen sind. Enttäuscht winkt der Staatsanwalt ab. „Das interessiert uns nicht; dafür sind wir nicht zuständig, wir verfolgen nur deutsche Kriegsverbrecher...“ „In ihren Ländern gelten die Täter als Helden...“ meint vielsinnig die Frau. Diese Niedertracht produzierte sich jetzt, in den Tagen des Auschwitz-Prozesses, und ausgerechnet in der Prozess-Stadt Frankfurt a. Main. Unter dem gröhlenden Beifall eines Publikums, das von soviel „Satire“ von seiner ganzen „unbewältigten Vergangenheit“ befreit, sich im siebenten Himmel wähnte. Die Toten reiten schnell... i kämpfen, da sie unzufrieden sind. ( Nasser hat als Freund- . schaftsgeste Truppen zu ge- : meinsamen Manövern nach i Bagdad geschickt, aber er i wird wohl kaum bereit sein, : sich auch im Irak auf ein 1 langfristiges militärisches En-!' gagement nach dem Muster , des Jemen einzulassen, j Nasser zeigte in Alexan-; drien auch gegenüber Syrien Konzilianz. Im Gegensatz zur I ersten Gipfelkonferenz trat! er dieses Mal mit dem Gene- , ral Hafez zu persönlichen Gej sprächen zusammen. Beobi achter sagten eine Annäherung zwischen Kairo und Damaskus voraus, für die es allerdings noch keine konkreten Beweise gibt. Nasser ist heute konzilianter weil er zur UeberZeugung gekommen ist, dass eine arabische Gesamt-Politik ohne „Reinigung der Atmosphäre“ nicht geführt werden kann. Ausserdem will er, falls seine Versöhnungsversuche scheitern sollten, nachher allen Gegnern im arabischen Lager vorwerfen dass man die Pläne gegen Israel nicht durchführen könnte, weil man seine Verständigungsversuche sabotierte. SOWJETHILFE FUER NASSER Washington. — Hier eingelaufenen Berichten zufolge hat Moskau versprochen. Aegypten erneut Hilfe zu leisten. Der ägyptische Vizepräsident, Mar. schall Abdel Hakin Amer führte auf einem ihm zu Ehren veranstalteten Bankett Gespräche mit sowjetischen Staatsmännern und hohen Offizieren. — (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N“ 826.205