Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2086 (16.10.1964)
- Date
- 1964-10-16
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Correo Argentino Central B FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXV. BUENOS AIRES, VIERNES 16 DE OCTUBRE DE 1964 N» 2086 10.- EL EJEMPLAR en toda la República PUEYRREDON 2190 19 icq. T. E. 83 2613 Bnenos Aires Tausend Meineide entlarvt Im Münchener Prozess gegeben den. inzwischen verurteilten SS-Obergrupjifenfü tirer und General der Waffen- SS Karl Wolff, den ehemaligen Adjutanten Heinrich Himmlers, wegen tausendfacher Mordtaten wurde in ei- I ner für alle NS-Prozesse mass-! gehenden Weise die wichtigste Verteidigungsbehauptung , dokumentarisch als Lüge ent-! larvt. Es wurde durch ein Sachverständigen - Gutachten ' fest-gestellt, dass die Massen- I ermordungen von Juden im Osten — im Gegensatz zu den ständigen Lügen von an- I geklagten höheren und mittleren SS-Führern — in wei- : testen Kreisen bekannt wa-! ren. Bisher lautete die Ver-; teidigung der SS-Gruppeni fiihrer. SS-Standartenführer, j SS-Hauptsturmfiihrer am lau- ' fenden Bande: Wir haben : nicht gewusst, was Auschwitz, I Treblinka, Sobibor, Chelmo, I etc. heissen. Wir dachten, j wenn wir Deportationen anj ordneten, nicht an Massen-! Vernichtungen, sondern an j „Umsiedlung“, „Aussiedlung“, j „Zwangsarbeit“, „Isolierung“ < usw. Komplizen der Angeklagten. die als Zeugen aufj traten, leisteten hunderte von Meineiden oder machten falsche Aussagen in dem gleichen Sinne. Es gab einj zelne Schwurgerichte die auf ' diesen Schwindel hereinfielen und Angeklagte freisprachen oder wegen gewisser . Zweifel milder behandelten. Durch ein Gutachten des Dozenten für Zeitgeschichte, Dr. Hanns von Krannhals, Lüneburg, über die Judenvernichtungen im Osten ist dem Märchen von dem „Nichtwissen“ aufgrund von dokumen- I tarischen Feststellungen ein für alle Male ein Ende bei von Dr. ROBERT M. W. KEMPNER reitet — natürlich nur für diejenigen, die nicht aus eigenen „weltanschaulichen“ Gründen weiter an solchen Schwindel glauben wollen. Dr. von Krannhals, durch ein ausgezeichnetes Buch über den Warschauer Aufstand bekannt, hatte eine glänzende Idee. Er durchforschte zehntausende von Berichtsseiten der deutschen Wehrmacht und der aufsichtsführenden Behörden über die Rüstungsindustrie, die bis vor wenigen Jahren noch in Archiven in Washington lagen. In diesen Berichten steht schwarz auf weiss. dass selbst untere Wehrmachtsstellen in Berichten an ihre Vorgesetzten, und die höheren Wehrmachtsstellen, in Auseinandersetzungen mit SS-Stellen schärfstens dagegen protestierten, dass zehntausende jüdische Rüstungsarbeiter in Polen, die in Textilfabriken oder an Munition arbeiteten, von der SS aus den Betrieben genommen und hinweggemordet wurden. Der Gutachter stellte fest dass: „der Kreis dem um die Massentötungen Wissenden gross“ sei. „Meldungen gingen vom kleinen Untergebenen einer Ortskommandantur über diese in die Oberfeldkommandantur . . . und beschäftigten überall Fernschreiber. Nachrichtenhelferinnen. Offiziere. Mannschaften und schliesslich die Vorgesetzten.“ Krannhals schloss seine Ausführungen mit den Worten: „Es geht also gerade bei der Durchsicht dieser Quellengruppen die groteske Unwahrhaftigkeit auf, wenn in ■ diesem und anderen einschlägigen Verfahren gerade von; Angehörigen der aktiv an der; Vernichtung beteiligten Ver- : bände und Behörden heute immer wieder behauptet wird, ' sie hätten von nichts etwas gewusst oder der selbst erj fundenen Tarnsprache wörtlich geglaubt. Die Sicherheitspolizei, beziehungsweise die SS, wussten um das Verbre- ¡ cherische dieses Tuns und; tarnte es deshalb im Schrift-; verkehr mit Evakuierung, ¡ Umsiedlung, Sonderbehandlung usw. Die Militärverwal- ¡ tung im Generalgouverne. ¡ ment dagegen spricht im internen Schriftverkehr von Tötung, Erschiessung usw.“ Interessant ist auch die von Krannhals zitierte, bisher unbekannte Meldung des Armee-Generals von Unruh aus Warschau über die Situation im dortigen Ghetto vom 20. Mai 1941, also noch vor den grossen Deportationen in die Todeslager. Es heisst dort: „Die Lage im Judenviertel ist katastrophal. Die Leichen der vor Entkräftung Verstorbenen liegen in den Strassen herum — das Ghetto wächst sich zu einem Kulturskandal aus. Die Behandlung der Juden in den Arbeitslagern, in denen sie nur von Polen bewacht werden, kann nur als viehisch bezeichnet werden.“ Im April 1942 berichtete bereits die militärische Oberfeld-Kommandantur in Lemberg, dass die evakuierten Juden „das ihnen angegebene Reiseziel niemals erreichen“ würden. Die Militärs beschwerten sich laufend bei der SS darüber, dass durch deren Juden-Aktionen, gemeint waren die Massenmorde, die ganze Rüstungsindustrie im Westen Echo in Deutschland London. — Der „Daily Telegraph“ berichtete aus Bonn, dass die Regierung „möglicherweise gesetzliche Massnahmen verfügen wird, um zu erreichen, dass deutsche Wissenschaftler ihre Mitarbeit an den Rüstungsplänen Aegyptens einstellen“. Diese Möglichkeit wurde „nach dem letzten dringenden Appell erwogen“, den Israels Premierminister Eshkol an Westdeutschland richtete, wie die Zeitung schreibt. Die Rede Eshkols fand auch weiten Widerhall in der westdeutschen Presse. Die Zeitung stellt fest, dass die Israelis bisher „keine klaren Worte aus Deutschland hörten, die die Arbeit deutscher Wissenschaftler in Aegypten verurteilt hätten“, und fügt hinzu, dass die Versicherung des Bundeskanzlers Erhard, seine Regierung besitze keine gesetzliche Handhabe, um diese Wissenschaftler zurück. Zurufen, „wenig überzeugend“ klingt. (ITA) schwer geschädigt würde und man die Eisenbahnzüge lieber zur Frontversorgung benutzen solle — als zum Transport von Juden in Vernichtungslager. Trotz dieses nicht nur für diesen angeklagten SS-General Wolff vernichtenden Gutachtens des hervorragenden Sachverständigen hielt Wolff an seiner verlogenen Verteidigungsposition des Nichtwissens fest. Sie Ist übrigens wiederum seiner Verteidigung, er habe Juden gerettet und die Massenerschiessungen hätten jüdische Partisan nenkämpfer und Kommunisten getroffen, diametral entgegengesetzt. „Die Treue ist das Mark der Ehre“, hiess der Grundsatz der sS. In den Prozessen ersetzt die „Treue zur Lüge“ jeden Mut zum offenen Eingeständnis. KURT R. GROSSMANN: WETTLAUF MIT DER ZEIT Um die Verabschiedung des Bundesentschaedigungs-Schiussgesetzes DER PAPST GREIFT EIN Rom. — Papst Paul VI. gab einem Ersuchen liberaler Kardinäle statt und gebot einer Reihe von konservativen Prälaten und Beamten der Römischen Kurie Einhalt, die versucht hatten, den Entwurf ■der Erklärung über die katholisch-jüdischen Beziehungen und die Religionsfreiheit abzuschwächen. Aus einer offiziellen Quelle verlautete, dass der Papst in Aktion trat, nachdem 15 Kardinäle seine Intervention erbeten hatten, um zu verhindern, dass konservative Elemente die Wünsche der Mehrheit des Konzils in wichtigen Fragen „sabotieren“. Europäische, nord- und südamerikanische Kardinäle hatten sich nach Beratungen über die Frage, die sie als „äusserst schwere Krise“ bezeichneten, an den Papst gewandt. Die Strategie der konservativen Geistlichen zielt darauf ab, die vom Sekretariat für Rechtswidrige Treffen Wien. — Kameradschaftstreffen, die der Traditionspflege der ehemaligen deutschen Wehrmacht dienen, sind in Oesterreich eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und des öffentlichen Wohles und daher zu verbieten. Zu dieser Feststellung kam der österreichische Verfassungsgerichtshof. christliche Einheit unter Leitung von Kardinal Agostin Bea angefertigten Entwürfe über Schlüsselfragen einem gemischten Forum des Sekretariats und einer doktrinären Kommission zuzuieiten, in der hauptsächlich konservative Beamte der Römischen Kurie vertreten sind. Die Erklärung über die Juden würde dann nicht als ein getrenntes Dokument in Verbindung mit dem ökumenischen Schema betrachtet werden, sondern in einem Kapitel der kirchlichen Doktrin erscheinen, was eine „drastische“ Aenderung des Entwurfs bedeuten würde. Wie es heisst, hat der Papst den liberalen Prälaten in verschiedenen Audienzen Sicherheiten gegeben. Zu denen, die beim Papst vorstellig wurden, gehörten die Kardinäle Bea, Alfrink aus Holland und Josef Frings aus Köln. Andere Bischöfe, die I s£h den Genannten an- I schlossen, waren Kardinal ' Ritter aus St. Louis und Al-; bert Meyer aus Chicago. Ferj ner intervenierten zugunsten ' der Erklärung über die Juden , die Kardinäle Raul Silva I Henriques aus Chile, Julius I Döpfner aus München, Frani zisko König aus Wien, Achilj le Lienart aus Lille, Joseph; Lefebvre aus Bourges, Giaeomo Lercaro aus Bologna und Joseph suenens aus Brüssel. In diesen Tagen hat der Bundestag in Bonn nach einer langen Sommerpause sein,e Arbeiten wieder aufgenommen. Anfang Oktober tagten in Berlin in dem zum Teil wiederhergerichteten Reichstagsgebäude Ausschüsse des Bundestages, darunter auch der Wiedergutmachungsausschuss. Dieser steht vor der Aufgabe, nunmehr in eine intensive Beratung des Regierungsentwurfs einer Aenderungsnovelle zum Entschädigungsgesetz des Jahres 1956 einzutreten. Die Präliminarien sind vorüber: Vertreter der Verfolgtenorganisationen sind gehört worden, so eine Anzahl von Juristen, und nun wird der Vorsitzende des Wiedergutmachungsausschusses Martin Hirsch sich bemühen, eine Aenderungsnovelle aus der Beratung dem Bundestag vorzulegen, die gerecht und fair ist. Die Problematik, der wir in dieser späten Phase gegenüberstehen, ist: Zeit. Die Generation der Verfolgten, die durch die Aenderungsnovelle, wenn auch verspätet, bedacht werden würde, stirbt aus. Wir wissen zum Beispiel, dass 23 Prozent der 1938 nach USA eingewanderten Juden bereits über 60 Jahre alt waren. Von dieser Gruppe leben j nur noch wenige. Die grösste Gruppe von 30 bis 60 Jahren, die fast 40 Prozent ausmacht, wird von Woche zu Woche I kleiner. Ohnehin ist die Sterblichkeitsquote früherer Verfolg- | ter etwa 3 Prozent höher als die normale. Ein anderes Problem betrifft das Personal der Entschä- ( digungsämter. Es ist dies keineswegs ein neues. Riickblik- ' kend auf die Berichte der Jahre 1956 bis 1962 haben wir | immer wieder fests<v>u»n müssen, dass ein gewisser Pro- I zentsatz insbesondere unge Juristen nach kurzer Zeit das | Entschädigungsamt verlassen, um Positionen mit besserer Zukunft und höherem Einkommen anzunehmen. Diese Fluktuation musste für die Bearbeitung der Entschädigungsanträge Nachteile haben. Nun kommt aber ein Umstand hinzu, der die schnelle Abwicklung aller Anträge, die aufgrund des künftigen Bundesentschädigungsschlussgesetzes gestellt werden, gefährden muss. Wir wissen, dass ursprünglich die Absicht des Gesetzgebers war, die Bearbeitung aller Anträge bis zum 31. März 1963 fertigzustellen. Das konnte nicht gelingen, Aber da wir uns nun dem Ende des Jahres 1964 nähern, ergibt sich, dass eine Anzahl von Entschädigungsämtern sich dem einst unerschöpflich scheinenden Boden des Fasses „Ansprüche“ nähern. Nur die Länder wie Rheinland Pfalz, die Ansprüche für das aussereuropäische Ausland bearbeiten, haben noch genug zu tun. Dagegen sieht es bei den anderen Ländern per 31. III. 64 wie folgt aus: Baden-Württemberg . . rd. 96 % Bayern.rd. 95 % Berlin.rd. 77 % Bremen.rd. 95 % Hamburg.rd. 87 % Hessen.rd. 96 % Nordrhein-Westfalen . rd. 96 % Schleswig-Holstein . . rd. 99 % Saarland (seit 1959) . . rd. 75 % Der Leiter des Entschädigungsamtes in Nordrhein- Westfalen, Dr. Heinz Loos, erklärte jüngst: „Auf eine möglichst beschleunigte Verabschiedung des Aenderungsgeset- (rd. 165.000 Anspr.) (rd. 329.000 Anspr.) (rd. 329.000 Anspr.) (rd. 17.000 Anspr.) (rd. 101.000 Anspr.) (rd. 227.000 Anspr.) (rd. 394.000 Anspr), (rd. 35.000 Anspr.) (rd. 26.000 Anspr.) ■ Personal der Entschädigungsbehörden sonst mangels Arbeit I in andere Sparten der Verwaltung versetzt werden müss- ■ te.“ Wenn also der Wiedergutmachungsausschuss nicht eij ne besondere Anstrengung macht, die Aenderungsnovelle 1 schnellstens durchzuberaten, sie vor das Plenum zu bringen,; kann es sehr wohl passieren, dass ein Teil des eingearbei« i teten Personals nicht mehr in den Entschädigungsämtem sein wird, wenn endlich das Schlussgesetz, von dem wir noch nicht wissen, -wie es aussehen wird, angenommen sein wird. Vergessen wir nicht, dass nicht nur der Wiedergutmachungsausschuss die Aenderungsnovelle beraten muss, sondern, da sie Ausgaben beinhaltet, dann auch der Haus, haltausschuss dazu Stellung nehmen wird. Das kann durchaus dazu führen, Gegensätze angleichen zu müssen, wenn i zum Beispiel der Haushaltsausschuss den intransigenten : Standpunkt des Bundesfinanzministeriums gutheissen soll-! te. Hier könnte nur durch das Eingreifen des Bundeskanz- ‘ lers, die Konferenz am runden Tisch, ein Eklat vermieden werden. Selbst wenn keine haushälterischen Schwierigkeiten vorhanden sind, wird die praktische Arbeit aufgrund des Schlussgesetzes erst nach dem Erlass notwendiger Durchfiihrungsverordnungen erfolgen können. Hier muss ein Zeitvakuum eintreten, welches sich nachteilig für die Tilgung der „Ehrenschuld“ auswirken muss. Nordrhein-Westfalen versucht, dieser Gefahr dadurch zu begegnen, dass das Land solche Anträge „nach Möglichkeit schon vorab durchführt, „soweit dies nach geltendem Recht nicht ausgeschlossen ist". Wenn also die Rechtslage erlaubt einen Antrag zu bearbeiten oder einen bereits erledigten zu verbessern, wartet Nordrhein-Westfalen nicht auf die Annahme des Gesetzes, sondern erledigt den Antrag sozusagen aur Vorschuss. Andere Aemter sind bisher dem Beispiel Nordrhein-Westfalen nicht gefolgt. Oie Verfolgten sehen sich einem Circulus vitiosus gegenüter: Auf der einen Seite müssen sie die letzte Chance der kommenden Aenderungsnovellen wahrnehmen, um das Minimum ihrer gerechten Forderungen durchzusetzen, auf der anderen steht das Generations- und das Personalproblem, die jede mögliche Beschleunigung der Annahme des Schlussgesetzes ratsam erscheinen lassen. Vielleicht hatte der Wiedergutmachungsausschuss der Sache der Verfolg ten einen Dienst geleistet, wenn er einen Teil der Sommerferien für die Durchberatung dieses mit so vielen moralischen Imponderabilien belasteten Gesetzes benutzt hätte. Wir können unter keinen Umständen auf unsere Mindestforderungen — Wegfall aller Stichiage, Gleichheit der Witwenrenten, Verbesserung des Entwurfs über Gesundheitsschäden — verzichten, aber wir halten es für möglich, das Zeitproblem mit der Notwendigkeit der Einbeziehung dieser Vorschläge zu vereinigen, wenn nämlich der Bundeskanzler schon jetzt — und nicht wie beim Rückerstattungsgesetz im letzten Augenblick — seinen politischen Freunden das grüne Licht gibt, sich im Sinne der Adenauer-Formulierung für eine „liberale, gerechte und schnelle“ Verabschiedung des Schlussgesetzes einzusetzen. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 zes legen diese Länder daher den grössten Wert, weil das ' Registro de la Propiedad Intelectual N? 826.206