Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2080 (4.9.1964)
- Date
- 1964-09-04
- Page
- [Seite 9] (sequence 9)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viera««, 4 «e Oopümkt fc 19M u semana An« XXV. — No. ZOto — 9 Theresienstadt nach 20 Jahren Die Wiener Jüdische Gemeinde organisierte unlängst einen Besuch in Theresienstadt für ehemalige Insassen dieses Ghetto. Da ich zufällig zu dieser Zeit in Wien war, konnte ich an der Fahrt teilnehmen. In zwei Autobursen fuhren wir von Wien nach Theresienstadt. Unser erster Besuch galt der Festung, die noch während der österreichisch ungarischen Monarchie im Jahre 1781 errichtet worden war. Theresienstadt bestand ursprünglich aus zwei Festungen. Die grössere wurde später zu einer Kleinstadt. 1940 wurden die tschechischen Bewohner dieser Stadt von den Deutschen evakuiert, um diesen Ort als „Musterghetto“ einzurichten. Die kleinere Festung wurde noch bis Ende der österrei chischen Monarchie als schweres militärisches Gefängnis benutzt. In den Festungsmauern wurden Zellen eingebaut, die zur Zeit der Naziherr Schaft als Folterkammern für Juden, Tschechen und Russen dienten. Es war ein schöner Früh, lingstag. Die Obstbäume in der Umgebung blühten und nichts verriet von weitem die grausige Vergangenheit. Die Theresienstädter Festung ist gänzlich unversehrt. Die Gräben und dicken Mauern ge ben dem Ort heute noch das Gepräge einer alten Garnisonsfestung. Doch vor dem Eingang befindet sich ein riesiges Feld, das mit Blumen bepflanzt ist. Et-st beim Nä herkommen erkennt man, dass es sich hier um einen Riesenfriedhof handelt, auf dem die Asche von Zehntausenden beigesetzt wurde. Die Grabsteine dieses Friedhofs sind Platten, die meist nur die Nummer des Verstorbenen tragen. Wir wurden von dem Biir germeister Josef Povolny der Stadt Theresienstadt empfangen und begrüsst. Er betonte, dass die Stadt das Andenken der jüdischen Märty rer stets ehren und diese vom SCHRAGA HAR-GIL Stätte als Warnung für die Menschheit wahren wird. Aehnliches sagte' auch der Vertreter der tschechoslowakischen Widerstands bewe. gung. Am 30. November 1941 kam erstmals aus Prag der Trans port „H“ in Theresienstadt an. Es waren 1.000 ledige Männer und Frauen. Am 5. Dezember 1941 traf aus Brünn der Transport „K“ mit weiteren 1.000 Personen ein. Seit dieser Zeit kam jede Woche ein Transport von 1.000 Juden aus der Tsche-; ge 89jährige Oberrabbiner der Tschechoslowakei, Dr. Fe der, der selbst jahrelang in Theresienstadt war. Er zeig, te mir eine 15 qm grosse Zelle, in der 70 Häftlinge eingekerkert worden waren. Prit sehen gab es in dieser Zelle nicht, und die Häftlinge wur. den geschlagen, bis sie bewusstlos zusammenbrachen. Neben diesen Folterzellen befand sich eine „Musterfrisier steile“ und ein grosser Raum mit Waschbecken. Die beiden Räume wurden nur dazu her gerichtet, um auf die Dele¬ Kardinal Tisserani in Mexiko Mexico-City. — Führende Persönlichkeiten der me. xikanischen jüdischen Kollektivität gehörten zu den Gästen, die an einem Bankett teilnahmen, welches Erzbischof Miguel David Miranda y Gömez zu Ehren des Kardinals Eugene Tisserant, eines hohen vatikanischen Würdenträgers, veranstaltete, der Mexiko einen Besuch abstattete. Es schien, als wollte der Kardinal in seiner Ansprache vermeiden ,den Namen des Staates Israel zu nennen, denn bei dem Hinweis auf Länder, die eine gewisse Staatsreligion haben, erwähnte er z. B. „Griechenland und die Juden“. Bei seinen Ae-Jsserungen über die Reise des Papstes Paul VI., den er im vergangenen Januar nach Transjordanien und Israel begleitete, sprach er nur von „Jordanien und Palästina“. (ITA) OJtPOftR«« XCi PJ * OlülOllNO* (¡CAJA popular! I DE BELGRAN0 | On/parativa du Crédito Uda. SEIT 1932. 1 vertrauenswürdig! Fondo de Accionistas Oescuentos Créditos Valores al Cobro AMENABAR 2968/72 Tel. 70 9755/5025 Agencia N° 1 CABILDO 3102 esq. Iberá Tel. 701-9907 BUENOS AIRES ESCUELA HEBREA DE EDUCACION INTEGRAL DAVID WOLFSOHN" AMENABAR 2972 Buenos Aires choslowakei, — bis März 1943. Dann wurden die Transporte aus Böhmen und Mähren kleiner und es begannen die Transporte aus Deutschland, Dänemark, Ungarn, Holland und Polen. Laut den Auf Zeichnungen gingen 153.000 Juden durch die Stadt, deren Einwohnerzahl sich vor. her auf 4.000—5.000 Seelen belaufen hatte. Aus der Tschechoslowakei waren es insgesamt 67.695 Personen, davon starben oder wurden 67.070 nach Auschwitz verschickt. Aehnlich sah es mit den Transporten aus, die aus Deutschland und den anderen Ländern gekommen waren. Noch nach der 20. April 1945 passierten weitere 12.451 Per. sonen das Lager, die aus den verschiedenen Konzentrationslagern Deutschlands und Polens beim Rückzug der Na. zis zusammengetrieben wurden. Nur ein kleiner Rest die. ser Tausende und Abertausende wurde durch die russsche Armee befreit. Der heutige Präsident der israelitischen Kultusgemein, de Wien, Dr. Jakob Felsberg, war einer der Insassen von Theresienstadt. Die Theresienstädter nannten ihn mit makabrem Humor den „Ma. lach Hamaweit“, den Todes engel. Seine tragische Aufga. be war es, die von den Nazis erschlagenen Juden in das Pathologische Institut Theresienstadts zu bringen, wo diese Leichen seziert wurden. Denn die Ironie des Schicksals wollte es, dass die Deutschen bei ihrem bestia lischen Vorgehen immer auf Ordnung bedacht waren. Die Leichen mussten seziert wer. den, um die Todesursache festzustellen, die meistens mit Herzschlag oder einem anderen „harmlosen“ Anlass angegeben wurde. Ein SS Arzt bestätigte diese Gutachten schriftlich, denn — Ordnung muss sein. Es waren ca. 80 wiener Ju. den, die nach 20 Jahren die Stätte ihrer Folter besuchten. Dr. Felsberg hielt vor den Versammelten eine Rede: „Der Boden ist getränkt mit dem Blut der Märtyrer. Hier kamen alle ohne Ausnahme hin. Die letzten Opfer starben noch nach der Befreiung an Flecktyphus. Die Welt muss erfahren, was sich hier zugetragen hat, damit so etwas nie wiederkehre. So bru tal wie hier wurden die Ju. den in keinem anderen KZ ermordet. Hier gab es kein Vergasen, sondern die Häftlinge wurden totgeschlagen." Neben mir stand der rüsttgation des Roten Kreuzes den richtigen Eindruck zu machen. Wir begaben uns dann durch die Festung und die Kerkerzellen zum Galgen und zum Hinrichtungsplatz. Beim Krematorium hielt Dr. Feder eine Gedächtnisrede. Er er zählte, wie er eines Tages zu einem alten wiener Juden ge. rufen wurde, der einen Rabbiner sehen wollte. Als er zu ihm kam, zitterte, der alte Mann vor Aufregung und konnte kein Wort herausbringen. Di-, Fieder legte beide Hände auf seinen Kopf und benschte ihn. Der alte Jude beruhigte sich und verschied mit diesem Segen. Dr. Fieder erzählte weiter: „Am Abend beteten wir, dass wir die Nacht überstehen mögen, und am Morgen beteten wir um den Tag.“ Ich begleitete Dr. Feder von der Festung in das neue Theresienstadt. Die Häuser des alten Theresienstadt wur den bis auf den heutigen Tag nicht geändert: sie wurden nicht einmal neu gestrichen, und einer der alten Insassen, Heinz Willheim, sagte mir: „Ich rieche jetzt noch den spezifischen Verbrennungsge ruch“. Eine Lehrerin mit 50 Kindern im Alter von 10 bis 12 Jahren erklärte den Kindern, was Theresienstadt war. Die Kinder waren erregt und nahmen insbesondere an dem Los der Kinder Anteil, die in einem besonderen Kinderhaus untergebracht waren. Dr. Fieder erzählte auch da von: „Sogar eine Fussball. mannschaft wurde in Theresienstadt gegründet, und als die Rote Kreuz-Delegation kam, wurde ein F*ussball Match ausgetragen. Doch kaum verschwand die Delegation, wurde das Spiel abgebrochen und die Spieler ins Ghetto zurückgejagt.“ Einige der älteren Einwohner der Stadt wurden zur Zeit der Deutschen evakuiert und kehrten dann in ihre Wohnungen zurück. Im Zentrum der Stadt befindet sich eine Grünanlage. Die Bänke dieser Grünanlage wurden noch von den Hä ft. lingen errichtet. Sie durften zwar von den Juden nicht benutzt werden, doch machten sie günstigen Eindruck auf die Delegation des Roten Kreuzes. Heute dienen sie den Liebespaaren der kleinen Stadt. Das einzig Neue in diesem Ort ist ein Springbrun nen im Zentrum des kleinen Parks. Kinder spielten Ball, und Dr. Feder sagte mir: „Auch heute nach zwanzig Jahren kann ich es kaum fas. sen. was uns damals alles zugestossen ist.“ Wir wanderten durch die Strassen. Ei ner der theresienstädter Ve. teranen deutete auf ein Haus und sagte: „In diesem Häuserblock hauste ich zusammen mit 4.000 Männern. Wir hatten kaum Luft zum At men.“ An einer anderen Stel. le der Stadt befand sich das Café des Ghetto. Hier hatte es damals ein braunes Getränk mit Zucker gegeben. Es gab auch ein Orchester, und es wurde zum Tanz aufgespielt. Aber alles nur für eine kurze Zeit, um einen gu ten Eindruck auf die .Aussen, stehenden zu machen. Verschiedene theresienstädter „Veteranen“ besuchten ihre alten Wohnstätten und ris sen alte Wunden wieder auf. Eine Frau sagte mir: „Ich glaubte, ich hätte das Schlim. me schon vergessen. Nun werde ich wieder wochenlang IntArveatMü b«i Knitsche* Stockholm. — Als Nikita Krutschew in Stockholm weilte, wurde ihm ein Schreiben des Zentralrates der jüdischen Gemeinden in Schweden übergeben, in dem ei er. sucht wurde, dafür einzutreten, die diskriminatorischen Massnahmen gegen die Juden in Russland abzuschaffen. nicht schlafen können und und immer nur an die Filtern und Qualen dieser Zeit denken müssen. Ich wollte ei gentlich nicht nach There sienstadt fahren. Doch ein innerer Drang zwang mich dazu.‘‘ * » * Wir stiegen wieder in die Autobusse ein und fuhren zurück. Das schöne Frühlings wetter dauerte an. Ein leiser Wind säuselte durch die in voller Blüte stehenden Apfel, und Birnbäume, und einige hundert Meter nach Theresienstadt war nichts mehr von dem Grauen zu merken. Am Ausgang der Stadt kam auf Dr. Feder und einige Freunde ein Deutscher zu. Fir ffägte jovial: „Woher kom men Sie? Ich komme aus Deutschland“ und war sehr enttäuscht, als er keine Ant. wort erhielt. ( Sechs Monate Gefaengnis Sydney. — Ein Sydneyer Gericht verurteilte den 38jährigen Führer der australischen Nazi-Partei, Charles Smith, wegen unerlaubten Waffenbesitzes und Hehlerei zu sechs Monaten Gefängnis. Die Polizei hatte die Waffen kürzlich in seiner Wohnung gefunden, die gleichzeitig als Parteizentrale dient. (AWZ) Juden in Rumaenien Finde 1963 wohnten nach einer offiziellen Statistik in Rumänien insgesamt 145.000 Juden, hiervon etwa 60.000 in der Hauptstadt Bukarest. Die zweitgrösste jüdische Siedlung befindet sich in Jassy mit 10.000 Juden. Dazu kommen etwa 20 Orte wie Klausenburg, Galatz, Alba Julia und Marmarosch Sighet. 15.000 Juden sind in staatlichen Handelsgeschäf. ten und Industrien und etwa 6.000 als Aerzte, Ingenieure, Zahnärzte und Techniker in freien Berufen tätig. Im zweiten Halbjahr 1963 wurden von einigen Experten Erhebungen gemacht, die ergaben, dass etwa 70 bis 75 Prozent der Juden kein ausreichendes Einkommen, haben und unterstützt werden müssen. CAJA POPULAR ♦ ♦ * ♦ * ♦ DE BELGRANO* Caja Popular de Beigrauo Cooperativa de Crédito Limitada Saluda cordialmente a sus señores asociados, relaciones comerciales e instituciones colegas y amigas, deseándoles un próspero y feliz Año Nuevo Hebreo 5725 AMElNABAR 2968/72 CABILDO 3102 esq. IBERA' Buenos Aires MUCHAS FELICIDADES EN EL VIAJE POR «725 Un año de ventura persona! para todos nuestros pasajeros y amigos, ,para los agentes de viajes^ para las compañías transportistas colegas y para todo el pueblo argentino,.son los deseos de ZIMXD'S ISRAEL NAVIGATION CO. LTD. MAIPU 866 TEL. 32-7465/7823 Y 31-4091 BUENOS AIRES ZpSCH * ffffANRCmP