Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1964-08-07 · 2076 (7.8.1964) · p. [Seite 12]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2076 (7.8.1964)
Date
1964-08-07
Page
[Seite 12] (sequence 12)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9616703-9614256-9614565--3454-9614577
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

O BQ £ s - t c £ a « — 5 s» a W U < U FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXV. BUENOS AIRES, VIERNES 7 DE AGOSTO DE 1964 N° 2076 10, EL EJEMPLAR en toda la República PUEÏRREDON 2190 1» teq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Jüdische Kongresse in Genf Blick in die Welt KONFERENZ JUEDISCHER ORGANISATIONEN Genf. — Die Weltkonferenz jüdischer Organisationen verlangte den .unausge setzten moralischen Druck'“ durch die öffentliche Welt, meinung für die Wiederherstellung der kulturellen und religiösen Rechte der sowjetischen Juden. Die Konferenz, die von 10 Delegationen in Vertretung der Judenhei. ten aus 65 Ländern beschickt war, gab ihrer „tiefen Besorgnis“ über das Fehlen einer „grundlegenden Aer.derung“ in der sowjetischen Po. litik gegenüber den russi- ' sehen Juden Ausdruck. Eine gemeinsam abgefasste Erklä. rung : m Schluss der zwei Tage währenden Konferenz verurteilte den „Prozess der zwangsweisen Assimilation“ von der die zweitgrösste russische jüdische Gemeinschaft der Welt bedroht ist. Verschiedene Delegierte un. terstiitzteu einen Vorschlag des Präsidenten der Bne Brit und Vizepräsidenten der Konferenz, Label Katz, dass diese die Abhaltung von Konferenzen in anderen Ländern befürworten solle, um die Aufmerksamkeit der Oaffentlichkeit auf die Verschlechte, rung der Lage der russischen Juden zu lenken. Katz wies auf die Notwendigkeit einer „ausgedehnten und unaufhörlichen Kampagne“ zugunsten der russischen Juden hin, um die „Widerstands, kraft der organisierten Judenheit zu erproben“. Dr. Nachum Goldmann, Präsident des Jüdischen Weltkongresses und der Kon. ferenz jüdischer Organisationen, sprach die Hoffnung aus, dass die liberalen una fortschrittlichen Kräfte und jene, die zu Sowjetrussland freundschaftliche Beziehungen unterhalten, im Verein ihrer Kräfte ihren Einfluss zum Nutzen der russischen Judenheit ausüben werden. Die Delegierten erklärten sich „von dem wachsenden y Verständnis“ unter den jiidi. sehen Gemeinden für das Schicksal der Juden in Russland befriedigt und forderten die USSR auf, aus humanitären Gründen die Wieder Vereinigung der durch die Schrecken des Krieges und die nationalsozialistischen Verfolgungen auseinandergerissenen Familien zu erleich tern. DEM ANDENKEN DER MAERTYRER Dr. Goldmann berichtete vom Abschluss der Verband, lungen mit der polnischen Regierung über die Aufstellung eines jüdischen Mahnmals auf der Erinnerungsstätte, die an der Stelle des Todeslagers Auschwitz er. richtet worden ist Er betonte, dass er die Gelegenheit wahrgenommen habe, um der Regierung Polens für ihre Be. mühungen, das Andenken der Märtyrer der Naziära lebendig zu erhalten, Dank und Anerkennupng auszuspre. c-hen. Die Delegierten wandten sich an die jüdischen Or ganisationen mit der Aufforderung, sich aktiv an den Plänen zur Erstellung eines der jüdischen Märtyrer wiir digen Mahnmals zu beteiligen. Die Konferenz bewilligte das Programm für die Feiern \ zum 20. Jahrestag der Befrei, ung der Nazilager und empfahl den ihr an geschlossenen Institutionen die Teilnahme an den im Mai 1965 in Polen geplanten Gedenkfeiern . Auch die jüdischen Ver. bindungen mit dem Vatikan , waren Gegenstand eingeheni der Diskussionen, ebenso wie 1 die Pläne für die inzwischen eröffnet« Tagung des Welt-; rates für jüdische Erziehung ■ ISRAEL UND ARABER! Jaakow Herzog, Vize-Gene.; raldirektor des israelischen Aussenministeriums, erkläri te in der ersten Sitzung, dass die antiisraelische Politik der j arabischen Staaten „trotz ih. Herzog hob hervor, dass der Widerstand der afrikanisclien Staaten, sich der „organisierten Feindschaft ge. gen Israel“ anzuschliessen, den positiven Interessen zugeschrieben werden müsse, die Israel mit vielen kleinen Nationen teilt, die ebenso wie Israel vor kurzem ihre Unabhängigkeit erlangten und begonnen haben, ihr Wirtschaftsleben befriedigend zu organisieren. Im gleichen Zu. sammenhang nannte er drei Ereignisse der letzten Zeit, die es Israel ermöglicht haben, „seine internationalen Beziehungen zu festigen“. Eines ist die von den USA, Frankreich und Grossbritannien öffentlich abgegebene Nachum Goldmann spricht rer heute straffer als je or. ganisierten Zielsetzung“ den : Fortschritt und die kommer- ’ ziehen und diplomatischen Beziehungen Israels nichc : hemmen könne. Er wies darauf hin, dass die arabischen : Repräsentanten auf der kiirz- | liehen Konferenz in Kairo zur Festigung der arabischen j Einheit „ausserstande gewesen sind, gegen Israel gerichtete Gefühle zu erwecken“. Sowohl Herzog wie auch die j übrigen Delegierten, die über die Aktivität der Arabischen Liga Berichte erstatteten, hoben hervor, dass die arabische Propaganda in den ein. . zelnen Ländern „sich nicht; nur auf die Feindseligkeit gelegen Israel beschränkt son- 1 dern den Einschluss ausge- | sprechen antisemitischer Eie. mente und den Kontakt mit neonazistischen und reaktio- : nären Bewegungen erstrebt“. Die Delegierten nahmen den Vorschlag zur Gründung einer internationalen Institution in New York an. deren \ Aufgabe es sein soll, über die I antijüdische Hetze der Araber Untersuchungen durch, j zuführen und 1. vufend zu berichten. Versicherung, dass diese Mächte gewillt sind, „die Un. abhängigkeit und politische Integrität Israels zu stützen.“ Das zweite ist die Uebereinkunft zwischen Nordamerika und Israel, gemeinsam Experimente über die Anwendung der Atomenergie zur Entsalzung des Meerwassers durch, zuführen, und das dritte Ereignis ist das zwischen Israel und dem Gemeinsamen Europamarkt geschlossene Abkommen, welches Israel günstige Tarife für gewisse Artikel seiner Ausfuhr zugesteht. Er fügte hinzu: „Wenn die Abwehrkräfte Israels stark bleiben, wenn alle Nationen des Mittleren Orients dem j Druck Nassers Widerstand j leisten und wenn die Locke. | rung der Spannungen zwij sehen Ost und West fortbei steht und auf den Mittelosti raum sich erstreckt, so wird; der Gedanke des Krieges, wel. i eher ständig von unseren i Nachbarn als Lösung der be- 1 stehenden Konflikte aüsgej sprechen wird, in immer wei. ¡ tere Fernen verbannt werden. I Dies würde vorläufig noch! nicht den völligen Frieden bedeuten, aber es könnte der Beginn einer Aera der Ko.;l existenz sein. Doch solange j der Rüstungswettlauf kein Ende nimmt, wird weiter das * 1 Schwert des Krieges über unseren Köpfen hängen.“ WELTRAT FUER JUEDISCHE ERZIEHUNG Jüdische Gemeinde- und Jugendführer beteiligen sich an der Weltkonferenz für jü. dische Erziehung. Einstim. mig wurde die grundlegende Wichtigkeit der jüdischen Erziehung für den Fortbestand des Judentums anerkannt, doch ebenso allgemein waren die Klagen über den Mangel an geeigneten Lehrkräften, der eine ausreichende jüdische Erziehung ausserhalb Israels schwer behindert. Alexander Dusnxin von der Hebräischen Universität un. terstrich die Notwendigkeit der Aufstellung eines beschleunigten Programms zur Ausbildung von Lehrern und Erziehern, wobei er bemerkte, dass die Schaffung eines Weltrats für jüdische Erziehung in Erwägung gezogen wird. Dr. Joseph Lockstein aus New York, der stellvertretende Präsident der Bar Ilan-Universität in Ramat Gan, bezeichnete die Zahl von 5.000 jüdischen Lehrern als mindestes Erfordernis zur Befriedung der heute bestehenden Schwierigkeiten. Nur in den USA, wo der Mangel an jüdischen Lehrern geringer ist, werden nach Ansicht Dr. Dushkins annähernd die Hälfte der 1.200 unbesetzten Lehrstellen jährlich mit qua. lifizierten Kräften ausgefülit, doch viele Schulen sehen sich genötigt, irgendjemanden, der etwas Hebräisch kann, je- : doch über keine sonstigen 1 Fähigkeiten als Erzieher verfügt, als Lehrer zu ernennen,; was oft unerfreunliche Fol- , gen für die Kinder nach sich j zieht. In den Vereinigten : Staaten stehen 8.500 Lehrer j für 19.000 jüdische Lehrpo.! sten zur Verfügung, von de- | nen die meisten sowohl vor-! wie nachmittags unterrichj ten müssen. Von diesen ge. ben 15 Prozent jährlich ihre; Stelle auf. Um diesen Verj lust auszugleichen, bilden 11 ‘ Anstalten im Jahr 150 Lehr-! kräfte aus, die jedoch nicht 1 alle ihren Beruf später aus- 1 üben. Weitere 500 Lehrer gehen jährlich aus den Rabbinerseminaren hervor, von denen einige zeitweilig in den ' USA lebende Israelis sind. | LEHRERMANGEL | IN EUROPA Dr. Dushkin berichtete im; weiteren dass sich der Lehrerj mangel am empfindlichsten : in Europa bemerkbar macht. Dort besuchen weniger als 25 Prozent der jüdischen Kin. ' der jüdische Schulen. In Frankreich sind diese Zu- 1 stände am bedauerlichsten, j denn dort wuchs die jüdische I Bevölkerung in den letzten; Jahren sehr erheblich. In Eui ropa verlassen jährlich ca 20 Prozent der 1.800 Lehrer ihre Stellen, während die Lehrer. Seminare im Jahr nur rund 30 qualifizierte Lehrer aus. \ bilden. Dushkin verlangte, : dass der Lehrerstand auf ein! Niveau erhoben werden miis-; se, das dem anderer Erzie- ‘ hungsberufe entspricht. I Dr. Nachum Goldmann, der Präsident des Jüdischen j Weltkongresses, betonte in, von HAROLD SCHWAR6Z Der grosse Erfolg der amerikanischen Wissenschaft, die zielsichere Lenkung einer Rakete zum Mond mit mehreren tausend Aufnahmen der Oberfläche des Erdsatelliten, hat allgemein grosses Aufsehen erregt. — Der Aussenminister Uruguays, der auf der Interamerikanischen Konferenz gegen die antikubanischen Sanktionen stimmte, meinte jetzt, der Sicherheitsrat der UN müsste sich mit der kubanischen Frage beschäftigen. — Der USA.Aussenminister Dean Rusk lehnte Anregungen des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Goidwater ab, vorsorglich Pläne über den Abbruch der Beziehungen mit der Sowjetunion zu entwerfen, um für alte Eventualitäten vorbereitet zu sein. — Der brasilianische Marine-Minister gab die Aufdek. kung einer kontrarevolutionären Bewegung bekannt, die unter kommunistischer Leitung Umsturzpläne geschmiedet habe. Vierzig Zivilisten und Militärs, die in das Komplott verwickelt sein sollen, wurden verhaftet. — Die kommunistische China-Regierung lehnte die Teilnahme an der Internationalen Kommunisten.Konferenz ab, die von Krutschew eir.berufen worden ist. Peking sagte den Russen, sie würden sich ihr eigenes Grab schaufeln, wenn sie die 26 kommunistischen Länder zusammenberufen. — Zwischen Frankreich und Rumänien kam ein Abkommen über wissenschaftliche Zusammenarbeit zustande. — Auf den Erzbischof Makarios, den Präsidenten des Inselstaates Zypern, soll ein Attentat verübt worden sein. — Der Schwester Fidel Castros, deren Flucht grosses Auf. sehen erregt hatte, wurde in Mexiko Asyl gewährt. — Die Sowjet-Union weigert sich beharrlich, ihre rückständigen Beiträge der UN zu leisten. Damit wird die ohnedies prekäre Lage der UN weiterhin erschwert. — Unter den amerikanischen Negerfiihrern kam es zu Unstimmigkeiten, weil die jüngere Generation friedliche Verhandlungen ablehm, nachdem man Jahre um Jahre mit der Verwirklichung der den Negern gemachten Verspre ehungen gewartet habe. — Der Besuch des rumänischen Ministerpräsidenten Georghe Maurer bei de Gaulle war der erste Besuch eines Ministerpräsidenten eines osteuropäischen Satellitenstaates im Westen. — Der Generalsekretär der UN, Dr. U Thant, besuchte sein Vaterland Burma nach dreijähriger Abwesenheit, wo er erklärte, dass er eine Wiederwahl nicht annehmen werde. — Verfahren eingestellt Das Strafverfahren gegen den 53jährigen wiener Ra. : yoninspektor Karl Silberbauj er, der im August 1944 in Amsterdam die Verhaftung! der 15jährigen Anne Frank j und deren F’amilie geleitet j hat, wurde nunmehr eingej stellt. Die Staatsanwaltschaft; hat die Polizeibehörde infor-; miert, dass sich nach ihren ' Erhebungen, die sie gemein. 1 sam mit der holländischen! Polizei durchgeführt hat, ein : strafbarer Tatbestand nicht nicht ergeben hat. Zu dem 1 Einstellung« - Beschluss hat; auch die Zeugenaussage des : Vaters der Anne Frank, Otto : Frank, beigetragen, der den Eindruck gewannen hatte,! der österreichische Polizist Silberbauer habe sich kor- : rekt verhalten. | Die wiener Polizeidirektion 1 überprüft nun, ob irgendwel-! che Gründe für disziplinäre Massnahmen, also Verwar. nung, vorzeitige Pensionieseiner Eröffnungsrede, dass die jüdische Erziehung die ' Grundlage und Vorbedingung für „das Ueberleben des Ju-; dentums“ ist, denn „weder die Bekämpfung des Antise. , mitismus noch das philanj thropische Werk der Juden haben die vordringliche Bedeutung der jüdischen Erzie. hung, die für die Zukunft des jüdischen Lebens bestim. mend ist“. rung oder gar Entlassung, gegen Silberbauer gegeben sind. Silberbauer hat nämlich bei seiner Wiedereinstellung in den Polizeidienst verschwiegen, dass er an der Verhaf. tung Anne Franks teilgenommen hat, wozu er vermutlich verpflichtet gewesen wäre. Bis zum Abschluss des Disziplinarverfahrens bleibt er au. sser Dienst gestellt. ES scheint, dass Silberbauer dieser Verhaftung keine besondere Bedeutung beigemessen hat. Das weltberühm. te Tagebuch der Anne Frank, das die in Amsterdam lebende Frau Gies — im „Tagebuch“ als die unermüdliche Helferin Miep bezeichnet — aufbewahrt hatte und das später veröffentlicht wurde — hat Herr Silberbauer erst gelesen, als er aufgrund von Mitteilungen der holländt. sehen Widerstandsbewegung an das Innenministerium im November 1963 vom Dienst suspendiert wurde. Flr kaufte sieh dann das Buch und suchte seinen Namen darin, der natürlich nicht vorkommt, da das Tagebuch vor der Katastrophe abschliesst. Er konnte sich jedoch an Anne Frank deutlich erinnern — sie sei viel hübscher gewesen als das Foto auf den Buchumschlä. gen — und sie und ihre Familie sei aufgrund einer Denunziation eines holländischen Angestellten verhaftet worden. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.