Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2069 (19.6.1964)
- Date
- 1964-06-19
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO ®ee g J3 _ 1 Concesión 908 r t¡ r e »-fe a s? e < ü! TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Añ« XXV. BUENOS AIRES, VIERNES 19 BE JUNIO DE 1964 No. 2069 EL EJEMPLAR Ift en toda la República PUEÏRREDON 2196 1? T. E. 83 2613 Ráenos Aires Zum Andenken an Prof. Brodetsky Blick in die Welt Am 18. Mai 1961 jührte sich zum zehnten Maie der Todestag von Professor Selig- Brodelskv > 1888 bis 1954). Es ist sicherlich angezeigt, aus diesem Anlass dieser her. vorragenden Persönlichkeit zu gedenken. Wir bringen hier Auszüge aus einer Würdigung des Präsident«! der Zionistischen Weltorganisation. Br. Nachum Goldmann, die als Vorwort zu Bro. detskvs Memoiren erschienen ist. •refessor Selig: Brodetsky „ehörte der Generation jüdischer Führer an. welche intellektuell durch eine faszinierende Synthese von Ost- und Westeuropäischem Juden! am geformt wurden und die aas dem jüdischen Leben fast verschwunden sind. Der grösst und typischste Vertreter dieser Generation war Chaim Weizmann. Gleich Weizmann entstammte Brodetsky einer Familie mit einer starken und lebendigen ostjüdischen Tradition und wurde in einer Umgebung erzogen, die von den grossen Werten der westeuropäischen — in diesem speziellen Falle, britischen — Kultur durchdrungen war. Em. Staatsmann und ein be- ' rühir.te- Mathematiker, hat- * u- •*. ¿ ’.-/ich Wemnarm noch > grösseren wissenschaftlichen | Ruhm erwerben können, 1 wenn er sich ausschliesslich I seinem Fach gewidmet hätte. Tief berührt von den Ereignissen einer der wichtigsten und dramatischsten Epochen der jüdischen Geschichte, wollte er sich nicht auf dem Elfenbeinturm seiner Wissen. Schaft von der Welt abschlievon Dr. NACHUM GOLDMANN ssen, sondern nahm von frühester Jugend an am jüdischen Leben teil. Seine hervorstechendsten Charakterzüge waren ein all. umfassendes Interesse an jüdischen Problemen und eine überwältigende dynamische Energie. Obwohl er vor allem am Zionismus interessiert war. gab es kein einziges ags?.'. Prof. Selig Brodesky wichtiges Problem im Diasporajudentum, das ihn kalt gelassen hätte. Nichts entging ihm. Das Leben der jüdi. sehen Gemeinschaft in Grossbritannien, das Hilfswerk für die Flüchtlinge, der Kampf gegen die Nazis, der Status der Juden auf der ganzen Welt, alle diese Sa. chen nahmen ihn in Anspruch und für alle leistete er bemerkenswerte Beiträge von dauerndem Wert. Er lebte sozusagen gleichzeitig einir ge parallele Leben Wer wie j ich seine geradezu hektische Tätigkeit einige Jahre verfolgte und beobachtete, wie ] er immer in Bewegung war, , zwischen London und Leeds! hin und her pendelte, von einer Sitzung in die andere! fuhr, mit einer ausserordent. liehen geistigen Agilität von j einem Problem und Tätig- ■ keitsgebiet auf ein anderes I umschaltete, musste von sei-! ner Spannkraft und dynamischen Energie beeindruckt sein. | Der grosse Erfolg seiner ■ Laufbahn ist einer seltenen Kombination vieler unge- I wohnlicher Qualitäten zuzuschreiben. Er war gleichzei-! tig ein Staatsmann, Redner,! Schriftsteller, Organisator, Administrator, Propagandist und Denker und auf allen : diesen Gebieten kompetent. Deshalb konnte er so wirk.; sam und erfolgreich in so! vielen Bereichen des jiidi-; sehen Lebens tätig sein. Ein i führendes Mitglied der Exe-! kutive der Jewish Agency in i London, war er gleichzeitig der erste osteuropäische Immigrant, der zum Präsiden, ten des Board of Deputies — der altehrwürdigen Vertretung der Juden Grossbritanniens — gewählt wurde und viele Jahre hindurch zu den Spitzen der internationalen jüdischen Führerschaft zählte. Sein Leben war nicht leicht. Er gehörte zu den zahlrei. chen jüdischen Führern, die sich im Dienste ihres Volkes aufrieben. Der politischen Arbeit opferte er seine wissenschaftliche Karriere und sicherlich auch seine Gesund, heit, und die bitteren Erfahrungen seiner letzten Lebensjahre in Israel schlossen diesen tragischen Aspekt seines Lebens ab. Sein Opfer und seine Tragödie waren typisch für viele andere jüdische Führer seiner Generation. Dankbarkeit ist für Völker nicht charakteristisch und ganz gewiss nicht für das jüdische Volk. Trotz aller dieser bitteren Erfahrungen war sein Leben im Grossen und Ganzen ein volles und glückliches Er wusste, dass er zu den Gestalten des jüdischen Schicksals seiner Epoche gehörte. Er war sich des bedeu. tenden Beitrages bewusst, | den er für die Lösung der tragischsten Probleme seiner Generation geleistet hatte. Im jüdischen Leben fand er ein Ventil und Betätigungsfeld für seine grenzenlose Energie und grossen Fähigkeiten. Für diejenigen unter uns, denen es vergönnt war, ihn zu ihren Freunden zählen zu dürfen, war er mehr als ein berühmter Mathematiker und ein bekannter und beliebter jüdischer Führer. Er war ein warmherziger Mensch, anständig, fair, hilfsbereit und frei von den Gefühlen der Eifersucht, Verbitterung und Enttäuschung, welche so vie. le andere jüdische Führer plagen. In der Geschichte der jüdischen Generation unserer Zeit ist Brodetskvs Name unauslöschlich eingeschrieben als der einer Persönlichkeit, welche einer der ersten Stellen im zeitgenössischen jüdischen Leben eingenommen hat und die Geschichte des Volkes gestalten half. von HAROLD SCHWARCZ Die Sowjetunion und Ostdeutschland Unterzeichneten einen neuen Freundschafts ver trag aqf .50 Jahre, in welchem die gegenseitigen Grenzen als unverh ‘.¿lieh anerkannt werden. — Johnson und Erhard Unterzeichneten in Washington ein Communiqué; in ihren Unterhaltung wurde ein voll, kommenes Einvernehmen darüber hergestellt, dass durch die einseitigen Erklärungen Krutschews über die „Zone“, gemeint Ostdeutschland, keine Aenderung des bisherigen Status herbeigeführt werden kann. — In der Südafrikanischen Union wurden acht Negerfiih. rer zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, denen Saboj tage vorgewerfen worden ist. —! In Santo Domingo explodierte ein Waffenmagazin. Bei diesem .Unfall* waren zahlreiche Tote zu beklagen. — Kuba legte bei der nordamerikanischen Regierung einen neuen Protest wegen Verletzung seines Territoriums ein. — .. In Panama wurde eine Gruppe von Castro.Kommunisten verhaftet, bei denen nicht unerhebliche Waffenlager gefunden worden sind. — Die seit Wochen bestehende Ministerkrise in Uruguay konnte nach endlosen Verhandlungen beigelegt werden. — Der nordamerikanische Unterstaatssekretar George Ball verhandelte mit der türkischen Regierung über den Cypern- Konflikt. — Im neuen Brasilien wird nach der Absprechung der politischen Rechte des früheren Präsidenten Kubitschek eia. Prozess gegen dessen Partei die Sozialdemokraten, vorbereitet. Das faschistische Regime wird stets deutlicher erkennbar. — In Franco-Spanien wurden wieder einmal Urteile von Sondergerichten wegen verbotener Vereinigungen und ähnlicher .Delikte* ausgesprochen. — Jugoslawiens Diktator-Präsident, Marschall Tito, versprach bei einem kurzen Besuch in Moskau die Hilfe seines Landes für Russland in dessen Kampf gegen Peking. —• Die rotschinesische Regierung beschuldigte die Vereinigten Staaten und ihre .Vasallen* schwerer Angriffe gegen Laos — . , , Der englische Zeituhgskönig und Politiker, Lord Beaverbrook, der in Wirklichkeit kein Engländer, sondern ein Kanadier war, verstarb 85 Jahre alt in London. Freund Churchills war Beaverbrook einer der entschiedensten Gegner des Nazifaschismus. — Tendenzen zur Unabhaengigkeit! Rettung polnischer Juden In Rumänien ist in den letzten Monaten die Tendenz festzustellen, sich vom sowje. tischen Einfluss in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht etwas zu lösen. Eine Anzahl russischer Magazine haben ihr Erscheinen in Rumänien eingestellt und die Künstler haben grössere Frei, heit erlangt. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht zeigt sich eine grössere Unabhängigkeit. Die rumänischen Führer erklären, dass die rumänische Kultur mit der des Westens, insbesondere Frank, reiebs und der lateinischen Völker, viele Jahrhunderte eng verbunden gewesen sei. Anlass zu den Unabhängigkeits-Bestrebungen gab offensichtlich der Plan Mos. kaus, Rumänien als Agrarstaat beizubehalten, während die Regierung in Bukarest auf Industrialisierung drängt und den Oelreichtum des Landes nicht mit den an. deren Oststaaten teilen will. Rumänien hat sich auch j in der Bewilligung der Auswanderung unabhängig von ■ Russland gezeigt. Dies kam j auch der jüdischen Auswanderung zugute: aber die innere Lage der Judenheit Ru. mäniens ist gleich geblieben. Die „Rumänisierung“, wie die Entrussifizierung heisst, bedeutet für die jüdische Bevölkerung die weitere Ausschaltung aus dem VTirtsehaftsprozess Das ist ein Problem, das nur durch d’e Auswanderung gelöst werden kann. j In Jerusalem bestand eine 1 I kleine rumänische Kirche an! der Schabtaistrasse. Das Ge. i bäude wurde im Krieg bej schädigt und dann dem Er- 1 Ziehungsministerium zur Ver fügung gestellt. Unlängst ist : ein Vertreter der rumäni.; sehen Kirche eingetroffen, der das Haus wieder seinem i ursprünglichen religiösen j Zweck zuführen will. Es geht , ihm offenbar darum, die christlichen Frauen der jüdi-! sehen Einwanderer zu sammeln. Die Ausgaben für die Renovation des Gebäudes wer. den von der rumänischen Regierung getragen. „Die Brücke“ London. — „Die Brücke“, eine Organisation, die der sozialen Orientierung der Jugend dient und in Ehigland und Israel ihr Operationsgebiet hat, hielt vor kurzem ihr Jahresbankett ab, an dem auch Dr. John Heenan, Erzbischof von Westminster, Oberhaupt der katholischen Kirche Grossbritanniens teil, nahm. Ek erklärte, dass die j Katholiken Englands nach! einer Abwesenheit von 101 Jahren wieder der Vereini- ■ gung von Christen und Juden angehören wollen und dass man auch den Vatikan bereits in diesem Sinne informiert habe. Dr. Heenan zitierte die Worte von Papst VI.: „Keine zivilisierte Nation kann noch -weiterhin die Diskriminierung einer Rassengruppe oder einer religiösen Gemeinschaft dulden.“ (ITA) Prof. Stanislaw Kot war einst moskauer Vertreter der polnischen Exilregierung des General Sikorski in London. Er hat nun über seine Er. fahrungen aus der stalinistischen Periode ein Buch herausgegeben, das leider nicht alle Dokumente über die jü- I dische Frage enthält. I Von anderthalb Millionen! Polen, die im 2. Weltkrieg i nach Russland gekommen | sind, waren etwa 30 Prozent Juden. Es ging in den Verhandlungen in Moskau darum, diese Polen in die Armee einzugliedern. Die in Russland geschaffene polnische Armee hatte zeitweise einen jüdischen Bestand von 40 Prozent. ES war j das Bestreben Russlands, die! Juden über die ganze Union zu zerstreuen. Der damalige ‘ polnische Kommandant, General Anders, war gezwungen, einen Tagesbefehl zu erlassen, in dem er den Antisemitismus der polnischen Soldaten verurteilte. Immerhin bleibt die Tatsache bestehen, dass durch die Flucht nach Russland mehr Juden gerettet wurden als durch die Alliierten. Von den 400.000 Juden, die nach Russland gekommen waren, haben 250.000 den Krieg überlebt. In den Jahren 1945 und 1946 konn. ten 157.420 Juden nach Po. len zurückkehren: von ihnen sind die meisten nach Israel weitergewandert. Wasserprojekt - Zukanftsprojekt Der britische Standpunkt London. — Im britischen Parlament gaben sowohl die Deputierten der Konservati-; ven, als auch die der Labour. 1 Party ihrer Besorgnis über; die Bedrohung Israels durch die neuen sowjetischen Waf. j fenlieferungen an Aegypten Ausdruck. | Aussenminister Butler er- : klärte, dass die britische Re.! gierung grossen Wert auf die Erhaltung des Friedens im 1 Mittleren Orient lege und dies bei allen ihren ESitschliissen in Erwägung ziehen werde. „Doch so sehr wir auch ein Wettrüsten im Mitt. leren Orient vermeiden wollen, können wir nichts gegen die Waffensendungen nach Aegypten unternehmen**, erklärte Butler. Er deutete an, dass man die Möglichkeit von Konversationen mit Russland über dieses Thema in Betracht ziehe. Dennoch, so meinte er, sei die UN als hauptverantwortlich für den Frieden im Nahen Orient zu betrachten und sollte es zu einer Bedrohung dieses Friedens kommen, müsse die britische Regierung die UN zu Rate ziehen, bevor sie irgend einen Beschluss fasse. Der Deputierte der Labour. Partei, Sidney Silverman, New York. — Das gemein, same nordamerikanisch-israelische Negewbewässerungsprojekt auf Basis der An. Wendung von Atomenergie ist nach Ansicht der Fachleute ein Projekt auf sehr weite Sicht. Der Plan kann vor 1968 überhaupt nicht gestartet werden und auch dann wird es 10 bis 30 Jahre dauern, bis er in der Praxis von Bedeutung sein kann. Entscheidend ist vorläufig die Frage, ob der Plan überhaupt über das Stadium seines Studiums herauskommt. Präsident Johnson ist vom Erfolg des Projektes überzeugt und begeistert über die Aussicht, dass dadurch Israel seine land-wirtschaftliche Produktion, insbesondere die der Zitrusfrüchte, um ein Vielfaches erhöhen kann. Doch die massgebenden Stellen sind der Ansicht, dass die erste Etappe des Programms nur eine Versuchsanlage sein kann. Efrst die zweite Etappe kann positive Ergebnisse haben. Die Grupp« der Fachleute, die das Experiment durchführen sollen, wird aus je drei Spezialisten der beiden Länder bestehen, und zw'ar sollen es Wissenschaftler und Wirtschaftssachverständige sein. Die Studien sollen erweisen, ob ein Atomstellte fest, dass Aegypten wohl von den Sowjets mit Waffen versorgt würde, dass es aber andere arabische Staaten gäbe, die ihre Aufrüstung von Grossbritannien erhalten (ITA) reaktor das Meerwasser in ökonomischer Form entsalzen kann. Man hofft auf einen Elrfolg der Probe, erklärt jedoch, dass es ein äusserst kompliziertes Unternehmen sei. Im Erfolgsfalle rechnet man mit einer Produktion von 100 Millionen Kubikmetern Trinkwasser pro Jahr in der ersten Phase des Projektes. ERNENNUNG DER EXPERTEN Die nordamerikanische Regierung zeigt sich sehr interessiert an der möglichst raschen Durchführung der Vor. Studien, die nordamerikanische Forscher gemeinsam mit israelischen Wissenschaftlern über die Möglichkeiten der radioaktiven Entsalzung des Meerwassers betreiben sollen. Die USA gab bereits die Namen der drei nordamerikanischen Experten bekannt: Milton Chase, Fachmann des nordamerikanischen Innen, ministeriums für Elektrotechnik, Wasserkraft und energetische Entwicklung auf höherer Ebene: Stewart F. Mul. ford, Fachmann des Innenministeriums für Wasser-Entsalzung und Irving Spieweck, Experte der Kommission für Atomenergie. Die Namen der drei israe. lischen Wissenschaftler wurden bisher nicht bekanntgegeben. Wie verlautet, begannen die drei Nordamerikaner bereits „mit Volldampf“ das vom Präsidenten Johnson au. torisierte Studium der Projekte. (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavla 831 Registro de la Propiedad Intelectual No. T35,