Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2058 (3.4.1964)
- Date
- 1964-04-03
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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ISRAELITA FRANQUEO PAGADO I Concesión 908 EL EJEJIPLAK |Jj a en toda la República *'*■ PUEYRREDON 2190 19 te*. T. E. 83 2613 Buenos Airea S a Ü ü TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Ano XXV. BUENOS AIRES, VIERNES 3 DE ABRIL DE 1964 No. 2058 Kritik an Mc s k ¡ui! streitliehto >us el"eln p” <v'ft (Schluss von Seite 1) den sowjetischen Gesetzen gegen die Förderung des Rassenhasses Gefängnisstrafen von einem bis zu drei Jahren verdienen“. APPELL AN KRUTSCHEW New York. — Die persönliche Intervention Nikita Krutschews. um die schnelle Verteilung der von den Juden in eer ganzen Welt an ihre Glaubensbrüder in Russland gesandten Mazzot- Pakete zu sichern, die glaubwürdigen Berichten zufolge von den sowjetischen Zollbehörden zurückgehalten worden sind, wurde telegrafisch verlangt. Das betreffende Kabel trägt die Unterschrift von Lewis Weinstein aus Boston im Namen von 24 nordamerikanischen jüdischen Organisationen, aie fünfeinhalb Millionen Juden in USA repräsentieren. Als Protest gegen die antijüdisehe Diskriminierung in Sowjetrussland ißt für den 5. und 6. April im Hotel Wi.lard in Washington eine Konferenz der amerikanischen Juden einberufen worden. DER STURM HAELT AN! lieh veröffentlicht worden i sei. Wenn dem so wäre, so j , wünschten sie, ,,ihrer Ueber- | j raschung und ihrem Protest , l gegen seine antisemitische! Tendenz Ausdruck zu verlei-! Ein Angeklagter gesteht ,s — Die Einwände ”c!er TrunziTSIschen Kommunisten *haben an Heftigkeit nicht nachgelassen. Die kommunistische Zeitung „L’Humanite“ veröffentlichte einen dritten Leitartikel mit noch nie dagewesenen An. griffen gegen die Sowjetunion. die sie nicht direkt führt, sondern indem sie andere Presseorgane zu Worte kommen läest, deren Kommentare über das in Kiew hcrausgegebene antisemitische Buch sie abdruckt. Brüssel. — In der belgischen Presse erschienen Protest« gegen das Pamphlet ..Judentum ohne Schminke“ und gegen das von den sowjetischen Behörden erlassene Verbot zur Heustellung von Mazzot. ,,Le Soir“ die grösste unabhängige belgische Abendzeitung, brachte diese Kritiken auf der er sten Seite. Auch d?e fortschrittliche katholische Blatt ,,L& Cite“ kritisiert den ,, sowjetischen Antisemitismus“. und in ,,Le Peuple“ fragt der frühere belgische Erziehungs- und Außsenminister, ein bekannter internationaler Sozialistenführer: ,,Was ist das? Sozialismus von Stumpfsinnigen?“ Stockholm. — Die schwedischen Kommunisten haben ebenfalls gegen da« Buch ..Judentum ohne Schminke“ Einspruch erhoben. Die kommunistischen Jugendorganisationen schrieben an ihre sowjetischen Kameraden und fragten, ob da« Buch wirk- Die Juden in Syrien Paris. — Die Lage der jüdischen Gemeinden in Syrien soll sich zuverläs«igen Berichten zufolge, erheblich verschlechtert haben. Die linksgerichtete französische Wochenzeitung „France Ob. servateur“ meldete, dass die syrischen Behörden neue drastische Massnahmen gegen die Juden des Landes in die Wege leiten. (AWZ) ■ hen‘ . i VERSUCH EINER; ENTSCHULDIGUNG; Washington. — Die Sowjeti Botschaft stellte dem Büro der ITA in Washington den . vollständigen Text eines von der russischen Agentur ,,No- ' vosti“ verbreiteten Artikels zur Verfügung, in welchem I das Buch „Judentum ohne; Schminke“, oder „Judentum ' ohne Maske“, wie es in dem sowjetischen Text heisist, , verteidigt wird. Wie es in 1 der Sowjetunion üblich ist, wurde der Artikel von einem Mann mit offensichtlich jüdischem Namen, Shimon Katz, verfasst. Katz behauptet, der Autor des von der ukrainischen Akademie für Wissenschaften verlegten Pamphlets sei völlig berechtigt gewesen, antireligiöse Propaganda zu treiben und habe da« Buch „mit den besten Absichten geschrieben“. (!) Allerdings und anscheinend, um der von allen Seiten erhobenen Kritik die Spitze zu nehmen, enthält der Artikel verschiedene vage Bemängelungen der Art : und Weise, in der der Autor! versucht hat, „seine Leser; über da« Judentum aufzuklären“, wohingegen feßtgestellt wird, dass „die Politik der sowjetischen Regierung in der Nationaltäten.Frage nicht nach einem einzigen ,Werk‘ eines Atheisten beurteilt werden könne“. Auch scheinen die sowjetischen Behörden über die bevorstehende Abhaltung einer Konferenz der jüdischen Institutionen in USA besorgt zu sein. Hierzu übersandte die Sowjet-Botschaft eben falls zwei Berichte der ,,Novosti“ . n die Jüdische Telegraphen Agentur. Einer dieser Berichte enthält eine Namer.siiste der sowjetischen Rabbiner und Führer der sowjetischen Gemein, den. Der andere ist ein Communiqué, in dem es heisst, die jüdischen Arbeiter in einer moskauer Metallfabrik hätten die ange, nagte Konferenz in Washington „als Beleidigung für die sowjetischen Juden“ bezeichnet. In der Zuschrift wird die ITA gefragt: „Weesen Interessen vertreten Sie, wenn Sie Lügen über uns und unser Leben verbreiten? Wir erfreuen uns der vollen Bürgerrechte wie alle anderen sowjetischen Völker Im Namen der Gemeinden von Moskau. Kiew und Minsk protestieren wir gegen die verleumderischen Angriffe auf unser sowjetische« Vaterland, das soviel für das jüdische Volk getan hat.“ PROTEST AUS HOLLAND Amsterdam. — Paul de Groot, der Chef der holländischen Kcmmunist'ßchen Partei, wandte sich in der Eröffnungsrede auf der jährlichen Parteikonvention gegen die Herausgabe des Pamphlets der ukrainischen Akademie der Wissenßchaften „Judentum ohn* Schminke“. „Jawohl, ich habe russische Kommissare an der .Schwarzen Wand' mit eigener Hand erschossen. Bei einer Gruppen-Vergasung von über 200 Männern und Frauen habe ich ebenfalls mitgewirkt.“ Mit diesem überraschenden Schuldbekenntnis de« ehemaligen SS-Ob?rscharführers und heutigen landwirtschaftlichen Assessor« Hans Stark begann in Frankfurt der siebte Verhandlungstag im AuschwTz- Prozess. Bisher haben alle zur Sache vernommenen Angeklagten, darunter auch die beiden Auschwitz-Adjutanten Mulka und Höcker, jede Mitschulld an Vernichtungsaktionen energisch bestritten. „1941, als ich gerade 20 Jahre alt und eigentlich noch Schüler war, kamen die ersten Transporte mit russischen Kriegsgefangenen nach Auschwitz. Die russischen Kommissare wur. den sofort herausgepickt und ohne viel Federlesens an der .Schwarzen Wand* im Hof des Arrestbunkers 11 erschossen“, sagte der Angeklagte Stark. Er «ei damals Leiter der Aufnahme für Häftlinge in der politischen Abteilung gewesen una habe auf den Befehl des damaligen Leiters seiner Abteilung, Grabner, vier oder fünf Russen exekutiert. Der Erschiessung sei ein Befehl vorausgegangen: „Jetzt sind Sie an der Reihe, Stark.“ Seine Aufgabe sei es gewesen, sagte der landwirtschaftliehe Assessor, vor den Hinrichtungen die Namen der Todeskandidaten mit den Karteilisten zu vergleichen. Generell habe damals ein Liquidationsbefehl für russische Kommissare vem Oberkommando der Wehrmacht bestanden. Auf aie Frage des Vorsitzenden, ob ihm denn bei diesen Exekutionen keine Bedenken gekommen seien, meinte der ehemalige SS-Munn sichtlich bewegt: „Ich schäme mich heute, dass ich damals diese Liquidationsbefehle als notwendig und unausweichlich betrachtete.“ Stark wehrte sich energisch gegen den Vorwurf der Anklage, Häftlinge zur Vergasung ausgesondert zu haben. Er räumte jedoch offen und sichtlich schuldbewusst ein, bei einer Vergasung mitgewirkt zu haben. Im Mai 1942, erläuterte er, seien aus einem der ersten jüd sehen Grosstransporte über 200 Männer und Frauen in das alte Krematorium geführt und nackt in die Gaskammer gesperrt worden. „Dann warf ein mit einer Gasmaske bewährter Blockführer durch die Dekkenluken das Gas in den Raum. Da der Einwerfer allein war, musste ich mit ran“, sagte Stark. Er habe damals nicht so recht gewollt, aber dann sei der Auschwitz . Kommandant Hoess dazu gekommen und habe kalt und ruhig bemerkt: „Mein lieber Mann, wenn Sie nicht bald dem anderen da oben helfen, komvan JAKOB KATZ-R0GASEN men Sie selbst in die Gaßkammer.“ „Und da habe ich es eben getan“, sagte Hans Stark mit tonloser Stimme. Iir. Kreuzfeuer der Fragen des Gerichts und der Staatsanwaltschaft meinte Stark, er habe die Verwendung von Gas zur Tötung von Menschen für unmännlich und feige gehalten. Grundsätzliche Bedenken sind dem Angeklagten nach seinen Worten bei der Vergasung nicht gekommen. Auf die Frage des Vorsitzenden ob er nie etwas getan habe, um auß Auschwitz wegzukommen, antwortete Stark: „Damals wurden viele SS. Leute im berüchtigten Arrest'bunker 11 erschossen. Tote sah ich nie. Dagegen viele . zerschossene SS-Uniformen.“ Die SS.Todeßkandidaten seien vor der Hinrichtung an Pfähle gebunden worden. Zu den HäftlingserSchieseungen sagte Stark, der Leiter der politischen Abteilung, SS-Untersturmführer Grabner, habe ihn darauf hingewiesen, dass die Delinquenten bereits durch Standgerichte verurteilt worden seen. Der SS-Mann Palitsch habe die Häftlinge dann hinterrücks durch Genickcchüsse getötet. Stark bereitete nach seinen Aussagen die Angeklagten darauf vor, dass sie gebadet würden. „Ich war damals nicht in der Lage, den Dingen zu folgen“, erinnerte sich Stark erregt. „Wir hatten keine eigene Meinung. Das Denken wurde urß von anderen höhergestellten SS-Männern abgenommen.“ Der Angeklagte wies darauf hin, dass ihm bei der SS, in die er mit 16 Jahren eintrat, immer wieder eingehämmert worden sei: „Die Juden sind an allem schuld.“ „Was damals geschah, habe ich bejaht Aber ich fühlte mich in Auschwitz am falschen Platz“ fügte er hinzu. Nach dem Geständnis dieses Angeklagten beginnt wieder der Reigen derer, die alles bestreiten, nichts gewrßst haben wollen und als Wohltäter in Auschwitz aufgetreten sind. Da ist der Angeklagte ehemalige SS- Sturmmann und heutige Rentner Heinrich Bischoff, der in Auschwitz in fünf Fällen Häftlinge erschossen mit Stiefeln zu Tode getre. ten und einen KZ-Inßassen mit einem Schaufelstiel totgeschlagen haben soll; er antwortete auf die Vorwürfe der Anklage: „Das ist mir ein Rätsel.“ Der Angeklagte, der sich mühsam mit einem Stock von der Anklagebank vor den Richtertiech bemühte, argumentierte mit brüchiger Stimme, dass er niemals an einem Krematorium gewesen sei. „Die SS hatte uns gesagt, wenn ihr dahin kommt, brennen wir euch auch eine auf den PelzJ* Mit ßtändigen Handbewegungen wehrte der grosse plump wirkende Mann ab: „Das begreife ich alles überhaupt nicht.“ Bischoff gestand mit stokkender und brüchiger Stimme einem zu Tode verwundeten Häftling zwei Gna. denschüsße gegeben zu haben. „Da* war in einem Rüstungswerk bei Auschwitz, wo Flakgeschütze hergestellt wurden. Mein Arbeitskommando war dort als I Facharbeitergruppe tätig“, | erklärte der Angeklagte. Al* | er eines Tage« gerade sein ' Mittagsbrot zu sich genom- | men habe, seien draussen in I der Halle zwei Schüsse ge-! fallen: „Ich stürzte hinaus | und sah einen Häftling am I Boden liegen.“ Der Posten | meldete: „Herr Blockführer, | ein Häftling auf der Flucht erschossen“. „Und weil mich Häftlinge und Zivilisten baten, dem Häftling einen Gnadenschuss zu geben — dann hätte er es wenigstens ü'berstanden —, feuerte ich in meiner Gutheit zwei Schüsse ab“, sagte der Angeklagte. (wird fortgeßetzt) Spaak besucht* Auschwitz Brüssel. — Der belgische Aussenminister Paul Henri Spaak hat bei einer kiirzlichen Reise durch Südpolen das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz besucht und dort eineu Kranz niedergelegt. (AWZ) Nützliche Verordnung Jerusalem. — Die Ver. Ordnung gegen Verunreinigung der Luft durch die Auspuffrohre von Automobilen ist kürzlich in den städtischen Gebieten von Tel Aviv, Haifa. Jerusalem, Ramat Gan, Giwataim. Bne Brak. Cholon und Bat Jam in Kraft getreten. In Israel und in Russland Tel Aviv. — Israel feierte frohen Herzens das Pessachfest, das allerdings von Schatten verdunkelt war. Auf dem Volk lastete die Sorge um die russischen Juden, von denen man wo iss, da«s «ie unter dem Mangel an Mazzot leiden. Ausserdem unternahmen die Araber Versuche, Infiltranten über die Grenzen zu schicken, da rie irrigerweise annahmen, daiss diese an den Feiertagen ungeschützter sein könnten. Die israelischen Sicherheitstruppen, die trotz des Festes Wacht an den Grenzen hielten, töteten vier Araber, die in ißraelisches Gebiet eindrangen. Ein Infiltrant wurde in der Nähe von Mischmar Ajalon in der Zone von Lafcrun ersehoscen, während drei Araber tödlich verwun- . det wurden als sie im südlichen Negew von einer israelL; schon Patrouille beim Ueberschreiten der Grenze übenj raßcht wurden. 1 Die Küchen der Armee hatten reichliche Pessachmahlzeiten vorbereitet, und die Feldrabbiner in den Mili* tärlagern und Grenzposten hielten Gottesdienste ah. In ] einem Schuppen der Luftwaffe wurde für 1.200 Soldaten ' ein Seder gegeben, an dem Ministerpräsident Levi Eshkol und seine Familie, General Jizchak Rabin, der Chef des Gonera’ßtabs, und General Ezer Weizmann, Kommani dant der Luftstreitkräfte, teilnahmen. Den Seder leitete | Armee-Oberrabbiner Schlomo Goren. i TRAGISCHES PESSACHFEST! London. — Die Juden in der Sowjetunion begingen Pcßsach unter traurigen Umständen, denn die Zuteilung von Muzzot durch die sowjetischen Behörden war unzureichend, wie hier eingclaufene Meldungen besagen. Man schätzt, da?ß höchstens die Hälfte der frommen Juden in Moskau in diesem Jahr Mazzot essen können. In anderen jüdischen Zentren wie Leningrad, Kiew, Odessa, KischL r.ew und Mir,ßk war die Lage ähnlich. Weitere Meldungen besagen, dass die. überwiegende Mehrzahl der 20.000 bis 30.000 frommen Juden in Moskau entweder überhaupt keine Mazzot oder nur in geringen Mengen hatten. Der Oberrabbiner von Moskau, Jehuda Leib Lewin, von der Grossen Synagoge erteilte seiner Gemeinde die Sondererlaubnis. Erbsen und Bohnen an den Pessachtagen zu essen. Die sowjetische Presse setzte ihre Kampagne fort, um die russischen Juden einzuschüch- ' 'ern und davon abzuhalten, die aus dem Ausland getsand* I ten Mazzot-Pakete in Empfang zu nehmen. I Die Grosse Synagoge von Moskau und zwei ander*,! kleine Synagogen in den Vorstädten waren an den eo**en I zwei Abenden und Tagen von Pessach mit Betern übe*- füllt. Der I.srael-Botßehafter in Moskau, Josef Tekoa, ga* einen Seder in der Botschaft, bei dem 57 Personen abwesend waren. Seine Gärte waren bis auf zwei alles Jvß* den, doch kein einziger moskauer Jude nahm daran teil, ' während in früheren Jahren Juden aus der Stadt eingeladen worden und erschienen waren. Die beiden Nichtjuden am Sedertßch de« Botschafters waren Rev. Ronald Roberts und seine Gattin, der Pastor der protestantische!* Kirche von Moskau für Amentfwmer lisehspreehende Christen. (ITA) und andere eng. Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 1*4 IT i Impreso •» la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 8*1