Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2057 (26.3.1964)
- Date
- 1964-03-26
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 ANA ISRAELITA A«o XXV. BUENOS AIRES, JUEVES 26 DE MARZO DE 1964 No. 2657 EL EJEMPLAR Ift en toda la República *”• PUEVRREDON 2190 1? teq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Streiflichter aus einem Prozess (VI): SS-Hauptsturmführer heult Ein kurzes Aufleuchten im luschwitz-Prozess war zu aeobachten, . als einer der Angeklagten zugab, zweimal aktiv an der Ermordung von Häftlingen mitgewirkt zu haben. Aber dann verfällt alles wieder in das Dunkel ies Schweigens und des Leugnern, das offensichtlich ron einem sonderlich ge. ichickten Regisseur der Vereidigung angeordnet Worten ist. An irgendeiner Stel. e wird diese Schweigefront vohl doch eingedrückt werten. schon deswegen, weil lie Staatsanwaltschaft über »usserordentliche Sach- und Personalkenntnisse verfügt jnd diesen Prozess minutiös vorbereitet hat- Der Arrestaufseher im Block 11. dem Bunker, Bru. no Schlage, bestätigt auch' dem Staateanwalt Vogel ■ nochmals, was er am Vortag! schon dem Gericht zu sagen 1 wusste. Er schloss nur die! Zellen auf und zu, brachte die Häftlinge hinein oder heraus. j „Wurden denn in Block; 11 Vernehmungen durchgej fiirt?“ ..Nicht, dass ich wüsste.“ „Sie haben früher gesagt, es seien Vernehmungen durchgeführt worden! Stimmt das denn nicht?“ j „Ich kann mich nicht so ' genau erinnern, was für Vernehmungen das w'aren.“ | von JAKOB KATZ-ROGASEN weitere Schicksal der Polizeihäftlinge?“ „Das kann ich nicht sa. gen.“ Unter dem fragenden Blick J des Vorsitzenden fällt dem; Angeklagten aber doch noch j ein: j „Falls sich bei der Ver-; nehmung seine Unschuld; herausstellte, sind sie herj ausgekommen. Falls sie! schuldig waren... ja, daskann ich nicht sagen.“ | Dann sagt der Angeklagte weiter: Gehört hat er schon, dass geschossen W'urde, aber er hat es nicht gesehen. Von Prügelstrafen weiss er nichts, einen Ochsenziemer kennt er nicht, im Lager hat er einmal ein Pfahlhängen gesehen, im Vorbeigehen, verstehe sich. Da baumelte denn da einer an den Armen an einem Seil, die Fusspitzen knapp über dem Boden. Von Toten in den Stehzellen hat er nichts gehört. „Verlieren Sie doch nicht den letzten Rest an Glaubwürdigkeit“, fährt ihn da der Vorsitzende an, „Sie waren doch der Arrestaufseher. Des war doch ihr Block, für den Sie verantwortlich waren, das waren Ihre Häftlinge sozusagen. Sie müssen doch gemerkt haben, was da vor sich gäig.“ „Ich habe nur einmal gesehen“, bequem, sich da der j Angeklagte, „dass einmal! ein Häftling in der Stehzelle! ohnmächtig geworden ist.“ j Was weiss er von den Vergasungen? j „Das ist nach geraumer j Zeit gesprächsweise durch- 1 gesickert.“... I Dann kommt der ange. | | klagte, frühere SS-Hauptj sturmfiihrer Franz Hofmann I | an die Reihe. Von den Kinj i dern weiss er auch nichts, j zunächst. Später wird ihm j I wieder klar, dass sie nach j ] Birkenau kamen, nur so, | i „umquartiert“. Nein, einen ■ ( Begleitschein hat er nie zu l Gesicht bekommen, von ei.! nenn Vermerk ,,B II F“ hat j , er keine Kenntnis. Aber er ■ weiss wenigstens, was diej ser Vermerk bedeutet: Bir- | | kenau, Feuerstelle II. Die i , Kinder waren zwischen sechs! | und zwölf Jahre alt. Kurze I 1 Zeit später wurden sie auf | dem „Standesamt“ regi- ' striert, die Totenscheine j wurden ausgestellt. Der An- 1 geklagte Hofmann weiss von! nichts. j Bei den Selektionen auf der Rampe hatte er nur die Aufsicht. „Die Juden wurden aufgefordert, «ich aufzustellen. Meine Aufgabe war nur, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die Selektion wurde von Aerzten durchgeführt. Die Anweisungen dazu kamen vom Kommandanten oder von Grabj ner. Manchmal auch ist es | vorgekommen, dass der Transport geschlossen vergast wurde. Mal wurden mehr, mal weniger Arbeitsfähige selekticniert. Der Prozentsatz war befohlen. Er richtete sich nach dem Bedarf an Arbeitskräften“, sagte der Angeklagte eilfertig, fast beflissen. Sonst hat er nur die Son. derverfiigung ausgegeben für die SS-Kommission auf der Rampe: „Brot, eine Porticn Wurst und einen Fünftel Liter Alkohol.“ Ja, und dann war noch eins: „Manchmal habe ich auch Nichtarbeitsfähige zu den Arbeitsfähigen hinüberge- : schoben. Die haben natiir- ■ Ein antisemitischer Skandal London. — Die antisemitischen Angriffe nationalistischer Deputierter im südafrikanischen Unterhaus führten vor einigen Tagen zu einem Skandal, als der ( jüdische Abgeordnete und ehemalige Bürgerrpr^*»« von Johannesburg Alec Gorshel den Nationalisten er» pört zurief: „Geht zum Teufel.“ Die* meldete der „Manchester Guardian“. Bei den Beratungen über Abänderungen der Bantu-Gesetze. die dazu dienen sollen, die Apartheid-Politik der Regierung noch weiter z» verschärfen, begannen die Nationalisten, Gorshel durch ironische Zurufe lächerlich zu machen. Als sich hierauf andere jüdische Abgeordnete. Hymie Miller von der Einheitspartei und Helen Suzman von der Fortschrittspartei, erhoben und sich zum Wort meldeten, schrieen die Nationalisten: „Seht, seht, die Juden stehen auf“. Hierauf schickte Gorshei die Antisemiten empört zum Teufel. (ITA) „Ich will ja nicht wissen, was für Vernehmungen das waren, sondern ob überhaupt vernommen wurde.“ „Ja, ich glaube, dass kann ich bejahen.“ „Wer hat die Vernehmungen durchgeführt?“ „Ich glaube der Grabner.“ Auffallend, wie der Angeklagte lügt. Jetzt sagt er, dass er die Häftlinge zu Vernehmungen geführt habe, zu denselben Vernehmungen, von denen er wenige Minu. ten vorher garnichts wusste (.'). Zeichen vcn Misshandlungen seien ihm natürlich nicht aufgefallen, denn die 1 Gefangenen seien angeklei- , det gekommen und wegge- , gangen. j „Haben sie nicht geblutet,; manchmal?“ j „Ich kann mich nicht erinnern.“ j „Können Sie sich erinnern,! dass in Block 11 Stand-1 gerichtsverhandlungen stattgefunden haben?“ j „Das weiss ich ineht.“ , „Was wissen Sie über das Abschaffung der Sklaverei? Flugblatt gegen Rassenhass Die kirchlichen Behörden Spaniers lassen eine Broschüre verteilen, die den Antisemitismus verurteilt. Sie ist von Rev. Jose Jimenez Lezano unter dem Titel „Wir Juden“ geschrieben. ..Der Antisemitismus ist ein Fleck auf unserer Zivilisation und niemand kann sich als wahrer Christ! .u: ihnen, der nicht alles tut, um r'en Antisemit.' .nus in jeder Form heisst es darin. Der ständige Druck der freiheitlichen Welt und die ätzenden, kritischen Bemerkungen in den Kommissionen in den UN veranlassen kürzlich den König Saud zu einem Schritt, der eine Revolution in seinem Lande herbeiführen soll. Er will die Sklaverei abschaffen, und für die etwa 250.000 Sklaven in Saudi Arabien soll ein Lösegeid in Höhe von einer Million Dollar aus Staatsmitteln gezahlt werden. Wenn auch bereits im vorjährigen sauditischen Etat Gelder für die „Sklavenbefreiung“ vorgesehen waren, so dürfte die wirkliche Durchführung dieser Massnahme noch lange auf sieh warten la»3sen. Obwohl König Saud sein Dekret über die Abschaffung der Sklave rei erlassen hat und vielleicht auch guten Willen zeigen will, so blüht vorläufig der Handel mit der menschlichen Ware auf der arabi sehen Halbinsel und an den Küsten des Persischen Golfes weiter. Nach Schätzungen der UN. Kommission für Menschenrechte gehen heute noch jährlich in Saudi Arabien. Jemen, Hadramaut, Oman und den Scheichtiimern der Piratenküste bis zu 80 000 Merschen :n die Sklaverei. Die Unglücklichen kommen hauptsächlich aus dem ehemaligen französischen Westafrika, Belutschistan, Südpersien und Westpakistan. Ein grosser Teil der Skia! ven wird auf sehr e t fache Art „umgeschiagen“. Die , Konjunktur blüht besonders; in den Wecken vor der gro. : ssen Pilgerfahrt des Islams nach Mekka. Reich.» Mos lerns lassen sieh von mehreren Bediensteten beiderlei ' Geschlichts begleiten, die sie j dann in Saudi Arabien soj Zusagen als „lebende Reise- | Schecks“ verkaufen. Im letz ten Jahr pilgerte der Scheich; aus einer der neuen west. [ afrikanischen Republiken j mit zahlreichen Stammcsan- ' gehörigen in die heilige | Stadt der Kaaba. Dort verkaufte er sie auf dem Skla- venmarkt, damit „sie immer in der Nähe der ersten Stufe zum (islamischen) Himmel bleiben“. Viele Pilger fallen auf die Versprechungen sogenannter „Mekkaführer“ herein. Um die hohen sauditischen Pil ger-Steuern zu vermeiden (sie sind seit zehn Jahren abgeschafft), lassen sie sich in Booten heimlich über das Rote Meer setzen. Natürlich werden sie als „illegale Einwanderer“ geschnappt und! zu hohen Geldbussen verur- : teilt. Es ist ein abgekartetes Spiel zwischen „Mekkafiihrern“ und sauditischen Beamten. Der Ausweg aus dem Dilemma für die Betro genen sind Kaufleute, die die Geldstrafe bezahlen. Die Pilger werden damit automatisch zu Sklaven. Als einer der bekannte-! sten Sklaveumärkte Arabi- . ens gilt die auf der Halbinsel Oman liegende Oase Buj raimi. Ihr gelegentlich von den Engländern kontrollierj tes Dase:« im Niemands. ' land zwischen Saudi Ara- | bien, den Emiraten der ■ „Trucial Coast“ und dem j Doppe’staat Oman macht sie zu einem idealen Umschlagi platz. Die ..Fracht“ wird in I kleinen Dhau-Segle:r, über den Persischen Golf geschmuggelt. Die „Ware“ , kommt von den Belutschen ■ Stämmen, die in dem kaum . zu kontrollierenden WüsL« gürte! längs des Ostufers des Persischen Golfes hausen. Vor Jahr und Tag wären um Haaresbreite zwei Mädchen aus Europa diese Rou te der Sklaven via Belutschistan in Richtlug Ara- I bien gereist. Trotz aller Warnungen wählten sie auf j ihrer Fahrt nach Pakistan die südliche Wüstenroute und — verschwanden spur los. Die Suche persischer Patrouillen blieb ergebnislos. Bis man zu guter Letzt in einem Zeltlager Nomadenfrauen entdeckte, die europäische Frauenkleidung trugen. Schliesslich fand man die Mädchen unter Säcken versteckt. Man hatte sie über und über täto wiert (eine arabische Vor liebe) und wartete auf eine Gelegenheit, sie des Nachts über den Golf nach Buraimi zu bringen. Fest der gesamte Haushalt des Königs Saud besteht aus Sklaven. Dazu gehört auch die so malerisch aufgeputzt« Leibwache. Sie nennen ihn „guter Onkel“, die Königin „gute Tante“. Man weiss. dass sie in den Palaisten eine private, recht schlampige Herrschaft ausüben, der sich auf der Kö. nig grollend beugt. Die Kinder der Sklaven besuchen mit den Koiigssöhnen dieselbe Palastsehule. Im allgemeinen entlässt König Saud jeden Freitag — en sprechend der moslemischen Tradition — einen Sklaven aus der „Sklaverei“. Ni« hat m;:n gehört, dass je ein „Befreiter“ in sein Heimatland zurüekkehr te. Den meisten geht es in der „königlichen Sklaverei" weitaus besser, als etwa un. ter Nomadenzeiten oder in Kralen des afrikanischen Dschungel. Viel hohe Staats lieh gebittet und gebettelt.“ „Ja. kotinten Sie das denn?“ „Nein, das war verboten.“ „War es nicht eher umge. kehrt?“ „Nein, Herr Vorsitzender man hat eben beide Augen zugedrückt.“ Dann bricht der frühere SS - Hauptsturmführer, der Schutzhaftlagerführer gewesen und der furchtbarste« Verbrechen angeklagt ist, in Tränen aus und heult. Die wirklich Verantwortlichen, Höss und Genossen seien nicht hier. Jetzt will man den 22 anwesenden Angeklagten die Schuld zuschie. ben. Dieser Tränenausbrueh eines Mannos, der sogar von den vor ihm vernommenen Mitangeklagten als der Verantwortliche bezeichnet wurde, macht das jämmerliche Bild dieser jämmerlichen Gestalten noch trüber. Der Vorsitzende gibt nicht viel auf das Heulen Hofmanns; er will wissen, wer die Beistraf tilgen der Häftlinge angeordnet habe. Wieder wird die Verantwortung auf Hose und di« anderen abgewälzt. Der Vorsitzende wlil wissen, wie gestraft wurde. „Zunächst prügelten SS- Männer, und später wurden «ach einer. Verfügung des Reichssicherheitshauptamtes deutsche Häftlinge dafür herangezogen.“ „Gab es einen Bock?“ „Jawohl.“ „Wurde die Prügelstrafe öffentlicht vollstreckt?“ „Dies war verschieden.“ „Wer hatte di« Oberaufsicht?“ „Der erste Schutzhaftlagerführer, e« kann aber auch der Arzt gewesen sein.“ — Was dieser Mann mit weinerlicher Stimme noch zu sagen hatte, waren Ausflüchte, Unwahrheiten und Behauptungen, die ihm keiner glauben wollte, so wenn er seine Fürsorglichkeit für das Zigeunerlager danstelite ... (wird fortgesetzt) Italienischer „Fall Zind“ Mailand. — Wegen angeblicher antisemitischer Aeusserungen hat der Vorstand einer mailänder Handelaschule vor kurzem den Leta-! rer Oratio Folco Zambelli i vom Schuldienst suspen.! diert. Italienischen Presse-! berichten zufolge wird der ■ Lehrer von einem seiner ] Schüler beschuldigt, während des Unterrichts gesagt | zu haben: „Ich persönlich , würde den Juden ins Gesicht ' spucken“. Der 24jährige . Schüler Ilyas Menda erstat- ■ tete daraufhin bei der , Staatsanwaltschaft in Mai. I land Anzeige wegen „Bf-1- : schimpfung dér jüdischen i Religion und Diffamierung“, | Nach Mendas Darstellung ’ wurde der Lehrer von einem | Schüler gefragt, ob es wahr ■ sei, dass die Faschisten die | Juden gehasst hätten. Folco! Zambelli habe das verneint. | jedoch hinzugefügt, dass er persönlich den Juden ins : Gesicht spucken würde. Der , Lehrer leugnete, sich wäh- I rend des Unterrichts in dieser Form geäussert zu ha.! ben. (AWZ) Neue Emission von Israel-Bonds i New York. — Die Verkäu- fe von IsraeLBonds beliefen; sich im Jahre 1963 auf über; 69 Millionen Dollar, was eii ne Rekordziffer seit Beginn; der Bonc's-Aktion darsteilt, wie Dr. Joseph Schwartz, Vizepräsident der Bonds.Organisation, bekanntgab. Dieser Betrag stellt eine 19prozentige Erhöhung im Ver. gleich mit dem Jahr 1962 dar. Die Organisation bereitet eine «eue Emission von Israei-Boncte in Höhe von 400 Millionen Dollar vor. (ITA) Geldstrafen Haifa. — Das haifaer Gericht verurteilte 120 Personen wegen Rauchens in Eines zu Geldstrafen zwischen 15 und 40 IL. beamte in Saudi Ariben — j zu ihnen gehört der ehemalige Wirtschaftsminister — waren einmal Sklaven. Zunächst wird man die | Königsorder über die Abschaffung der Sklaverei j Saudi Arabien für das nehmen müssen, wozu sie ge- ' dacht ist: eine propagandi. i stische Geste in Richtung I Westen. I Formell ist also der Skiaj venhandel in Saudi Arabien j abgeschafft. Inoffiziell aber ' wird sich kaum etwas an dem Handel mit menschli-; eher Ware in diesen unübersichtlichen Räumen Arabiens ändern. Registro de la Propiedad Intelectua] No.?35 104 Impteso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia S3i Kein« Auslieferung Ein Vertreter des internationalen Verbandes der Naziopfer erklärte kürzlich auf einer Pressekonferenz, dass Ghana nicht bereit ist, den in Ghana lebenden und dort praktizierenden Arzt Dr. Horst, Schumann an die Deutsche Bundesrepublik auszuliefern. der des Verbrechens in einem Konzentration-Jager b.schuldigt wird.