Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2039 (22.11.1963)
- Date
- 1963-11-22
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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ec s ï « SJ ¿5 c et O 4, 1. U < FRANQUEO PAGADO Concesión 998 TARIFA REDUCIDA Conces'ón 1629 ANO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 22 DE NOVIEMBRE DE 1963 No. 2039 EL EJEMPLAR en toda (a República 10.- PUEVEREDON 2190 19 uq. T. E. 83 2613 Buenos Aires katholische Kirche und Juden BIick in die Welt Rom. — Das Oekumenii sehe Konzil hat die Debatte üIk t die Frage des Oekume- , nismus im allgemeinen und im besonderen über das 4. Kapitel des zur Diskussion i stehenden. Dokuments, das; „Haltung‘der Katholiken zu den Juden“ betitelt int. vor i einigen; Tagen aufgenom-; men. Das Dokument wurde dein* -Kor.zil von Bischof i Martin Joseph aus Rouen (Frankreich) unterbreitet und von den versammelt, n , hohen Ge etlichen mit leb-jj haften’ Be hall begrüsst. Die J OvaiioKÜ :i vntrrdefi allerdings f als persönliche Huldigung I für Kardinal Augustin Bea. ■ den Leiter des Sekretariats . für christliche Einheit, anj gesehen, weicher dieses Do- ■ ktiment verfasst hat.! Zwei Einwinde wurden i von neun Rednern zu Be- : ginn der Debatte erhoben, i Eine Gruppe von Priestern 1 beanstandete den Einschluss der jüdischen Frage in das Schema mit der Begrfn- \ düng, dass das Thema der Beziehungen der kathoii- ■ sehen Kirche mit anderen I christlichen Religionen zur! Diskussion stehe und daher die j¡¡di- _-he Frage in einem '■ anderen Zusammenhang be- : handelt werden müsse. Eine zweite Gruppe von Prälaten : vertrat die Auffassung, dass 1 ausser den Beziehungen mit den Juden in diesem Kapitel auch die Beziehungen mit j anderen nichtchristliehen ' Religionen berührt werden sollte. Einer der ersten Debatten- 1 redner war der nordamerikanische Kardinal Joseph ' Ritter aif San Louis, der; den Vorschlag als das Ende einer 400jährigen Kampagne! der katholischen Kirche gegen den Protesteltismus bej grösste. Ein Angriff gegen 1 dis Kapitel über die Beziehungen mit den Juden ging von Kardinal Ernesto Ruffini aus Palermo aus. der äue-serte, wenn dis Haltung der Kirche zu den Juden einer Revision unterzogen werden solle, so müsste man auch über die Haltung zu „vielen Millionen von Christen beraten. die dem Marxismus ergeben sind auf diese Weise zum atheistischen Materialismus beitragen“. Er behauptete. andere nichtchristliche Religionen seien dem .Katholizismus weit weniger feindselig gesinnt als die Juden oder auch die Protestanten und verdienten daher, in dem besagten Kapitel berücksichtigt zu werden. Ihre Opposition gegen dieses Kapitel drückten auch vier Patriarchen aus Alexandrien, Aegypten und Antiochia (Syrien» aus, die als Argument anführten, es bedürfe zur Verurteilung der Verfolgungen keiner besonderen Erklärung, da sich die Kirche stets derartigen Vorurteilen widersetzt habe, so dass aus diesem Grunde eine Erwähnung des Antisemitismus überflüssig sei. Der Patriarch von Antiochia war der Arsicht, dass falls ein Ka pitel über die Juden vonnöten sei - dieses an einer anderen Stelle des Schemas fij gurieren sollte. Nach diesen j Ausführungen sah sich Karj dinal Ritter veranlasst, seine Zustimmung zu dem gesamten Dokument auszusprechen. Die Erzbischöfe Quintero aus Venezuela und Tasuo Doy aus Tokio erklärten sieh mit dem Vorschlag einverstanden, dass die katholische Kirche anderen Bekenntn.sen ebenso wie des jüdischen Religion einen Platz in dem gleichen Kapitel einräumt. KEINE „GOTTESMOERDER“ Den Bischöfen des Kirchenkonzils, die sich gegen die Annahme des Dokuungliickselige Worte“ im Zusammenhang mit der Kreuzigung gegen die Juden iaut wurden. Mit Hinblick auf die Ereignisse jener Zei- ... , , , ten erinnerte er daran, dass ments ausserten, welches j eg ejne Minderheit war die die Verantwortung der Juden für den Tod Christi ablehnt, antwortete Kardinal Augustin Bea in seiner Eigenschaft als Chef des Sekretariats für christliche Einheit. Er gab bekannt, dass die Arbeiten für die Abfassung des vierten Kapitels sich gegen Jesus wandte und „Kreuzigt ihn“ rief, doch „wir wissen, dass die Mehrheit des jüdischen Volkes nicht mit dem Todesurteil einverstanden gewesen ist“. Die Evangelien berichteten. dass „die Feinde Jesu einen Aufstand des des ökumen_schen Schemas, Volkes fürchteten“, woraus zu entnehmen sei, dass nicht alle Juden in Jerusalem und noch weniger im Heiligen Lande oder jene, die zu jener Zeit verstreut im Römischen Reich lebten, „für den Tod Christi verantwortlich gemacht werden können“. Der Kardinal unterstrich, dass auch Sankt Peter die Führer der Juden von Schuld freigesprochen habe, weil sie unwissend waren, und er fragte, ..wie ist es möglich, die Juden 19 Jahrhunderte später schuldig zu erklä ren?“ Daher bezeichnete er es als völlig unbegründet, den Juden die Schuld des „Gottesmordes“ aufzubürden. . Arme Palaestina-Flüchlinge Uniängct -. urde eine Statistik bekannt, die Bünde JEjpt die Praxis der arabischen Solidarität oder Nicht-Solidarität mit d*n aus politischen Zweckgründen von der „Arabischen Liga“ so oft und so laut beweinten „unglücklichen arabischen Flüchtlingen aus Palästina, dem heutigen Israel, spricht. Die 13 Staaten der „Arabischen Liga“, a'so Transjordanien. Irrk, Libanon. Marokko, Tunis, Algerien, Syrien. Sudan. Libyen, Saudi Arabien, Kuweit, VAR und Yemen. beherbergen auf ihren Gebieten insgesamt 1.161.874 arabische Palästina-Flüchtlinge. Für diese Flüchtlinge sorgt weitestgehend, praktisch aussehiiess lieh, die ..l'NRWA“. die Hilfsorganisation der Vereinten Nationen, die allein 453.879 von ihnen in eigenen Lagern unterhält. Die Einkommen dieser 13 Länder, allein aus Petroleum sind phantastisch und gehen allein aus Petroleumverdiensten in die Hunderte Millionen Dollar. Das Königreich Transjordanien z. B., das bekanntlich an dieser Hilfe am meisten interessiert ißt — mehr t,ls die Hälfte der Flüchtlinge (633.197) sind auf sei nem Territorium untergebracht — gibt nicht mehr als 103.191 Dollar. Das miiliardenträchtige Saudi Arabien, dessen diktatorialer Herr und Meister ungezählte Millionen in Petroleum und bald ebensoviele am Sklavenhandel verdient, gibt ganze 100.901 Dollar im Jahr. Die Gesamtleistungen der 13 arabischen Staaten der Liga für ihre Flüchtlinge und „Märytrer“ beziffern sich auf insgesamt 742.015 Dollar, das heisst etwa 1.5 Prozent der Summe, die die Vereinigten Staaten von Nordamerika für diese 13 sparsamen Staaten an Hilfeleistung auswerfen! Sie setzten sich zwar aiw Propagandagrün den sehr wortgewaltig für ihre „armen vertriebenen Brüder" ein, diese panarabischen Nationalisten, aber ihnen zu helfen .überlassen sie den anderen . Sie lausen sich von den „amerikanschen Imperialisten“ mästen und gestatten es grosszügig den „Yankees“, für ihre armen Verwandten zu sorgen und sie vor dem Verhungern zu bewahren... Die ganze Verlogenheit dieser Politik der aufgerissenen Mäuier und der zugeknöpften Taschen kann durch nichts drastischer enthüllt werden als durch diese beredte Sprache der sachlichen, trockenen Ziffern. — KURT KAISER BLUETH das in der vergangenen Woche unter den Konzilteilnehmern verteilt wurde, schon vor zwei Jahren aufgrund ausdrücklicher Anweisungen des verstorbenen Papstes Johannas XXIII. begonnen wurden und nicht der Initiative seines Sekretariats entspringen. Der erste Entwurf sei den zentralen Kommissionen des Konzils im Juni 1962 unterbreitet werden, doch wenn dieser damals nicht zur Diskussion gelangt sei, so seien nicht doktrinärer Widerstand sondern die damals herrschenden unglücklichen politischen Verhältnisse hierfür massgebend gewesen. K animal Bea hob hervor, dass der Entwurf dem verstorbenen Papst im Dezember 1962 vorgelegt wurde und Johannes XXIII. einige Tage darauf sein von HAROLD SCHWARCZ Die Unruhe in den arabischen Ländern zeigte sich kürzlich durch neue Revolten, vor allem im Irak, die angeblich niedergeschlagen worden sind. Auch in Syrien kam es zu neuen Regierungsumbildungen. Die Lage ist völlig unklar. — Trotz gegenteiliger Nachrichten hält die Spannung zwischen Algier und Marokkof weiter an. Die Meldungen sind widerspruchsvoll, sodass es unmöglich ist. sich eine klare Vorstellung von der ,-Wirklichen Lage zu machen. | Bei dem Vatikanischen Konzil wurden in den letzten; Wochen einige Fragen von; grosser Tragweite diskutiert, die darauf hindeuten, dass die liberalen Tendenzen stark sind. Die Bestrebungen, zu einer Aenderung der bisherigen Stellungnahme zu gelangen, erstrecken sich keinesfalls nur auf die Haltung den Juden. —» Nach den neuesten statistischen Erhebungen leben in der Republik Uruguay 2.556.000 Menschen, davon allein in Montevideo annähernd die Hälfte (1.173.000). — In Santiago de Chile tagt der Kongress für Strafrecht, der damit beschäftigt ist, ein einheitliches Strafrecht für die ibero-amerikanischen Staaten auszuarbeiten. — In der Sowjetunion wurde ein Professor der Yale- Universität unter dem Verdacht der Spionage verhaftet, 1 was zu heftigen Protesten der nordamerikanischen R-e- : gierung und zur inzwischen erfolgten Freilatssung des Professors geführt hat. — | Die Vierte arabische Petroleum-Konferenz wurde in Beirut 'Libanon) von der Arabischen Liga abgehalten, I deren Beschlüsse über die Verteilung der fabulösen Ge- , winne zu heftigen internen Auseinandersetzungen geführt haben soll, wie inoffiziell bekannt geworden ist. — j Zur Verbesserung russisch-chinesischer Beziehungen | wird eine Zusammenkunft zwischen Krutschew und Mao i Ttse-Tung angestrebt, in der versucht werden soll, die j Spannungen zwischen diesen beiden grössten kommunistischen Staaten zu mindern. — GEGEN NAZISMUS UND ANTISEMITISMUS Toleranz und Gewissensfreiheit schränktes Einverständnis geäussert habe. Der Papst habe dies nicht getan, um die Bischöfe zu beeinflussen .sondern um den Geist und die Reichweite des Dokuments zu erleuchten. Der Kardinal wies darauf hin, dass die Erklärung weder politisch noch national sei md unter keinen Umständen Kardinal Bea erinnerte ..chlieLslich an die letzten unum- Wort€ jesu d€r Gott anrief und ihn anflehte, seinen Henkern zu verzeihen, ..denn sie wissen nicht, was sie tun“, und er fügte hinzu; „Wie dürfen wir daran zweifeln, dass Gott dieses Gebet nicht erhört hat, und wie könnte die Kirche und ihre Gläubigen andere handeln?“ ..Heute fragt man uns, eine Anerkennung des Staa-| _ . tes Israel durch den Vatikan; warum wir all dies auf dem oder einen Schritt zugunsten | Konzil erneut zur Sprache des Zionismus bedeute. Er ’ bringen“, setzte der Kardifügte hinzu, sein Sekretariat ' nal seine Ausführungen habe in diesem Sinne die 1 fort. „Diese Dinge sind aitarabisch-en Staaten infor-! bekannt und keineswegs miert.; neu. Aber gerade weil sie _ ’ , , ,, , i nicht neu sind, sind sie fast Zu dem Inhalt des vorgej verge;oeili und daS ist der sehlagenen IV. Kapitels be , Qrund dass sie wiederholt merkte Kardinal Bea, er! I müsse auf die bestehenden! Bande zwischen der katholii sehen Kirche und dem erj wählten Volk der Bibel hin- I weisen, das der Kirche „ih- | re Gründer und ihre ersten! Apostel“ geschenkt habe, i Er zitierte Sankt Paul, dass „die Gnade des Heiligen, die auf Israel ruht, niemals entzogen worden ist“. Allerdings, so fuhr er fort, könne nicht geleugnet werden, dass aus dem Schoss der Kirche häufig „harte und Attentat auf Synagoge Stuttgart. — Kürzlich ist in der Synagoge öer Israelitischen Kultusgsmeinde Württemberg und Hohenzollern in Stuttgart das Kultfenster, ein aus Kunstglas gefertigter Davidstern, durch mehrere Steinwürfe zertrümmert worden. Für Hinweise zur Festsetzung der Täter haben die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Polizeipräsidium Stuttgart eine Belohnung von 2.000 Mark ausgesetzt. Von den Tätern fehlt noch jede Spur. werden müssen.“ Im weiteren erklärte der Kardinal, ein anderer der Hauptgründe für die Behandlung dieses Themas sei die nazistische Propaganda kürzlich vergangener Zeiten, die den Auftakt zu Verfolgungen bildete, „welche die AusRfjchung ven Millionen jüdischer Leben durch die Hand der Nazis auslösten", wobei nicht vergessen werden dürfe, dass die Nazipropaganda „auch viele Katholiken betroffen hat, weshalb es notwendig sei, diesen Einfluss zum Verschwinden zu bringen“. Er wisse „sehr gut“, sagte | der Kardinal, dass der Anj tisemitismus nicht in erster j Linie auf vergangenen oder! gegenwärtigen Ideologien be- : ruhe, „sondern andere Wur- | zein hat, mit denen sich die! Kirche jedoch nicht beschäfi tigt“. GEWISSENSFREIHEIT! Die Ansprache Kardinals Bea wurde mit so starken Beifallskundgebungen begrüsst, dass es dem Vorsitzenden der Versammlung unmöglich war, den Applaus zu dämmen. Als nächster Redner sprach Erzbischof Desmedt aus Bel-1 Jerusalem. — Das Kabinett beschloss in seiner letzten Sitzung aufgrund eines Berichts der Ministeriellen Sonderkommission, den Bau einer besonderen Strasse vom Mandelbaum-Tor zur Umgehung des orthodoxen Viertels Mea Schearim abzulehnen. weil das Projekt weder durchführbar noch geeignet sei, die störenden Schahbat - Zwischenfälle in gien über das fünfte Kapitel des ökumenischen ScheniEs, das ven der Gewissensfreiheit handelt. Er be-' jahte seine Notwendigkeit, vor allem im Namen der Wahrheit, wie auch zur Verteidigung der Religion gegen eine materialistische Welt, „die die geistigen Wert« geringschätzt“, und zur „friedlichen Koexistenz einer pluralistischen Gesellschaft aus ökumenischen Gründen“. Als er sagte, man verdächtige die katholische Kirche, dort die Freiheit des Glaubens und des Gewissens zu fordern, wo sich die Katholiken in der Minorität befinden, und diese Freiheit zu verweigern, wo sie in der Mayorität sind“, ertönte ein so starker und anhaltender Applaus, wie er bisher a.uf dieser Sitzung des Konzils noch nicht gehört wurde. Jerusalem für die Dauer zu unterbinden. Zu gleicher Zeit kündigte das Kabinett an, die Stadtverwaltung bei dem Bau neuer Strassen zu unterstützen, welche im Norden der Stadt angelegt werden sollen, damit ein Teil des Verkehrs zum und vom Mandelbaum - Tor entlaufet werden kann. Inzwischen wird die Polizeibemüht sein, durch provisorische Umleitungen am Schabbat die Verstopfung der Strasse zu verhindern, in der sich in . den letzten Wochen die Zusammenstösse abspielten. Das Kabinett nahm ferner eine Resolution an. die die „böswilligen Verleumdungen und beschämenden Angriffe verurteilt, welche in New York von den Neturei Karta entfesselt wurden, deren Mitglieder Hakenkreuze an das Gebäude des israelischen Konsulats schmierten und Gerüchte irt>er von der israelischen Regierung geübte religiöse Verfolgung verbreiteten.“ Die Regierung erklärte, sie sei gewillt, „gegenseitige Toleranz und Gewissensfreiheit zu wahren und jeglichen religiösen Zwang ebenso wie die antireligiöse Agitation von welcher Seite auch immer strengstens zu verbieten“. (ITA) Aassenpolitische Fragen Tel Aviv. — Schimon Peres, Israels Vize-Verteidigungsminister, erklärte, es handele sich nicht um die Frage, „ob" Nareer Israel angreifen werde, son dem vielmehr darum, „wann“ er dies tun wurde. Dies äusserte Peres in einer Rede, die Israels Sicherheit zum Gegenstand hatte, und in der er auch auf die Freundschaft mit Frankreich zu sprechen kam. Hierzu bemerkte er, diese Freundschaft dürfe nicht a’s gesichert betrachtet werden, sondern müsse durch stets erneuerte Bemühungen gefestigt werden. Frankreich, so führte er aus, habe Israel unterstützt lud leiste auch weiter Hilfe, aber es wäre irrig zu glauben, dass keine Voraussetzungen hierfür geschaffen werden müssten. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831