Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2030 (17.9.1963)
- Date
- 1963-09-17
- Page
- [Seite 9] (sequence 9)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/9616703-9613667-9614075--2962-9614084- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Martes, IT de Septiembre de 1963 LA SEMANA ISRAELITA Afie XXIV. — No. 2039 — 9 Der Skandal von Graz Wienerwald in Jerusalem Aire einer Wieaer Zeitung Teilnahme der Bundesrogieentnehmen wir die folgenrung wird für die Bewohner Am 31. August 1941 hatte ( ungefähr 10.000 seiner Opdie ,.Aktion“ gegen die ca. i fer ging es, aus formal-juri 90.000 Juden des Wilnaer Ghetto begonnen. Deutsche und litauische Polizeikommandos umzingelten die paar Strassen, in denen die se Menschen in qualvoller Enge zusammengepfercht waren; zwei Tage später wurden sie in das benachbarte Gehölz von Ponari zu riesigen Gruben geführt und samt und sonders erschosseen. soweit sich ein Teil von ihnen nicht als „arbeitsunabkömmlich“ im Besitz von Ausweisen befand, der sog. „Gelben Zettel“ — sie ereilte ihr tragisches Schicksal erst später. Kommandeur diesem grauenhaften Massenabschlaehtens war jemand, den man mit panischer Angst im Ghetto den stischen Gründen. Das Verfahren fand vor einem mit acht Geschworenen besetzten Schöffengericht statt. Belastungszeugen waren aus den Reihen der wenigen, die das Massenmorden überlebt hatten, auf Initiative übrigens auch der Zentralbetiör den in Wien aus vielen Ländern nach Graz gekommen, darunter 13 Israelis mit dem Urologen Dr. M. Feinberg, einem hochangesehenen Mann, an der Spitze. Was nie aussagten, wurde durch eidesstattliche Erklärungen anderer Tatzeugen noch ergänzt, so durch die Darstellung eines, jetzt im Ruhestand lebenden hohen Offiziers der deutschen Wehrmacht, der sieh damals „grossen Franz“ nannte, j vergebens bemüht hatte, ei- oder nur mit dem Anfangsbuchstaben seines Namens, „Herr M.“, Franz Murer, den eich die Juden ohne sei nen Revolver, seine Lederpeitsche nicht vorstellen konnten; einer von jenen j haben und Landsleuten und „Gesinnicht mehr nungs“-Genossen-Adolf Eich, manns, die in der Stufenleiter der österreichischen Naz'r, hoch aufgestiegen waren. Nachdem er nach Kriegsschluss in Sowjetrussland jahrelang als Kriegsverbrecher in Gefängnissen gesessen hatte, war er nach Oenige Rationen Kartoffeln für jüdische Zwangsarbeiter seinem Zuständigkeitsbereiches zu erhalten, um sie vor dem Verhungern zu bewahren. „Wenn sie nichts zu fressen infolgedessen arbeiten können“, hatte Murer dem Offizier kurz und bündig erklärt, „sind sie nutzlos und haben erschossen zu werden“. Und so war e*3 geschehen. Alle diese Erklärungen blieben auf die Geschworenen — und vermutlich auch auf die Berufsrichter — oh sterreich freigelaßsen wor- Í ne Eindruck. Glaubhaft er_ den. In Graz, der Provinz hauptstadt der Steiermark, stand er unlängst unter der Anklage vor Gericht, 17 die ser Juden eigenhändig erschossen zu haben. Wohlgebemerkt: nur um 17 von KZ-Wachturm wird Klosterpforta München. — Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagere Dachau wird ein Sühnekloster errichtet. Ein früherer Wachtürm wird zur Klosterpforte werden. Eine Kirche soll den Mittelpunkt des Klosters „Heilig Blut“ bilden, das von Karmeliterinnen übernommen wird. Bei der Gestaltung des Sühneklosters soll die Erinnerung an das Konzentrationslager wachgehalten werden. Der Gedanke, an der Stätte des ersten Konzentrationslagers in Deutschland ein Sühnekloster zu erbauen, stammt von Kardinal Michael Faulhaber. Weihbi- . nach zu Protestumzügen von schof Neuhäuser, der seihst Mitgliedern der chistlichen im KZ Dachau inhaftiert! Jugendverbände; sie hatten war, hat sich in einem ßittsich Davidsterne aus gel schreiben an die Oeffentlich- | hem Tuch oder Karton an keit gewandt, zur Finanziej ihre Jacketts und Hemden geheftet und versammelten sich danach in einer der Kirchen, um in einem Gottes schien ihnen dagegen, was ein aus Westdeutschland unter polizeilicher Eskorte nach Graz gebrachter Komplize Franz Murers zur Entlastung des Angeklagten aras-agte, der Gestapo Funktionär Martin Weiss, der in der Bundesrepublik als Mitschuldiger an dem gleichen Verbrechen zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden ist. Da er eine höhere Strafe als diese, die er absitzt, ohnedies nicht zu befürchten hat, nahm er nach dem Sprichwort, dass keine Krähe einer anderen die Augen aushackt, allre auf sich — sein Freund Murer habe nichts gewusst und nichts befohlen. Und ihm — :hm glaubten die acht Grazer Geschworenen aufs Wort und mit ihnen die Richter. Franz Murer wurde unter dem Beifall der Oesterreicher, die den Gerichtssaal füllten, freigesprochen. Auf der Strasse wurden ihm Angebinde von Blumen überreicht. In Graz kam ec darung beizutragen. (AWZ) Lebenslaenglich New York. — Ein 18jährige.s Mitglied einer rechtsradikalen Organisation, John C. Vinson, wurde von einem haus der Opfer Murerß zu gedenken. Es protestierten genau so erregt die Mitglieder deß Landesverbandes der ,; Wilnaer Juden. Der österrei- Gericht in Fairfax Co nty ] cj,iscj,en Botschaft in Israel ( Virc*mi a i TH lArvftncJa narli- (Virginia) zu lebenslänglicher Haft verurteilt, weil er im August vergangenen Jahres einen 17jährigen Juden erschossen hatte. (ITA) England und Aagypten London. — England ist zur Finanzierung dec ersten ägyptischen Atom- Krafiwerks bereit, falls die Aegypter einen engli sehen Reaktor wählen sollten, wie hier verlautete. „Daily Telegraph“ schreibt, dies wäre die er-ste britische Anleihe an Aegypten seit der Suezkrise vom Jahre 1956, deren Höhe in diesem Falle nach Absage des englischen Ingenieurs G. Kennedy annähernd 18 Millionen Pfund Sterling betragen würde. (ITA) überreichten sie eine Massenpetition, in der die Wiederaufnahme des Prozesses gegen Murer gefordert wird. EIN UNVERMEIDLICHER KOMMENTAR Kommentar überflüssig? Nein. Obwohl Israel mit dem dem Staat Oecterreich in geregelten Beziehungen steht, die sich im Laufe der Jahre zu beiderseitigem Vorteil durchaus erfreulich entwik- : keit haben, kann dieser Fall ' nicht mit „diplomatischem i Stillschweigen“ übergangen j werden. Mit dem israelischj österreichischen Freundl Schaftsverhältnis mag cc zu- . sammenhängen, dass sowohl j das israelische Aussenmini- I stenum wie Justizministerium leider davon Abstand I nahmen, sich in Graz durch halbamtliche Beobachter vertreten zu lassen, obwohl ihnen diese Möglichkeit an- ’ scheinend nahegelegt wor-! den war, und auch nichts unternahmen, um durch gej eignete juristische Anträge rechtzeitig darauf hinzuwir- , ken, dass das Verfahren! nicht auf die 17 von Franz Murer mit Revolverschüs-! sen ermordeten Juden beschränkt, sondern auf die; von ihm geleitete „Liquidie- | rung des Wilnaer Ghetto“ im gesamten Umfang erweitert . wurde. Allerdings scheint es hinterher gesehen fraglich, I ob der Prozess dann andere! ausgegangen wäre. i Wie in einem in der is j raelischen Zeitung „Jediot 1 Chadashot“ veröffentlichten Gespräch mit Herrn Nathan! Peled. dem bisherigen Israel-Botschafter in Wien, von; ihm zum Ausdruck gebrach- ‘ worden ist, hat man in österreichischen Regierunge- : kreisen Verständnis für die Probleme Israels. Von den , gleichen Sympathien ist! zweifellos die österreichische ' Botschaft in Israel erfüllt, j deren Herren das, waß sich vor Gericht;'n Graz abgespielt hat, sicher so peinlich j war, wie es Juden zu leidenschaftlichem Widerspruch : herausforderte. Gutmeinen- ' de Oesterreicher sollten aber mit allem Nachdruck dafür; eintreten, die Voraussetzun-; gen zur Wiederaufnahme; dieses „Proztßses“ vor anderen Richtern, und vor allem vor anderen Gescnworener. als jenen verschämten oder unverschämten nazifreundlichen Grazer Kleinbürgern zu schaffen. Sie soll" len zuständigenorts darauf hinweisen. Mit der Behauptung, ihr Land sei von Hitler seinerzeit „vergewaltigt“ worden, haben sich die Regierungsparteien in Wien, die „schwarzen“ wie die „roten“ Partner der Koali- . tion, nicht dagegen gewen-; det, dass sich ihre Staats fiihrung in der Frage der materiellen Wiedergutmachung an die Opfer der Na- . zis bisher beka;ntlich derart kleinlich, um nicht zu sagen schäbig benommen hat. Sie haben alle Ursache, sich , energisch dafür einzusetzen, i dare Naziverbrecher, deren ' Blutschuld keinem Zweifel; unterliegt, der gerechten ■ Strafe zugeführt werden. i Wenn dieser erste, in Oesterreich geführte Kriegs-; verbrecherporzess das Modell für etwaige weitere, ähnliche Verfahren bildet, statt dass das skandaiCise Fehlurteil im Berufungswege aufgehoben wird, dann wird man zu der Frage ge- I drängt, wie es um die ' Freundschafts-Beteuerungen j der Oesterreicher für Israel in Wirklichkeit bestellt ist. ' den Zeilen: Einige Urteile unserer österreichischen Gerichte haben nicht nur im Inland, sondern mehr noch im Ausland Erregung ausgelöst. Wenn wir nun im Namen der Stadt Wien 200 Bäume nach Israel senden, damit sie im Oesterreichwald in Jerusalem gepflanzt werden, soll das unsere Sympathie für dieses Land und unsere gefühismässige Beurteilung dieser Gerichtsentscheii de ausdrüeken. Mit dieser Feststellung begründete Landtagspräsicieut Bruno Marek (SP) in der Sitzung des Wiener Gemeinderates (Vorsitz; Bürgermeister Franz Jonas) den Antrag des Gemeinderates Fürstenhofer (SP>, die Wiener Stadtverwaltung solle 200 Bäume für Israel spenden. Für uns Wiener klingt es merkwürdig, sagte Marek, dass in einem Land Bäume gepflanzt werden müssen. 1 damit es in ßeinem Bestand gesichert wird. Wir haben den Wienerwald und können nicht verstehen, dare es Menschen gibt, die in Wii- | stengebieten leben. In Jeru- ' salem sind Bäume Kostbarkeiten ernsten Ranges.! Unter dem Ehienschutz des Erzbischofs Kardinal | König und hoher Würdenträger der anderen Reli- ' gonsgemeiraschaften und der des Staates, der aus dem Nichts entstanden ist, im ganzen Bundesgebiet eine Sammlung zum Ausbau des Oesterreichwaldes in Jerusalem öurchgMührt. Wir helfen damit den Merneben, die den Konzentrationslagern und den Gaskammern entkommen sind und die noch heute, von Feinden umgeben, einen heroischen Kampf gegen die Gewalten der Natur führen. Unter den Bewohnern dieses jungen und aufstrebenden Staates Israel sind viele unserer ehemaligen Landsleute Die Bäume sind e'n Symbol. denn sie wachsen, und sie sind auch ein Symbol des Friedens, weil in ihrem Schatten Menschen leben können. Aber auch der Spende der Stadt Wien kommt nur symbolische Bedeu'u.g zu. Immerhin hat dieses Beispiel bereits andere Institutionen veranlasst, ebenfalls Bäume für Israel zu spenden. Die sozialistische Fraktion des Wiener Gemeind erates hat in ihrer hr.1!gen Sitzung ebenfalls d:: Spende von 100 Bäum:n ff :■ Israel beschlossen. Und selben wurde mitgewilt, d ..J auch die Junge Generation und mehrere Gewerkschaften Bäume gespendet haben. Unsere Spende soil der Auftakt fiir die grosse Sammelaktion sein. -franklS CON "MUCHOS FACILIDADES" SE LLEVA TODO ESTO! I Sí!... Le ofrecemos este sensacional televisor con CIRCUITO AUTOMA¬ TICO OE SINCRONISMOS. Los molestos “desenganches” -verticales u horizontalesya no interrumpirán su espectáculo preferido justo en lo mejor, pues en el FRANKLIN no llegan a producirse. Además, entre sus notables innovaciones técnicas tiene AJUSTE AUTO¬ MATICO de tamaño de imagen. BRILLO OPTICAMENTE CONTRO¬ LADO, de contrastes medidos, que no cansan la vista. Comando de BOTONERA SEMIOCULTA, en el más suntuoso gabinete diseñado hasta boy. FUNCIONA CON AMBAS CORRIENTES. \ COMPRAR UN PRANKLIN ES MAS FACIL OE LO QUE UD. PIENSA! DISTRIBUYE Y GARANTIZA; ARTELCO S. A’. Avda. FIGUEROA ALCORTA 3700 BUENOS A.W"