Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2030 (17.9.1963)
- Date
- 1963-09-17
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Marica, IT Ae SupOembre de 1963 LA SEMANA ISRAELITA An« XXIV. — Na. 2939 — 5 Zwei Jahresanfaenge So wie die Mischna ,,Rosch Haschana” vcn vier Jahresanfängen spricht, so kann auch der moderne Jude, wenn er ehrlich sich selbst gegenüber bleiben will, von zwei Jahresanfängen sprechen: vom bürgerlichen am 1. Januar und vom jüdischreligiösen, am 1. Tischri. Dies gilt sowohl für den Juden in Israel wie noch viel mehr vom Juden in der Diaspora, Dieser doppelte Jahresbeginn, verbunden mit einer doppelten Zählung, ist bestimmt mehr als Zufall. Erst der postemanzipatorische Jude hat mit dieser Doppelzählung begonnen. Für unsere Vorfahren galt .nur das Jahr des Juden, das durch seine Feste und Zeiten von der Schöpfung zur Offenbarung führt und auf die Erlösung hin weist, um hier die Dreiteilung Franz Rosen zweigs anzuführen. Unr-er berufliches, geschäftliches, politisches Leben spielt sich allzumeist im Rahmen des bürgerlichen des profanen Jahres ab; unser religiöses Leben aber ist vom jüdischen Kalender umfasst. Der jüdische Kalender ,,Luach“ ist ja eigentlich das volkstümlichste jüdische Buch: nicht nur seine Feiertage geben den Rhythmus unseres jüdischen Lebens an, »sondern ebenso seine Schabbatot mit den Wochenabschnitten der Thora Vorlesung, die für den Juden, der mit der Traditio« lebt, den Jahreszeiten unlösbar eingetan sind. Aus einer Gegenüberstellung des Charakteristischen der beiden Jahresanfänge: Neujahr und Rosch Haoehana ergibt sich für uns die dialektische Spannung, in die der Jude hineingestellt ist. wenn er in den beiden Wirklichkeiten zu verharren und sich zu bewähren hat. Es wird aber aus solcher Gegenüberstellung auch der Wesensunterschied zwischen Israel und den Völkern sichtbar, ohne dass hiermit eine Wertung verbunden sein muss. Das bürgerliche Neujahrsfest mit dem ihm vorangehenden Silverster-Abend gehört zu den leichtsinnig heiteren Festivitäten des Jahres, Dieses Fest steht ganz im Zeichen des — Vergessens: „Glücklich ist, wer vergisst / Wae nicht mehr zu ändern ist.“ Sorgen und bedrückende Erinnerungen werden gern in Strömen von Alkohol ertränkt. Demgegenüber steht Rosch-Haschana im feierlichen tiefen Ernst dieses ersten der „Furchtbaren Tage“, die als Zeit des Gerichtes gesehen werden. Der Herr der Welt auf dem Throne ritzend und das Buch des Gedenksns vor ihm aufgerollt: das ist das archaische Bild, das aus de-? babylonischen Thronbesteigungsritualien in die Liturgie unsere,j Festes übernommen wurde: „Hamaelech hayoshey al kissej ram wenissa“ (Der Kiiiig, thronend, hoch und erhaben . ) lautet der Refrain der liturgisch n Dich tung unseres Festes, mit dem der Vorbater in himmelstürmender Melodie ein- 6etzt. Welch ein „Klima-Unterschied“. Rosch Haschana ganz Tag d:s Gedenkens: „Yotn Hasikaron“ — Neu jahr aber Tag des Versessenst Wir gedenken an Tage un seres Jahresbeginns der Taten und der Versäumnisse, der Untaten und der Sünden.’ die wir begangen haben] und wir ahnen, dass Gott seihst an diesem Tage gedenkt, — gedenkt, der Ta ten aller seiner Geschöpfe. Und wir rufen das göttliche Gedenken immer und immer wieder an im Hinblick auf die Bunde'cchlüss? des Gottes der Bibel mit seinem Eivon SCHALOM BEN CHORIN gentumsvolk: „Sechor beritb Avraham we’Akedeth Yizchak“ (Gedenke des Bundes mit Abraham und der Bindung Isaaks...). Und wir gedenken unserer Toten in dieser Stunde, da sich der Kreis des Jahres «chliesst und wieder öffnet. Man könnte hier elnwen den, dass diese Gegenüberstellung nicht ganz stichhaltig sei, da wir auf der nichtjüdischen Seite nur die bürgerliche Form des Festes ins Auge faesen, auf der jüdischen Seite aber die synagogal-religiöse. Doch die Kirche begeht das bürgerliche Neujahrsfest ja gar nicht, sondern den 1. Januar als den Tag der Beschneidung ihres Herrn und den 31. Dezember als Tag des Bekenner-Papste,3 Sylvester I., der 335 gestorben ist. Jahresende und -Anfang finden so nicht den liturgischen Ausdruck, der unserem Feste vergleichbar wäre, zumal das Jahr der Kirche, ja mit der Adventszeit beginnt. Von tiefer symbolischer Bedeutung ist weiterhin die Gegenüber*Stellung der Zählungsweisen: die Römer zählten von der Gründung ihrer Stadt an, die Christenheit von der Geburt ihres Erlösers, der Islam von der Flucht des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina. Israel aber zählt nicht vom Auszug aus Aegypten an, nicht von der Weihe des Tempels unter, Salomo, sondern von der Schöpfung der Welt an. Hat man dem Judentum oft den! Vorwurf gemacht, dass sei ' ne Religion national verengt I sei und keine wirkliche Botschaft an die Welt habe so ' ist doch offenbar diese Zählweise „nach Erschaffung der Welt“ ein schlagendes Gegenargument. Diese Zählung müsste eigentlich die ganze Welt übernehmen, denn sie ist absolut gedacht: ein Zählen vom Anfang her. Die Frage der wissenschaftlichen Zuverlässigkeit dieser Zählung bleibe hier unerörtert. Geologie, Paläontologie und Astronomie sprechen von Jahrmillionen. Dagegen sieht unsere Jahreszahl 5724 nach Erschaffung der Welt freilich sehr „bescheiden“ aus. Aber wir wissen sehr wohl, dass schon der Dichter des 90. Psalms vor Gott betet: „Denn tausend Jahre sind vor Dir wie der gestrige Tag . “ Die,?e Zählung ist also symbolisch zu verstehen, und es kommt nur darauf an zu erfassen dass hier gesagt sein will.! daf,3 kein historisches Erj cignis. Beginn der Zählung; sein kann, sondern nur die ( Schöpfung selbst. Steht für | das bürgerliche Jahr stets; der Gedanke des Fortschritts j im Mittelpunkt des Fortj schreiten,? vom Gewesenen! zum Kommenden, so ist der Leitgedanke des Rosch Haschana-Festes die „Theschuwa“, die Umkehr. Der Jude soll an diesem Tage umkehren von den Abwegen des Lebens, auf die uns der Tag mit seinen Irrungen und Wirrungen geführt hat Nicht der Fortschritt ist uns hier aufgetragen, sondern die Umkehr zu unserem Ursprung, von dem wir Herkommen und in den wir münden: Umkehr zu Gott von der der Prophet Hosea (14, 2) spricht: „Kehre um, Israel, bis zum Herrn, deinem Gott.“ Zu dieser grossen rr in kehr ruft der Ton des Schofar, dieses uralte« Widderhorns, das so viele Bedeutungen hat, die durch den Gaon Sa’adya systematisch zusammengestellt wurden: Königsjubel des im Gerichte thronenden Gottes, Weckruf der Seele, Urerinnerung an den Widder, der anstelle des Sohnes der Verhe:,3sung auf Moria geopfert wurde I Verwirrujg des anklägerij sehen Satans... Deutung | über Deutung. Aber das; _____ , RftSSCQ :Í5% •ÄWS •X;X- ÍÍ8S M CONSTRUYE VIVIENDAS EN ISRAEL; Bat Yam i;:-:-:;: ' Ramal Hastiaron Ramal Gan ¡ <T£t avivi p|:|: Ramal Hadar Lxí¥ 1 Sabtnia Zar Shalom (HAIFA) Neve Shanan Ir Gamm Motza (JERUSALEM) Ashketón Ashdod Kfar Slamanahu Beer Sheva Horn spricht seine Urweltsprache auch ohne Deutung und lässt uns erzittern. Wenn man am Rosch Hrrjchana durch die Strassen Jerusalems wandert dringt der Hornruf des Schofars aus zahllose« Synagogen und Betstuben auf die Gassen. Das 1,31 der Ton des Festes. Und wenn man in der Silvesternacht durch die Strassen einer europäischen oder amerikanischen Grosstadt geht, hört man das Hupen des Saxophons, das fast wie eine Travestie de,3 Schofars klingt. Auch hier iu der Dissonanz der Töne —• noch einmal der Unterschied dieser beiden Jahresanfänge. Wir feiern Rosch Haschana als den Auftakt unseres grössten Feistes, des Jom Kippur, des Tages der grossen Versöhnung mit Gott. Die Völker der Christenheit feiern ihr Neujahrsfest nach ihrem grössten Fest: Weihnachten, mit dem für eis der „Soter“ (griech.), der Retter, der Versöhner in die Welt getreten ist. Sie blik ken zurück auf eine Heilstat in der Vergangenheit: wir blicken vorwärts in unserer Hoffnung auf Versöhnung, die dem Gericht folgen darf. Rhythmus und Perspektive sind so grundverschieden: Lärmende Lustigkeit und tiefernste« Gedenken stehen einander gegenüber im Sinne der „Hawdala“, des Unterscheidungs - Segens am Ausgange jedes Schabbat: „Hamavdil bejn kodesch lechol . bejn Jisrael La’amim“ (Der unterscheidet zwischen Heiligem und Profanem .. zwischen Israel und den Völkern), ln diesem fundamentalen Gegensatz der zwei uns geläufigen Jahresanfänge dokumentiert sich diese „Hawdala“ prototypisch, Charakter und Konzeption des Judentums an einem zentralen Punkt seines heiligen Jahres erweisend. Adenauer and Israel Los Angeles. — Der deutsche Bundeskanzler Adenauer wird einen letzten Versuch unternehmen. bevor er sich zurückzieht. um die Aufnahme diplomat:ocher Be ziehir.gen zwischen Westdeutschland und Israel durchzusetzen, wie die „Los Angeles Times“ aus Bonn berichtet. Die Nachricht zitiert Quellen aus Adenauers Partei und dem Aussenministerium, denen zu entnehmen ist. dass eine solche Anerkennung „eine der grössten Hoffnungen Adenauers darstellt und die Wahrscheinlichkeit ihrer Erfüllung als gut beurteilt wird.“ (ITA) Weltkonferenz Genf. •— Die zweite Weltkonfercuz für jüdische Er Ziehung wird 1966 stattfinden. (ITA) Tagung in Genf Genf. — Die Delegierten zur : Weltkonferenz jüdischer Or- \ ganisationen beschlossen einstimmig, im Sinne des I vor einigen Monaten dfm I Vatikan unterbreiteten Memorandums um eine Verbesserung der katholisch jüj dischen Beziehungen bemüht! zu bleiben. Die nächste Koni ferenz wurde für März 1964! anberaumt. (ITA) I Einwanderer i i Tel Aviv. — Ein zweites i Kontingent von rund 600 Ein-; Wanderern aus Lateinamerij ka, in ihrer Mehrzahl aus l Argentinien, traf unlängst j in Israel ein. Eine dritte; Gruppe wird in Kürze er- | wartet. (ITA); Gemeindezentrum Paris. — In Mas«y-A*itony bei Paris wurde der Grundstein für ein neues Gemeinj dezentrum gelegt. Das neue 1 Gebäude wird auch eine Synagoge für 100 Familien ent- ‘ halten. Ans Brasilien Tel Aviv. — Aus Brasilien trafen 65 Juden zur ständigen Niederlassung in Israel ein. Hiermit erhöht sich die Zahl der in de« letzten acht Monaten aue diesem Lande eingewanderten Juden auf 300. (ITA) Zionisten in Chile Santiago de Chile. — In Anwesenheit von Gälten aus Argentinien und Uruguay wurde der 43. chilenische Zionistenkongress abgehalten. (ITA) taran nato m? BANK HAPOAUM B. M. 50, Rothschild Blvd. Tel Aviv INDUSTRIAL & COMMERCIAL BANK (Israel - Latin America) Ltd. INCOBA (Investment & Trust Co. Ltd.) 65, Allenhy St. Tel Aviv AMPAL £ American Israel Corporation 17 East 71st. Street New York OFICINA DE REPRESENTACION CORRIENTES 1145 — Piso 6o. — Of. 66 T. E. 35 - 8336 - 8586 BUENOS AIRES E £52 Saluda cordialmente a la colectividad judía de la Argentina con) motivo del nuevo año 5724 y expresa su deseo de contar a Usted; como huésped de uno de sus modernos “jets", en los que será’ siempre bienvenido y agasajado. * Oj O t * LINEAS AEREAS DE ISRAEL Oficina pora Sud América. DIAGONAl JULIO A. ROCA S5Q <i j>y