Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1963-06-14 · 2016 (14.6.1963) · p. [Seite 1]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2016 (14.6.1963)
Date
1963-06-14
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9616703-9613667-9613925--2804-9613926
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

JÜDISCHE UIOCIIEOSCUMI pUEYRREIiON 2190 — 1? i*a- JûxJewuiM&JsA&elUci ANO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 14 DE JUNIO DE 1963 I E. 83-2613 No. 2016 WIE ICH ES SEHE Wissenschaft zum Verderben m JEHUDA COTTHEUÍER Die Menschheit hat ihre geistigen und wissenschaftlichen Erkenntnisse sehr oft z-u ihrem eigenen Schaden angewandt. Was dem Frieden dienen sollte, wurde dem Krieg nutzbar gemacht. Dass Wissenschaftler nicht nur für Kriegszwecke gear beitet haben, sondern nicht davor zurückschreckten, ihr Können und ihre Erkenntnisse dem Verbrechen zur Verfügung zu stellen, ist daß vielleicht schwärzeste Kapitel der nationalsozialistischen Aera. Die Aerzte. die sich für die Liquidierung menschlichen Lebens ersetzten und dabei mitwirkten, die Chemiker, die ihre Gifte mischten, die Inge- | nieure, die Maschinen und , Gasöfen bauten, und die lan | ge Reihe derer, die Hilfßj dienste geleistet haben, sie | alle haben den Namen der Wissenschaft geschändet. Wer geglaubt hätte, dass diese Epoche endgültig der Vergangenheit angehört, wurde durch verschiedene Ereignisse der letzten Monate und Wochen 6chwer enttäuscht. Die deutschen Ex perten, die sich durch ihre unrühmliche Vergangenheit oder aus anderen Gründen im neuen deutschen Staat nicht sicher oder wohl fühlten, haben inzwischen ein neues Betätigungsfeld in Aegypten gefunden. Bekanntlich haben die Israelis vor einigen Jahren durch fal , sehe Grosszügigkeit einen; jungen ägyptischen Offizier laufen lassen, der Abdal Gamal Nasser hiess und sich in israelischer Gefangenschaft befand. Nasser vergass im Laufe eeiner Karriere, die nig Verständnis hat. Die Aegypter sind keine „geborenen“ Soldaten. Hunderte, wenn nicht Tausende haben im Sinai-Feldzug ihre Waffen fortgeworfen, um das Weite zu suchen. Wie weit deutsche Landser in Aegypten dienen, ist nicht ganz klar. Jedenfalls gab es mit den deutschen Offizieren, die man in allen arabischen Ländern antreffen kann, — übrigens sehr häufig als Waffenhändler oder im Handel mit anderen Kriegsartikeln — in Aegypten noch grössere Schwierigkeiten, als Nasser sich an Moskau den israelischen offiziellen Stellen gegeben worden sind. Nicht um mit einer deutschen Professorentochter in Kontakt zu treten, die man auch in Deutschland hätte besuchen körnen, befanden sieh die beiden vermeintlichen Spione in der Schweiz. Vielmehr sitzen in diesem Lande diejenigen Leute, die aller Voraussicht nach noch vielmehr zu dem ganzen Komplex der in Aegypten arbeüenedn deutschen Wis senschaftler und Techniker sagen könnten. Die schweizerische Presse ist hellhöriger geworden, Hilfe für unterentwickelte Laender ihn auf schwkidelnde Höhe trug, dass er seine Existenz oder Weiterexistenz den Israelis zu verdanken habe und wurde ihr grösster Feind. Sein ihm imponierendes Vorbild hatte doch gelehrt, dass Machtgier gepaart mit Judenhass zwei ineinandergreifende Impulse sind, die einen Diktator, eine Gruppe, eine Partei, ei ne Bewegung vorwärtszutreiben imstande sind. Die ehemaligen deutschen Nazis fühlten sieb seit langem von Nassers Paradies angezogen. Zwar sollten sie auch in mancher Hinsicht getäuscht werden, zumal die Aegypter die Früchte dieser Arbeit und Propaganda nur für sich verlangen, nicht aber gewillt sind, hieran ihre deutschen Lehrmeister Anteil nehmen zu lassen. Jedenfalls sind viele nazistisehe Ideologen gen Kairo gezogen. Unter ihnen waren Kriegsverbrecher aller Schattierungen und andere alte wie neue Nazks, die den Boden unter ihren Füssen brennen fühlten und das dringende Bedürfnis empfanden .sich „in die Freiheit Mizraiims“ abzusetzen, wo bei ihnen sogar manchmal von eifrigen Polizei- und sonstigen aktiven Beamten geholfen wurde. Es war auch seit langem bekannt, dass viele eherna lige Nazi-Offiziere zu Zwekken der Arme-' Ausbildung nach Aegypten gerufen wor den sind. Sehr viele Erfolge haben diese Leute nicht erzielt, da das ägyptische Volk für die deutschen Landsknechtsmethoden we- Dcr Aegypter: Wir unterentwickelt? Wir haben schon Raketenwaffen! (Aus „Die Weltwoche“, Zürich) Syrischer Angriff Tel Aviv. — Zum zwei ten Mal in einer Woche nahm die' syrische Artillerie israelische Ziele auf dem Ostufer des Tiberias Sees unter Schuss. Ein israelisches Patrouillen Boot wurde mit Ma schinengewehr- und Mörserfeuer belegt. Opfer waren nicht zu beklagen. Die israelischen Behörden betrachten die Verschlechtering~der Lage an dieser Grenze mit höchster Besorgnis und haben in diesem Sinne die UN-Kommission für die Kontrolle der Waffenstillstände von den Zwischenfällen in Kenntnis gesetzt. (ITA) nachdem die ursprünglichen Bemühungen, die einmal wachgewordene Oeffentlichkeit abzulenken, gescheitert sind. Die Presse berichtete ausführlich, wobei eine Meldung der bekannten Zeitschrift „Weltwoche“ besonders bemerkenswert ist. Dort wird die von uns gegebene Sachdarstellung zu nächst bestätigt. Durch die Verhaftung der angeblichen Spione hat ,man‘ erst von Dingen erfahren, die „sich im allgemeinen im Schatten und in aller Stille abspielen.“ — Dass sich solche Affären im Schatten der Schweizer Berge abspielen, ist bedauerlich. Aber nicht nur ausländische Kräfte und Mächte verstehen es nur zu gut, sich die .neutrale1 .Schweiz zur Operationßbasis politischer Leidenschaften und dunkler Geschäfte zu machen, durchaus nicht, es sind auch schweizerische Bürger und Firmen, die sich diese äusseren Umstände und Gegebenheiten zunutze machen und auf dem Gebiet Ausgerechnet Palaestina Dr. W.: _ In einer juristischen Zeitschrift ist eine Glosse erschienen, die sich mit einem interessanten Pall — eigentlich unterscheidet sich dieser Fal! kaum von vielen anderen — beschäftigt. Er soll hier kurz wied-ergeneben werden. Im Sommer 1939 bot sich den in Deutschfand lebenden Eltern des jüdischen Mädchens Susanne die Möglichkeit, ihr Ki d nach Dänemark retten zu können Sie kam zu dänischen Bauern Ihre Schwester war bereits im damaligen Mandatsgebiet Palästina. Die Eltern waren allein zurückgeblieben; sie sind wie alle ihre Verwandten und wie unzählige andere Juden in den Veriolgungsmassnahmen ums Leben gekommen. Dir, damals vierzehnjährige Mädchen schwebte m Dänemark in der Gefahr, dass sie auch dert in .den Strudel der nazistischen Zwangsmassnahmen gerät. Denn Dänemark war besetzt worden. Zwar kämpfte das dänische Volk wie kein anderes um die Rechte seiner jüdischen Mitbürger aber er, war klar, dass der. Widerstand eines Tages nicht mehr ausreichen würde, um die Juden des kleinen Landes zu schützen. Der dänische König hatte den Judenstern angelegt, als man die däni. sehen Juden hierzu zwingen wollte. Daraufhin hatten die Besatzungsbehörden in diesem Punkt nachgegeben. Dann hatte man aber erfahren, dass alle Juden deportiert werden sollten. In einer einzigen Nacht rettete das dänische Volk seine jüdischen Mitbürger nach Schweden, auch das junge Mädchen Susanne. So überlebte sie den Krieg in Schweden, wo sie inzwischen einen Beruf erlernt hatte. Nach dem Krieg waren die Schweden der Meinung, dass sie den Juden hinreichend Gastfreundschaft gewährt hatten. Die meisten verliessen wieder Schweden voller Dankbarkeit. Susanne wollte zu ihrer Schwester gehen, dem einzigen Menschen, der ihr von der Familie geblieben war. Das war damals schwierig, weil die Engländer Jagd auf jüdische Einwanderer machten. In den Lagern, in die Susanne auf dem Weg in das Heilige Land gebracht u'urüe, zog sie sich einen Gesundheitsschaden zu, der bereits von drei Instanzen als nicht verfolgungsbedingt abgelehnt wurde. Das Gericht meinte, wenn sie frei von Verfolgungszwang „ausgerechnet nach Israel“ wollte, »so sei das, was ihr auf dem Wege zugestossen sei, nicht mehr ver folgungsbedingt. „Ausgerechnet Israel“... Im Zuge der Verfolgungsmassnahmcn war sie nach Schweden gekommen, wo sie nicht mehr bleiben konnte; sie ging nach Israel. Die Regie hatte vom ersten bis zum letzten Augenblick, von der Auswanderung aus Deutschland über Dänemark und Schweden und schliesslich nach Israel, das Dritte Reich. So schreibt die Zeitschrift. Wir haben dem nichts hinzuzufügen. Hoffentlich besteht die Möglichkeit, dieses Fehlurteil zu korrigieren. der internationalrn Politik eine Rolle zu spielen wünschen. Die israelische Presse hatte als erste darauf verwiesen, dass man sich mit der Tätigkeit der schweizeri sehen Firma Patvag näher beschäftigen möge. Diese Firma wurde beschuldigt, als Agent für Aegypten tätig zu sein und auch Sachverständige. insbesondere auf dem Gebiet der Atomwissenschaft und Elektro nik, angeworben zu haben. Die Firma Patvag bestätigte der United Press, Napalm an Aegypten geliefert zu haben. Es wurden auch Ziffern gegeben. Die „Pat vag“ habe insgesamt rund 25 Tonnen Napalm — cs handelt sich genauer um Opalm — an Aegypten geliefert. Hersteller sei die Firma Dimex in Karlsruhe- Weingarten. Wie einer der Patvag-Leu* te ausführte, war er im letzten November «elbst in Kairo, um mit der ägypti sehen Luftwaffe über weitere Lieferungen von Opalm zu verhandeln. Bei dieser Gelegenheit seien ihm auch Professor Goercke und Dr. Piltz vorgestellt worden — (Schluss auf Seite 2) anschmiegte in der Erwar tung, unbegrenzte Waffenlieferungen aus Russland zu erhalten. Die Russen aber wollten nicht nur Waffen geben, sie wollten auch die Mannschaften mit ihren Of. fizieren schicken, die erfor derlich sind, um die ägyptische Armee im Gebrauch dieeer Waffen zu unterrichten. Nasser gab auch diesem Verlangen der Kommunisten nach. Gerade das war den deutschen Offizieren bei Nasser durchaus nicht angenehm. Sie hielten es im In teresse ihrer eigenen Sicherheit für zweckmässiger, den russischen Offizieren aus dem Wege zu gehen. Damit wurde der nazistische Einfluss eine Zeitlang geringer. Ueber den heutigen Sta tus fehlen genauere Angaben. Um so grösseres Aufsehen hat die Affäre der deutschen Wissenschaftler und Techniker erregt, die jetzt in Aegypten arbeiten. Die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit wunde vor einigen Monaten auf diesen Fragen | komplex gelenkt, als zwei angebliche Spione in der! Schweiz verhaftet worden j sind, die im Dienste Israels stehen sollten. Trotz des I grossen Aufwandes, den die! schweizerischen und deutßchen Behörden machten, ' um den wahren Kern der i Geschichte Zu verdecken,; hat man verstanden, dass die vermeintlichen Spione! gar keine Spione sind, und I dass der Hintergrund der! Affäre genau den Darstel i lungeu entspricht, die von Israels Antwort an Moskau Jerusalem. — In diesen Tagen wurde der Text der israelischen Antwort auf den sowjetischen Vorschlag vom 20. Mai zur Schaffung einer atomfreien Zone im Mittelmeer bekannt gegeben. Es wird betont, dass Israel keinem militärischen Pakt angehört, keine Kernwaffen besitzt und keinen Raum zur Errichtung militärischer Stützpunkte auf seinem Territorium zur Verfügung gestellt habe. In der Note werden die Worte Ben Guricns zitiert, der nach Erhalt des sowjetischen Vorschlages in der Knesset erklärt hatte: „Sollte die Möglichkeit einer gemeinsamen Aktion zwischen den USA und Sowjetrussland bestehen, dass nicht nur ein Rüstungswettlauf verhütet sendern auch eine allgemeine Abrüstung' zwischen Israel und den Arabern erreicht und zu gleicher Zeit eine Garantie der Souveränität und territorialen Unverletzlichkeit für den gesamten Mittelosten gewährt wird, so wäre dies eine der grössten Taten für deu Weltfrieden.“ In Israels Antwort wird darauf hingewiesen, dass die israelische Regierung sich bei zahlreichen Gele genheiten in jedem internationalen Forum der Entwicklung von atomaren Waf. len widersetzt und seine Bt> reitwilligkeit erklärt habe, alle Massnahmen zu diesem! Zweck und natürlich auch im Mittelmeerraum zu unterstützen. Es wird daran erinnert, dass der sowjetische Delegierte vor den UN betont hatte, dass der Frieden unteilbar sei, und diese Worte nicht nur damals Gültigkeit hatten sendern noch viel mehr auf die heutige Lage Anwendung finden. Israel habe seit je auf die durch die arabische Politik verursachten Gefahren für den Frieden aufmerksam gemacht, und in ihrer Rede vor den UN habe Israels Aussenminister Golda Meir an die arabischen Staaten ap pelliert, einer allgemeinen arabisch-israelischen Abrüstung mit gegenseitiger Kontrolle zuzustimmen. „Die Unterstützung dieses Vorschlags durch die Grossmächte würde die Gefahr in unserer Zone herabgemindert haben“, heisst es in die ser Note, in der eingangs folgende Feststellung gemacht wird: „Es ist schwer, eich gewisser Bemerkungen zu enthalten, die eine An. zahl von Irrtümern, Unterlassungen und falschen Aus legungen mit Bezug auf den Staat Israel betreffen.“ Die sowjetische Note spreche von den grossen Prüfungen, welche die mittelländischen Völker seit fernsten Zei ten immer wieder erleiden mussten, so z. B. im alten Aegypten und in Karthago, ohne jedoch Israel zu erwähnen, „das einzige Volk, dessen geographische Lage und historischer, kultureller und politischer Einfluss in vielleicht nicht geringerem Masse auf die erwähnten Völker in dieser Zone gewirkt hat“. Gleichzeitig habe die sowjetische Note bei dem Hinweis auf die Gefühle der Millionen Bewohner dieses Raumes und die Tatsache, dass Atomwaffen ausserhalb des Vatikans auch in Jerusalem, Mekka und Medina verboten werden sollen, nur von Christen und Mohammedanern als den einzigen gesprochen, die um die Ruhe dieser Städte be sorgt seien. Aber die Note „erwähnt die Juden nicht, obwohl Jerusalem die historische Hauptstadt des Volkes von Israel und die Stadt der Propheten ist, die als erste den Weltfrieden gepre digt haben“ Ferner wird festgestellt, dass im Gegensatz zu den Behauptungen in der russischen Note Israel;in Jahre 1956 gezwungen war, seine Grenzen gegen Aggression, Verbrechen und Plünderungen zu verteidigen, deren Anstifter Aegypten war, aber „in keinem Augenblick Kairo oder Port Said bombariert habe“. Zusammenfassend heisst es: „Israel wünscht feier lieh zu unterstreichen dass jede Erklärung, die die Gefahr der Rüstung für einen Atomkrieg anerkennt, and jede Initiative zu seiner Verhütung eine höchst positive Antwort finden wird.“ Mit Bedauern lenkt Israels Antwort die Aufmerksamkeit der sowjetischen Regierung auf den Umstand, dars obwohl im Mittelostraum seit dem Jahre 1948 keine Ruhe geherrscht hat, die Gefahr für den Frieden durch eine arabische Politik genährt wurde, welche es ablehnte Israel anzuerkennen oder sich mit der Existenz Israels zu versöhnen. Viel, mehr verfolgen die Araberstaaten auch heute noch eine kriegerische Politik und bekunden öffentlich ihre Absicht, Israel zu zerstören und von der Landkarte auszuradieren. Unter diesen Gegebenheiten, so fährt die Note fort, schafft die in grossem Masstabe betriebene Lieferung von Waffen an die arabischen Regieringen und im besonderen seit 1955 an Aegypten, welche in völliger Ausserachtlassung der kriegerischen Politik dieser Staaten vorgenommen wird eine direkte Bedrohung Is. raels und untergräbt den internationalen Frieden. Die Folgen, die ein Krieg in unseren Tagen nach sich zie. hen könnte, sind nicht vorauszusehen. und selbst wenn es ein konventioneller Krieg sein sollte, der in unserer Region ausbrechen würde, so wüsste man nicht, wie man verhindern könnte, dass er für alle Völker zu einer Katastrophe werden sollte.“ (ITA)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.