Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2013 (24.5.1963)
- Date
- 1963-05-24
- Page
- [Seite 12] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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I 1 © QQ g s _ t ç ” - FRANQC/ttO PAGADO Concesión 908 Ö c W b < U TARIFA REDUCIDA Conces;ón 1629 AÑO XXIV ISRAELITA BUENOS AIRES, VIERNES 24 DE MAYÓ DE 1963 N». 2013 EL EJEMPLAR en toda la República PUEYRREDON 2190 19 tzq. T. E. 83 2613 Buenos Aires O Die Besiedlung des Negew Es mag anmassend scheinen, im Lande der Propheten zu prophezeien, uud es ist überdies ein Wagnis angesichts der Rückschläge, die wir in den letzten fünf zig oder sechzig Jahren unserer Geschichte erlitten haben. Doch wenn auch sorg, fällig vorbereitete Pläne wie Schnee an der Sonne dahinschmolzen, so sind doch messianisehe Träume und unmögliche Phantasien Wirklichkeit geworden. Wir wollen daher mit gewissen Reserven versuchen, einen Blick auf die nächsten sechs oder sieben Jahre zu werfen und einige der Veränderungen voraußzusagen, die bis zu Beginn des dritten Jahrzehnts der nationalen Wiedergeburt, Israels eir.treten dürften. Unsere Bevölkerung wird j bis zu diesem Zeitpunkt auf 3 Millionen Seelen gestiegen sein, und die Hauptaufgabe dieser dritten Million wrird die Besiedlung des trockenen Landessüders, des Negew, bilden. Heute ist der Negew gleichbedeutend mit Wüste, doch bis dahin werden die Wasser, welche heute im Norden verloren ge hen, durch die ungeheure Arbeit der Ingenieure abgeleitet sein, um den dürren Boden fruchtbar zu machen und alle Bedürfnisse einer zahlreichen Bewohnerschaft zu befriedigen. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass die Atomenergie industriellen Zwecken nutzbar gemacht wird. Elat, am südlichsten Punkt des wiedergeborenen Negew und an den Ufern des Roten Meeres, wird dann 25.000 Einwohner zählen und ein Tiefwasserhafen sein. Die Schiffe vieler Nationen werden ihn anlaufen und bela- . den mit unseren Produkten! aus Bergbau, Landwirtschaft und Industrie wieder verlassen. Sie werden Isra. el mit Afrika und dem Fer nen Osten verbinden. Elat wird die südlichste Station des Suezkanals zu Lande zwischen dem Mittclmeer und dem Indischen Ozean darstellen. Während der Winter in anderen Länden sein* Szepter schwingt, werden die modernen Hotels von Elat mit Touristen überfüllt sein, die von seinem idealen Klima, seinen Annehmlichkeiten und den legendären Schönheiten d€ß Roten Meeres an gelockt werden. Es wäre sogar möglich, dass Israels Fluggesellschaft El AI eine direkte Verbindung zwischen New York und einem modernen Flughafen an diesen historischen Ufern einrichten könnte. Eine in der Nähe Elats befindliche Anlage zur Entsal zung des Meerwassers, die eine von einem israelischen Ingenieur erfundene Methode zur Erzeugung von Süss¬ Studenten gegen Oberlaender Bonn. — Der Verband Liberaler Studenten richtete ein Schreiben an Theodor Oberländer, in dem dieser aufgefordert wird, auf den ihm kürz lieh im Bundestag zugefallenen Sitz zu verzieh ten. (ITA) von LEVI ESHK0L, Finanzminister von Israel wasser anwendet, wird die Stadt mit Trinkwasser ver sorgen und ihre Industrien beliefern. Die Produktion der Kupferminen von Timna wird verdoppelt werden. Das Hinterland Elats wird aus Dutzenden blühender Dörfer bestehen, in denen die Blüte der ¡israelischen Pionierjugend leben wird. Diese jungen Menschen werden das Bollwerk der schöpferischen, geistigen und bahnbrechenden Energie unseres Volkes sein, die das Band mit de.i Höhlen von Qumram und den Toten Meer Rollen durch die Felsen und Dünen des Negew knüpfen wird. Sie werden ferner die Tradition der Freiheitskämpfer des Bar Kochba wiedereratehen lassen. der vor zweitausend tausend Pioniere leben, wird eine Stadt mit 10.000 Einwohnern sein. Dimona, das vor sechs oder sieben Jahren nichts als ein Sandstreifen war, wird 25.000 Menschen beherbergen. Die Bevölkerung von Beer Schewa, der Hauptstadt des Negew, wird 100.000 Seelen zählen und eine Universität und andere kulturelle Institutionen besitzen. Im vergangenen Jahr haben wir mit der Kolonisation von Arad begonnen, einem breiten Hochplateau in 600 Meter Höhe über dem Toten Meer. Dort herrscht ein wundervolles und trokkenes Klima ähnlich wie in Jerusalem, und viele Pionierfamilien haben ihre bequemen Wohnungen in Tel Aviv und Haifa verlassen, sein wird. Sein Mittelpunkt wird die Stadt Besor sein, die eines Tages den Wettbewerb mit Beer Schewa und sogar mit Tel Aviv aufnehmen können wird. Dann wird auch die Wasserleitung beendet sein, die dieses kostbare Nass vom Tiberias- See durch riesige Zementröhreu, die heute gelegt werden, transportieren und die Gegend in einen Garten 'verwandeln wird. Weiter nördlich wird der Tiefeeehafen Ashdod liegen, aus dem tausende Tonnen von Pottasche. Brom und Phosphaten, die Reichtümer des Negew, und Millionen Kisten von Besor-Orangen nach den internationalen Märkten verfallen werden. All dies können wir erreichen, wenn wir nicht erlahmen, weiter Kapitalien investieren und das Werk mit Entschlossenheit und Auf- 4 mm Fritz; Die Zeitungen schreiben, dass Deutsche bei der Fahr kalion von Waffen für Nasser mitarleiten. Franz: Was Du nicht sagst! (gezeichnet von dem israelischen Künstler DOSH) Jahren dem Römischen Imperium Trotz bot und dessen Archive vor kurzem in den Höhlen von Nachal Chever in der gleichen Region ge funden wurden. Die Kinder aus diesen Dörfern weraen einen in den Schluchter. des Negew unbekannten Ton vernehmen, das Pfenen der Züge, die die Produktion des Toten Meeres und andere Waren längs der israeliscnen Verkehrsßtrassen befördern werden. Und wenn erst einmal die Reihe von Riesenstaudämmen beendet sein wird, die die Anlage seichter Becken ermöglichen soll, so wird sich das Tote Meer in ein unerscnöpfliches Reservoir belebender Substan zen wie Pottasche und Brom verwandeln, welche die erschöpften Böden befruchten werden, um den hungernden Massen auf der Erde Nahrung zu liefern. Längs der breiten und gutgebauten Verkehrsstrassen. die den Negew mit Tel Aviv und Jerusalem ver binden werden werden sich Ortschaften und Dörfer in einem Gebiet erheben, das heute Oede ist. Mizpe Ramon, wo heute nicht einmal um sich dort niederzulassen. Vor 4.000 Jahren besiegte der kanaanitische König von Arad Moses und die Israeliten, als sie aus Aegypten auszogen, und er zwang sie, wieder umzukehren. Diese Gegend ist y°m strategischen Standpunkt aus neute ebenso wichtig wie damals und hat nichts von seiner wirtschaftlichen Bedeutung verloren. Die neue Stadt liegt in der Nähe von Naturgas-Vorkom men, und sie wird die erste israelische Stadt sein, deren Strassen mit Gaslaternen beleuchtet nein werden. Die Hausfrauen werden Gas haben, das direkt durch Röhren in die Küchen geführt wird. Ein grossartiges Werk der Ingen,eurskunst, eine Land strasse durch scheinbar unwegsames Gebirge, dort wo der Patriarch Abraham mit den Heeren des meeopotamischen Königs kämpfte und sich das Weib Lots in eine Salzsäule verwandelte, wird nrad mit dem Toten Meer verbinden. Oestlich von Beer Schewa liegt das Gebiet von Besor, dessen fruchtbarer Boden mit Orangetihainen bedeckt Opferung vereint fortsetzen. Wir wiseen zwar nicht, ob es uns gelingen wird, unser erstrebenswertes Ziel, mit den Arabern "in Frieden zu leben, zu verwirklichen. Wir wünschen nur, dass es uns gestattet sein möge, unsere konstruktive Arbeit fortzusetzen, und wir wissen, dass der Frieden dan Weg für die Wiedergeburt des ganzen Mittelostens ebnen würde. Doch niemand von uns kann Voraussagen,' wann der so ersehnte Frieden geschlossen werden wird; msere Nachbarn müssen entscheiden, wann sie die vergange nen Zwistigkeiten vergessen und gemeinsam mit uns eine neue Zukunft bauen wollen. Attentat gegen Zeugen München. — Peter Haas, ein 55jähriger Polizeiiispektor, der als Zeuge vor der Zentralstelle für die Aufklärung von Naziverbrechen in Ludwigsburg erscheinen sollte, wurde von Kugeln durchbohrt auf dem Nordfriedhof der Stadt tot aufgefunden. (ITA)! Totenlisten aus Auschwitz von BEN FRANKENSTEIN Grosse^ Aufsehen haben Veröftentlichuugen in verschiedenen europäischen Zeitungen über Funde auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz erregt. Nach langem Zaudern haben die polnischen Behörden vor einigen wenigen Jahren die Anweisung erteilt, nach angeblich versteckten Totenlisten zu suchen. Ein Pole namens Henryk Porebski, der im KZ Auschwitz als Elektriker gearbeitet hatte, und heute im Museum von Auschwitz als überlebender KZ-Insasse angestellt ist, hatte schon kurz nach seiner Befreiung darüber berichtet, dass unter der Asche der Toten wichtige Dokumente versteckt worden seien. Die endlich doch l>eauftragten Suehmannßehaften haben wichtiges Material zutage befördert. Die Suchmannschaften, die nach wissenschaftlichen Methoden wie Archäologen Vorgehen, die Ausgrabungen unternehmen, haben einen Glasbehälter entdeckt, in welchem eine genaue Statistik über die Zahl der im Monat 1944 ermordeten Juden enthalten war. Wenn auch die polnischen Behörden die Zahl noch nicht bekannt gegeben haben, so ’ schätzt man, dass täglich 8.000 bis 10.000 Menschen im Oktober 1944 in die Gaskammern geschickt und ermordet worden sind. Diese Statistik ist von einem oder mehreren Mitgliedern eines jüdischen Sonderkommandos angefertigt worden, das von der SS gezwungen worden ist, irgendwelche Handlangerdienste bei den Massenmorden zu leisten. Ein Mitglied die. se.s Sonderkommandos hat also „Buch“ darüber geführt. wieviele Juden man ms Gas trieb die Papiere und Aufzeiehnuyngen in einen Glasbehälter getan und vergraben. Dieses Sonderkommando hat einen Aufstand gegen die Wachmannschaften in Auschwitz organisiert, was bisher auch wenig bekannt war. Es ist eben durchaus nicht so, dass sich die Juden überall wehrlos in die Gaskammern treiben Hessen. Den aufständischen Juden gelang es, einige SS- Leute zu töten und eines der Krematorien von Auschwitz in die Luft zu spren gen! — Die Aufständischen wurden dann überwältigt, gefoltert und erschossen. Auch dashat der Pole Henryk Porebski bestätigt. Der Kadaver-Gehorsam von JAKOB KATZ-ROGASEN In einem der Kriegsverbrecher-Prozesse, die in den letzten Monaten in Deutschland abgewickelt wurden, spielte die Frage der Gehorsamspflicht der Angeklagten eine grosse Rolle. Denn unter Hinweis auf die Tatsache, dass sie gehorchen mussten, wollten sie sich von jeglicher Verantwortung befreien. Es handelt sieh um den Chmelno-Prozess, der gegen eine grössere Reihe von Angeklagten geführt worden ist, die alle an der Vergasung von tausenden Juden in einem fahrbaren Gasofen, dem „Gacwagen“, beteiligt gewesen sind. Der Gerichtsvorsitzende hob einen Satz aus der Verteidigung der Angeklagten hervor, den er für besonders wesentlich, ja geradezu für charakteristisch für die Haltung der Angeklagten bezeichnete: „Wenn sie damals gewusst hätten, dass sie später für ihre Untaten abgeurteilt werden würden, dann hätten sie sich anders verhalten“. — Mit sichtbarem Entsetzen hatte der Gerichtspräsident ausgerufen, dass hiermit nicht mehr und nicht weniger genagt sei, als dass nur die Angst vor der Strafe diese Verbrecher vor ihren Taten abgeschreckt haben würde. Es w’äre nicht etwa die Erkenntnis über die Schwere der von diesen Angeklagten begangenen Verbrechen gewesen, dass eine Art Reue oder ein Schuldbewusstsein hervorgerufen haben würde. Nur Angst vor der Strafe hätte diese Menschen zurückhalten können... 152.000 Juden, vielleicht auch einige mehr..., im Gaßwagen getötet zu haben, das wurde diesen Angeklagten vorgeworfen. Dass die Angeklagten bei dem Umfang ihrer Verbrechen nicht das Gesetzwidrige ihrer Handlung erkannt haben würden, hat keiner behauptet. Nur wollten sie die Verantwortung von sich abwälzen, indem sie sich auf die ihnen erteilten Befehle berufen haben. In diesem Zusammenhang seien die Worte des Gerichtsvor. sitzenden. Landgeriehtßdirektor Schröder, wiederholt, di« festgehalten zu werden verdienen. Er meinte, dass eine Sühne der Verbrechen erforderlich sei, dass sich aber das Sühnebedürfnis im Zeitauflauf mindere Es gäbe, s<v sagte Schröder, immer noch Unverbesserliche und für sie sei es gut, wenn ßie sähen, was dabei herauskomme. Schliesslich solle das Gesamtgewissen w'achgehalten werden. Irdische Gerechtigkeit körne allerdings ohnehin diesen Untaten nicht gerecht werden; die Strafen trügen deswegen eher einen symbolischen Charakter. — Wie recht der Vorsitzende gehabt hat, konnte man dann aus den von ihm selbst verkündeten Urteilssprüchen feststellen: denn sechs dieser Ungeheuer wurden wegen Mangels an Beweisen freigeoprochn ... Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831