Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2011 (10.5.1963)
- Date
- 1963-05-10
- Page
- [Seite 9] (sequence 9)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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V¡ernes, 10 de Mayo de 1963 Ano XXIV. — No. 2011 — 9 LA S E M A N A 1 S R A E L I T A TlKoto FUEYFlREDON 2190 1 St. * * T. E. 83-2613 Es war naheliegend, dass nach Weizmanns Tode -Hz chak Ben Zwi zum Präsidenten des Staates Israel gewählt wurde. Zum ersten Staatspräsidenten war der Präsident der Zionistischen Organisation gewählt worden, und nun wurde zum zweiten der ehemalige Prä sident des Waad Leumi, der demokratischen Vertreter,gskürperschaft des Jischuw, also der im Lande ansässi gen Judenheit, gewählt. Aber nicht nur aufgrund I seiner Vorgeschichte war1 Ben Zwi für die Berufung in die höchste Position des Staates geeignet, sondern auch dank seiner Person-1 lichkeit. E'ner c’er Initi&to-! ren und Organisatoren der j zionistischen Arbeiter-Bewegung und einer ihrer Spitzenfunktionäre; höchst interessiert an den Stammesgruppen des Volkes aus den rückständigen. orientalischen Ländern, deren soziale Anpassung an die anderen Volksgruppen eine der Hauptaufgaben dieser Generation ist; und e uer der wenigen führenden Männer der Mapai. der für seine religiös-traditionelle Lebensführung bekannt auch den religiösen Kreisen genehm war. körnte er als Rep.äsentant des ^ganzen Volkes in Zion gelten. Die bescheidene Hütte, die er in Jerusalem bewohnte, bildete als ,,Ben Zwis Zrif“ lange Zeit ein Wahrzeichen der Stadt. Ben Zwis Wahl zum Staatspräsidenten hatte sich als glückliche Wahl erwiesen, und er wurde zu einem Symbol des Staates, allgemein geachtet und vom ganzen Volke geliebt. Viel trug zu seiner Popularität bei. dass er sich im Hause des Präsidenten nicht wie in einem Elfenbeinturm vom Volke absonderte, sondern seine Freundschaften und Liebhabereien aus der früheren J1ZCHAK BEN ZWI s. A. Zeit ebenso wie seine geistigen Interessen weiter pfleg te und mit dem Volk und seinen Vertretern ständigen Kontakt aufrecht zu erhalten suchte. Am 6. Dezember 1884 in Poltava in der Ukraine als Sohn des zionistischen Funktionärs und Schriftstellers Zwi Schimschelewitz (Schimschi) geboren, der seine Abstammung auf Raschi zu rückführte, und einer Mutter, die aus der alten Rabbinerfamilie Epstein-Halevy stammte, lernte er im Cheder, dann im Staatsgymnasium und studierte Naturwissenschaften an der Universität Kiew. Noch als Gymvon MEIR FAERBER nasiast besuchte er Erez Israel zum ersten Mal im Sommer 1904. Im Jahre darauf gründete er zusammen mit Ber Borochow und anderen die zionistische Arbeiterpartei in der Ukraine und 1906 in Russland. Er nahm an der Organisierung der jüdischen Selbstwehr gegen die russischen Pogrombanden teil, und wegen illegaler zionistischer Aktivität und unbefugter Selbstschutz- Organisation wurden sein Vater und seine Schwester verurteilt und nach Sibirien verschickt, während er , selbst 1906 aus Russland flücnten konnte. I.i ununterbrochener Aktivität nahm er dann an der Organisierung der Poale Zion in Deutschland und in der Schweiz teil, verfasste zusammen mit S. Kaplansky das Memofandum der Poale Zion, aufgrund dessen der Anschluss an die sozialistische Internationale erfolgte, und widmete er sich nach seiner Einwanderung im Jahre 1907 in Erez Israel auch hier der Organisierung der Partei Poale Zion und ihres Weltverbandes, erst in Jaffa und ab 1903 in Jerusalem, wo er Mitgründer des Die Vereinigte Kampagne '(Keren Hajessod). die seit 25 Jahren der 'Ausdruck der Sohdantaet des juedisohen Volkes mit Israel und der Not der Fluechtlinge ist, konnte bereits die Einwanderung von mehr als einer Million Fluechtlingen m Israel und ihre Einordnung nn Lande ermoeghehen. Anlaesslich des wojachrigen Jubilaeums des Keren Hajessod wurde eiy\e Sonderbrief marke her~ ausgegeben, die auf unserem Bild zu sehen ist. — Vorn links der Praesident der Jetvish Agency, Dr. Moshe Sharett, Hebraeische Lehrer für die Diaspora Das Chaim-GreenbergSe Tninar zur Ausbildung hebräischer Lehrer für die Diaspora ist jetzt in ein neues Entwicklungsstadium getreten. Es wurde vor kurzem von dem Erziehungs- Ministerium des Staates Israel anerkannt; ein Sonder- Comite hat den Lehrp*an und die Erfordernisse für die Prüfungen festgelegt. Die Absolventen werden flicht nur befähigt sein, in jüdischen Schulen in der Diaspora zu unterrichten, sondern sie werden auch gewisse Vorrechte haben, falls sie sich entechliessen solltes, sich in Israel niederzulassen und dort in Schulen zu unterrichten. HEBUNG DES NIVEAUS Das Chaim-Greenberg Seminar wurde im Jahre 1954 von der Abteilung der Jewish Agency für Erziehung und Kultur ln der Diaspora gegründet. Seine Aufgabe ist es. junge Lehrer aus der Diaspora nach Abschluss ih. res Studiums in jüdischen und pädagogischen Fächern fortzubilden und ihnen Gele genheit zu geben, einen Einblick in das Leben IsraeV, und in die moderne hebräische Kultur zu gewinnen. Eine solche Ausbildung (ordert nicht nur die Vertiefung der jüdischen Kenntnisse und pädagogischen Fähigkeiten der Lehrer und 1 die Entwicklung ihrer Per- | «önlichkeit, sondern sie i«t von MOSCHE CAL auch geeignet, das Niveau der jüdischen Erziehung in der Diaspora zu heben. Das Zusammentreffen junger Lehrer aus mehreren Ländern, die in verschiedenen Kulturbereichen aufgewachsen sind, gibt ihnen Gelegenheit, ihren Horizont zu erweitern, ihr Verständnis für die Probleme der jüdischen Gemeinschaften zu wecken und die Leistungen und Erfordernisse der jüdischen Erziehung in den Diaspora Ländern kennenzulernen. In Israel erlernen sie die hebräische Umgangssprache, aber sie erhalten auch Einblick in einige Lehrfächer, die in Israel von einem anderen Gesichtspunkt aus gelehrt werden, z. B. die Bibel, verschiedene Perioden der jüdischen Geschichte, sowie Geographie und Geschichte des Staates Israel. Sie werden auch mit dem gesamten Rahmen der jüdischen Erziehung bekannt, vom Kindergarten bis zur Universität. und sind Zeugen des Einordnungsprozesses der verschiedenen jüdischen Gemeinschaften im Lande. ISRAELISCHE KULTUR Der Lehrplan deß Seminars wurde aufgrund der im Laufe der Jahre gesammelten Erfahrungen aufgestellt und den Bedürfnissen der aus verschiedenen Ländern stammenden Studenten angepasst. Ausser den Hauptunterrichtefächern, wie Bibel, mündliche Lehre, hebräische Sprache und Literatur, jüdische Philosophie, Grundsätze der Pädagogik, Geschichte des Zionismus und des Staates Israel, erlernen die Studenten auch israelische Volkslieder und -tanze und das Flötenspiel. Es werden organisierte Ausflüge im Lande für sie veranstaltet, und sie haben die Möglichkeit, Schulen und andere kulturelle Institute zu besuchen, einen Monat lang in einem Kibbuz zu arbeiten und in Einwanderer dörfern hebräisch zu unterrichten. Ferner haben sie Gelegenheit, namhafte Persönlichkeiten auf wissenschaftlichem und kulturellem Gebiet kennenzulernen und mit den verschiedenen Kreisen der israelischen Jugend zusammenzukommen. Die Zahl der Studenten des Seminars eteigt ständig — von 20—30 in den ersten Jahren bis zu 125 im laufenden Jahr. Bis jetzt haben,700 Studenten das* Seminar absolviert, AUFNAHME¬ BEDINGUNGEN Im allgemeinen werden nur Studenten aufgenommen, die ein hebtüiscres Lehrerseminar im Ausland beendet haben. Aus den Vereinigten Staaten werden auch Seminaretudenten im dritten Lehrjahr zugelassen. Es bewerben sich öfters junge Lehrer, die bereits mehrere Jahre in jüdischen Schulen unterrichtet haben. Die Studenten sind zwischen 18 und 20 Jahre alt, in Ausnahmefällen werden auch ältere zugelassen. Einige von die*sen haben bereits einen akademischen Grad erworben. Die Kandidaten benötigen eine Empfehlung des von ihnen beendeten Seminars oder der Schule, die sie beschäftigt, oder der jüdischen Erziehungsbehörde in ihrem Herkunftsland. Alle Studenten des Seminars erhalten freien Unterricht und Unterhalt auf Kosten der Jewish Agency Abteilung für Erziehung und Kultur in der Diaspora. Das Seminar hält jährlich zwei Kurse ab. Einer beginnt im September für Studenten aus den Vereinig;en Staaten, Kanada und Europa; ein anderer im Januar für Studenten aus Argentinien, Brasilien, Mexiko und anderen südamerikanischen Ländern. Die Dauer der Kurse beträgt neun Monate. Studenten der hebräischen Lehrerseminare in den Vereinigten Staaten besuchen auch Vorlesungen an der Hebräischen Universität. Die dort abgelegten Examen werden von den Universitä ten in len Vereinigten S-aaten anerkannt Hebräischen Gymnasiums und einer seiner ersten Lehrer wurde. Er nahm an der Gründung des Haschomer teil und studierte dann 1912—14 zusammen mit Ben Gur.on an der Universität Istanbul Jus. Bei Ausbruch des Weltkrieges kehrte er nach Jerusalem zurück und trat für Ottomanisierung der jüdischen Bevölkerung ein, wurde aber trotzdem wegen seiner ausländischen Staatsbürgerschaft ausgewiesen. Ueber Aegypten gelangte er in die USA, wo er zusammen mit Ben Gurion 1916 den Hechaluz organisierte und sich 1918 der Jüdischen Legion anschloss, mit der er und Ben Gurion ins Land zurückkehrten. 1919 nahm er an der Gründung der Achdut Awoda teil, wurde Mitglied des provisorischen Jischuw - Ausschusses, heiratete die Funktionärin der zionistischen Arbeiterbewegung Rachel Jana ith, die ihm zeitlebens eine treue Lebensgefährtin war und ihm zwei Söhne gebar, von denen einer im Freiheitskampf gefallen ist. An allen Phasen der Entwicklung der zionistischen Arbeiterbewegung im allgemeinen und der Mapai im besonderen hatte Ben Zwi wesentlichen Anteil, wie er einer der führenden Repräsentanten der Arbeiterschaft in den Landesinstitutionen wurde. Er wurde Mitgründer der Knesset Israels, cer Assefat Haniwcharim, der Allgemeinen Arbeiter - Gewerkschaft, der Mapai etc., besuchte viele Länder im Auftrag der Organisationen, u. a. Aegypten, Syrien, Libanon, Irak, Persien, Polen, Rumänien, England, Frankreich und Belgien, war Mitglied des Jerusalemer Stadtrats, ab 1931 Vorsitzender und dann Präsident des Waad Leumi bis zu dessen Auflösung, war seit dem 8. Zicnistenkongress Kongress- Delegierter und nahm auch an manchen internationalen Tagungen und Kongressen, besonders auch der Sozialistischen Internationale, teil. Er vertrat den Jischuw bei den Krönungsfeierlichkeiten von König Georg VI. 1937 in London und trat als Zecge vor königlichen und internationalen Untersuchungs- Kommissionen über Palästina auf. Sein Privatinteresse und seine Liebhaberei war das Studium der Geschichte und der Soziologie der vernachlässigten jüdischen Stämme und Gemeinden. In dieser Beziehung war er ein zartfühlender Romantiker, der jedem Hauch vergangener Zeiten nachzuspüren versuchte, wo er sich noch erhalten hatte, sich gleichzeitig aber auch um Hebung des Sozialniveaus der zersplitterten Reste der Stämme bemühte. Seine Stud.en und Bücher über die Gemeinde von Pekiin, die Samaritaner, Karaiten, die weiter reichenden über Mohammedaner und Araber (1925 und dam erweitert 1937 wieder erschienen), ,Die verlorenen Stämme Israels“ (19531, „100 Jahre türkischer Herrschaft in Palästina“ (1955) und die fünfbändige Sammlung seiner Schriften, die 1936—37 erschien und auch seine ideologischen Beiträge zur Publizität der zionistischen Arbeiterbewegung zusammenmenfasst, legen Zeugnis von einem vielseitig interessierten Politiker, Wissenschaftler und Schriftsteller ab, der in mancher Hinsicht für die Epoche, die er in seinem Volke mitgestaltet hat, als Symptom und als Symbol dienen kann. NACHRICHTEN AUS ISRAEL DAS BASOR-GEBIET Nach den letzten Vermes sungen und Berechnungen umfasst das Basor-Gebiet 750.000 Dunam Boden, von denen sich 400.000 für landwirtechaftliche Kultivierung unter Bewässerung mit Wasser. das aus dem Norden zugeleitet wird, eignen In die sem ersten Stadium sollen 8—10 neue Siedlungen errichtet werden. WASSER IN DER ARAWA-STEPPE Die Gesellschaft „Mekorot“ stellte in der Wüste Paran Bohrungen an, und schon beim ersten Pumpversuch etiess man auf beträchtliche Mengen Wasser. Nach Ansicht der Ingemeu re von Mekorot weist dieser Fund auf weitere Wasser Vorkommen in der Umgebung. EXPORTSTEIGERUNG BEI ASSIS Die Fabrik „Asis“ in Ra mat Gan konnte im Jahre 1962 einen Export im Werte von 2.400.000 Dollar erzielen, um eine Million mehr als im Vorjahr. WASSERWERKE Das Landwirtschafts-Minicterium wird im Budgetjahr 1963—64 3.400.000 IL in Wasserwerken, die nicht zur ,lor danleitung gehören, investie ren. Besonderes Augenmerk wird man der Ausnützung von Grundwasser in der Nähe des Meeresufers schenken. Man wird in Caeoarea, Aschkelon und Bat Jam Bohrungen zu Pumpzwecken vornehmen und dann Röh ren legen, um das gefundene Wasser in Reservoire abzuleiten. GENUEGEND WASSER FUER ELAT Es wurden bereits entsprechende Wa-teermengen für die Befriedigung der Bedürfnisse einer künftigen 30.000 Seelen zählenden Bevölkerung von Elat sichergestellt. Das Wasser wird teils aus Bohrungen und Wasservorkommen in der Stadt und Umgebung geliefert, teite durch Entsalzen aus Meerwasser gewonnen werden. CHEMISCHE WERKE IN GALILAEA Vor einigen Wochen wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Errichtung eines chemischen Betrieoes zur Erzeugung von Silikaten und Karbonaten ¡n der Industriezone von Sulam Zur zum Gegenstand hat. ln der Anlage werden 100 000 IL investiert und im Anfangsstadium etwa 30 Arbeiter beschäftigt werden. Die Silikate und Karbonate, die 'bi« jetzt aus dem Ausland eingeführt wurden, werden zur Raffinierung von Oelen und Weinen, zur Verarbeitung von Metallen und für Erdölbohrungen benötigt.