Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 1998 (8.2.1963)
- Date
- 1963-02-08
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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o cü 2*5 - 4) «a TZ t g 2 FRANQUEO PAGADO Concesión 908 s*s TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 EL EJEMPLAR 1í| en toda la República PUEVRREDON 2190 i? ixq. T. E. 83 2613 Buenos Aires ASiO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 8 DE FEBRERO DE 1963 No. 1998 Vom jüdischen Leben in Kenia Reverend Julius Carle- Ibaeh — wohl der weitver zweigten Rabbinerfamilie angehörend — hat jüngst eine Broschüre „The Jews of Nairobi“ erscheinen 'as sen. Sie enthält eine Darstellung nicht nur der Geschichte der Juden in der Hauptstadt der Kenia-Kolonie, sondern auch der weni gen, die in anderen Orten des Landes siedeln oder siedelten. ln einem Schlusskapitel bringt der Verfasser eine Reihe von Uebersichten, welche dem Leser das äussere Werden dieser kleinen Gemeinschaft sowie ihre innere Struktur vor Augen führen. Die Schrift sehliesst ab mit eiuer Reihe von Ergänzungen, einer Quellenangabe und einem Glossar, die gebräuchlichsten Ter mini des religiösen Lebens enthaltend. Eingestreut in von Dr. SIEGFRIED Mkm iaæüarichtan aus Jerusalem. — Wiederholte Informationen über die Absicht der transjordanischan Regierung, den jüdischen Friedhof auf dem Oelberg in einen öffentlichen Park unizuwandeln, erschienen erneut in der transjordanischen Zeitung „Fala stin“. Hier wurde ferner berichtet, dass in dem jüdischen Viertel in der Altstadt von Jerusalem, das von den Arabern während des Krieges mit Israel zerstört worden ist, ebenfalls ein Park angelegt werden soll. (ITA) den Text wurden Fotos von Bethäusern, von feierliehen Akten, von einer Versammlungshalle und vom Friedhof. Die ersten Juden, welche nach Kenia gingen, kamen im Jahre 1904 aus — Palästina. Es waren 20 Familien aus Rischon le Zion und Gederah, deren Nachkommen zum Teil noch heute dort leben. Sia liessen sich in ihrer Mehrzahl in einem elenden Dorf an der Eisenhahnstrecke Mombasa—Vik toriasee nieder. Es wurde im Laufe der Zeit zur Hauptstadt der Kolonie, zu Nairobi. Merkwürdigerweise gehörten die Männer zu den Bejahern des englischen Angebotes an Herzl, Uganda durch Juden besiedeln zu lassen. Verständlich er scheint ihr Verhalten angesichts der schweren wirtschaftlichen Situation, in der sich die jungen jüdischen Siedlungen in Palästina damals befanden. Im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts konstituierte sich in Nairobi eine jüdischen Gemeinde. Sie erhielt 1913 eine Synagoge, die vor drei Jahren durch eine grössere und moderne ersetzt wurde. Von den 720 jüdischen Einwohnern zählten jetzt 174 zur Gemeinde. Mancherlei Konflikte und Reibereien hemmten die religiöse und soziale Arbeit lange Zeit. Immer wieder mussten die geistigen und geistlichen Führer der Gemeinschaft gegen Gleichgül Kleine Erholungsreise Es ist in der juristischen Prozedur aller modernen und zivilisierten Nationen von ausserordentlicher Seltenheit, dass vielfacher Mordtaten dringend verdächtige Individuen vor ihrem Prozess in provisorische Freiheit gesetzt werden. Man kann sogar sagen, dass die Freilas sung so schwerbelasteter Personen bisher praktisch niemals vorgekommen ist — von Diktatürstaaten abgesehen, in denen die Rechtsprechung zwangsläufig zum Hilfsinstrument der herrschenden politischen Instanzen degradiert ist. In der Bundesrepublik ist indessen diese Einmaligkeit leider Tatsache geworden. Der 61 Jahre alte Schultze, ehemaliger SS-Offizier, und Anton Streitwieser, 43 Jahre alt, ebenfalls ein ehemaliger SS-Mann, die seit 6 Jahren in Haft sassen. weil Schultze als „Chef der politischen Sektion“ des Konzentrationslagers Mauthausen und Streit wieser als einer der Chefs der KZ-Kommandantur des Lagers an zahlreichen Ermordungen von Häftlingen teilgenommen haben. Sowohl Streitwieser, wie Schultze waren fanatische Nazis und Antisemiten; bei den zahllosen Verbrechen, die aus Mauthausen eines der berüchtigsten Lager der nazistischen Blut-Aera machten, haben diese beiden nur zu oft eine tragende Rolle gespielt. Ihre Frei lassung ist noch unverständlicher als die Tatsache, dass ihr Prozess, trotz des vorliegenden überzeugenden Bela stungsmaterials, noch immer nicht stattgefunden hat. Verantwortlich für diese Freilassung von Mördern schlimmsten Kalibers sind die Richter von Köln. Die Freilassung der Verbrecher erfolgte gewiss unter Kaution. Aber das wird Streitwieser und Schultze nicht abhalten. demnächst auf Reisen zu gehen, um andere Luft zu atmen. Wink mit dem Zaunpfahl oder nicht — auf al le Fälle würde sich niemand wundern, wenn die beiden Henkersknechte von Mauthausen bald im antiisraelischen Klub der SS Komplotteure Nassers in Kairo oder in einem der NS-Zirkel gewisser südamerikanischer Staaten auftauchen würden. Das Geld für die Ueberreise werden ihnen die Kumpane ebenso zu besorgen wisseu, wie die notwendigen falschen Pässe, um den Transfer der „vorläufig Befreiten“ in gefahrenfreiere Gefilde durchzufüh ren, nachdem sie bereits die Kaution für die Unholde aufgebracht haben. Was die Ermordeten von Mauthausen angeht so werden sie dann definitiv auf die irdische Gerechtigkeit ver zichten müssen. Ihnen kann dies übrigens ziemlich gleich sein, nachdem ihr gewaltsame^ Tod im Lager der organisierten SS-Menschenvernichtung so lange ungesühnt geblieben ist. tigkeit ankämpfen. Von einer massvollen Belebung kann erst gesprochen werden, nachdem sich, angeregt durch die Initiative von Persönlichkeiten aus anderen Bezirken der Diaspora, eine Reihe von Organisationen konstituiert hatten. Ausser den Juden in Nairobi gab es und gibt es noch wenige in Mombasa. Kampala, Eldoret und Nakuru, hier vorwiegend Emigranten aus Deutschland, die sich 1941 wegen des Weltkrieges nicht in Nairobi niederlassen durften. 1954 zählte die Gemeinde zu Nakuru rund 120 Mitglieder während heute die Zahl nur noch 14 beträgt. Zwei Kapitel in Carlebachs Schrift dürften ein besonderes Interesse bei den Israelis aus Mitteleuropa erregen; Fliichlinge aus dem nationalsozialistischen Deutschland sowie die Beziehungen zwischen Israel und Kenia. Unmittelbar nach der Machtübernahme durch Hitler erschienen die ersten Flüchtlinge aus dem Reichsgebiet. Es waren sechs junge Männer und eine junge Frau. 1936 besuchte der Ge neralsekretär des HilfsVereins der deutsche)! Juden, Dr. Marc Wischnitzer, das Protektorat. Mit dem ad hoc gebildeten Comité sollte gemeinsam die Einwanderung jüdischer Menschen vorbereitet und durchgeftihrt werden. Später erfolgende Unterhandlungen mit dem Colonial Office in London führten zur Konstituierung der Plough Settlements Association Ltd. Im November 1938 wählte eine Kommission in Berlin als Kandidaten für Kenia-Farmen aus: sechs Ehepaare, eine Mutter mit Kind, ein junges Mädchen und 18 unverheiratete jun ge Männer. Sie kamen 1939 in Kenia an und wurden auf verschiedenen Farmen untergebracht. Weiterhin wurde eine Farm bei Gilgil in der Absicht erworben, dort eine Ausbildungsstätte einzurichten. Nach Kriegsausausbruch aber sperrten die Militärs das Gebiet, und damit war der Plan zunichte gemacht. 1940 erfolgte die Internierung der Emigranten als feindliche Ausländer. Es war keine Seltenheit, dass die jüdischen Internierten nur noch einer eidesstattlichen Erklärung entlassen wurden, sie seien niemals Mitglieder der Hitlerpartei oder einer 'ihrer Gliederungen gewesen! Um weiteren Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen, meldeten sich die juneen Männer zur englischen Armee. Andere suchten sich irgendwie einzuordnen oder verliessen die Kolonie so fern ihnen die Möglichkeit geboten wurde, anderswo unterzukommen. Die Beziehungen zwischen Israel und Kenia bestehen seit der Zeit, da das Gebiet englische Kolonie wurde, •lene oben erwähnten 20 Familien aus Palästina gingen zuerst nach Südafrika und von dort aus nach Uganda- Kenia; denn das Uganda- Angebot aus dem Jahre 1903 hatte in ihrer Phantasie Vorstellungen von einem möglichen ,.ostafrikanischen Commonwealth“ geweckt, in dem es nicht allzuschwer sei, sich eine gute Existenz zu schaffen. 1905 durchquerte die vom 'Zionistenkon gress erwählte Untersuchungskommission während zweier Monate das Gebiet. Einer der Teilnehmer, der noch heute hochbetagt in Haifa lebende Ingenieur und Industrielle Nahum Wil- 'busch, Gründer der Sehe men-Werke, hat ein Reise tagebuch geführt, das er mir einmal zu lesen gegeben, und aus dem Carlebach einen Auszug in seine Schrift aufgenommen hat. Die Eintragungen zeigen wie menschenleer und unberührt von jeder Zivilisation diese über 800.000 Quadratkilometer grosse Landmasse gewesen ist. Halboffizielle Bande zwischen Israel und Kenia knüpfen sich erst, uachdem England die Verwaltung umbildete und den Eingeborenenführer Keniatta an ihre Spitze stellte. Vorher schon vertrat die Interessen Israels als Ehrenkonsul der seit vielen Jahren in Nairobi le bende Engländer Israel Somen, zeitweilig Magistratsmitglied uhd Stadtoherhaupt. Keniatta delegierte jüngst seinen Arbeitsminister Mboya nach Israel, den die Histadrut eingeladen hatte. Mit ihm wurde vereinbart, Fachleute aus Israel nach Kenia zu schicken, die als Ratgeber beim Bauwesen überhaupt und bei der Errichtung von Supermarkets insbesondere tätig sein werden. Der Ministerpräsident selbst ist auch zu einem Besuch in Israel eingeladen worden. Die Weis.sen und mit ihnen die Juden als „Minderheit“ sind in eine prekäre Lage gekommen. Noch kann nicht ausgesagt werden, wie sich ihre Situation in naher Zukunft gestalten wird — zur Zeit ist man sehr pessimistisch. Viele geben ihre Positionen schon jetzt auf und verlassen das Land. Erst vor kurzem erreichte uns die Nachricht, die Situation der Geschäftsleute und Handwerker werde immer schwieriger; 5.000 von rund 60.000 Europäern hätten ihre Zelte im letzten Halbjahr abgebrochen; die Hälfte der jüdischen Bevöl kerung, deren Zahl die Tausend nie überschritten nat, sei bereits abgereist. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Eingeborenenführer aus dem Verlauf der blutigen Konflikte in anderen Bezirken Afrikas gelernt haoen, wie man nicht mit den Weissen umgehen sollte Denn möchten wohl die Europäer auf ihrem Posten bleiben Es kann aber auch bei der Mentalität der Nichtweissen sich fügen, dass .die Wilden“ keine besseren Men sehen sind als die Europäer mit ihrer „übertünchten Höflichkeit“ (Seume) und dass die Lage der Weissen unhaltbar wird. Dann wird auch das Ende der kleinen Diaspora in Ostafrika gekommen sein. Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Neues schweizer Bankgesetz Jerusalem. — Ein kürzlich in der Schweiz ange nommenes Gesetz, durch das die Banken angehalten sind, die Namen der Besitzer von bisher nur mit Kodenummern bezeichneten Geheimkonten zu enthüllen, wird am 10. April in Kraft treten, wie das israelische Aussenministerium bekanntgab. Diese ministerielle Erklärung erfolgte in Beantwortung von Anfragen zahlreicher Israelis, die das Datum zu erfahren wünschten, an dem sie die von dem neuen Gesetz verfügte Preisgabe der Namen verlangen könnten. Die israelischen Organisationen, welche sich für die Erlassung dieses Gesetzes verwandt haben, schätzen, dass Wertgegenstände und Geld in Höhe vom mehreren Milliarden Dollar in der Schweiz von Juden deponiert wurden, die während des Krieges vor den Nazis flüchteten und später den Tod fanden. Nach Bekanntgabe der betreffenden Namen, werden die Erben imstande sein, das Geld oder die Wertgegenstände zu fordern. (ITA) Wiedergeburt des Nazismus „Der Nazismus ist bemüht, sich heute wieder in der Welt durchzusetzen. Er benutzt verschiedene Mittel und Taktiken hierzu und bedient sich gewisser Verbände nationalen Charakters, die sich jedoch schon früher mit der nazistischen Ideologie identifiziert haben und dies auch heute tun. Der dokumentarische Beweis für diese Tatsache wurde auf einer Tagung in Brüssel erbracht, welche von dem der Internationalen Vereinigung des Wider Standes und der Deportation angeschlossenen Comité der Experten für Neonazismus veranstaltet wurde, an dessen Spitze General I. Gérard steht.“ Dies berichtete Dr. Silvano Santander bei seiner Rückkehr aus Belgien, wo er an dieser Konferenz teilgenommen hat. Dr. Santander fügte hin zu, die grössten Zentren seien Madrid und Schweden. Dort werden ständig Versammlungen abgehalten und Instruktionen erteilt. Diese Stellen sind gut geleitet und verfügen über reichliche Mittel, deren Ursprung ebenfalls eruiert werden konnte. Er äusserte ferner, viele Naziführer befänden sich im Besitz falscher Ausweispapiere, die zumeist argentinischen Ursprungs seien. Hierzu gehören Bormann, der lebt, Oberst Rudel, General Galland (beide wohnten bis September 1955 in Argentinien) und Oberst Skorzeny, der Befreier Mussolinis. Alle Genannten kamen verschiedentlich nach Argentinien, wie im Eichmann-Prozess in Jerusalem festgestellt worden ist, und alle sind sie aktive Nazis. Auch der englische Naziführer Mosley. der Belgier Degrelle und natürlich die Leiter der spanischen Fa- , lange sind in diesen Zentren geschäftig. „Worin besteht die Akti vität dieser Bewegungen?“, wurde Dr. Santander gefragt. „Sie betätigen sich in verschiedener Weise“; lautete seine Antwort. „Manchmal z. B. benutzten sie die Diskussion über nukleare Kräfte, um innerhalb nationaler Regierungen Unfrieden zu stiften und die Verantwortung für einen Atomkrieg den USA zur Last zu legen. Hierbei formulieren sie ihre Argumente in einer Art, bis sie denen ähneln, mit denen Russland seine Aggressivität zu rechtfertigen versucht.“ Es könne sich hier viel, leicht um einen taktischen Zufall oder auch um eine Annäherung an Russland handeln, gab Dr. Santander zu bedenken, wenn dies aueb paradox scheinen würde. Ein anderes Mal tragen ihre Parolen innenpolitischen oder nationalen Anstrieb und unterstützen die Strömungen, die der nazistischen Auffassung am nächsten kommen. Weiterhin wird der Versuch gemacht, mit Persönlichkeiten aus dem Leben Amerikas, eine» Kult zu treiben und revisionistische Bewegungen zu fördern, wie beispielsweise hier in Argentinien im Fall Rosas. Das gleiche geschieht auf ökonomischem Gebiet. Man will der heutigen Generation weissmachen, der Grund für den letzten Weltkrieg habe darin gelegen, dass die Juden die Wirtschaft der Welt beherrschten. Dies soll auch für Hitlers Haltung zu den Juden, deren grauenhafte Folgen allen bekannt sind, eine Erklärung zu liefern. Das Problem der Flüchtlinge Jerusalem. — Ein Sprecher des israelischen Au sseuministeriums dementierte in der israelischen Presse erschienene Nachrichten, dass die USA einen Vorschlag zur Lösung des arabischen Flüchtlingsproblems gemacht hätten. Der Sprecher erklärte ferner, nichts von der bevorstehenden Ankunft eines* hohen nordamerikanischen Funktionärs zu wissen. Obwohl keine Einzelheiten über die kürzliehen Beratungen, an denen der Israel-Botschafter in Washington Abraham Harman und eine UN-Delegation teilnahmen, verlautbart wurden, und obwohl man weiss, dass die Aussprache auf Wunsch der Amerikaner stattfand, so vermutet man doch, dass Washington keine neuen Vorschläge gemacht haben dürfte. Es ist bekannt, dass die Kontakte zwischen Israel und den USA in dieser Frage fortgesetzt werden soi len, wenn Botschafter Harman nach Washington zu rückgekehrt sein wird. Man vermutet nicht, dass die USA von Israel verlangen werden, eine bestimmte Anzahl von Flüchtlingen als einseitige Konzession aufzunehmen, ohne dass diese Forderung Teil eines allgemeinen Abkommens bildet. (ITA) KURT KAISER-BLUETH