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Jüdische Wochenschau · 1962-12-28 · 1992 (28.12.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1992 (28.12.1962)
Date
1962-12-28
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German, Spanish
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M * o as o .5 FRANQUEO PAGADO Concesión 908 t P ” 5 M S TARIFA REDUCIDA < u Concesión 1629 ISRAELITA EL EJEMPLAR Ijl en toda la República PUEYRREDON 2190 1“ j*q. T. E. 83 261S Buenos Aires Año XXIII. BUENOS AIRES, VIERNES 28 DE DICIEMBRE DE 1962 No. 1992 Das Reich des Wüstenkoenigs Verbrechen war verjaehrt König Saud, heute ein be liebtes Ziel der Angriffe Nassers. reist durch Europa und gibt dort in Hotels und Bädern Millionen aus. Menschen des Fortschritts fallen wegen dieser Milionen vor ihm zu Füssen, und wegen seines Oels ist der König für die USA ein hochgeachteter Partner. Der folgende Bericht vermittelt einen Einblick in diesen Staat, in dem das Mittelalter erst langsam, zu weichen beginnt. Saudi Arabien misst ungefähr 2,5 Millionen Quadratkilometer, davon entfalten zirka vier Fünftel auf Wüste, das approximative Fünitel bebaubaren Landes ist zu wahrscheinlich einem Viertel einigermassen be wässert (Oasen) und sonst von dem schätzungsweise 6 cm starken Regenfall pro Jahr für beschränkte Fruchtbarkeit abhängig. Genau vermessen wurde das Land nie; einzelne Grenzen sind strittig. Saudi Arabien hat zwischen drei und zehn Millionen Einwohner. Eine Volks zählung fand nie statt. Oelfachleute. die eine Idee von diesem enormen Land haben, sprechen von drei bis fünf Millionen, die Regie rung von sechs bis zehn. Davon sind, je nach Gewährsmann, zwischen 12 und 160 Prozent Beduinen, also zwischen 12 und 60 Prozent zwischen drei und zehn Millionen. Damit ist. bis zu einem gewissen Grad, ganz Saudi Arabien skizziert. EIN LAND MIT VIER ARMEE*. Die Armee »st ein weiteres Rätsel. Es gibt eine schlecht ausgerüstete reguläre Armee, die zwischen 15.000 und 30.000. Mann umfasst und zum grössten Teil Polizei- und Bewachung», auigaben hat. Aber die Munitionsfabrik vor den Toren Riads wird von der Nationalgarde bewacht, die auf 8.000 bis 30.000 Mann geschätzt wird. Im ganzen Land stationiert funktioniert die Nationalgarde a'.s lokal» Einsatzreserve und hält auch hier und da Manöver ab. Dann gibt es eine Weisse Armee. Sie bat eine höhere Munitionsdotation und rast in gelben Dodge - Mannschaftswagen im Land herum; auf jedem Fahrzeug ist ein Maschinengewehr montiert; der Unteroffizier, der die Wagenbesatzung befehligt, ist zugleich einer der beiden Fahrer und — überraschenderweise — auch ein guter Mechaniker. Die Angaben über den Mannschaftsbestand dieser Truppe schwanken zwischen 3.000 und 15.000 Mann. Dazu kommt die Königliche Garde, die in den verschie denen Amtssitzen König Sauds stationiert ist und auf 3.000 Mann geschätzt wird, und schliesslich die Königliche Leibwache von ein paar, hundert Mann. 1 Alle Dienstzweige und operativen Verbände der Streitkräfte werden von Prinzen der Familie Saud befehligt. Der Fortschritt in Siudi Arabien trägt einen einzigen Namen: Aramco. die ara" gentliche Staatszeit: Dei Sonnenuntergang wird a!s zwölf Uhr betrachtet. Es liegt auf der Hand, dass durch diese komplizierte Zeitrechnung der Anschluss an irgendein international gültiges Arbeits- und Statistik-System erschwert wird. DAS KAMEL AI.S .STANDESSYMBOL Ueber dieses unwahrscheinliche Land geht heute die Gewitterwolke der modernen Zeit hinweg. Wie so oft, kamen die materiellen! Ein Koenig besucht Israel Jerusalem. — Der erste Monarch, der Israel besucht, ist König Mwambutha IV. von Burundi. Er wurJe von Bürgermeister Mordechai Isch Shalom mit der traditionellen Schiissel mit Brot und Salz begrüsst, Präsident Jizchak Ben Zwi begleitete den König vom Flughafen in Lud in die Hauptstadt, die mit Fahnen geschmückt war und in deren Strassen Menschenmengen Mwambutha begrüssten. Ein Kinderorchestcr spielte, als sich die Autokarawane näherte. Der König stattete später Ben Zwi einen Besuch ab, und Ben Gurion suchte den König auf. Am Abend veranstaltete der Staatspräsident ein Bankett zu Ehren des königlichen Gastes. Das Wochenende ver brachte König Mwambutha, der mit einem zehnköpfi gen Gefolge, reist, in Tel Aviv. (ITA) Eichmanns Memoiren London. — ..Die Memoiren“ die Adolf Eichmann in seiner Zelle geschrieben hat, weraen auf Verfügung von Ministerpräsident Ben Gurion geheim gehalten, wie eine autorisierte Persönlichkeit einem londoner Korrespondenten mitteilte. (ITA) bisch amerikanische Oelgescllschaft. lieber 100.000 Sauditer hallen seit 25 Jahren bei der Aramco gearbeitet. Sie Und heute, soweit sie ausgetreten sind, der neue Mittelstand — Mechaniker und qualifizierte Arbeiter. Büroangestellte. Personal im Gastgewerbe, das im weit verzweigten ,,Mess“-Sys'em der Aramco geschult wurde; dann Bewässerungsfaclr leute, Gärtner, Transportarbeiter, die“ in den der Aramco gehörenden Musterfarmen und im internen Transportnetz der Riesenfirma in die Lehre gingen; weiter Buchhalter Ladenbesitzer, Baufaehleute im Ifoch- und Tiefbau, die bei der Aramco den Beruf erlernten. Die Aramco bringt auch zwischen 4 und 5 Milliarden Rials jährlich ins Land — dazu geht eine unbekannte Summe direkt an die Königsfamilie (1 Rial ist ungefähr Vt Dollar). Genau ist die Summe nicht zu erfassen: Es gibt keine Statistiken, und vor 1953 gab es keinen Finanzhaushalt. Das heisst, es gab das Büchlein Scheich Abdula Suleimans, eines alten Freundes König Ibn Sauds, ln dieses Sfoff einbandheft trug c jeden Tag eigenhändige die Einnahmen und Ausgaben Saudi Arabiens ein. Rev'rion war unbekannt. Scheich Suleiman zog sich als steinreicher Mann zurück. Seither gibt es ein Budget, aber noch keine gültige Statistik. Erschwerend ist, dass Saudi Arabien den Mondkalender hat und damit in der Monatsrechnung mit der übrigen Weit nicht einver standen ist. Es gibt .zudem vier verschiedene Tageszeiten: Die Greenwicher Zeit für den internationalen Bedarf: die ,,Aramco-Time“ für die Oeiindustrie: Greenwich plus drei Stunden: die Sonnenzeit, Greenwich plus vier Stunden: schliesslich die arabische Zeit, d!e el Begleiterscheinungen zuerst — die Ideen hinken hintennach, und die Anpassung birgt so viele Probleme, dass niemand sagen kann, wie sie sieh vollziehen wird. In der Umgebung der vier! grösseren Städte — Riad | ungefähr 250.000 Einwoh. : nern, Mekka mit 150 000, die : Hafenstadt Djedda mit i 120.000 und Medina mit i 50.000. sieht man die Bedui! nen in ,,Landrovers“ und; amerikanischen „Powerwa-! gons“ im ersten oder zweij ten Gang durch die Dünen \ fahren; die leibeigenen Hir- | ten bringen zu Fuss die | Herde nach. Autoschläuche haben den Wassersehiauch j aus Ziegeifell vielerorts er- | setzt. Das Kamel ist heute I weit mehr Standessymbol f als Nutztier und ist, erstes : Opfer der Moderne, teurer i geworden: bis zu 1.000 Frani ken wird für ein gutes Reit- I kamel bezahlt, selbst ein al- | tes Tier kostet noch 350! Franken. I Früher galt es als eine Ehre. Beduine (also ungebundener Nomade) zu sein. Mit der Aramco änderte sich dies. Vor fünfzehn Jah reu gaben noch 70 Prozent der Aramco-Angfestellten als „Herkunft“ das schöne Wort „Baduin“ (Beduine) an, heute wollen nur noch 20 Prozent der Befragten Beduinen sein. Und als Kuriosum muss festgehalten werden, dass bis tief in die Wüste die Lieblingsnahrung der Beduinen heute „Kraft“. Käse in Büchsen aus Australien ist. Der Vertreter i der Firma erhält Kabel von; seiner Direktion: %Vor fünf Jahren überschritten Sie bereits unsere absolut maximale Verbrauchsquote für Saudi Arabien. DIE ERSTE ANGESTELLTE Letztes Jahr engagierte die Erdölgesellsehaft Aram co ihre erste sauditische Büroangestellte. In einem Land, wo Frauen noch den „Abba“ (Staubmantel) bis auf die Knöchel und den „Hisehab“ (Schleier) traj gen, wo ein sichtbares Frau- ' enbein auf der Strasse zuj mindest Auspeitschung nach j sich zieht, ist ein solcher i Schritt revolutionär. Einige i Töchter höherer Beamter j hatten schon in Aegypten: studiert. Die erste Vorstei herin einer Mädchenschule \ hat ihr Amt weniger als \ zwei Jahre inne — und auch j sie trägt den Schleier. Sie j studierte in Alexandrien und j konnte ihre Stelle vorletztes 1 Jahr annehmen, weil König j Saud vor zwei Jahren durch j königliches Dekret die erj sten offiziellen Mädchen, schulen schuf. Vorher gab' es einige Privatinstitute, die durch Protektion oder Ver 1 bindung mit ^ramco-Steilen ein geduldetes Untergrund" i dasein fristeten — aber je- I derzeit geschlossen werden! konnten. | Es gibt nur ein Gerichts-; wesen: Die „Scharia“ Ge-; richte, die den Koran an" j wenden. König Saud hat: kürzlich in dis Schaffung eij nes „Comites“ eingewiliigt.! das seinem Bruder, Emir j Feisal, untersteht. Seine j Rolle ist nicht rechtlich ver- | ankert. Es soll aber mit der [ Autorität des Emirs eine ] Art inoffizielles Appellati- | von JAKOB KATZ-R0GASEN | Grosses Aufsehen hat ein Urteil dss Hamburg« I Schwurgerichts erregt, durch weiches ein nazistische! I Verbrecher mit der Begründung freigesprochen worden ist, die Tat sei inzwischen verjährt. Es handelt sich um i den zweiten Fall, in welchem diese Begründung für ei. I nen Freispruch gegeben worden ist. Beide Gerichtshöfe! bemerkten, dass ihre Urteile wahrscheinlich mit Miss- : fallen aufgenommen werden würden. Offensichtlich nat- ' ten die Richter selbst das Gefühl, dass ihre Sprüche kein | Recht schufen und jedem Gefühl der Gerechtigkeit wi- 1 derstrebten. Aber dennoch sprachen sie einen Mann frei,! von dem sie selbst sagten, er sei aufs schwerste belastet, j Verbrechen begangen zu haben. Vielleicht haben sich weite Kreise darüber erregt, j dass auf dies« billige Weise ein Naziverbrecher se.aer j gerchten Strafe entzogen wird. Es gibt aber auch andere j Gesichtspunkte, die zur Kritik herausfodrdern. Zunächst j wird man fragen müssen, aus welchem Grunde über-! haupt die Eröffnung eines Hauptverfahrens vor einem Schwurgericht erforderlich war, wenn der Einwaad der Verjährung vorgetragen wird. Hierüber hätten sich die Richter bereits schlüssig werden können, bevor es zu einer Verhandlung kommt. Dann wird wenigstens der Oeffentlichkeit erspart, Zeuge einer solchen Tragikomödie zu werden, wie sie ein Verfahren ist, in welchem man den Angeklagten belastet, ihn aber aus formeüea Gründen nicht verurteilt. t Diese traurige'Szene erinnert allzu sehr an Weimarer Zeiten, als man in einer falsch verstandenen Legalität zur Demokratie ruhig zusah, wie die Demokratie von ihren Feinden zerstört worden ist. Will sich ein Gericht schon auf diesen formalistischen Standpunkt stellen, so bedeutet es beinahe eine Herausforderung, einen Freispruch in öffentlicher. Sitzung zu verkünden. Arme Demokratie, die keine ßichter mit grösserer Begabung und Phantasie besitzt, um der Demokratie Niederlagen aus Formalismus zu ersparen. Wieder sieht man ruhig zu, wie das Ansehen und die Freiheit eines demokratischen Landes durch Zynismus oder Unfähigkeit untergraben wird. Aber auch der Gesetzgeber kann nicht als frei von Schuld angesehen werden. Warum wurde ein solches Frist-Gesetz erlassen, durch das eindeutig nazistische Verbrecher begünstigt werden, und zwar nicht nur eindeutig und unzweifelhaft, sondern ausschliesslich s’e? Und wenn man schon ein solches Fristgesetz erlässt, warum haben die zuständigen Organe sich nicht beeilt, diese Verbrecher i'echtzeitig zur Verantwortung zu ziehen? — Wir sind sicher, dass diese Frage ohne zufriedenstellende Antwort bleiben wird... Wir können übrigens von uns aus bemerken, dass die Polizei wahrscheinlich deshalb die Nazimörder n.cht rechtzeiitg fand, weil sie selbst mit solchen Elementen durchsetzt war. Ob sie es noch ist, wissen wir nicht. Aber es sieht beinahe so aus. Und diese Leute schirmen sich gegenseitig ab. wie es so eigenartig im Neudeutschen heisst. Wir können nur feststellen, dass es noch Jahre dauern wird, um aus diesem Sumpf herauszukommen. — SS-Massenmoerder vor Gericht Flensburg. — Ein jüdischer Art, der als Zeuge in dem gegen den ehemaligen SS Major Martin Fellenz anhängigen Prozess aussagte, erklärte, „nur ein neuer Dante könne die teuflischen Schrecken der Nazi-Hölle beschreiben“. Feilenz ist angeklagr, in dem von den Nazis besetzten Krakau 40.000 Juden umgebracht zu haben. Den Verhandlungen wohnen deutsche Schüler and Lehrer bei, für die Bänke im Gerichtssaal aufgestellt wurden. Anfangs war das Interesse der deutschen Oeffentlichkeit an dem Prozess nur ‘gering, doch seither hat sich dies geändert, und Kinder und Erzieher erhalten eine Beschreibung „aus erster Hand“ von dem bestialischen Inhalt der nazistischen Ras>en theorie. Schreie, Schüsse, Leichen, Bäche von Blut sind die Worte, die immer wiederkehren, vor allem in den Aussagen der jüdischen Zeugen aus Israel, den USA, Kanada und Holland. Der 53jährige, jetzige Kaufmann Fellenz hat sich gegen die Anklage zu verteidigen, viele Tausende von Juden aus fünf polnischen Städten auf naheliegende Terrains, wo sie auf der Stelle erschossen wur 'en, oder in die in Lublin installierten Vernichtungslager, geführt zu haben. Weitere 50 Zeugen werden in diesem Prozess noch vernommen werden. (ITA) onsgericht bei* schweren Missbrauchfällen werden. Es ist verfrüht, mit einigen Optimisten zu behaupten, König Saud und Emir Feisal wollten den „Scharia“- Gerichten den Boden unter den Füssen entziehen. Es ist mehr die unerbittliche Praxis, die dies bewirkt. Es ist auch kein Zufall, wenn kürzlich die religiösen Führer plötzlich und erstmalig ein eigenes ,,Scharia“-Appeliationsgericht schufen und damit den unantastbaren Entscheid des religiösen Richters eigentlich durchlöcherten. Auch sie können sich der Entwicklung nicht mehr entgegenstemmen. Nach dem Koran ist jedes Konterfei des Menschen verboten. Bis heute sind offiziell nur die Passfotos er laubt. Aber seit 1957 betreibt die Aramco ein betriebseigenes Fernsehnetz für ihre Angestellten, und jetzt hält; das Fernsehen auch in den; oberen Schichten Einzug. : Kinos 'gibt es hingegen keij ne. Aber ägyptische Filme | und „Filme mit erzieherischem Wert“ sind am Fernsehen und in Schulen erlaubt. Als hingegen die Re- Pilger nach Bethlehem Jerusalem. — Israelische Beamte teilten mit, dass 6.000 israelischen Christen die Erlaubnis erteilt worden ist, die transjordanische Grenze zu überschreiten, um eas Weihnachtsfest in Bethlehem zu begehen. Sie fügten hinzu, dass nur 5.600 Personen von diesen Passierscheinen Gebrauch machen konnten, weil die Transjordat.ier die übrigen abwiesen. Die Zahl der von Israel bewilligten Gesuche ist die gleiche wie im Jahre 1961. Das israelische Schatzamt stellte jedem Pilger die nötigen Devisen zur Verfügung. HTA) gierung nach amerikanischem Muster einen „natio nalen Reinemachetag“ dekretierte, bedrohten die „Mutawaiin“ des „Comites für öffentliche Moral“ ai1 diejenigen, die mit ihrem Reinemachen in der Oeffentliclikeit Anstoss erraten, mit Gefängnis .. Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 IGi-—---- 1 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia??!

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