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Jüdische Wochenschau · 1962-11-23 · 1987 (23.11.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1987 (23.11.1962)
Date
1962-11-23
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German, Spanish
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e g o 5 FRANQUEO PAGADO Cnncesión 908 £ à t Zh r* W R TARIFA REDUCIDA *c u Concesión 1629 MANA ISRAELITA Año XXIII. BUENOS AIRES, VIERNES 23 DE NOVIEMBRE DE 1962 No. 1987 EL EJE.tIPLAR en toda la República 10, PUEVRREOON 2190 1» l/q. T. E. 83 2013 Buenos Aires litt warschauer Ghetto Die Sonne strahlte auf Warschau herab. Die .Menschen fuhren mit den Strassenbahnen, die dort sehr billig sind, in die Stadt parks, um den schönen Sommersonntag zu gemessen. Wir, eine Gruppe von ungefähr 80 jungen Israelis, grösstenteils noch nicht 20 Jahre alt, beschlossen, das Warschauer Ghetto zu bcsu- . chen. Wir gelangten mit der; Strassen bahn dorthin. Ein ' etwas verrostetes Schild | deutete an. dass wir un' in der Zamcnhofstrasse befan-! den. Diese Strasse kannte ich aus der Literatur, die von dem Ghettoaufstand in Warschau berichtet. Heute war nichts mehr von dieser glorreichen Vergangenheit zu sehen. Fünf- bis sieben stockige Mietskasernen und Wohnbauten bedeckten das Gelände, und gaben ihm ein eintöniges Aussehen. Ein polnischer Touristenführer erklärte den Anwesenden, dass man in Polen wegen der Wohnungsnot nur sieben Quadratmeter pro Person bebaute Wohnfläche erhält Die meisten Wohnungen be stehen aus einem oder zwei Zimmern. Die roten Ziegelsteine sind nicht verputzt da man Zeit und Geld spa" ren wolite. Eine Ruine, die einst ein grosser Häuserblock war, in dem die letzten jüdischen Freiheitskämpfer des Ghettos umkamen, steht noch als grajusi-1 ges Andenken vergangener Zeiten. Wir näherten uns dem Ghettodenkmal. Einige Kinder spielten rund um das Denkmal. Sie waren acht und neun Jahre ait. zwei davon erst vier. Die Fläche um das Denkmal liegt noch brach. Sie ist mit Unkraut bewachsen. Jeder von uns stand schweigend, in Gedan ken versunken. Die Kinder spielten weiter, ohne sich um uns zu kümmern. Ich fragte sie, ob sie wüssten, was das für ein Denkmal sei. Sie wussten es nicht. Der älteste, ungefähr zehn jährige Jung?, meinte, dass das Denkmal vielleicht Le nin darstelle. Einige Bewohner der umliegenden Häuser betrachten uns neugierig. Ein Passant fragt erstaunt: ,.Was. schon wieder ein Gedenktag für von SCHRAGA HAR-GIL das Ghetto?“ Ich erkundig' te mich, ob er wisse, was sich hier einmal abgespielt hätte, worauf er erwidert er wisse wohl, es seien viele umgekommen, wieviele, wisse er nicht. Das Denkmal steht trotzig inmitten des Häusermeeres. Eine Inschrift in Jiddisch Polnisch und Hebräisch er wähnt in zwei Sätzen das Märtyrertum der hier Gefallenen. Wir begaben uns zu dem wirkt seitdie tragische mit dem l kann. Die nen. Neben dem Bunker ist eine Fahrrad - Reparatur Werkstatt und eine Ziegelbrennerei. Es sam, wie sich Vergangenheit Heute vereinen polnischen Passanten, die in der Gegend wohnen, störten unsere Andachj durch ihre blosse Gegenwart. Dabei haben sie meistens überhaupt nichts mit dieser Vergangenheit zu tun. Im allgemeinen handelte es sich um Israels Beziehungen zu Polen Jerusalem. — Israel und Polen haben ihre Legationen in den Rang von Botschaften erhoben, was in diplomatischen Kreisen als eine Befestigung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern betrachtet wird. Eine polnische Handelsmission besuchte kürzlich Israel, und ein neuer Handelsvertrag gelangte zur Unterzeichnung, der einen gestei gerten Warenaustausch beinhaltet. Die Erhebung des diplomatischen Status, bei dem wie man weiss, Israel die Initiative ergriff, hat keinen Beamtenwechsel zur Folge, so dass Antony Biba und Avigdor Dagan ihr Amt, jedoch im Botschafterrang, fortführen werden. (ITA) Bunker, der Mordechai Ani. lewitz. den Kommandanten des Warschauer Getto, bis zu seinem Heldentod beherbergte. Der Platz war mit Unkraut überwuchert; nur eine kleine St-eintafei er* zählte von dem Vergange- Das neue Staatsbudget Jerusalem. — D?r neue Budget - Vorschlag, den Finanzminister Levi Eshkol der Wirtschats-Kommission des Kabinetls vorlegte, sieht eitle 20 prozentige Erhöhung im Vergleich mit dem Budget des ablaufenden Finanzjahres vor. Es beläuft sich auf 2.800 Millionen IL. Ursprüngich sollte die Erhöhung nur 15 Prozent betragen, doch eine Prüfung der für die Erzie hung und Verteidigung notwendigen Ausgaben führte zu der jetzt vorgeschlagenen Erweiterung des Staatshaushaltes. — (ITA) Dr. Gerstenmaier besucht Israel Jerusalem. — Der Präsident des deutschen Bundestages, Dr. Eugen Gerstenmaier, traf Anfang dieser Woche zu einem achttägig?n Besuch in Israel ein Er wurde von Ben Zwi und Ben Gurion empfangen und speiste mit Mosche Sharett, dem Präsidenten der Exekutive der Jewish Agency. Auf dem Flugfeld in Lod wartete eine Gruppe von Jugendlichen mit Spruchbändern vier Stunden auf die Ankunft Gerstenmaiers, doch als sein Flugzeug landete, waren es nur noch einige wenige. Dr. Gerstenmaier ist der erste westdeutsche Staatsmann, der Israel besucht. Er wurde im F'ug hafen von Dr. Feliz Shinar von der israelischen Mission in Köln empfangen, der die Einladung ausgesprochen hatte. Dr. Gerstenmaier traf mit Prof. Martin Buber zusammen und unterhielt sich mit Chaim Jachil dem Generaldirektor des israelischen Aussenministeriums. Wegen des Einspruchs der Cherut stattete er der Knesset keinen Besuch ab, wo er mit den Ehren empfangen worden wäre, die man ausländischen Parlamentariern zu erweisen pflegt. Dagegen wurde eine private Unterredung mit dem° Knesset-Präsidenten Kaddiseh Luz im Kibbuz Degania angekündigt. Dr. Gerstenmaier äusserte, er werde während seines Aufenthaltes ini Lande „sehr ernste Fragen“ zu beantworten haben. (ITA) junge Arbeiter, die zum Grossteil erst nach dem Warschauer Ghettoaufs'and geboren wurden oder zu dieser Zeit noch kleine Kinder waren. Ich fragte einen jiid'schpolnischcn Kommunisten, warum Warschau keinet) Park um das Denkmal angelegt hat. Er meinte, es handele sieh ganz einfach um Schlamperei. Am Ghetto-Gedenktag, fuhr er fort, nehmen jedenfalls alle Regierungsmitglieder sowie Vertreter der höchsten Gre mien des Staates teil. Ich kehrte noch einmal zum Denkmal zurück. Auf ihm lagen einige verwelkte Blumen und der Kranz einer Delegation australisch - jüdischer Schneider Wir Israelis legten einen frischen Kranz auf das Denkmal. Wieder kamen einige Neugierige, verliessen den Platz aber bald. Warschau ist eine schöne Stadt. Die Warschauer rind besonders stolz auf die Alt stadt. Während des Zweiten Weltkrieges wurden 90 Pro zent der Stadt zerstört. Doch die Altstadt wurde zuerst rekonstruiert. und zwar nach alten Gemäiden und Aufzeichnungen, soctass sie heute wieder so aussieht wie früher. Sogar der Verputz ist an vielen Stellen wieder abgebröckelt und gibt ihr wirklich ein .altes“ Aussehen. DAS GREUEL DES „KULTURPALASTES“ Der warschauer Kulturpalast ist ein Dorn in den Au gen eines jed?n Warschauers. Wenn man einen Warschauer fragt, welches der schönste Platz Warschaus ist, so sagt er ohne viel zu überlegen: der 32. Stock des Kulturpalastes. Denn von diesem Stockwerk kann man ganz Warschau überblicken. ohne den Kuliurpalast selbst zu sehen. Der Kulturpalast war ein Geschenk der russischen Arbeiter an die Arbeiter Polens. Stalin fragte die polnischen Kommunistenführer seinerzeit, ob sie einen mo numentalen Kulturpalast wollten, ähnlich wie die Moskauer Universität, oder eine Arbeiter - Mustersiedlung. Die stalinistischen Polen entschieden sich für die Kultur. Dies war zur Zeit der grössten Wohnungsnot die jemals in Polen herrschte, und der Kulturpalas; erregte viel böses Blut. Die Russen brachten ihre eige nen Arbeiter und Ingenieure und stellten den Palast auf. Er ist eine Mischung von byzantinischer, ägyptischer j und Barockkunst, und macht ' alles in allem einen furcht-; bar kitschigen Eindruck. Der hohe Turm des Kultur Palastes überschattet Warschau wie ein Dornbusch zwischen Rosen. Im Kulturpalast gibt es Theater- und Vortragssäle, Büros etc. Vier Aufzüge bringen die Besucher bis in den 28. Stock. Wer so neugierig ist, den 32. Stock er reichen zu wollen, muss die Treppe zu Fuss weiter hinaufsteigen. In Warschau baut man Kirchen. Touristenführer erklären, dass ein Teil der Kirchen nur deshalb wieder aufgebaut wird, weil diese historische Monumente sind. Andere Kirchen werden nur mit den Geldern der Ge* meindemitglieder erbaut, da die Regierung die Religion prinzipiell nicht unterstützt und die Kirche vom Staat getrennt ist. Doch die Tatsache bleibt -bestehen, dass 1 viele neue Kirchen in Po I len errichtet werden. Viele j Jugendliche, selbst Mitglie der der Kommunistischen Partei, besuchen diese Kirchen. Meinen zweiten Abend in Warschau verbrachte ich im Klub der sozialistischen Arbeiterjungend. Sänger traten auf, die meist amerikanr sehe und französische Lieder sangen. Es wurde sehr viel getanzt, hauptsächlich Twist. Die israelische Tanzgruppe vom Jugendfestival in Helsinki, die anwesend war. sowie die Volkslieder Sängerin Nechama Hände! und der Mimiker C. Kipnis! wurden aufgefordert aufzutreten. Sie hatten grossen Erfolg, die Anwesenden r»rachen spontan in den Refrain aus: „Hoch sollen sie leben, hoch sollen sie leben!“ Ich sass mit drei jungen Ingenieuren an einem Tisch. Sie erklärten mir. dass sie keine Kommunisten seien, doch Gomulka von ganzem Herzen verehren. Sie helfen mit, Polen aufzubauen, und es sei ihnen egal, ob das durch den Kommunismus geschehe oder nicht. Die Hauptsache ist, dass Gomulka ein wahrer polnischer Nationalist sei. Dies ist die Anschauung vieler Polen, die ich traf. Sie sind stolz auf „ihren“ Kommunismus, der es ihnen ermöglicht, Kritiken auszusprechen, wenn sie auch nichts drucken lassen können, was der Russen wegen verboten sei. Jedenfalls hat man in Polen das Ge fühl persönlicher Freiheit, das bei der Touristenführung durch Warschau auch zum Ausdruck kommt. Wir sahen fast nur Denkmäler. die den glorreicehn Befreiungskampf Polens gegen Russland darstelien .. Unbegreifliche Karrieren Kürzlich sind wiederum hohe Polizeifunktionäre ia der Deutschen Bundesrepublik festgenommen worden, weit sie bei fürchterlichen Massenverbrechen an Juden beteiligt waren. Der eine von ihnen. Josef Kuhr, war Hauptkommissar der Polizei von Frankfurt a. M., ein anderer, Rudolf Eckert, betätigte sich als Polizei-Hauptkommissar in Hamburg. Tausende von Juden sind in Pinski in Polen Opfer dieser Unholde gewesen. Wie isttes möglich, so fragt man sich irritiert, dass solche Schwerverbrecher auf tragenden Posten der Bundesrepublik stehen konnten und erst nach so vielen Jah* ren entlarvt wurden? Denn die beiden Massenmörder um» Polizei-Hauptkommissare sind ja leider nicht die einzigen hohen Staatsfunktionäre, von deren fürchterlicher Vergangenheit in den letzten Monaten plötzlich der Vorhang weggerissen wurde. In zahlreichen Städten wurden immer wieder derartige Judenhenker, vor allem in den Sieherheitsoigane« des Staates, aus ihren führenden Amtssesseln in Erwartung ihrer Prozesse in Cefängnisaellen überführt. Nua könnte man sagen, dass der Nazismus in den Unheilsjahren seiner ferror-Herrschaft das deutsche Volk so durchgreifend und so generell vergiftet hat, dass ein Eindringen der Nazi-Aktivisten in Massen auch in die höheren Sphären des republikanischen Beamtenkörpers unvermeidlich war. Das Argument scheint nicht sehr stichhaltig. Zum. Glück waren nicht alle Deutschen aktive Nazis. Viele waren nur opportunistische Mitläufer, aber keine blutgierigen Mörder, und eine kleine, isolierte Minderheit war zweifellos konsequent anti-nazistisch. Und schliesslich waren selbst die Pg.’s nicht alle Verbrecher, deren sadistisches Vergnügen es war, Juden zu quälen und umzubringen. Es scheint doch so, dass es gerade der letzten, verkommensten Hefe der nazistischen Unterwelt gelungen ist, in erstaunlichem, ja bestürzendem Umfang in jene Bezirke der Verwaltung einzudringen, deren Aufgabe es ist, die Sicherheit und das Funktionieren der Normen des Rechts-Staates zu garantieren. Dies konnte jedoch nur geschehen, weil eine Verschwörung des Verschweigen® es diesen politischen Mördern möglich gemacht hat. sieh von neuem in Spitzenpositionen des demokratischen Staates einzuschleichen. Sie müssen einflussreiche Komplizen gehabt haben, nicht nur, um so lange ungestraft zu bleiben, sondern auch, um ausgerechnet Hauptkommissare, Kriminalräte, stellvertretende Polizeipräsidenten, Polizei-Ableilungsieiter und dergl. zu werden... Ueber diesen unbegreiflichen Karrieren vertierter und unbarmherziger Mörder lastet ein drückendes Geheimnis, ein Geheimnis, das endlich einmal durchbrochen werden müsste, um den Weg zur Bewältigung der Vergangenheit freizumachen. KURT KAISER-BLUETH Vier-Tage-Marsch Der 4 Tage-Marseh wird, wie alljährlich, von der israelischen Armee organisiert und zwischen dem 31. März und 5. April 1963 riattfinden. Während des 4-Tage* Marsches wird die Armee ausländischen Gruppen Zel te, ärztliche und andere Hilfe zur Verfügung stellen. 22.000 Juden in Holland Amsterdam. — Nach einem jetzt hier veröffentlich ten Bericht leben in den Niederlanden gegenwärtig 22.000 Juden. Davon sind rund 17.000 Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Vor dem Kriege gab es in Holland 150.000 Juden. (ITA) Dar Staatshaushalt Jerusalem. — Das Israelisehe Parlament hat den Haushalt für das Jahr 1962'63 in Höhe von 2.375 Milliarden IL verabschiedet. Der Etat entspricht fast genau dem Voranschlag der Regierung. Geringe Erhöhungen wurden vom Parlament für den Wohnungsbau, für die Wasserwirtschaft und einige Sonderausgaben beschlossen. Mosley ist ein Antisemit London. — Ein Journalist, der sich als Mitglied in die Partei Oswald Mosleys einschreiben liess und zehn Wochen ln dieser Bewegung verbrachte, berichtet. die antisemitischen Gefühle unter den Mitgliedern seien so stark, dass Mosley eine offen antisemitische Politik einschlagen muss, wie er dies am Vorabend deg Zweiten Weltkrieges getan hat. Alan Rogers vom „Daily Herald“ wies darauf hin, dass trotz der wiederholten Versicherungen Mosleys. weder er noch seine Bewegung seien antisemitisch, „die grosse Mehrheit seiner Anhänger in Wirklichkeit die Partei benutzt, um die abscheulichsten Rassentheorien in die Tat umzusetzen“. Er macht ohne Uin schweife die Mitglieder dieser Bewegung für einige der kürzlichen Attentate gegen jüdisches Eigentum in London verantwortlich, die „nicht etwa vereinzelte Uebergriffe darstellten“. Rogers fügt hinzu, „die Unruhen, die sieh auf den Strassen Londons abgespielt haben, könnten sehr wohl nichts anders sein als dei Auftakt zu weit blutigeren Schlachten in der Zukunft“. Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831

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