Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1985 (9.11.1962)
- Date
- 1962-11-09
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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c os « .5 FRANQUEO PAGADO Concesión 998 s £ 4- — P tl S W U <l» < O TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXIII. BUENOS AIRES, VIERNES 9 DE NOVIEMBRE DE 1962 No. 1985 EL EJEMPLAR 1Q _ en toda la República ,u‘ PUEERREDON 2199 1» iirq. T. E. 83 2613 Buenos Airea Keine rassische Diskriminierung Vereinte Nationen. — Die USA-Delegierte in der 3. UN-Kommission iür Wohlfahrt, Kultur und Mensch lichkeit, Margaret Tree, ergritt das Wort in der Deoatte. die über die Lage der sowjetischen Juden stattfand. Frau Tree richtete an den sowjetischen Delegier ten Jaakow Ostrowsky zwei direkte Fragen. Sie wollte wissen, ob die Papiere der Juden den Vermerk tragen, dass sie Juden gehören, wahrend sonst keine Religion angegeben wird, uno ob die jüdische Religion als einzige in Russland keine *<itionale repräsentative Orga nisation besitzt, während dieses Recht den Mohammedanern und allen übrigen religiösen Gruppen zugestanden wird. Frau Tree bemängelte ferner die Beschrän kung der Pressefreiheit in Russland. ' Der russische Delegierte beantwortete die an ihn gestellten Fragen überhaupt nicht sondern fragte Frau Tree seinerseits, was in Mississippi vorgegangen sei and warum die im Distrikt Columbia gelegenen Klubs, in denen er mit den Angesiell ten seiner Botschaft verKehre, keine Juden als Mitglieder aufnehmen. Frau iree entgegnete, sie bedaure es, keine Antwort auf ihre Fragen erhalten zu haben, und verwies auf den Fortschritt, der in den Vereinigten Staa ten auf dem Gebiet der Sürgerrechte erzielt worden sei. denn „um die Freiheit eines einzigen Menschen zu schützen, war die USA-Regierung bereit, Militärgewalt anzuwenden.“ Die Diskussion über die Lage der russischen Juden dauerte über eine Stunde. Schon vorher hatte der australische Delegierte die Sowjetregierung des Antisemitismus beschuldigt und der russische Delegierte ihm ,,Lügner“ zugeruien. Der Repräsentant Australiens in der Kommission. H. D. White, sprach von der Tragödie des jüdischen Vol kes während der Nazizeit und gab der Besorgnis seiner Regierung über das Wiedererwachen antisemitischer Gefühle und die in vielen Ländern gegen jüdische Institutionen verübten Attenta te Ausdruck. Er fügte hinzu. in einigen Ländern würden diese Ausschreitungen von der Polizei unterdrückt, doch in der Sowjetunion greife die Regierung zu kei Debatte in der Knesset Jerusalem. — Die Lage der lateinamerikanischen Judenheit war Gegenstand einer Aussprache in der Knesset und wurde einer Kommission überwiesen. Die Debatte fand auf Antrag des Cherut-Abgeordneten Chaim Landau statt, der sich zun. Wort gemeldet hatte. Arbeitsminister Jigal Allon antwortete auf die Ausführungen Landaus und schlug vor, diesen Fragenkomplexdurch eine Kommission prüfen zu lassen, womit Landau sich einverstanden er klärte. (ITA) , nen irgendwie gearteten Massnahmen, um gegen derartige Uebergriffe einzuschreiten. White bezog sich auf die Ausführungen des sowjeti sehen Delegierten, der kurz vor ihm gesprochen hatte, und erwähnte die behördliche Beschränkung der Glaubensfreiheit, die Schliessung der Synagogen und das /erbot zur Herstellung von Mazzot für das vergangene Pessach-Fest, sowie den hohen Prozentsatz von Juden unter den wegen Wirtschaftsverbrechen zum Tode verurteilten oder hingerichteten Personen. Er unterstrich, dass die Sorge um das Schicksal der Juden in Russland von all denen geteilt würde, die für die menschliche Freiheit kämpfen. Er forderte die sowjetische Regierung auf, Massnahmen zu ergreifen, um dem antisemitischen Feldzug, den die russische Presse führt, Einhalt zu'gebieten. Schliesslich ersuchte er die Sowjetunion offiziell im Namen seiner Regierung, allen Juden die ausw’andern wollen, die Erlaubnis zum Verlassen des Landes zu erteilen. Hier zitierte er den Artikel 13, Paragraph 11. der Deklaration der Menschenrechte dei besagt: ..Ein jeder Mensch besitzt das Recht, sein Land zu verlassen und in sein Land zurückzukehren.“ ZWEI RESOLUTIONEN Vereinte Nationen.—Nach einer achttägigen Debatte in der 3. UN-Kommission, in der die Vereinigten Staaten, England und Australien den Antisemitismus in der Sowjetunion scharf verurteilten. wurden zwie getrennte UN-Deklarationen vorgeschlagen, in denen erklärt wird, dass die rassische Diskrimination eine ungeserzliche Verletzung der UN-Prinzipien darstellt. Diese Kom mission. die ■ ursprünglich drei Sitzungen über das Projekt der Annahme von Massnahmen zur Unterdrückung von Kundgebungen des Rassenhasses und religiöser Vorurteile anberaumt hatte, tagte bisher schon sieben Mal. Am vergangenen Wochenende nahm die Kommission eine Resolution an, durch die „alle Regierungen aufgefordert werden, ihre Bemühungen zur Erziehung der öffentlichen Meinung fortzusetzen, um Ras senvorurteile und Intoleranz gegen andere Religionen und Völker auszumerzen und alle unerwünschten Einflüsse, die derartige Vorurteile nähren,, auszuschalten. Die Resolution fordert ferner alle Regierungen auf, noch be stehende diskriminatorimhe Gesetze abzuschaffen und entsprechende „legislative und andere Massnahmen“ zu ergreifen. A!gsrien in dar Arabischen Liga London. — Der Rat der Araberliga hat bei seiner kürzlichen Sitzung in Kairo einstimmig die Aufnahme Algeriens als Mitgliedstaat gebilligt. Nach Angaben der ägyptischen Nachrichtenagentur NEN erhöht sich die Zahl der Mitgliederstaaten der Liga damit auf 13. — (AWZ) Die USA-Delegierte Margaret Tree und der Delegierte Australiens H. D. White verlangten wiederholt von dem sowjetischen Repräsentanten in der 110 Mitglieder zählenden Kommission. Frau T. N. Nikolaewa, auf die an sie gerichteten Fragen über die offizielle Diskriminierung gegen die russische Judenheit und die Weigerung des Kreml, den Juden die Auswanderung aus der Sowjetunion zu gestatten, eine prä zise Antwort zu erteilen. Die schliesslich angenommene Resolution gebraucht nicht den Ausdruck „Antisemitismus“. Allerdings erhob der französische Delegierte Jean Bouquin den Einwand, dass es sich gerade um Antisemitismus handele. Die Resolution stellt fest, dass die Debatte im Jahre i960 ihren Anfang genommer habe, als die Subkommission für die Verhütung von Diskrim ination und den Schutz der Minderheiten die Aussprache begann, die jetzt zu der Annahme der Resolution führte. Die arabischen Delegierten in der Kommission bekämpften energisch die Verquickung von Rassendiskrimination mit religiöser Intoleranz. Die Kombiission beschloss endlich, dass die zweite Resolution, die zur Annahme vorgelegt wurde, in zwei Punkte geteilt werden soll, um von den UN eine Deklaration gegen religiöse Diskrimination und hiervon getrennt eine Konvention gegen den Rassenhass zu fordern. Man glaubt, dass die Resolutionen einstimmig angenommen werden dürften. Tagung der Neonazi - Bewegung München. — Wie erst vor kurzem bekannt wurde, »and Anfang September in Passau eine Tagung des sogen innten „Jungeuropäischen Arbeitskreises“ statt. Die Tagung wurde vom Herausge ber der Zeitschrift „Nation Europa“ gemeinsam mit dem ehemaligen Mitarbeiter von Goebbei^, Helmuth Sündermann, einberufen. Die Zahl der Teilnehmer war ausserordentlich gross — man spricht von mehr als 300! Unter diesen waren mindestens 60 Personen aus Oe sterreich. Die österre-chischen Delegierten vert-aten den aufgelösten „Bund neimattreuer Jugend“ und andere kleine Gruppen, wi« z. B. die „Oesterreichischr? Landsmannschaft“. Auffallend stark war die deutsche Delegation, die na hezu alle in Deutschland tätigen rechtsradikalen Gruppen vertrat, unter Ihnen die „Deutsche Gemeinschaft“, den „Jugendbund Adler“ ferner die deutsche Aotei lung „Junges Europa“ Es verdient Beachtung, dass bei der Tagung auch die ehemalige rumänische Eiserne Garde vertreten war (es handelt sich derzeit na türlich nur um eine Exil- Organisation). ehemalige ungarische Pfeilkreuzler. ehe malike slowakische Hlinka Gardisten und — um die Runde voll zu machen — auch Vert'eter faschistischer Bulgaren. Einer der Hauptredner auf der Tagung war der Oesterreicher Erich Kernmayer, allgemein unter dem Namen Erich Kern be kannt. Erich Kernmayer gibt die rechtsradikale „Deutsche Wochenzeitung“ in Hannover heraus. Ziel und Zweck der Ta gung war, den sogenannten „südlichen Raum“ zu koordinieren. Im nächsten Jahr soll auf einer zweiten Tagung iu Hamburg der „nordische Raum“ organisiert und koordiniert werden. Die Neonazis und Faschisten glauben, dass dann die Grundlage für eine „gesamt europäische faschistische Internationale“ geschaffen ist Zur Erreichung der angestrebten Ziele und Zwecke wurde empfohlen und beschlossen, dass die einzelnen Organisationen in den ver schiedenen Ländern unter einander die Kontakte ausbauen, sich gegenseitig ir. jeder Beziehung unterstützen und insbesondere auch wenn es die Situation erfordert, vor allfälligen bevorstehenden Aktionen politischer Gegner oder seitens der Behörden den betroffenen Organisationen Warnun gen zukommen lassen. Manche Beobachter der Tagung fragten sich, warum der „nordische Raum“ nicht schon jetzt in Passau vertreten war. Kenner der Verhältnisse sind die Ansicht, dass dies auf die Misserfol- ARABER SCHAENDEN FRIEDHOF Jerusalem. — Oberrabbiner Jizehak Nissim gab bekannt, er habe sich telegrafisch an die Führer zionistischer, rabbinischer und gemeindlicher Organisatio nen in der Wejt mit der Bitte gewandt, ihren Einfluss geltend zu machen, um gegen die Schändung des alten jüdischen Friedhofs auf dem Oelberg in der Altstadt Jerusalems zu protestieren. Rabbiner Nissim erklärte, er habe sich zu diesem Schritt veranlasst gesehen, da er nach-einem Besuch des Zionsberges durch ein kürzlich dort aufgestelltes Teleskop den alten jüdischen Friedhof betrachtet habe. Dabei habe ich genau sehen können, dass die Araber eine Strasse von Jericho quer durch den Friedhof nach einem neuen Hotel aniegen, das von der International Hotels Inc„ einem Zweigunternehmen der Panamerican Airways gebaut wird. (ITA) Vom Fuehrer zur Führungakademiie Generalmajor de Maiziere, Kommandeur der Bunüeswehr-Führungsakademie, Nachkömmling einer alten nach Deutschland emigrierten Hugenottenfamilie, hat jüngst den Präsidenten der Französischen Republik General Charles de Gaulle, bei seinem Vortrag vor rteo Nachwuchsoffizieren der Bundeswehr in einer feierlichen Rede in französischer Sprache empfangen, in einer Rf*de, von der ein pariser Reporter schrieb, dass „man sich unwillkürlich wundere, einen Offizier mit so rein französischem Namen mit so betont deutschem Akzent sprechen zu hören.“ Generalmajor de Maiziere ist zweifellos einer der eminentesten Offiziere der deutschen Bundesrepublik. Ihm ist ein ganz besonderer Vertrauensposten überfragen. Seine Aufgabe, den Führungsnachwuchs der neuen deutschen Wehrmacht im Sinne einer modernen und *ufgeschlossenen Demokratie heranzubilden und ihn mit einem neuen Geist zu erfüllen, der prinzipiell von dem verknöcherten und verzopften Ungeist des alten preusji sehen Militarismus absteehen soll, ist zweifellos so über ragender Natur, dass man, ohne zu übertreiben, sagen kann, dass Herr Maiziere in einer tragenden Kern- und Schlüsselposition der deutschen Bundeswehr am Kommandosteuer steht. Nun ist gerade jetzt, und zwar kurioserweise am Tage selbst, an dem der heutige Generalmajor de Maiziere den Präsidenten Frankreichs in der Hamburger Bundes wehr-Führungsakademie begriisste. in der „Deutschen Verlagsanstalt, Stuttgart“ eine von Helmut Heiber herausgegebene Dokumentensammlung erschienen, in der auch Herr de Maiziere vertreten ist. Das ist ein dicker Band von 971 Seiten und er ist nicht billig, er kostet nicht weniger als 96,— DMark. Es sind „Hitlers Lagebesprechungen. Die Protokollfragmente seiner militärischen Konferenzen 1942—1945“. Diese Fragmente sind die Reste von 103.000 Seiten Protokollen, die die Nazis* in*Berchtesgaden beim Zusammenbruch verbrannt haben uni von denen immerhin 3.500, mehr oder weniger lädiert von den Amerikanern vor dem Verkohlen gerettet werden konnten. Hitlers „Lagebesprechungen“ fanden stets vor einem ausgewählten und gutgesiebten Kreis statt, und es ist als sicher zu betrachten, dass die, die die zweifelhafte Ehre hatten, an ihnen teilzunehmen, keineswegs zu den Opponenten des Regimes, nicht einmal zu den lauen Befürwortern, sondern zu ihren bedenkenlosesten Bejahern zählten. In den Fragmenten, die „Die Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart“ publiziert, tritt auch Herr de Maiziere auf, damals noch ein schlichter Oberstleutnant. Bei dem Lagebericht am 23. März 1945, also kurz vor Toresschluss, sprachen der General Burgdorf, der Oberstleutnant de Maiziere und der „Führer“ der noch immer das ruchlose Spiel nicht verloren gegeben hatte. Was auch immer damals der Oberstleutnant de Maiziere in diesen Untergangstagen war, der heute als Chef der Militärakademie einer Demokratie, als der Erzieher des Führungsnachwuchses eines republikanischen Heeres auftritt. damals produzierte er sich als militärischer Be rater Adolf Hitlers im Wilhelmstrassen-Bunker, auch wenn er sich mit dem, was er dort zum Besten gab, nicht kompromittiert hat. Man fragt sich, über diesen Einzelfall hinaus immer wieder, zweifelnd, bestürzt und voller Unbehagen: haben die Deutschen nach den bitteren Erfahrungen der zwäifeinhalb Blut- und Schreckensjahre wirklich keine ande ren Chefs an die Spitze ihrer neuen Armee zu stellen, als diese Männer, die seinerzeit ihrem „Führer“ treu bis in die Moderatmosphäre des im Granatenregen einst,ürzenden „Führer-Bunkers“ geblieben waren?! KURT KAISER-BLUETH ge der „Tätigkeit" eines der Führer der englischen Fa schisten. Collin Jordan, zurückzuführen sein könnte. Im Verlauf der Tagung wur de die Taktik, die Jordan in England anwandte, kriti siert. ★ Es scheint, dass derzeit innerhalb der rechtsradikalen Gruppen in Oesterreich eine Umgruppierung im G'*nge ist. Damit dürfte es wohl Zusammenhängen, dass der ehemalige Bundesführer des „Bundes heimattreuer Jugend“, Konrad Windisch in Passau nicht erschienen ist. Die Tagung war nach dem „Führerprinzip“ ausgerichtet. Es gab keine eig^ntli che Diskussion. Auf verschiedene Fragen antwortete lediglich Dr. Peter Kleist ehemaliger Mitarbeiter von Dr. Ribbentrop. (IPN) Drei jüdische Senatoren Washington. — Drei Juden wurden bei de« letzten nordamerikanischen Wahlen in den Senat und neun jüdischte Abgeordnete werden wieder als Deputierte in das Repräsentantenhaus ein ziehen. Die neuen jüdischen Senatoren sind der newyorker Republikaner Jacob K. Javits, der mit der bisher grössten Mehrheit im Staat New York für eine zweite Amtsperiode wiedergewählt* wurde, der demokratische Deputierte für Alaska. Ernest Gruening. und der frühere Wohlfahrts-Minister Abraham Ribicoff. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Imnreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831