Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1962-09-28 · 1979 (28.9.1962) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1979 (28.9.1962)
Date
1962-09-28
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9616703-9612947-9613471--2370-9613492
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Vienna, 28 de Septiembre de 1962 SEMANA ISRAELITA Año XXIII. — No. 1 97: Chief Justice Earl Warren i I Eil« wegen seiner Positi on und wegen seiner Qualifikationen ungewöhnliche Persönlichkeit weilte unlängst in Israel zu Besuch: der Präsident des Obersten Gerichtshofs der USA, Chief Justiee Earl Warren. Zum ersten Mal war diesem Obersten Richter der Verei rügten Staaten der Gedanke, Israel zu besuchen, wohl vor einigen Jahren gekommen, als er kurze Zeit das Jüdisch - theologische Semi nar in New York besuchte und dort eine Einführung in jüdisches Recht erhielt. Damals bestätigte sich seine Auffassung, dass das anglosächsische Recht in mancher Hinsicht auf uralten jüdischen Rechtsgedanken basiert, und damals war es auch gewesen, dass er sich stärker für das heutige Israel zu interessieren begann, obwohl er von jeher ein Freund der jüdischen Sache im allgemeinen und des Gedankens des jüdischen Staates im besonderen war. Stets hatte Warren, — welche Funktionen er auch in seinen früheren Jahren bekleidete —, gegen Diskriminierung wegen Rassen- oder Religionszugehörigkeit gekämpft, und gerade dieses Gebiet, Kampf gegen Ungleichheit und rassische und religiöse Verunglimpfung und Benachteiligung, wurde zu seinem „Schicksal“ im Rahmen seiner Karriere als Oberrichter: Er war es, der das für die ganze neue Geschichte der USA schicksalhafte und entscheidende Urteil sprach, durch das Separation jm Schulwesen — zwischen weissen und farbigen Kindern — als verfassungswidrig erklärt wurde. Der bisher in den amerikanischen Südstaaten geltende Grundsatz, dass „Gleichheit, aber separierte Gleichheit" zu herrschen habe je nach der Farbe des Staatsbürgers beziehungseise des Schülers in den Unterrichtsanstalten, sei ungesetzlich und stelle eine Verletzung der Grund rechte dar — so hiess es in dem von dem Chief Justiee verkündeten Urteil. EIN STURM ERHOB SICH Diese Entscheidung des Washingtoner Obergerichts löste im Süden des Landes einen wahren Sturm aus, und Präsident Eisenhower sah sich damals genötigt, Truppen zu entsenden, um die Ruhe wieder herzustellen. In den USA besitzt das höchste Gericht allerweitesle Vollmachten. Es ist befugt, Beschlüsse und An Ordnungen nicht nur der gesetzgebenden Körperschaften, sondern auch der Exekutivbehörden aufzuheben, wenn diese der Verfassung widersprechen. Die Mitglieder dieses Gerichtshofes, in dem der Präsident „Erster unter Gleichberechtigten“ ist, haben somit einen ungewöhnlich verantwortlichen Posten; sie sind niemand anderem als ihrem Gewissen verantwortlich. Die Bestellung der Oberrichter freilich erfolgt durch den amerikanischen Präsidenten und Eisenhower war es gewesen der vor neun Jahren Earl Warren zum Präsidenten des Obergerichts ernannt hat. Warren besass keine direkte richterliche Vorbildung, obwohl er Jahre lang als Staatsanwalt und später Bezirksstaatsanwalt gewirkt hatte. Dagegen zeichnete er sich durch einen klaren Menschenverstand, Unbestechlichkeit, Fairness, ungewöhnliche Ehrenhaftigkeit und ein gesundes, stark ausgeprägtes Rechtsempfinden aus. Stets nahm er sich der Sache der Unterdrückten an und vertrat nach besten Kräften den Standpunkt der Gleichheit. Er war es auch, der moderne Auffassungen von Krankenversicherung und öffentlichem, d. h. aus öffentlichen Mitteln zu bestreitendem Gesundsheiswesen in Kalifornien einführte. EINZIGARTIG: DREIMAL W1EDERGEWAEHLT Erl Warren unterbrach, nachdem er lange als Staatsanwalt tätig gewesen war, seinerzeit diese Karriere und ging zur politischen Laufbahn über. Er wurde als republikanischer Kandidat zum Gouverneur des Staates gewählt, und hierbei geschah eine Art Wunder, ein Präzedenzfall sui generis: er wurde drei Mal wiedergewählt und immer wieder mit dem wichtigen Gouverneursposten ihn Staat Kalifornien betraut. Das letzte Mal — ein weiteres Wunder — gaben für ihn nicht nur die Republikaner, sondern auch die Demokraten ihre Stimme ab. Während seiner vorhergehenden Tätigkeit, als Staats anwalt, hatte er es sich nicht leicht gemacht, wie es überhaupt nicht sein Lebensprinzip ist, unangenehmen Entscheidungen und schwerwiegenden Beschlüssen aus dem Wege zu gehen. Er hatte Bürgermeister, Stadträte. Gewerkschaftsführer „zur Strecke“, d. h. vor Gericht gebracht und viele gesetzeswidrige Manipulationen aufgedeckt. Obwohl seine Weltanschauung auf liberalen Ideen basiert und er die individuelle Initiative im Leben des Staates und der Gesellschaft in den Vordergrund stellt, betont er doch jeweils die Notwendigkeit sozialen Verhaltens, dergestalt, dass die Rechte des Mitbürgers respektiert und nicht angetastet werden dürfen. WARRENS VERGANGENHEIT Die Grosseltern des heutigen Chief Justiee waren völlig unbemittelt aus Norwegen in Amerika eingewandert. Auch der Vater von Earl Warren lebte in einfachen Verhältnissen, und war als Eisenbahnarbeiter tätig. Der junge Earl musste sich den Grossteil der Mittel zum Lernen und späteren Studium selbst beschaffen. Er begann, wie damals in den USA üblich, als Zeitungsjun ge, Botenjunge, Laufjunge, Landwirtschafts - Arbeiter, Werkstudent. Eigentlich hatte er nur einen Misserfolg im Laufe seiner Karriere zu verzeichnen: als er 1948 bei den Wahlen für den Posten des amerikanischen Präsidenten als Kandidat für das Vizepräsidentenamt aufge stellt worden war und durchfiel. Aber das lag wohl weniger an ihm selbst als an dem damaligen Präsidentenkandidaten Dewey. Warren ist eine gewichtige Persönlichkeit, dies auch im wörtlichen Sinne, da er rund hundert Kilo wiegt bei seiner Grösse von rund 1,70 m. Als ein Freund von Israel ist er ins Land gekommen, obwohl er, im Gegensatz zu anderen Mitgliedern des amerikanischen Obersten Gerichtshofes, nur relativ selten weite Auslandsreisen unternimmt. Der achttägige Besuch in Israel erfolgte auf Initiative von Dr. Lous Finkeistein, dem Präsidenten des eingangs erwähnten newyorker Jüdischen Theologischen Seminars. DAS NEUE JAHR IN ISRAEL Das Rosch Haschana-Fest nimmt in Israel seinen besonderen Platz ein, denn mit dem Beginn des neuen Jahres erneuert sich auch der Zyklus in der Landwirtschaft des Landes. Die Ernten wurden eingebracht, und die Neubestellung des Landes wird begonnen. Rosch Haschana ist das einzige Fest, das in Israel an zwei Tagen, wie in der Gola begangen wird, wäh rend die Israelis sich an den drei Wallfahrtstagen mit nur j« einem Tag begnügen müssen. In Israel begeht man viele „Neujahrstage“. Da ist der 1. Januar, der im Wirtschaftsleben des Landes eine gewisse Rollo spielt, denn vlfele Wirtschaftsunternehmungen und die Banken an der Spitze schliessen ihre Bücher zum ersten Januar ab, und dieser Tag ist daher auch Bankfeiertag, der den Banken die Möglichkeit gibt, ihre Abschlüsse und Bestandaufnahmen vorzunehmen. Von den geräuschvollen Neujahrsveranstaltungen, wie sie in vielen Ländern üblich sind, ist nur wenig zu spüren, wenn auch in den grossen Hotels und Nachtbars sich Sylvesterfeiern einer gewissen Popularität erfreuen. Das „Neujahrsfest der Bäume" ist zu einem frohen Fest der Kinder geworden, die durch Pflanzen von Bäumen mit dem Boden des Heimatlandes und seiner Natur verbunden werden sollen. Der erste April ist der Neujahrstag des Staatsbudgets und der Budgets der Munizipalitäten und öffentlichen Institutionen und bringt mit Steuer und Zoll «on Dr. KURT 0TTENS00SER (Israel) erhöhungen oft unerwünschte Ueberraschungen mit sich. Aber das Rosch Haschana- Fest hält seinen besonderen Platz im Leben des Volkes, das mit ernsten Gedanken und mit seinen Gebeten den Zyklus eines neuen Jahres nach den alten Gebräuchen und mit innerer Einkehr beginnt. Aber die jüdischen Feiertage haben in Israel auch ihre enge Verflechtung mit der Natur des Landes zurückerhalten, und die hohen Feiertage stehen so auch am Ende und am Anfang eines neuen landwirtschaftlichen Jahres, wie dies auch die Gebete für diese Tage es unterstreichen. Sie gipfeln am Ende dieser Tage in dem Dank für die eingebrachten Ernten und in der Bitte um Regen, von dem das Land so sehr abhängig ist. REICHE ERNTEN FUELL- TEN DIE KAMMERN Das jetzt zu Ende gehende Jahr brachte der Land Wirtschaft Israels fast auf allen Gebieten reiche Ernten und den Landwirten gute Gewinne. Israel gehört heute zu den besternährten Völkern der Weit und rund 93 Prozent aller Lebensmittel — abgese hen von Getreide — wird von der heimischen Landwirtschaft erzeugt. Im Verbrauch von Eiern steht Israel an der ersten, in der von Gemüse und Obst an einer sehr hohen Stelle. Die landwirtschaf.liche PiGdükiion br-läuft sich heute auf über 920 Millionen 1L, und die Produktion stieg im letzten Jahr um 9 Prozent, aber die Einnahmen der Landwirtschaft um 13 Prozent, somit eine Einkommens Steigerung des Bauern, die etwas über der allgemeinen Steigerung des Einkommens im Lande lag. Auch die jetzt eingebrachlen Ernten waren sehr befriedigend. Besonders an Gemüsen, Obst und Wein (rauben wurden grosse Quantitäten eingebracht: die jetzt im Gang befindliche Baumwollernte verspricht eine sehr gute zu werden, und auch bei der Zitrusernte wird mit einem wesentlich grösseren Anfall an Früchten gerechnet wie im Vorjahr. Die mit Zitrus bepflanzte Fläche wurde weiter ausgebaut, und rund 375.000 Du nam sind hiermit angebaut, wovon 200.000 Dunam voll tragen. WOLKEN AM HIMMEL DER LANDWIRTSCHAFT Wern trotzdem die Landwirtschaft mit einer gewissen Besorgnis in die Zukunft sieht, so sind zwei Momente dafür massgebend. Die Israelis leiden heute, wie soviele der modernen Landwirtschaften, unter einer gewissen Ueberproduktion und sind besorgt über den landwirtschaftlichen Export, der zu 90 Prozent in europäische Länder ging und sich den neuen Beschränkungen gegenübprsieht, die die Politik der EWG (Europäischer Wirtsebaffs- Gemeinschaft) für den Schutz der eigenen Landwirtschaft mit sich Dringen kann, wenn es Israel nicht doch gelingen sollte, zu entsprechenden Abmachungen mit der EWG zu gelangen. DIE SCHWERE LAGE MOSCHE DAJANS Landwirtschafts - Minister Mosche Dajan sieht sich in einer schweren Lage angesichts der Ueberproduktion der israelischen Landwirt Schaft. Er will Ueberschüsse, die nicht verwertet werden können, vermeiden und dadurch auch das Einkommen des Landwirts hoch hal ten. Er sah sich kürzlich einem heftigen Angriff ausgesetzt, den ein Mann Wie Professor Halperin, der Generaldirektor der Landwirtsehaftsbank und ein alter Mapai Mann, gegen ihn führte. Ei-i Landwirtschaftsminister ist da, um die Produktion der Landwirtschaft zu steigern, nicht aber sie abzubremsen und zu zügeln, rief Professor Halperin auf einer Landwirtschaftstagung aus und forderte Mosche Dajan auf, von seinem Amt zurückzutreten. Es sei besser, gewisse Ueberschiisse zu produzieren, selbst wenn Ben Gurion wieder in Israel Tel Aviv. — Ministerpräsident Ben Gurion traf nach seiner einmonatigen Reise nach fünf skandinavischen Ländern und einigen Ruhetagen in der Schweiz in Israel ein. Er wurde vom stellvertretenden Pre* mierminister Mosche Shapiro und anderen Kabinettsmitgliedern, dem gesamten diplomatischen Korps unter Führung des englischen Botschafters Patrick Hancock hohen Offizieren und Beamten empfangen. Aui dem illuminierten Flugfeld in Lod hatte eine Ehrenkompagnie Aufstellung genommen. Bt I Gurion verlas eine Erklärung, in der er feststellie. dass die Ergei,> nisse seiner Besuche seine Erwartungen übertroffen hätten. „Wo ich hinkam, wurde ich von den Regie rungen, der Presse und dem Publikum im allgemeinen herzlich und freundschaftlich empfangen“, so betonte er. (ITA) Israel und UN-Versammlung Jerusalem. — Aus den Anzeichen für eine Initiative der Vereinigten Staaten in Fragen des Mittelostens, die bei der jetzigen Generalversammlung der UN zur Spra-- che kommen könnten, lässt sich kein grundlegender Wandel der nordamerikanischen Haltung zu Israel ent nehmen, wie informierte Kreise erklärten. Diese Ansicht herrscht trotz der Welle von Gerüchten und Informationen über eine für Israel günstigere Politik der USA. Hiesige Quellen sind sich einig, dass obwohl Washington Verständnis für die Sicherheitslage Israels zeigt, tiefgehende Meinungsverschiedenheiten mit Jerusalem in bestimmten Fragen vorhanden sind. Die jerusalemer Beobachter verweisen z. B. in diesem Zusammenhang auf die Weigerung der USA-Delegation, die in der vergangenen Generalversammlung von 16 Nationen eingebrachte Resolution für direkte Friedens- Verhandlungen zwischen Israelis und Arabern zu unterstützen. Als weiteres Beispiel nennen sie die Einstellung der USA zum Problem der arabischen Flüchtlinge, das Israel als einen humanitären Fall betrachtet, der vom politischen Fragenkomplex getrennt behandelt werden sollte. Hierzu verlautete, dass Israel sich einem voraussichtlichen Vorschlag des Emissärs der Schlichtungs-Kommission für Palästina, Dr. Joseph Johnson, widersetzen dürfte, welcher die Berücksichtigung der arabischen Wünsche zur Wiederansiedlung empfiehlt, da unter den herrschenden Bedingungen eine Abstimmung hierüber wahrscheinlich nur unter dem starken Druck der arabischen Regierungen vor sich gehen würde. (ITA) diese auf den Misthaufen geworfen werden müssen als die Produktion cinzuschränken und sie von oben auf dem Weg von Quotenzuteilungen regulieren zu wollen, meinte der Professor. SCHNELLE ENTWICKLUNG Die junge Landwirtschaft entwickelte sich sehr gut und nimmt besonders auf dem Gebiet der Gemüsepro duktion und der Erwirtschaft einen wichtigen Platz ein. Bei der Quotenzuteilung wurde auch den Bedürfnissen der Landwirtschaft weitgehende Rücksicht eingeräumt. Dies gilt ebenfalls für die Verteilung der Wassermengen. Diese wurde zu einem ernster Problem, da das Land am Ende seiner Wasserreserven angelangt ist und die Wasserzuteilung jetzt im Rah men des nationalen Wassergesetzes sehr ernsthaft durchgeführt wird. Die Jordan-Wasserleitung soll in erster Linie dem Negew Wasser zuführen, der jetzt ebenfalls der landwirtschaftlichen Erschliessung. soweit dies nur möglich ist, zugeführt werden soll. Infolge der Mechanisierung der Landwirtschaft, die schnell weiterschreitet, ist auch die Zahl der in der Landwirtschaft beschäftigten Personen gefallen, und man ergreift jetzt Schritte, um auch in landwirtschaftlichen Bezirken Industrien anzusetzen. Die Erschwerungen im Export der landwirtschaftlichen Produkte nach den Ländern der EWG haben sich bisher noch wenig ausgewirkt, und der landwirtschaftliche Export konnte weiter gesteigert werden, aber dieses Bild muss sich ändern, wenn es nicht gelingt, zu einer befriedigenden Lösung der israelischen Handelsbeziehungen zur EWG zu kommen. WWWWWMWMMWWMMWHWWWW' MACABI | VENDE SUS SEDES SOCIALES Y DEPORTIVAS TUCUMAN 3135 ó CORRIENTES 5268 INDISTINTAMENTE ¡¡Ofertas a Tucumán 3135 todos los días de 19 a 22 i DEPARTAMENTOS EN ISRAEL TEL AVIV - HAIFA y sus alrededores VENDEMOS A ESTRENAR CON AMPLIAS FACILIDADES Corrientes 2025 - 2e. piso A. 45-3094

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.