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Jüdische Wochenschau · 1962-09-28 · 1979 (28.9.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1979 (28.9.1962)
Date
1962-09-28
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German, Spanish
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Viennes, 28 de Septiembre de 1%2 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXIÍI. — No. 1979 — . DAS IST UNSER WEG von Uohbiner EGON ISRAEL LOEWENSTEIN Wir stehen an der Schwelle eines neuen Jahres. Wir iiihlen uns aufgerufen, wieder innezuhalten. Begreifen wir das Geheimnis, das Be- Zustand, in dem der Mensch Mas Hasten des Alltags UPschöpferische Pause einen ginn und Abschluss eines Jahres umgibt? Können wir ergründen, warum wir gerade in diesen Tagen fühlen, dass wir uns besinnen müssen? Mitten in das Unmessbare der Zeit treten die von Menschen gesetzte Caesuren. Aber eben darin liegt das Geheimnis der Jamim Noraim — der ehrfurchtgebietenden Tage. Ein moderner Philosoph nannte die terbricht, um neue Kräfte des Geistes und der Seele zu sammeln. Wir Juden haben verstanden, die Caesur des Jahresendes und seines Neubeginns zu einer schöpferischen Pause in unserem Leben werden zu lassen. Die Teschuwa, die Umkehr, die die Folge der Besinnung sein soll, erfüllt unsere Seele mit neuer Kraft, mit neuer Hoffnung und mit neuem Vertrauen. In den kommenden Tagen der schöpferischen Pause brennen uns viele Fragen an die Zukunft auf dem Herzen. Um uns herum erlebt die Welt stürmische Krisen. Wieder einmal bewegt uns die Frage nach dem Weg. den die Menschheit nimmt, Dabei ist vielleicht das spezifisch jüdische Problem nicht das wichtigste. Möglicherweise hat Nachum Gold, mann recht, der auf der letzten Sitzung des Aktionscomitäs der zionistischen Exekutive in Jerusalem erklärte, dass die augenblicklichen antisemitischen Erscheinungen der ,,Sch\vanengesang‘ sind. Vor allem sehen wir, dass die Gegensätze unter den Nationen der Erde neue Konfliktstoffe geschaffen ha ben, die uns nunmehr näher gerückt sind. Viele unter uns haben in den letzten Jahren in einem gefährlichen Irrtum gelebt. Sie glaubten, dass für uns Juden alle Probleme gelöst sind. Und jetzt erleben wir erneut die Wahrheit eines Wortes unseres Denkers Jehuda Halevi, der 1085 in Castilien geboren ist und in seinem Kusari schrieb: ,,Israel ist unter den Völkern der Erde wie das Herz unter den Organen. Es ist das kränkeste von allen und das gesündeste zugleich." So wie das Herz das empfindlichste unter den Organen des menschlichen Körpers und von Krankheiten oft zuerst angegriffen wird, so wirken sich die Krisen der Weltgeschichte zuerst an den Juden aus. So wie aber das Herz auch das widerstandsfähigste Organ ist, so beherrscht Israel auch die Krisen der Menschheit. Das vergangene Jahr hat uns gezeigt, dass wir nicht versuchen dürfen, mit sattem Selbstbehagen nur unsere eigenen individuellen Probleme zu lösen. Es ist eine Illusion zu glauben, dass während um uns herum die-Weltgeschichte neuen Entwicklungen entgegen geht, wir ungestört die Früchte dieser Erde gemessen dürfen. Wir sind ein Teil dieser Welt, in der wir leben. Ihre Probleme sind auch die unsrigen. Wenn wieder einmal um uns herum alles in Fluss gerät, haben wir mit jüdischer Haltung eine jüdische Antwort zu geben. Wir tragen gemeinsam mit allen Völkern der Erde die Verantwortung für die Zukunft der Menschheit. Niemand unter uns weiss, was das Jahr 5723 uns and den Völkern bringen wird. Niemand kennt den Weg, den wir gehen. Aber so scheint mir die Frage auch falsch gestellt. Eine Anekdote, die uns von Samson Wertheimer — einem Hofjuden am Kaiserhof in Wien, der 1658 in Worm, geboren und 1724 in Wien gestorben ist — erzählt wird, lehrt uns, die Frage richtig zu stellen. Er traf auf einem Spaziergang den österreichischen Kaiser, der ihn fragte: ,,Wohin gehst Du?“ — „Majestät“, antwortete Rabbi Samson, „ich weiss nicht, wohin ich gehe.“ Der Kaiser verurteilte —' über diese Antwort verärgert — Wertheimer zu Gefängnis. Als sich nach einigen Tagen sein Zorn gelegt hatte, liess er Rabbi Samson rufen und fragte ihn: „Was hat Dich, der Du so intelligent bist, veranlasst, mir eine solche nichtssagende Antwort zu geben?“ „Im Gegenteil, Majestät,“ antwortete er, „ich habe meine Antwort sehr abgewogen. Hätte Eure Majestät mich gefragt, wohin willst Du gehen, hätte ich geantwortet: In ein Geschäft. Aber da Eure Majestät mich fragte: Wohin gehst Du? konnte ich nur antworten: Ich weiss es nicht. Und es war richtig so, denn ich wollte in ein Geschäft und wohin kam ich? Also, weiss der Mensch, wohin ihn der Weg führt?“ In dieser Antwort eines BNE BRIT - LOGEN IN DEUTSCHLAND Anlässlich des 80jähr;gen Bestehens der Bne Brit-Logen in Deutschland und zum Andenken an den 25. Jahrestag ihrer Auflösung in diesem Land hatten die beiden, heute dort wieder bestehenden Logen, die Leo Baeck- Traditionsloge, Berlin, und die vor ca. einem Jahr in Frankfurt am Main neu gegründete Loge ihre Brüder und Schwestern in aller Welt eingeladen, an den in weitem Rahmen geplanten Feierlichkeiten teilzunehmen. Es war mit der Gefahr zu rechnen, dass eine solche Veranstaltung zu Missverständnissen führen könne, und wenn es trotzdem eine erfolgreiche und fast aufsehenerregende Ta gung wurde, so lag das vielleicht in erster Reihe an dem Umtsand, dass sich die Feiern, im Gegensatz zu den . Veranstaltungen in anderen Ländern, vor der breiten Oeffentlichkeit abrollten. Regierung und Senat der Stadt Berlin hatten nicht nur durch ihre persönliche Teilnahme die Bedeutung dieser Tagung unterstrichen, sondern sie hatten auch die | Kongresshalle und ein Or | chester zur Verfügung ge i stellt. *0 CELESTE es al LATEX 9 y e$ de MBA l Schon die Eröffnungsfeier im grossen Festsaal des Gemeindehauses der Jüdischen Gemeinde Berlin, der eine ungewöhnlich grosse Anzahl von Menschen beiwohnte, erreichte durch die Ansprachen des Präsidenten der berliner Loge, Wilhelm Grzyb, und vor allem durch die von tiefem Ernst getragenen Worte des Grosspräsidenten der europäischen Logen, Dr. Guggenheim, Zürich, ein hohes Niveau. Dr. Guggenheim betonte die tiefe Verbundenheit aller Logenbrüder in Europa und Uebersee mit ihren Brüdern in Deutschland, eigentlich eine Tatsache, die sich als selbstverständlich unter den Leitmotiven der Loge versteht aber durch die besondere Stellung dieser beiden Logen klar hervorgehoben werden musste. Als weitere bemerkensverte Veranstaltung muss die Sonder-Aufführung der Oper von Arnold Schönberg, „Moses und Aaron“ im neuen Opernhaus, West-Berlin, betrachtet werden. Es war die 29. Aufführung allein in Berlin, und schon dies« Zahl zeigt die Wirkung dieses Werkes. Den geistigen Höhepunkt stellte aber wohl die Festakademie in der Kongresshalle dar. Ein überlebensgrosses Porträt des verewigten Grosspräsidenten, Rabb. Dr. Leo Baeck. flankiert von der Fahne Israels und dem Bären Berlins, bildete mit zwei stilistisch modernen Menoras den Hinter grund der Bühne. Das Referat hielt Prof. Marcuse von der Sorbonne in Paris über „Humanismus und Humanität“. Auch für nicht akademisch vorgebildete Hörer war das Thema hochinteressant, wenn auch der Redner eine wenig optimistische Prognose für den Humanismus stellte. Seine Gedanken und Auffassung von der Entwicklung des Humanismus bis in unsere Zeit und die Notwendigkeit einer lebendigen Humanität bewiesen den hohen Wert einer modernen jüdischen Lebensauffassung, die berufen ist, über den eigenen Kreis hinaus zu wirken, eine Aufgabe, die durch die Existenz des Staates Israel in die Möglichkeit der Verwirklichung gerückt ist. „Humanität im täglichen Leben des einzelnen und der Völker muss durch das Beispiel aller vorgelebt werden, muss nicht nur eine Beschäftigung für Feiertage sondern mit heiligem Ernst unser Wegzeichen für unser ganzes Leben sein! Nur dann kann die Entwicklung der Menschheit auf eine höhere Ebene geleitet werden, und aus den Begriffen Humanität und Humanismus werden wieder die Grundpfeiler einer neuen, gewandelten Gesellschaft.“ Dies war die Quintessenz der Ausführungen von Prof. Marcuse, dessen Vortrag von Kompositionen von Mendelssohn und Mozart durch ein Kammerorchester umrahmt wurde. Der gesellschaftliche Teil bildete den Abschluss dieses in der ganzen jüdischen Welt aufsehenerregenden Logenkongresses. In dem mit Blumen reich geschmückten Festsaal des Gemeindenauses in der Fasanenstrasse Berlin waren ungefähr 150 Logenangehörige aus ailer Welt zusammengekommen, uni bei einem Festakt die! persönlichen Kontakte über den Tag hinaus noch zu verstärken und zu dauernden zu gestalten. Diesen Zweck unterstrichen noch die ver- schiedenen Ansprachen der ¡Delegierten aus aller Welt, 'so z. B. aus Neuseeland, Au-! stralien, Südafrika, Süd- | und Nordamerika und fast ] allen Ländern Europas. Der Rundfunksender Freies Ber-! lin übertrug die wichtigsten ¡Veranstaltungen für alle ■ Länder, in denen es Logen jaus den deutschsprachigen 1 Gebieten Europas gibt, um ihnen eine lebendige Kennti nis von diesem Kongress zu vermitteln. Besonders der j Rundfunksender Israels — „Kol Israel“ — zeigte durch Vermittlung der Israel-Mission in Köln ein lebhaftes Interesse für diese Uebertragungen. Die Teilnehmer an den Veranstaltungen dieser hochinteressanten Tagung waren vor allem über die fühlbare, zu Herzen gehende Verbundenheit all der Brüder aus dem Ausland erfreut, die sich zum grossen Teil nach ¡vielen, vielen Jahren bei dieser Gelegenheit zusammenfanden. Dass dieses Wiederj sehen auf einem hohen gei stigen Nigeau, wie es von der Berliner Loge gehalten wird. stattfinden konnte, gereichte ihnen zu besonderer Genugtuung. Jedes Abgleiten ins Flache, Allge meine wurde peinlichst vermieden. Wieder erwies sich die Notwendigkeit der Logenarbeit überall in der Welt, urrt den inneren Zu sammenhalt zwischen allen ¡Juden noch stärker zu befe 1 stigen. i ‘ H. D. klugen Juden s?hen auch wir ein Woit an unsere Generation. Niemand von uns weiss, wohin der Weg die Menschheit und damit auch uns führt. Es unterliegt keinem Zweifel, dass wir in einer Zeit folgenschwerer Wandlungen leben. Zu allen Zeiten haben sich neue Epochen durch schwere Geburtswehen angekündigt. Auf allen Gebieten des menschlichen Lebens spüren wir schicksalsschwere Veränderungen. Vor unseren Augen ersteht eine neue Menschheit. Niemand weiss, wohin der Weg geht. Aber wir sollen wissen, welchen Weg wir gehen wollen. Das wichtigste scheint uns zu sein, dass wir Menschen bleiben mit menschlichem Herzen und menschlichen Empfindungen. Die grosse Aufgabe, vor der wir stehen ist, uns nicht davon überzeugen zu lassen, dass der Egoismus die einzig wahre Philosophie ist. Wir wollen helfen, Kriege zu vermeiden. Armut und Not zu überwinden. Voraussetzung für diese Haltung ist die Erkenntnis, dass wir nicht für uns allein auf dieser Welt leben. Als Juden haben wir die Verpflichtung, in dem Menschen neben uns den Mitmenschen zu erkennen. Das jüdische Lebensideal führt zur Bewahrung der Persönlichkeit und zu sozialer Gerechtigkeit. Durch die Verwirklichung dieser Ideale in unserem eigenen Leben helfen wir der Welt um uns. ihren Weg in eine bessere Zukunft zu finden. L’schana towa tikatewu — zu einem guten Jahre mögat Ihr eingeschrieben werden — wir, unsere Gemeinden, Medinat Israel und die Nationen der Erde. Uebar israelisches Recht Montevideo. — Vor ei ner zahlreichen Hörerschaft wurde der von der montevideaner Rechtsfakultät organisierte Zyklus über „Das neue Recht in Israel“ einge weiht. Der Eröffnung wohnten der Rektor, Dr. Mario Cassinoni, und Dr. Carlos Sänchez Viamonte bei. Der Dekan der Fakultät, Dr. Juan C. Patron, und der Israel-Bot schafter Jizchak Arkawi hielten Ansprachen. In dieser Woche finden Vorlesungen bekannter uruguayischer und argentinischer Rechfsgelehrter über die verschiedenen Aspekte des israelischen Pechts statt. (ITA) Auslieferungsverlangen abgewiesen Washington. — Die Vereinigten Staaten werden den Litauer Antanag Ludvikas Impulevichug nicht an die Sowjetunion ausliefern. Eine entsprechende Note des sowjetischen Botschafters an das amerikanische Aussenministerium, in der Impulavichus schwerer Kriegsverbrechen beschuldigt und seine Auslieferung gefordert wird, ist als Propaganda zurii kgewiesen worden. Nach einem Bericht der „New York Times,* erklärte Impulavichus in Philadelphia er habe nichts mit den ihm zur Lest gelegten Massenerschiessungen u. a. von Juden, in der Sowjetunion während des letzten Krieges z . tun. (AWZ) d »«ff f bj2S 2 KO 0 0 TONELADAS AC0NöTCID*,Änn joTAL /11# IULI0 CES ,27 DE OCTUBRE 5 DE AUGUS 13 DE NOVIEMBRE - 27 DEI _-r_. LISBOA - BARCELONA - CANNI GENOVA- NAPOLES CONSuiTt A SU AGENÇA PREFERIDA O - “ITALMAR” FLORIDA Y CORDOBA

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