Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1974 (24.8.1962)
- Date
- 1962-08-24
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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035 c .5 FRANQUEO PAGADO Concesión 908 fc c * C S g TARIFA REDUCIDA < w Concesión 1629 Año XXIII. BUENOS AIRES, VIERNES 24 DE AGOSTO DE 1962 N®. 1974 ISRAELITA EL EJEMPLAR en toda la República PUEYRREDON 2190 1? laq. T. E. 83 2013 Buenbs Aires Nasser droht mit Raketenkrieg von GEORG KUEiSSTLINGER, Wien Die kiirzlichen Nachrichten aus Kairo bewiesen, dass die verhältnismässige Ruhe im Nahen Osten eine sehr trügerische war. Wieder geht eine Periode der Hoffnung, es bestünde vießleicht doch die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens zwischen Israel und Aegypten, zu Ende. Die beiden höchsten Führe. Aegyp. tens, Präsident Gamal Abdel Nasser und Kriegminister Feldmarschall Abdel Hakim, kündigten offen an, dass die Raketen, de anlässlich des ,.Revolutionstages“ abgefeuert wurden, und die Waffen, die während der Parade gezeigt wurden, einem Krieg gegen Israel dienen sollen. Man ist viel Grossmäuligkeit von Nasser gewöhnt und hat seine Tiraden nicht mehr ernst genommen. Es ist aber eine geschichtliche Erfahrung, dass Diktatoren, selbst nach zeitweiligen Rückschlägen, nie nachgeben und bei guter Gelegenheit ihre Drohungen wahrmachen. Denken wir zum Beispiel an Adolf Hitler, der schon in den ersten Seiten seines Buches „Mein Kampf“ über Österreich schreibt, dass es, se’bst. wenn es wirtschaftliche Schwierigkeiten gebe, mit Deutschland vereinigt wer- Es ist kein Geheimnis, dass Sowjetrussland ein Interesse daran hat, die Feindseligkeiten und Konflikte in verschiedenen Teilen der Welt zu schüren, um besser im Trüben fischen zu können. Aber nicht oft ist es der Fall, dass die schlauen Politiker im Kreml sich in die Karten blicken lassen. Vor kurzem sickerte bei den Vereinten Nationen die Nach rieht von einer Bemühung der Sowjets durch, den Versuch zu einer arabisch-israelischen Verständigung zu ersticken, bevor er überhaupt gemacht wurde. Die Diplomaten, die sonst die Wendigkeit der Russen selbst bei der Verfolgung böswil liger Ziele bewundern müssen, waren höchst erstaunt üb** ihre bei dieser Gelegenheit bewiesene Ungeschicklichkeit. Der Fall betrifft die Sondermission. die Dr. Joseph E. Johnson, der Emissär der palästinensischen Schlichtungs Kommission der UN, vor kurzem im Mittelosten aurchfiihrte, um einen Aus weg aus dem verwickelten Problem der arabischen Flüchtlinge zu finden. Im vergangenen Frühjahr besuchte Dr. Johnson zum zweiten Mal die Führer der interessierten Regierungen in Israel, Aegypten, Trans jordanien, Libanon und Syrien. Zum ersten Mal hatte er mit ihnen im August 1961, allerdings ergebnislos, ver handelt. Um die Tür für weitere Besprechungen offen zu halten, hatte er der vor jährigen Generalversamm lung einen Bericht vorge legt, in dem er die vage Hoffnung ausgedrückt hatte ..Schritt für Schritt“ möglicherweise iu einer unbeden müsste. Wer hat denn Hitler damals geglaubt, wer dachte, es würde dazu kommen? Nun, Hitler hat sei:.; Drohung wahrgemacht. Ein zweiter Diktator der Vergangenheit, Stalin, hat die Einverleibung der baltischen : Republiken, eines Teils Polens und die kommunistische Herrschaft über die osteuropäischen Staaten angekündigt: auch er hat seine Drohung erfüllt. Diese beiden Diktatoren haben immer dann zum entscheidenden Schlag gegen andere Völker ausgeholt, wenn die Welt „anderweitig“ beschäf. tigt war und wenn den demokratischen Staaten aus i Schwäche die Hände gebun den waren. Deshalb sollen die Drohungen Nassers nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Israel wird keinen! Angriffskrieg gegen Aegyplen führen, muss aber sichtlich auf einen plötzlichen Angriff vorbereitet sein. Wie oft hat doch Nasser den Ausspruch getan, er werde „Israel von der Landkarte ausradicren“. Diesmal sagte er, die Welt solle wissen, er werde nicht gestatten, dass Palästina in der Hand Israels bleibe. Die Welt habe jetzt gesehen, dass Aegypten bereit sei. Gleichzeitig erwähnte Nasser, man habe bei der Parade nicht alle neuen Waffen vorgeführt die Aegypten bereits besitze. Manche sollten geheim bleiben. Hat nun Nas- | ser „aufgeschnitten“? Es wäre besser, ihm zu glauben und darauf vorbereitet zu sein. Denn, die bereits abgefeuerten Raketen haben eine Reichweite bis zu jedem Punkt Israels. Aegypten besitzt auch bereits MIG-21 Düsenbomber aus der Sowjetunion und auch neue sowjetische TU-16 Bomber, russische Panzer und vollkommen neue sowjetische i Geschütztypen. In. Aegypten werden, ebenfalls nach einer Ankündigung Nassers, Flugzeugfabriken für Düsenbomber eröffnet werden. Feldmarschall Amer, der i an der Seite Nassers die Militärparade am zehnten Jahrestag der Revolution abnahm, hat nicht weniger drohend gesprochen. Er erklärte, die Vereinigte Arabische Republik könne nunmehr mit ihrer Luftflotte den gesamten Luftraumbeherrschen. Ihre Armeen seien die stärksten in Afrika und im Mittleren Osten. Damit kein Zweifel darüber besteht, gegen welches Land Aegypten einen Kriegschlag führen wolle betonte Amer, der Feind dem sich die arabische Welt gegenübersehe, sei Israel, der „Stützpunkt der Imperialisten“. Israel nimmt die neuen ägyptischen Drohungen sehr ernst. Die Sicherheit des Landes, umgeben von Feinden, war immer bedroht, doch scheint jetzt die Bedrohung einen kritischen Punkt erreicht zu haben. Im Augenblick wird das Raketenprogramm Nassers von israelischen Fachleuten, wie z. B. von General Zwi Tsur, dem Oberbefehlshaber der israelischen Verteidigungskräfte und von Vize-Verteidigungsminister Shimon Peres noch immer nicht als unmittelbar bevorstehende militärische Ankündigung aufgefasst, aber man denkt an eine mögliche, vielleicht nicht mehr ferne Zukunft. Deshalb müssten die Sicherheitsmassnahmen verstärkt werden. In der Oeffentlichkeit wird gefordert, die israelische Regierung solle sich im Hinblick auf die schwere Bewaffnung Aegyptens neuerlich an die westlichen Staaten um Ueberiassung von Verteidigungsausriistungen wenden. Wie erinnerlich. hat Israel bereits vor Jahren die Vereinigten Staaten um eine Arkaufserlaubnis von Verteidigungswaffen gebeten, doch hat bisher das State Department in Washington darauf nicht reagiert. Die Bedeutung Israels als stabiler und stabilisierend Faktor im Nahen Osten ist auch den Westmächten wohl bekannt. Sie selbst haben ein vitale^ Interesse an Ruhe in diesen Gebieten. In einer Zeit, da in verschiedenen Gegenden der Welt Flammen aufzüngeln ist es ein beruhigendes Gefühl, wenn im Nahen Osten Ruhe und Friede herrschen. Aber selten ist ein Sprichwort so wahr wie „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Nasser ist dieser böse Nachbar. Seine innenpolitischen Schwierigkeiten und die prekäre wirtschaftliche Lage des Landes drängen ihn immer zu Ablenkungsmanövern auf aussenpolitischem Gebiet. Auch das haben andere Diktatoren bereits gemacht. Die nationalen Leidenschaften so hochzuputschen, dass es zu einer Explosion kommen muss, das gehört immer zum Rüstzeug der Diktatoren. Auch rechnen sie — urd o!> mit Recht — damit, dass der illegale Zustand, wenn er nur eine Zeitlang anhärf. von den anderen Staaten, die gerade nicht direkt betroffen wurden, als Rechtszustand anerkannt wird. In der Zwi- Johnson bisher solche Be hauptungen nicht aufgestell hat ist das verfolgte Ziel klar. Der Kreml befürchtet, er könne sich optimistisch äusrern, und selbst das passt nicht in sein Konzept von einer Weit, in der die Mauer der Furcht, und des Hasses, der Konflikte und Feindseligkeiten nicht durch brochen werden darf. Die Mauer darf nicht angefastel werden, nicht in Berlin und nicht im Mittelosten. Russische Lügenpropaganda von SAUL CARSON stimmten Zukunft eine Lösung finden zu können. Als er dieses Mal von seiner Reise zurückkam liess er eine neue schwache Hoffnung durchblicken. Aber ein jeder wusste, dass er wieder nichts erreicht hatte. Obwohl Dr. Johnson seinen Bericht der UN-Generalversammlung erst im September vorlegen wird, ist der Kreml schon heute bemüht, ihn zu desavouieren. Das Propagandaorgan Moskaus „Neue Zeiten“, hat kürzlich einen Artikel veröffentlicht, in dem Johnson als „Handelsreisender für die herrschenden israelischen Kreise, dessen Schwäche für Israel wohlbekant ist“, charakterisiert wurde Das Blatt schreibt, „John son will die Araber dazu bringen die Beschlüsse der Generalversammlung nicht zu erfüllen.“ Das ist eine Lüge, die jeder, der die Lage kennt, sofort durchschaut, da sich diese Behauptung auf falsche Voraussetzungen gründet: Die Generalversammlung hat niemals die Flüchtlinge ersucht. nach Israel zurückzukehren. Erstens hat die Generalversammlung im Jahre 1948 zwar* die Möglichkeit vorausgesehen, dass ein Teil der Flüchtlinge „repatriiert“ werden könnte, wenn diese zur Rückkehr gewillt sein sollten. Doch gleichzeitig hat die Versammlung eine andere mögliche Lösung ins Auge gefasst, nämlich die Wiederansiedlung in arabischen Ländern, was Russland geflissentlich verschweigt. Die Sowjets gehen sogar noch weiter als die Araber, indem sie erklären, j)ie Resolution aus dem Jahre 1948 enthalte eine — gar nicht vorhandene —Klausel die die Flüchtlinge zur Rückkehr nach Israel zwingt. Hieraus „folgern“ sie dann, dass Johnson die Araber zur \ erletzung eines UN Beschlusses auffordert, indem er ihnen nahe'.egt, sich über eine engebliche Resolution hinwegzusetzen. Als Johnson von seiner letzten Reise zuriickkehrl“ waren die seiner Mission am nächsten stehenden Kre; se angenehm von der Tatsache beeindruckt, dass so gar die Araber, von Israel ganz zu sffhweigen, der Bit te des Emissärs nachgekommen waren und keine Kom mentare zu dem Inhalt der Vorschläge Johnsons veröf fentlichten. Zwar wurden einige Einzelheiten bekannt, so z. B. seine an Israel gerichtete Bitte, die „symboli sehe“ Rückkehr einiger tau send Flüchtlinge zu gestaten. wie aus Transjordanien verlautete. Aber nicht einmal die arabischen Regierungen begingen einen Vertrauensbruch, während die Sowjetunion Johnson schon jetzt, bevor er noch seinen Bericht erstattet hat, beschuldigt hat, den arabi sehen Interessen zuwiderzuhandeln. Moskau ist nicht darüber beunruhigt, dass Johnson einige Führer der Araber zur Vernunft bringen will, sondern dass -es ihm über haupt gelingen könnte dass die Araber ihn anhören. Und das können die Russen nicht riskieren. „Obwohl Johnson optimistische Er klärungen abgibt“, schreibt das vorerwähnte Blatt, „besteht heute keine irgendwie geartete Grundlage für der artige Versicherungen.“ Da Arabische Drohungen fruchtlos Nicosia. — Trotz des von den Arabern ausgeübten Druckes erklärten die Inhaber zweier Kinos, dass die Vorführungen des Films „Exodus“, wie angekündigi stattfinden würden. Der Geschäftsführer der beiden Kinos, Louis Michhelide, zeigte bei der Polizei und dem Innenministerium an, dass ihm von Terroristen gedroht worden sei, sie würden die Lichtspieltheater zerstören, falls der Streifen gezeigt werden sollte. Die Behörden gaben die Versicherung ab, dass alle Vorsichtsmassregein getroffen worden seien, um Attentate zu verhüten. Ein Rundfunksprecher gab beka-.m\ < dass die Vorstellungen wie angesagt stattfinden wür den. Inzwischen hat sich die Spannung zwischen Zypern und der VAR zugespitzt, wie aus Zeitungsmeldungen ersichtlich war, aus denen hervorgeht, dass Nasser 1 seinen geplanten Besuch auf der Insel abgesagt hat, > Allerdings wurde in hiesigen arabischen Kreisen ver-; sichert, der ägyptische Diktator sei derart mit Arbeit überlastet, dass er seinen Besuch verschieben musste. Der zyprischen Regierung wurde vom VAR-Botschafter Mustafa Lofti mitgeteilt, dass die Reise des zyprischen Aussenministers Spiros Kyprianon im September nach Aegypten „keinem nützlichen Zweck die nen könne“, wie die in Nicosia erscheinende Zeitung „Nahi“ berichtet. Ein anderes Blatt, „Kypros“, schreibt, Lofti habe geäussert, der Besuch sei nicht abgesagt sondern nur aufgeschoben worden, da beide Aussenminister .„beschäftigt“ seien. Wie andere Zeitungen behaupten, müsse die jetzige Spannung den arabischen Beschuldigungen zugeschrieben werden, , dass Zypern um den Preis seines Beitritts zum Europamarkt von seiner strikten Politik der Neutralität abgewichen sei. (ITA) schenzeit sind aber Katastrophen passiert Deshalb ist es hoch an der Zeit, dass die Westmächte Israel die Möglichkeit geben, sich gegen die ja bereits angesagten Angriffe zu schützen. Es hat sich ja schon klar herausgestellt, welches Land Interesse daran hat, Unruhe zu stiften. Die Sowjetunion hat Aegypten mit modenisten Waffen versorgt, die auf Grund ihrer Art nie zu Verteidigungs-Zwecken, sondern für den Angriff bestimmt sind. Wenn ein Mann wie Nasser sich durch den Besitz solcher Angriffswaffen stark fühlt und in seinem Machtrausch versucht, seine anfangs vielleicht nur grossprecherischen Drohungen in die Tat umzusetzen — dann wird es zu spät, „nachher“ helfend einzugreifen. Ein Raketenkrieg gegen Israel schafft dann in diesem Gebiet eine solche Spannung, dass es für die Sowjets nicht mehr schwer wird, den Kommunismus mit Gewalt vorwärts zu tragen. Dann wird Nasser dar. aufkommen, dass auch er nur eine lächerliche Schachfigur im Ränkespiei Moskaus war. Wenn er durch die Kommunisten abserviert wird, ist es wohl natürlich für ihn zu spät, über seine eigenen Fehler nachzudenken — für den Westen wäre das aber di« Gefahr de* Aufrollens des Nahen Osten* durch den Kommunismus. Die Türkei liegt dann griff- -Mfereit und der Sprung auf den afrikanischen Kontinent wäre geglückt. Die Vergangenheit hat auch gelehrt, dass damit der Westen wieder in Atem gehalten wird und andere neuralgisch® Punkte nicht mehr pfleglich behandeln kann. Deshalb müssen im Interesse der Erhaltung des Weltfriedens zwei Forderungen erhoben werden: Israel zu helfen bei seinen Sicherheitsvorkehrungen und Nasser deutlich zu verstehen zu geben, dass kein Schritt mehr geduldet werden kann, der diesen Weltfrieden gefährdet. Bar Giora Josephsthal s. A. Tel Aviv. — Dr. Giora Josephsthal, Israels Mini ster für Entwicklung und Wohnbau und einer der jungen Parteiführer der Mapai, erlag gestern im Aiter von 50 Jahren einem Herzanfall. Josephsthal starb in - Luzern, wo er sich zur Erholung nach einer langen Krankheit befand, als er einen zweiten Herzinfarkt er litt. Das Kabinett veranstaltete eine Trauerfeier, bei der der stellvertretende Ministerpräsident Levi Eshkol die Verdienste des Verstorbenen würdigte, dessen Ab leben einen schweren Verlust für die Regierung dar stellt. In einem Kabel aus Stockholm, das bei dieser Gelegenheit verlesen wurde, gab 'Premierminister Ben Gurion seiner „tiefen Erschütterung“ Ausdruck. „Wir haben einen vorbildlichen Chaluz verloren“, telegra fierte er, „einen treuen Weggenossen, einen Israel ti-et ergebenen Kameraden. Er war ein Mann des Kibbuz reiner Gesinnung und half der Partei, der Histadrut und der Regierung. Gross ist der Schmerz und die Trauer um seinen Verlust.“ Dr. Josephsthal, der in Nürnberg geboren wurde, war Generalsekretär der Mapai, ehemaliger Schatz tneister der Jewish Agency und Direktor ihrer Eüiwanderungs- und Absorptions-Abteilung. (Wir werden in der nächsten Ausgabe weitere Ein zelheiten berichten). — Registro de la s Propiedad Intelectual No. 735 134 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831