Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1971 (4.8.1962)
- Date
- 1962-08-04
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1C29 MANA ISRAELITA Año XXIII. BUENOS AIRES, SABADO 4 DE AGOSTO DE 1962 No. 1971 EE EJEMPLAR Iß en toda la República PUEYRREDON 2190 1® i,«,. T. E. 83 2613 Buenos Airts Kommunismus im Neonlicht Für die Belgrader war neben dem Treffen der Regierungschefs der sogenanr.ten Blockfreien die Verleihung des Nobelpreises für Literatur an ihren Landsmann 'vo Andric das Hauptsre.gnis des vergangenen Jahres, waren doch beide Ereignisse wie kaum andere zuvor dazu angetan, ihren Stolz zu befriedigen. Selbstverständlich wurde mit Genugtuung vermerkt, dass Andrics Werke auch im Ausland Gefallen gefunden hatten, ja, dass sie sogar zu Bestsellern geworden waren. Und die Freude darüber macht bei keiner Schicht des Volkes halt, jene unkomplizierte Freude, wie man sie oft bei den Slawen antrifft. Als dann der Preis in Stockholm verliehen wurde, erlebten viele Belgrader die Feierlichkeiten am Fernsehapparat mit; die Frage ist nur, ob man die allzu freie Uebersetzung des jugoslawischen Sprechers beme-kte, als der Professor der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, der Andric vorstellte, den ,, Allmächtigen“ im Munde führte. Denn Atheismus nulss sein: auch im revisionistisch gesinnten Jugoslawien. So wird hier wie in den Ländern des Ostblocks die Jugend systematiscn in der Schule durch Rundfunk, durch Zeitungen und in anderer Weise „aufgeklärt“. Die hohen kirchlichen Feste werden offiziell ignoriert, W'ährend Ersatzfeste und -feiertage die Tradition be. seitigen helfen sollen. Passt sich Jugoslawien m gewissem Sinne auch dem Westen an, so bleibt man in Fragen der Religion doch auf dem streng marxistischen Standpunkt. Allerdings muss man dazu erwähnen, dass der serbische Intellektuelle schon seit Jahrzehntan areligiös und atheistisch eingestellt ist und dem Metaphysiscnen verständnislos gegenübersteht, ganz gleich, ob er sich zum Kommunismus bekennt oder nicht. Seinen „Weihnachtsbaum“ zieren nun grellbunte Kerzen; und wessen Blick ganz auf die Zukunft gerichtet ist, der behängt ihn mit kleinen Sputniks. Denn die Fortschrittsgiäubigkeit ist durch nichts zu erschüttern. Die Neujahrsfeiern machten auf den Beobachter aus dem Westen den Eindruck fader Leere, über die auch der karnevalsähnliche Anstrich nicht hinwegtäuschen konnte. Das neue Jahr in repräsentativem Rahmen und in erstaunlich eleganter Abendkleidung ,.zu erwarten“, gehört in Belgrad last schon zum guten Ton einer neuen Gesellschaft. Aber eine rechte Freude, wie s:e in den Tagen zuvor von den Zeitungen immer wieder propagiert W'orden war, konnte man nirgends erleben. Die einzigen die sich auf ihre bescheidene Art wirklich zu ergötzen seidenen. waren die Zigeuner, .welche mit Trompeten, Geigen oder Trommeln durch die Strassen zogen und oen Umstehenden kleine Konzerte gaben. DIE JUGEND Auch die Jugend Belgiads hebt das Leichte und Amü. I 1 sante, und die Frage „Wie komme ich leicht zu viel Geld?“ ist hier nicht weniger aktuell als anderswo. Den von der Regierung gewünschten revolutionären Geist (in jeder Zeitung oder Zeitschrift wird auf die Partisanenbewegung des Zweiten Weltkrieges Bezug genommen) hat sie längst abgelegt; sie trä-umt nur von einer „Perspektive“. Was man darunter genau versteht, vveiss freilich niemand recht zu sagen. Allem Anschein nach gehört dazu ein längerer Aufenthalt im westlichen Ausland, und es „schickt sich“ gleichsam, dass man dann nach einigen Monaten mit einem eigenen Wagen zurückkommt, um sich von seinen Freunden bewundern zu lassen. Die Behörden erteilen im allgemeinen ein Ausreisevisum nach dem Westen leicht und bei der Wiedereinreise kommt man sogar in den Genuss einer beträchtlichen Zollfreigrenze. Die Belgrader verreisen gern, in erster Linie natürlich in den heissen Sommermonaten. Aber auch wer seinen Urlaub für den Winter aufgehoben hat, kommt auf seine Rechnung. Beliebte Reiseziele sind auch in der kälteren Jahreszeit die bekannten dalmatischen Inseln. Dort sind Schnee, Frost und Regen eine so grosse Seltenheit, dass einzelne Hotels ihren in- und ausländischen Gästen als Attraktion kostenlose Pension für die Tage versprechen, an de nen schlechte Witterung herrscht. Belgrad soll mit aller Gewalt Grosstadt werden und einer westlichen in nichts nachstehen. Man baut nicht nur einen modernen Flugplatz vor den Toren der Stadt und will den Bahnhof verschönernf der noch heute provinzieller als mancher Provinzbahnhof wirkt. Unlängst kam auch von den Stadtvätern die Verordnung dass auf den Hauptstrassen jeder Geschäftsverwalter für bunte Neonreklame sorgen müsse. Ausserdem sind seit Beginn dieses Jahres Pferdefuhrwerke und die kaum zu ersetzenden „nosaci“ (Träger) mit und ohne Wägelchen von der Strasse verbannt. Die Aussicht, dass das bäuerliche Treiben nun fast ganz verschwinden soll ist nicht überall auf Begeisterung gestossen; noch mancher Bewohner der Hauptstadt hat eine enge Verbindung zum Lande. Was kann der Belgrader mit seinem Geld anfangen? Die Männer neigen zum Auto, beispielsweise zum Fiat 600, der im Lande in Lizenz hergestellt wird und den man schon sehr häufig sehen kann. Die Ehefrauen sind mehr für eine Eigentumswohnung, die allerdings recht selten angeboten wird, so da-ss auch die Preise entsprechend hoch liegen. Schallplatten — soweit >s sich nicht um Schlager und ähnliches handelt — werden vornehmlich aus England, Frankreich, der Sowjetunion und der Tschechoslowakei eingeführt. Im Nu sind die wertvollsten Platten vergriffen. GUT INFORMIERT Die Informationsmöglichkeit der Jugoslawen über die Ereignisse im Ausland ist im allgemeinen gut, vor allem in einer Stadt wie Belgrad; denn hier kann man an den grösseren Kiosken die wichtigsten Zeitungen aus der westlichen Welt kaufen. Der gesamte Ostblock wird allein durch die Prawda repräsentiert. Die einheimische Presse bemüht sich im grossen und ganzen um eine objektive Berichterstattung (freilich hat man hier von der Verdammung des Stalinkults in der USSR M05LEY DURFTE NICHT SPRECHEN London. — Die auf dem Trafalgar Square von den Anhängern des Faschisten Sir Oswald Mosley einberufene Versammlung wurde nicht verboten. Scotland Yard erklärte kurz vor ihrem Beginn, keine diesbezüglichen Anweisungen erhalten zu haben, aber es würden die Vorsichtsmassnahmen getroffen, die bei grossen Menschenansammlungen üblich sind. Eine 600 Unterschriften tragende Eingabe an den Innenminister, das Meeting der Mosley-Anhänger auf dem Trafalgar Square zu verbieten, wurde im Innenministerium überreicht. Die Veranstaltung wurde einige Minuten nach Beginn aufgelöst. Tausende von Menschen, die eine feindselige Haltung einnahmen, hatten sich rund um den Platz angesammelt und hinderten die Mosley-Jünger daran, ein Minimum von Ordnung zu schaffen. Ein Polizeikordon vereitelte mehrere Versuche der Menge, das polizeiliche Aufgebot zu durchbrechen und zur Rednertribüne zu gelangen, auf der Mosley sprechen sollte. Schliesslich gelang es dem Druck der Menschenmasse, den Kordon zu durchbrechen, und die Menge stürzte sich auf die Tribüne, zerbrach die Mikrofone und misshandelte verschiedene Jugendliche, die die Uniform der englischen Fa schisten trugen. Daraufhin ordnete der Polizeichef von London die Auflösung der Versammlung an, um „die öffentliche Ordnung zu sichern“. Zahlreiche Demonstranten. Juden und Nichtjuden, trugen als Zeichen des Protestes den gelben Davidstern. Keiner der Redner wagte es, die Juden zu erwähnen. Die jüdischen Organisationen in London hatten ihren Mitgliedern angeraten, sich nicht dem Trafalgar Square zu nähern, doch viele Juden hatten sich auf eigene Initiative dort eingefunden. Allerdings waren bei weitem mehr Mitglieder der Bewegung gegen die Atom waffen, junge Kommunisten und Sozialisten, sowie Farbige zu bemerken. Es war vorauszusehen, dass die Versammlung gestört werden würde, denn die Nazigegner hatten es nicht unterlassen die Polizei vorher vor ihrer entschiedenen Absicht zu warnen. (ITA) wenig gelesen), die Bundesrepublik allerdings wird selten ganz sachlich betrachtet. Die Ressentiments ihr gegenüber sind noch zu stark, ja, man hält sie ständig wach, um dem revolutionären Geist Nahrung zu geben. Auffallend ist weiterhin, dass die „Stimme Amerikas“ nicht gestört wird und dass es Nordamerikanern, Engländern und Franzosen erlaubt ist, in Belgrad jedermann zugängliche Leseräume zu unterhalten, wo auch Bulletins in serbokroatischer Sprache herausgegeben werden. Der Westeuropäer staunt, dass die Restaurants und Cafes fast den ganzen Tag über voll von Einheimischen sind; denn der Verdienst ist im allgemeinen niedrig, und die Preise klettern -weiter in die Höhe. Zwar heisst es, ein jeder habe hier zwei Berufe, einen offiziellen und einen privaten, aber das ist mehr Gerücht als Realität. Eine ebenso grosse Anziehungskraft übt das Kino aus, und bei guten Filmen sind die Karten im Nu ausverkauft. Die meisten Filme stammen aus dem westlichen Ausland, wenn es auch wegen der chronischen Devisenknapphei selten die neuesten und selten die besten sind. Der einheimische i Film hat im letzten Jahr an ' Niveau gewonnen, weil man von dem Klischee dei Partisanenfilme ahgekommen ist und sich auf Lustspielfilme. verlegt hat. So war im letzten Jahr der beliebteste Film „Das Glück in der Tasche“ (Sreca u torbi), der einen neuen Triumph des bekannten hiesigen Komikers Mija Aleksic darsteilt, übrigens eine Film, den jeder vierte Belgrader gesehen hat. Auch bei der Auswahl der Theaterstücke orientiert man sich eher nach dem Westen. Die modernsten Stücke werden in Belgrads intimsten Theater, dem „Atelier 212“, aufgeführt. Hier kommt der extravagante Geschmack auf seine Kosten. ja sogar „nihilistische“ Stücke wie Becketts ,.Warten auf Godot“ werden hier gespielt. Allerdings hat man auch in Belgrad in der diesjährij gen Theatersaison die Feststellung machen müssen. | dass die Theatersäle oft; halbleer blieben. Nach Ansicht der Fachleute liegt das nicht an den höheren Eintrittspreisen, sondern daran, dass die einzelnen Theater ihre Physiognomie verloren hätten, die sie in früheren Zeiten auszeichnete. Man wolle nur noch unterhalten und amüsieren, und die frühere Forderung „Gebt uns eine Komödie“ habe sich heute in den Ruf verwandelt: „Erhaltet uns die Komödie und das Lachen um jeden Preis“. Die Kunst, so las man kürzlich in einer belgrader Zeitung, solle nicht danreh beurteilt werden, ob sich ein Stück in finanzieller Hinsicht lohne, sondern das Theater sei eine Institution, die auf den Geschmack und den Geist zu wirken habe. Wenn man heute durch das auf dem anderen Ufer der Sawe liegende modern? Neu Belgrad fährt, hat man Der europaeische Markt von JAKOB KATZ-R06ASEN Die letzten Beratungen des Ministerrates der Länder des gemeinsamen europäischen Marktes brachten für Israel eine Enttäuschung. Bekanntlich bemüht sich Israel seit längerer Zeit darum, in die Union des europäischen Marktes aufgenommen zu werden. Dies würde für Israel einen enormen Fortschritt in seinem Bestreben um den Aufbau und die Konsolidierung seiner Wirtschaft bedeuten. Auch in politischer Hinsicht würde die Kooperation oder gar die endgültige Aufnahme in die Europa-Union einen gewaltigen Schritt nach vorn darstellen, denn hierdurch würde die auch heute noch teilweise bestehende Isolierung Israels überwunden sein'. Der Ministerrat beschloss eine Vertagung der Entscheidung über die künftigen Beziehungen zwischen Israel und der Europa-Union, dem gemeinsamen europäischen Markt. Ursprünglich wollte man als ersten Schritt Israel an den gemeinsamen Markt anschliessen. ohne dass Israel bereits Mitglied des Wirtschaftsverbandes der Europäischen Union werden sollte. Aus welchen Gründen diese Zwischenregelung nicht beschlossen, sondern eine Vertagung vorgenommen wurde, ist nicht bekannt geworden. Man darf aber als sicher unterstellen, dass weitere Beratungen und Fühlungnahmen mit Rücksicht auf den arabischen Widerstand aufgenommen werden sollen, bis eine Lösung gefunden jverden kann. Offensichtlich waren diese Strömungen stark, denn der Vorschlag einer Kooperation mit Israel kam garnicht erst zur Diskussion. Man rechnet damit, dass die Verhandlungen mit grösstem Nachdruck weitergeführt werden, um die für Israel günstige Entscheidung bei der nächsten Sitzung im September dieses Jahres zu erreichen. Die eingetretene Verzögerung, die in Jerusalem mit grosser Reserve zur Kenntnis genommen und als enttäuschend bezeichnet wurde, bedeutet keineswegs eine endgültige Stellungnahme, die — wie man erwartet — zugunsten Israels ausfallen wird. — Ben Zwi in Afrika Jerusalem. — Staatspräsident Ben Zwi trat seine 17tägige Reise an. auf der er vier junge Länder auf dem Schwarzen Kontinent besuchen wird. In Lud wurde er von Ministerpräsident Ben Gurion, Mitgliedern der Knesset und Vertretern des Diplomatischen Korps verabschiedet. Auf dem Flughafen wurde ein Kanonensalut abgeschossen und der Präsident schritt eine Ehrenkompagnie ab, die vor seinem Flugzeug Aufstellung genommen hatte. Bevor Ben Zwi die Falltreppe bestieg, richtete er an die Anwesenden eine kurze Ansprache, in der er versicherte, er werde den Ländern, in denen „die Morgenröte der Freiheit für alle Menschen, welche unser Volk vor Tausenden von Jahren zum ersten Mal verkündet hat, heute zflr Wirklichkeit wird“, die Sympathie-und Freundschaft des Volkes von Israel übermitteln. überhaupt nicht mehr das Gefühl, auf dem Balkan zu sein. lind auch in Belgrad selbst, der Hauptstadt jenes Landes, das nach wie vor eine merkwürdige Sonderstellung zwischen Ost und West einnimmt, erstehen immer mehr moderne Häuser und Gebäude nach westlichem Geschmack: in wenigen Jahren wird sicher kein Mensch mehr die schon heute einseitig anmutende Behauptung aufstellen, diese Sta4t sei das Aschenbrödel unter den europäischen Hauptstädten. (Aus die „Zeit“) [ Präsident Ben Zwi wird i die beiden Kongo Republijken, die Zentralafrikanische I Republik und Libérien als | Gast der betreffenden ¡Staatspräsidenten besuchen.! IN PARI» | Paris. — Präsident Ben I Zwi traf auf seiner Reise j nach Brazzaville im Kongo | in Paris ein. In seiner Begleitung befanden sich seine Gattin. Rachel Ben Zwi, und sein Militäradjutant Oberst Carmel. Der Präsident Israels wurde mit den bei diesen Gelegenheiten üblichen Aufmerksamkeiten empfangen. und von einer Ehrengarde auf Motorrädern durch ganz Paris eskortiert. Ben Zwi fuhr zum Monument für den unbekannten jüdischen Märtyrer, wo ein Kaddisch gesprochen wurde, und hierauf zum jüdischen Dokumentations - Zentrum. Am Abend des gleichen Tages bestieg der Präsident ein Handelsflugzeug, mit dem er nach Brazzaville reiste. Zu seiner Begleitung gehören Ehud Avriel, der Stellvertretende Direktor des Aussenministeriums, andere Beamte des gleichen Ministeriums und der Leibarzt des Präsidenten. ANKUNFT IN BRAZZAVILLE j Brazzaville. — Der israejlische Staatspräsident Jiz-! chak Ben Zwi traf in der; Hauptstadt des ehemals i französischen Kongo ein, wo er vom Präsidenten der Republik, dem Priester Fulbert Yuklu, empfangen wurde, in dessen Begleitung sich hohe Staatsbeamte befanden. Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635 impreso en la Imprenta POLIGLOTA - Rivadavü 831