Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1969 (20.7.1962)
- Date
- 1962-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9616703-9612947-9613341--2231-9613353- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
o > o _ 3 O 33 s FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXIII. MANA ISRAELITA BUENOS AIRES, VIERNES 20 DE JULIO DE 1962 No. 1969 10,- EL EJE.»I PL A R en toda la República PUEYRREDON 219« 1« teq. T. E. 83 2613 Buenos Aires ISRAELS ZUGANG ZUM MEER Bericht aus dem Vatikan Besitzt der Staat Israel volle Unabhängigkeit in seinem Gebiet? Unabhängigkeit bedeutet, dass jeder Einwohner des Staates sich ungestört im Land bis zu einer Entfernung von 1 cm von der Grenze bewegen und ihm seinen Lebensunterhalt abgewinnen kann. Diese Unab längigkeit besteht aus einem Sicherheits-, einem politischen und ei.iem wirtschaftlichen Faktor. IVIan kann schwer die Aufnahmefähigkeit des Südens genau bestimmen und bei allen Einwohnern Israels den Wunsch erwecken, dorthin zu übersiedeln. Einer der wichtigsten Faktoren in der Entwicklung des südlichen Bezirks ist die Schaffung von Schiffsverbindungen mit anderen Ländern, und diesem Zweck dienen die Häfen von Aschdot und Elat. Schon im Jahre 1958/59 hatte die Arbeitslast, d. h. die Abfertigung von Passagieren und Gepäck. in den Häfen Israels ein Höchstmass erreicht. Daher ist es unbedingt erforderlich, in schnellstem Tempo den Hafen von Elat zu erweitern und den /on Aschdod zu bauen. Ein Hafen muss in erster Linie Molen haben, an denen die Schiffe anlegen können ausserdem die neuesten Lade- und Ausladevorrichtuugen und eine genügend grosse Fläche für Lagerräume und den Verkehr von Motorfahrzeugen und Eisenbahnen. All dies muss bereits vorhanden sein, bevor der Passagier- und Frachtverkehr beginnt und bevor ein Hafen als ein wirtschaftliches Aktivum betrachtet werden kann. Andernfalls können grosse Schwierigkeiten entstehen.' da das Laden und Löschen der Waren viel Zeit erfordert und die Wartezeit eines Schiffes im Hafen sehr kostspielig ist. DIE HAEFEN Der haifaer Hafen wurde in erster Linie für die britische Flotte gebaut. Er hat kein genügend grosses Hafengelände und eine ungenügende Anzahl von Hafenbassins. Mitte Januar 1962 mussten 22 Schiffe ausserhalb des Hafens ankern und auf das Löschen warten. Doch ist Haifa heute Israels modernster und bestau »gerüsteter Hafen. Die Häfen von Jaffa und Tel Aviv sind eigentlich nur Bassins für kleinere Schiffe. Grössere Schiffe müssen dort in einiger Entfernung im offenen Meer Anker werfen. Daher sind die Lade- und Aus'udegebühren in Tel Aviv viel höher. Der Hafen von Elat hat bisher nur zwei Hafenbassins, die sechs bzw. zehn Meter tief sind. Dort können grössere Schiffe nur mit grössten Schwierigkeiten anlegen. Daher ist es unbedingt erforderlich, die Fassungskraft der Häfen am Roten Meer und am Mittelmeer zu vergrössern. Im Jahre 1959/60 wurden in Elat 138.000 t verladen, im Jahre 1960/61 180.000 t. Man erwartet, dass 1965/66 diese Zahl auf 530.000 t steigen wird. VorHiufig ist die Fassungskraft des Hafens von Elat beschränkt und die Scniffe von RAV-ALUF CHAIM LASK0W! müssen ausserhalb des Ha-! fens auf das Entladen wari ten. Doch gibt es auch Ta- I ge, an denen nicht ein ein- I ziges Schiff im Hafen '¡egt. I Diese Unterschiedlichkeit im Hafenverkehr verteuert die | Kosten des Hafendie.istes I und verursacht ein Defizit, j Zur Zeit werden ir. Elat drei I weitere Bassins gebaut. Der | Plan des Hafens sieht eine endgültige Anzahl von zehn Bassins vor. Bei der Entscheidung für den Bau eines Hafens in Aschdod spielten verschiedene Gesichtspunkte mit. Erstens musste berücksichtigt werden, ob es vom wirtschaftliche Standpunkt aus rentabler sei, den haifaer Hafen, der kein genügend grosses Gelände besitzt, zu vergrössern oder einen neuen Hafen zu bauen. Ein wichtiger Faktor hierbei war die Entfernung des Hafens von Sodom, Oron und Rechowot, das den Mittelp,. nkt des Zitrusbezirks bildet. Die Entscheidung fiel zugunsten Asehdods aus, da dadurch 100—120 Strassenkilometer Transportkosten erspart werden. Ein weiterer Faktor war der soziale Gesichtspunkt. Bei der Tendenz Israels ..Nach dem Süden“ kann Aschdod als ein wichtiger Anreiz für diese Bewegung dienen. Der Plan des Hafens von Aschdod sieht elf Hafeifbassins vor, die so, hofft man, bis Ende 1965 fertiggestellt sein werden. Das Unternehmen wird durch ein Darlehen der Weltbank von 27,5 Millionen Dollar finanziert werden, den Rest des Geldes wird die Regierung aus ihrem Entwieklungsbudget zur Verfügung steilen. Um einen Hafen von einer Fassungskraft von 4 Millionen t zu bauen, werden 100 Millionen Dollar benötigt. Gegenwärtig wir! das erste Baustadium, das sogenannte ,,Zitrusstadium“, durchgeführt. Der Plan sieht vor, dass eine Million Tonnen Zitrusfrüchte innerhalb von drei Monaten verladen 'werden können. Wenn dieses Stadium beendet ist, wird der Druck im haifaer Hafen nachlassen und das Schwergewicht der Häfen von Jaffa und Tel Aviv nach Aschdod verlegt werden. I Auch der Hafen von Haifa wird ausgebaut. Kürzlich wurde dort ein Bassin von 28 Meter Länge und 7,5—H Meter Tiefe gebaut und dadurch die Fassungskraft des Hafens um 600.000 t verprüssert. Die Hauptaufgabe der Hafenbehürde ist, die Leistungsfähigkeit der Häfen Israels zu vergrössern und die verschiedenen Erweiterungsprojekte durchzuiihren. Der Bau des Hafens von Aschdod soll bis Ende '965 beendet werden, der des Hafens von Elat bis Ende .964. Im Laufe des nächsten Jahres wird die Strasse von Sodom nach Arad fertiggestellt werden. Dies wird nen Arbeitern in Arad die Möglichkeit geben, in den verschiedenen Unternehmen Sodoms zu arbeiten. Ueber den Ban von Eisenbahnlinien gehen die Meinungen auseinander. Während eine Gruppe die Anlage von Eisenbahnen befürwortet, bevorzugt eine andere die von Strassen. Es coil in Kürze entschieden werden, ob Elat mit dem übrigen Land durch eine Eisenbahnlinie verbunden werden wird. I PROTESTE AUS ALLER WELT I London. — R. N. Car- ■ valho, der Präsident des! angio-j üdischen Verbandes, übte an der „Nachlässig I keit“ Kritik, mit der die ar- 1 gentinische Regierung die I faschistischen Organisatio- I nen kontrolliert. Er gab der [ Hoffnung Ausdruck, dass die Regierung Argentiniens ihre kürzlich abgegebenen Versprechungen halten wird, die Juden zu schützen und die für die jüngsten antisemitischen Angriffe Verant wörtlichen zu bestrafen. Carvalho sprach auf einer Versammlung’ der genannten Vereinigung und verj wies darauf, dass man die antisemitische Agitation in Argentinien nicht als eine j Folge des Falles Eichmann betrachten könne, da „es | schon lange vor der Entfühj rung Eichmanns in Argentii nien Neofaschisten gegeben j hat.“ i PARADIES DER NAZIS | New Delhi. — Die ein- I flussreiche Zeitung „Indian i Express“ erklärte, Argentinien „gewähre seit langem Nazis und Faschisten Asvl“ die es jetzt für die antisemitischen Ausschreitungen der letzten Wochen verantwortlich mache. Die Zeitung schreibt, „Argentinien hat Menschen Obdach geboten, deren Verbrechen gegen die Menschheit ihnen das Verbleiben in anderen zivilisierten Ländern unmöglich gemacht hat.“ ARAMBURU IN „JEWISH CHRONICLE“ London. — ,,Jewish Chronicle“ veröffentlicht eine Erklärung ihres Korrespondenten aus Buenos Aires, General Pedro X. Arambuj ru: i „Die Attentate, denen der Rassenhass zugrunde liegt, u/prJpn von der öffentlichen . Meinung einstimmig verur- I teilt. In unserem Land, das i sieb auf die Tradition der i Freiheit für alle Menschen, gleich welchen Ursprungs joder Glaubens gründet mit | ¿er einzigen Bedingung,; dass sie moralisch einwandfrei sind, haben Verfoigun-! gen aus Motiven der Ras- I se keine Berechtigung. Andere Völker zu hassen oder zu verfolgen, widerstrebt den argentinischen Gefühlen. Die Vorfälle der letzten Zeit können nur als vereinzelte Ausbrüche der Intoleranz betrachtet werden, die den verdienten Abscheu gefunden haben. Ihre Urheber haben u. a. nicht bedacht, was die Welt von heute z. B. einem Juden, wie Dr. Jonas Salk, zu danken hat, der die Schutzimpfung gegen spinale Kinderlähmung gefunden hat und alle Kinder, gleich weicher Rasse, von der Bedrohung durch diese furchtoare Krankheit befreite.“ IN BRASILIEN Rio de Janeiro. — Eine Delegation der Föderation jüdischer Gemeinden in Brasilien überreichte dem argentinischen Botschafter ein Memorandum, in dem die brasilianische Judenheit energisch gegen die kürzlichen antisemitischen Anschläge in Argentinien protestiert. Dr. Aron Steinbruch und Dr. Gerson Berger, die an der Spitze dieser Delegation standen, lenkten die Aufmerksamkeit des Diplomaten auf die Tatsache, dass „bisher noch nicht ein einziger Schuldiger an den antisemitischen Attentaten verhaftet oder bestraft worden ist.“ Der Botschafter versprach, das Memorandum seiner Regierung weiterzuleiten. Die Födexation sandte ferna» oina RnKfhilfi An die DAIA, um ihr.r Sol dant!1 mit der argentinischen Judenheit Ausdruck zu geben. IN CHILE Santiago de Chile. — Ein energischer Protest gegen die Ausbreitung der antisemitischen Welle in Argentinien wurde von dem Schriftsteller - Verband und dem Pen-Club Chiles in einem an den argentinischen Präsidenten José Maria Guido gerichteten Schreiben erhoben. In der Botschaft, in der der Ueberfali auf die Studentin Gracieia Sirota als „barbarisch“ bezeichnet wird heisst es: „Niemals zuvor ist in Amerika ein so ungeheuerliches Verbrechen verübt worden und die Täter dürfen nicht straflos ausgehen.“ LOEBLICHE VERSPRECHEN New York. — Samuel Bronfman, Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses und Präsident der nordamerikanischen Exekutive, sprach Argentinien Anerkennung für die Erklärung seiner Regierung aus, den jüngsten Ausbrüchen antisemitischer Hassgefühle Einhalt zu gebieten. Bronfman erklärte, der JKW habe die Ereignisse in Argentinien aufmerksam verfolgt und an die argentinische Judenheit eine Botschaft der Solidarität geschickt. „Wir haben mit grosser Befriedigung erfahren“, so führte Bronfman aus, „dass die argentinische Regietung strenge Massnahmen gegen die Urheber dieser Attentate angekündigt hat, und dass sich die Lage daraufhin gebessert hat. Wir vertrauen darauf, dass die argentinische Regierung die notwendigen Schritte unternehmen wird, um ihre Versprechen rn Arfiill**n von BORIS SMOLAR Private Informationen, die aus Vatikankreisen stammen, besagen, dass die jüdischen Ersuchen um Entfernung antijüdischer Formulierungegn aus katholischen Liturgien und Religionsbüchern, die dem bevorstehenden Oekumenischen Konzil vorgelegt werden sollen, gegenwärtig eingehend diskutiert werden. Die Ersuchen ergingen von Dr. Nachum Goldmann und Label Katz im Namen der Weltkonferenz jüdischer Organisationen, wie auch vonseiten des American Jewish Committee. Kardinal Augustin Bea, der mit der Vorbereitung der Tagesordnung für das Konzil betraut ist, steht mit Dr. Goldmann und den Führern des American Jewish Committee in Kontakt und scheint den in den jüdischen Memoranden dargelegten Anregungen sehr zugänglich zu sein. Unter seinem Vorsitz wurden schon fünf ausgedehnte Sitzungen des Sekretariats abgehalten, bei denen diese Vorschlag: geprüft worden sind. Die sechste Sitzung dürfte wahrscheinlich die letzte sein, und hierauf steht zu erwarten, dass die vatikanische Zentralkommission, welche sich aus Kardinalen und Bischöfin zusammensetzt, eine Entscheidung über die Form fäiien wird, in der die jüdischen Verlangen in die Tagesordnung aufgenommen werden sollen. Die Vatikankreise nehmen als sicher an. dass dies in irgendeiner Weise geschehen wird. Gegenwärtig zeichnen sich zwei Tendenzen ab, von denen die eine dazu neigt, die Bibel „neu zu interpretieren, so dass die für di« Juden beleidigenden Formulierungen einen harmlosen Sinn erhalten. Die andere Richtung vertritt einen konservativen Standpunkt und setzt sich dafür ein, dass das Konzil sich nur darauf beschränken soll, den Antisemitismus im Rahmen einer allgemeineren Erklärung zusammen mit dem Kommunismus und Atheismus zu verurteilen. Natürlich wird die persönliche Haltung des Papstes Johannes XXIII. hier eine entscheidende Rolle spielen, und es kann kein Zweifel darüber herrschen, zu welcher Auffassung der Papst neigen dürfte. Der Papst hat lange vor der Einberufung des Konzils seine Position klargestellt, als er aus eigener Machtvollkommenheit die Entfernung der für die Juden beleidigenden Worte aus einem Gebetstext anordnete. Auch über die Haltung des JKardinals Bea, der heute nach dem Papst die wichtigste Persönlichkeit in der katholischen Welt ist, kann kein Zweifel aufkommen. Der Kardinal ist ein hervorragender Kenner des Alten Testaments, und er ist derjenige, der die jüdischen Organisationen zur.Unterbreitung ihrer Vorschläge ermunterte. Er ist vom Geist des Humanismus durchdrungen und sich bewusst, dass der Geist wahrer Brüderlichkeit nicht mit verleumderischen Behauptung-egn über die Juden vereinbar ist. Kennedy und Israel Washington. — Der in Los Angeles wohnhafte alte zionistische Vorkämpfer und Rabbiner des Israel-Tempels von Hollywood, Dr. Max Nussbaum, wurde in der letzten Sitzung der 65. Jahreskonvention der Zionistischen Organisation von Nordamerika zum Präsidenten gewählt. Er ist der Nachfolger von Max Bressler aus Chicago. In seiner Antrittsrede enthüllte Rabbiner Nussbaum, dass er während der Konvention eine private Unterhaltung mit Präsident Kennedy über die zwischen Israel und den USA schwebenden Probleme hatte. Er versicherte, er sei davon überzeugt, dass die Politik der Vereinigten Staaten, wie sie Kennedy im August 1961 Umrissen habe, keine Aenderung erfahren hat, sondern dass der Präsident weiter um die Sicherheit Israels und den Frieden im Mittelosten besorgt sei. (ITA) Suche nach einem Exnazi Sydney. — In Australien wurde die Suche nach einem Exnazi organisiert, der versuchte, Eichmann ein j Stück von einer in Austra- ¡ lien fabrizierten Rasierklinge zukommen zu lassen, während der Verurteilte in Israel auf seine Hinrichtung wartete. Das Stückchen Rasierklinge wurde an Eichmann unter der Briefmarke gesandt, die auf der an ihn gelichteten Postkarte klebte weiche von der israelischen Polizei abgefangen wurde. Per Gesuchte konnte nicht getunden werden. (ITA> Jetzt auch „Mischlinge“ Johannesburg. — Das südafrikanische Parlament verabschiedete kürzlich in zweiter Lesung eine Novelle zum Gesetz über die Registrierung der Bevölkerung, das die Rassenbestimmungen im Lande besonders vom Aussehen und der Abstammung abhängig macht. Die Ergänzung wurde mit 96 gegen 49 Stimmen gebilligt. Sämtliche Sprecher der Opposition lehnten das Gesetz ab, weil es für „rassische Grenzfälle“ tragische Auswirkungen haben müsse. Der Abgeordnete Dr. *iadford gab 'die Zahl der Betroffenen mit 120.000 an. Er bezeichnete die Bestimmungen als unmoralisch, da — wie er sagte — bei einem Abstimmungsnachweis auch ein grosser Teil der drei Millionen weissen Südafrikaner auf farbige Vorfahren stossen würde. Dies sei selbst bei einer Anzahl der 160 Unterhaus-Abgeordnete* der Fall. (AWZ) Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.63?