Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1967 (6.7.1962)
- Date
- 1962-07-06
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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o fc g c f 5 W U 4* •cu FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1G29 Año XXIII. ISRAELITA BUENOS AIRES, VIERNES G DE JULIO DE 1962 No. 1967 10- Jipa *”■ EL EJE.tIPL: en toda la República PUEYRREDON 2190 1» izq. T. E. 83 2613 Buenos Aires e Tragoedie der Flüchtlinge Das furchtbare Schicksal der chinesischen Flüchtlinge die — kaum in Freiheit — wieder in das Konzentrationslager Maotsetung’s zuriiekgestossen werden, lenkt die Aufmerksamkeit auf die Tragödie, die seit Jahrzehnten grosse Teile der Menschheit erleiden und auf die Tatssehe, dass nunmehr viele Menschen die Diaspora erleben, die in klassischer Weise vom jüdischen Volk ihren Ausgang nahm. Das Gelobte Land durfte das jüdische Volk zum erstenmal unter der Lenkung von Abraham und Lot von Ur Kasdim am Persischen Golf her auf göttliches Geheiss betreten. Doch wurden die Juden das erste grosse Flüchtlingsvolk, und erst unter Moses und Josua konnten sie von Aegypten aus den Boden Palästinas zum zweitenmal erreichen Wieder musste das jüdische Volk flüchten und wandern, und erst ein halbes Jahrtausend v. d. g. Z. konnte es vom Osten her kommend unter Nehemia und Esra das Land zum drittenmal einnehmen. Fast zwei Jahrtausende später, dem Plan und der Vision unseres grossen Theodor Herzl folgend, konnte das jüdische Volk unter Chaim Weizmann zum vier tenmal und für immer den jüdischen Staat errichten. I Die Menschheit in der Diaspora o von GEORG KUEJSSTUXGER, Wien In der Gründungsurkunde wird hervorgehoben, dass in Erez Israel die Wiege des jüdischen Volkes stand. Hier lebte es ein Leben staatlicher Selbständigkeit. Hier schuf es seine nationalen und universellen Kulturgüter und schenkte der Welt das unsterbliche Buch der Bücher. Die Urkunde verweist darauf, dass das jüdische Volk, mit Gewalt aus seinem Lande vertrieben, ihm in allen Ländern der Diaspora die Treue bewahrt hat und niemals aufhörte, um Rückkehr in sein Land und um die Erneuerung seiner politischen Freiheit zu beten und auf sie zu hoffen. Es wird daran erinnert dass im Jahre 1897 auf den Ruf Theodor Herzls, des Schöpfers des jüdischen Staatsgedankens, der Zionistenkongress zusammentrat und das Recht des jüdischen Volkes auf nationale Wiedergeburt in seinem Heimatland proklamierte. Dieses Recht wurde in der Balfour-Deklaration vom. 2. November 1917 anerkannt und im Völkerbundsmandat bestätigt. Die Gründungsurkunde unterstreicht die Notwendigkeit, die Frage des heimat- und staatenlosen jüdischen Volkes durch Wiedererrichtung des jüdischen Staates in Erez Israel zu lösen, eine Notwendigkeit, die erneut und eindeutig durch die Tatsache bewiesen werde, dass über das jüdische Volk in der letzten Zeit eine Vernichtung hereingebrochen ist, während der in Europa Millionen Juden zur Schlachtbank geschleppt wurden. Tatsächlich hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 29. November 1947 einen Beschluss gefasst, der die Errichtung eines jüdischen Staates in Erez Israel forderte. Die Vollversammlung verlangte von der Bevölkerung Erez Israels, selbst alle für sie notwen digen Schritte zu ergreifen, um diesen Beschluss durch zuführen. So heisst es demgemäss in der Gründungsur künde vom 14. Mai 1918. dass Erez Israel seine Tcre für jeden Juden weithin öffnen und dem jüdischen Volk Israels Friedenswunsch Jerusalem. — Bedauern, Sorge und Erstaunen rief beim israelischen Aussenminister Golda Meir die Gleichgültigkeit hervor, die die grossen Nationen gegenüber der feindlichen arabischen Haltung zu Israel an den Tag legen. Frau Meir unterbreitete der Knesset das Budget ihres Ministeriums und brachte bei dieser Gele genheit ihre Besorgnis zum Ausdruck, dass sich die arabischen Staaten über den Charter der Vereinten Nationen einfach hinwegsetzten und in ihrem Wirtschafts-Boykott gegen Israel iortfahren, ohne dass die entsprechende Reaktion erfolgt wäre. Sie wies insbesondere auf die Aufnahme Aegyptens in den Sicher heitsrat und die Abrüstungs- Kommission hin, eines Staates. der nicht nur Waffen anhäuft, sondern durch die Proklamierung des Kriegszustandes mit einem der UN selbst angehörenden Land seine aggressiven Absichten ganz offen zugibt. Das Budget dürfie sich von 20 Millionen IL im Jahre 1961 auf 36 Millionen IL erhöhen. Man müsse hierbei die grössere Aktivität in der internationalen Zusammenarbeit. die kulturellen Belange, sowie die Erweiterung der Vertretungen Israels im Ausland berücksichtigen. Der sich immer stärker auswirkende Rüstungswett lauf sei, wie Frau Meir sagte, die hauptsächliche Folge der internationalen Spannung, ohne dass eine Hoffnung auf ein Abkommen zur gegenseitigen Kontrolle bestünde. Mit grosser Besorgnis sieht Israel das Anwachsen des Kernwaffen-Poten- I tials. Das' Land selbst wird j keine Anstrengung scheuen, i die dahingeht, diese Gefahr I für die Welt zu verringern, j denn die Wiederaufnahme i der Atomversuche sei ein I fürchterlicher Schlag gegen | die ganze Menschheit. Israel werde jedoch dem Problem nicht mit zweischneidigen Massnahmen gegenübertreten, d. h. gegen die Versu che protestieren, die von einer Seite durchgeführt werden, aber schweigen, wenn die anderen dasselbe tun. Aussenminister Golda Meir drückte in ihren weiteren ( Ausführungen die Hoffnung i aus, dass ein unabhängiges! Algerien nicht unbedingt | und automatisch in den Kreis der Feindseligkeit und des Hasses gegen Israel hineingezogen werden müsse. ,,Wir werden uns glücklich schätzen, wenn die Un abhängigkeit Algeriens das erste Anzeichen zu einem neuen Abschnitt der israelisch-arabischen Beziehungen bedeuten sollte“, denn, so fuhr sie fort, zwischen Israel und Algerien könnten die gleichen Beziehungen herrschen wie sie bereits mit der Mehrheit der anderen jungen Staaten beste hen. Dann wiederholte Frau Golda Meir die Bereitwillig keit Israels, wann und wo immer mit seinen Nachbarn über jedewedes Thema, auch ohne vorherige Abmachungen. zu verhandeln. Sie gab ihrer Ueberzeugung Ausdruck, dass alle Diffe renzen auf friedliche Weise beigelegt werden können. Mit Bedauern stellte sie fest, dass noch immer Stirnv<*n iürlisrher Seite zu hören seien, die Israel auffordern,.Frieden zu schlie ssen, wo man doch genau wissen müsste, dass dieser Aufruf nicht an die Adresse Israels zu richten ist. Vielmehr seien diese einseitigen Ermahnungen dazu angetan, das Bild Israels als friedliebendes Land zu enstellen. In diesem Zusammenhang erinnerte Aussenminister Meir an die arabischen Kriegsdrohungen anlässlich des israelischen Plans zur Kanalisierung des Jordan Flusses, wobei sie unterstrich, dass diese Drohungen Israel keinesfalls bei der Durchführung seiner internen Entwicklungs-Projekte beeinflussen würden. Die Araber selbst, sf> betonte sie, haben den mit der Hilfe des Botschafters Eric Johnston aufgestellten Plan zur Bewässerung des Gebiets abgelehnt, noch dazu nachdem bereits ein volles Einverständnis erzielt worden war, so dass ein Projekt, das für die ganze Zone von Nutzen gewesen wäre, schliesslich auf diese Art und durch arabische Schuld wieder einmal zu einem unfruchtbaren Versuch geworden sei. Wenn auch Israel den sehnlichen Wunsch nach Frieden hege, fuhr Frau Meir fort, so hänge die Entwicklung des Landes und die Eingliederung der Ein wanderer nicht von der Haltung seiner Nachbarn ab. Möge auch ein Frieden noch in weiter Zukunft liegen, so sei Israel für jeden Augenblick der Einstellung der Feindseligkeiten dankbar, um seine Bestimmung, wei ter zu wachsen und zu er starken, erfüllen zu können. die Stellung einer gleichberechtigten Nation unter den Völkern verleihen werde. Dieses Versprechen hat der Staat Israel treulich gehalten. Denn in den folgen den Jahren ergoss sich ein Strom von jüdischen Flüchtlingen hauptsächlich aus den kommunistisch beherrschten Ländern nach Mittel¬ und Westeuropa. Fast alle wollten nach Israel, in das •Land ihrer Väter. Wenn auch Israel für alle Juden das Ursprungsland ist, so war es sicher schwer, die unmittelbare Heimat, den Geburtsort zu verlassen. Viele hunderttausende Juden kamen aus Polen, Rumänien und Ungarn — nunmehr als Flüchtlinge in ihr Land. Nachdem der Hauptstrom abgeebbt war, .erhoben sich die Flüchtlingswellen wieder vor einigen Jahren, die aus Ungarn und Rumänien, und sie sind heute noch nicht zu Ende. Das gleiche gilt für ciie Flüchtlinge aus nordafrikanischen Ländern und aus Aegypten, wo für Juden die Existenzmöglichkeit dahinschwand und die Unterdrückungen immer härter wurden. Die mitteleuropäischen und nordafriknaischen sogenannten „Gastländer“ werden von Juden immer mehr entvölkert, der Umfang vieler jüdischer Gemeinden. die in diesen Gastländern in unzähligen Beziehungen befruchtend gewirkt hatten, sinkt nunmehr auf j den Nullpunkt herunter. Dennoch darf nicht geleugnet werden, dass der neue Anfang der jüdischen Flüchtlinge im Alten Land nicht leicht war. Die Schwierigkeiten wirtschaftlicher Natur waren nur durch unermüdlichen Fleiss und durch grösste Energie zu überwinden. Und warum soll nicht offen erwähnt werden, dass es auch Schwierigkeiten seej lischer Art gab und gibt? j Alle diese Menschen konnten ja nicht so rasch ihre unmittelbare Vergangenheit j abschütteln, ihre Erinnerungen an ihren Geburtsort und an den ihrer Eltern und Grosseltern untersinken lassen! Wenn sie nunmehr in ihrem Land sind, so waren sie ja doch Flüchtlinge aus einem Land, in dem sie geboren waren, auch wenn sie dort nicht mehr leben woll ten, ja nicht mehr konnten! Dieses gewiss schwere Schicksal von Flüchtlingen hat auch Millionen Menschen anderer Völker, ja auch solcher, die zum Teil zu unseren ehemaligen Unterdrückern gehörten, getroffen. So — ohne den Feh ler des Generalisierens machen zu wollen — die deutschsprachigen Volksstämme aus der Tschechoslowakei, .ms Polen, aus Ungarn und Rumänien. Auch -sie mussten den Wanderstab ergreifen, auch sie haben — rein menschlich gesehen — vieles auf ihrer Flucht erdulden müssen, auch sie haben ihre Geburtsorte verlassen müssen, an die sie tausendjährige Erinnerungen binden, auch sie mussten neu anfangen. Und neue Ströme von Flüchtlingen kamen aus den kommunistischen Ländern. Polen. Ungarn. Tschechen und Rumänen. Nie hörle es mehr auf. Es ist unmöglich, Neue Nachrichten aus Algier New York. — James P. Rice, der amtierende Direktor des United Hias Service, gab hier bekannt, dass die Wanderungs-Abteilung dieser Institution in Algier ein Büro eröffnet hat, um dar verzweifejten Lage zu begegnen, die durch die Massenflucht von Juden aus Algier nach Frankreich entstanden ist. Die letzten Nachrichten, die von I. G. Jacobson, oem Direktor für überseeische Angelegenheiten, eingelaufen sind, besagen, dass das Büro in Algier’ iibar Personal verfügt und die Arbeit aufgenommen hat. Rice teilte mit, dass die Eröffnung des Büros in Algier den dringenden Ersuchen entsprochen hat. die die Führer der jüdischen Gemeinden Algeriens an das United Hias Service richteten. Das Hias-Biiro arbeitet eng mit dem dortigen Joint in Fragen der Hilfeleistung und Auswanderung zusammen. Aus Paris stammt die Nachricht, dass rund 35.000 Juden aus der Umgebung der Stadt Constantine, wie aus Zeitungsberichten ersichtlich war, das Land schon verlassen haben. Die noch verbleibenden Juden werden ebenso wie andere Europäer von den algerischn Führern aufgefordert, an ihren Wohnorten zu bleiben, und es wird ihnen versprochen, dass in einem unabhängigen Algerien ihre persönliche Sicherheit garantiert sein wird. (ITA) alles zu registrieren. Flüchteten doch auch Griechen Türken, Perser, Chinesen, Koreaner,- Vietnamesen und Indonesier aus ihren Ge burtsländern. In der letzten Zeit kommen hierzu die seit Generationen in Algerien geborenen Franzosen und erst jüngst der eingangs erwähnte Strom der Chinesen aus Hongkong. Die Stadt ist überfüllt mit drei Millionen Menschen, die sanitären Massnahmen reichen nicht mehr. Zwar hat sich Nationalchina bereit erklärt, die aus dem kommunistischen Joch entfliehenden Brüder aufzunehmen, aber dennoch geschieht die unfassbare Grausamkeit, dass die chinesischen Flüchtlinge wieder in das Inferno zuriiekgestossen werden. Da sieht die Menschheit zu und sagt satt und bequem sitzend, man könne da nichts tun. Sogar auf die „gelbe Gefahr“ wird hingewiesen, fast genau so, wie es leider Länder in den Jahren 1938 und 1939 gab. die Angst vor einer „jüdischen Ueberfremdung“ hatten und Juden an den Gren- | zen zurückwiesen, die dann j in den Gaskammern zugrunj degingen. Nachher gab es so j manches Wehklagen, ja so ■ gar Selbstvorwürfe, man j hätte doch dieses oder jenes; — es hätte ja nur Geld gekoi stet — machen können und; Zehntausende Juden hätten j nicht auf grausamste Art; ihr Leben verloren. j So stehen wir heute wiej der vor einem Wall von Egoismus und Bequemlichkeit. Es wäre angezeigt, anstelle von Weltraumbehörden, die Milliarden Dollar zur Erforschung des Weltraums verpulvern, eine wirklich funktionierende Weltflüchtlings - Organisation zu gründen. Natürlich besteht sie auf dem Papier, nein, wir wollen nicht ungerecht sein, sie hat unendlich Gutes schon getan, aber ist das alles? Seit Jahren, selbst wenn wir nur auf 1933 zurückblikschen aller Farben, Nationen, Rassen und Bekenntnisse, auf der Flucht und in der Diaspora. Kein individueller Fall, so erschütternd er in seiner Tragik sein mag, bewegt mehr die Menschen — gibt es doch ähnliche und gleiche zu Millionen. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass infolge der modernen Technik die Welt so klein geworden sei, und man will dennoch nicht einsehen, wie nahe uns unsere Menschenbrüder sind. Wenn nicht ein grosses Erwachen kommt, ein ganz neues Umdenken, dann darf niemand sich beklagen, wenn er von demjenigen Menschen als Stiefbruder behandelt wird, dem er auch nur ein Stiefbruder war und ist. Die Menschheit ist ein Volk von Brüdern, deren Vater der Schöpfer ist. Man denke daran, denn sonst wird aus der Tragödie der Flüchtlinge, die Tragödie der Menschheit. KENNEDYS MITTELOST-POLITIK Washington. — Auf der Schlussitzung der ZOA- Tagung richtete der republikanische Senator für New York, Jacob Javits, einen äusserst scharfen Angriff gegen die Mittelost-Politik der Kennedy-Verwaltung. Javits führte Tatsachen an, die „beweisen, dass die Vereinigten Staaten indirekt die sowjetischen Waffenkäufe dar Aegypter finanzieren, und nannte John j Kennedy und Adlai Stevenson im Zusammenhang mit i der Weigerung, Israel und die Juden zu schützen.“ | „Kennedy hat versprochen, dass er eine feste; Haltung einnehmen und seine Regierung die Initiative ergreifen wird. Aber es sind keine Schritte unter nommen worden“, stellte Javits fest. Er wandfe sich in heftigen Worten gegen die Hilfe, die die USA Nasser gewähren, „ohne von dem ägyptischen Diktator zu verlangen, dass er den Frieden bewahrt oder für die regionale Zusammenarbeit etwas tut.“ (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635 impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadaviâ 831