Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1964 (15.6.1962)
- Date
- 1962-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Viernes, 15 «le Junio de 1962 SEMANA ISRAELITA AB« XXlIl. — N*. 1H4 ELIAS AUERBACH - 80 JAHRE MUSIK IN BUENOS AIRES Im Juli vorigen Jahres versammelte sieh eine stattliche Gemeind? auf dem alten telaviver Friedhof in der Trumpeldorstrasse am Grabe von Professor Heinrich Löwe, um ihn zehn Jahre nach seinem Tode zu ehren Die Gedenkrede hielt Löwes Schwager, Dr. Elias Auerbach, aus Haifa, der u. a. schilderte, wie der um 13 Jahre ältere Heinrich Löwe frühzeitig in sein Elternhaus als Verlobter seiner Schwester kam und wie Löwe, der alte Zionist noch vor Theodor Herzl. den ganz jungen, aufgeschlossenen Knaben mit den B?slrebungen des Zionismus vertraut machte. Das war der entscheidende Einfluss auf den jungen Elias Auerbach, der damals schon beschloss. Palästina in das Programm seines Lebens aufzunehmen und der es damit ganz ernst nahm. Auerbach ist. am 28. Juli 1882 in der Posner Kleinstadt Ritsehenwalde (Ryczwol) als Sohn eines jüdischen Kultusbeamten geboren und erlebte im Elternhaus und in der kleinen Kehilla die ganze Jüdischkeit des Posner Judentums. Aber als die Welt des humanistischen Gymnasiums und der zionistischen Ideologie sein Blickfeld erweiterte, ging er einen etwas anderen Weg. Er studierte Medizin, aber auch Bibelwissenschaft und wurde ein Anhänger der damals blühenden Bibelkritik. Nach Abschluss seiner medizinischen Ausbildung ging er schon 1909 nach Palästina. liess sich frühzeitig als Frauenarzt in Haifa, der Karmelstadt, nieder, deren Ehrenbürger er heute ist. und fand neben seiner aus gedehnten ärztlichen Praxis Zeit zu ernster Forschung. Seine ersten Arbeiten waren mehr politischer als wissenschaftlicher Art. Er schrieb noch in Deutschland: „Die jüdische Rassenfrage“ (Ar-' chiv für Rassen - Gesellschafts-Biologie 1907) und 1912 nach dreijährigem Aufenthalt in Palästina: „Palästina als Judenland“. Während des Ersten Weltkrieges verfasste er 1916 eine Abhandlung: „Judenvolk und Weltkrieg.“ Erst nachher begann er mit den bibelwissenschaftlichen Arbeiten. 1920 erschien eine grundle gende Arbeit über „Die Prophetie“ und im selben Jahr: „Joab. ein HeldenlebenV 1930 lehrte er ein Semester an der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Bei diaser Gelegenheit setzte er in einem Fortbildungskursus vor Rabbinern seine neuartigen Gedanken auseinander. Als reife Frucht seiner Forschungen erschienen in den Jahren 1931 bis 1938 die beiden Bände seines Standardwerkes: „Wüste und gelobtes Land“. 1953 erschien noch eine Arbeit über „Mosche“. Die Gesellschaft für Bibelwissenschaften hat ihm zu Ehren ein „Sefer Auerbach“ herausgegeben. Wiederholt lebte er vor und nach dem Krieg in Europa, um sich selber und andere fortzubilden. Wahrscheinlich wird er auch in absehbarer Zeit seine Lebsnserinnerungen herausgeben. Viele lehnen Auerbachs bibelkritische Anschauungen ab, aber sie respektieren den Menschen und den ernsten Forscher, den Arzt und nicht zuletzt einen der ältesten zionistischen Chaluzim und wünschen ihm, den weiteren Aufbau Israels in Gesundheit und Rüstigkeit von den Höhen des Karmel aus zu erleben. BEETHOVENS „CHOR¬ PHANTASIE“ MIT RICHTER-HAASER IN „WAGNERIANA“ Hans Richter-IIaaser vervollständigte den Zyklus der Beethoven - Klavierkonzerte mit Orchesterbegleitung mit einer wundervollen Internretation des es-dur-Konzerts Nr. 5 opus 73, die dem Spiel des Wagneriana-Orchesters weit überlegen war. Lamberto Baldi dirigierte mit Umsicht. Die selten gehörte ,„Chorphantasie“ opus 80 für Klavier, Chor, Solisten und Or Chester ist ein Jugendwerk aus der Bonner Epoche des unsterblichen Meisters und kann als Vorstudie zur „Ode an die Freude“, dem Schlusschor aus der 9. Symphonie gew-ertet werden. Verdienstvollerweise setzte die „Wagneriana“ dieses schöne Opus auf ihren Spielplan. Der Chor wurde von Carlos Berardi zufriedenstellend vorbereitet, und die Solisten Delia Milelia, Tatjana Zlatar, Aura Siebei, Carlos Cossutta (dieser unter seinen Kollegen weit hervortretend), Armando Beilin und Ulises Poli machten ihre Sache recht ordentlich. Das Orchester unter Baldis Stab hielt sich im allgemeinen gut, stand aber dennoch sehr im Gegensatz zu der alles überragenden Glanzleistung Richter-Haasers, der den dankbaren langen Solopart poetisch und respektvoll meisterte. Es gab sehr langen Beifall. THEODORO FUCHS UND RODOLFO CARACCIOLO MIT NATIONALEM SYMPHONIEORCHESTER Das 2. Klavierkonzert von . Jacobo Ficher opus 81 wur i de 1954 vollendet und Rodol- Jüdisches Lehrhaus Die naechsten Kurse finden statt, am MONTAG, DEN 18. JUNI, UM 20 UHR 30 IM GEMEINDEHAUS (RAMER 2060 1. Kurs: BIBELKUNDE: Dr. Meir Rosenberg (BEGINN 20 UHR 30 pktl.) 2 Kurs: GEGENWARTSKUNDE: Dr. Swarsensky 3 ABEND: EUR0PAEISCHE UND JUEDISCHE EMANZIPATION (Geistige Lage der Juden zwischen den Zeiten) (BEGINN 21 UHR 20) 3. HEBRAEISCHE KURSE: t. Jahr: Montags: 18 Uhr 30 und Mittwochs: 19 Uhr 15 2. Jahr: Dienstags und Donnerstags: 17 Uhr 3, Jahr: Montags: 17 Uhr und Mittwochs: 17 Uhr 50 Es ist geplant, einen weiteren hebraeischen Aniaengerkurs für Teilnehmer ohne Vorkenntnisse einzurichten, der im Monat Juli beginnen wird. Dieser Kurs kann nur stattfinden, wenn sich wiederum eine genügende Anzahl von ERNSTHAFTEN Teilnehmern einschreiben wird. Um schriftliche Anmeldung unter genauer Angabe der Adresse und Telefonnummer wird gebeten. fo Caracciolo gewidmet, der es hiermit aus der Taufe hob. Fiebers Partitur hält sich an die klassische Form sowohl kompositorisch als auch in der Orchssterbesetzung, geht aber den für ihn charakteristischen Weg. Neues Zu schaffen, unbeirrt weiter. Seine Werke tragen stets den Stempel unbestechlicher Originalität. Der mit technischen Schwierigkeiten gespickte Solopart wurde von Caracciolo schlechthin perfekt gemeistert, und das sauberspielende Orchester unter dem helfenden Taktstock von Theodoro Fuchs tat sein übriges, um ehrlichen und langen Beifall hervorzurufen. Fuchs umrahmte das Konzert mit Iländels Concerto Grosso Nr. 6 g-moll (ausser ordentlich charaktervoll und sauber gespielt) und mit der „Rheinischen“ Symphonie Nr. 3. opus 07 von Roberto Schumann, dessen romantische Faktur unter der liebevollen Einfühlung des Dirigenten besonders herzvoll zur Geltung kam. Der Orchesterleiter durfte sich für langen Applaus bedanken. (c-n) MAX PERLMAN MIT NEUEM SEHENSWERTEN PROGRAMM IM TEATRO SOLEIL Alle Kurse finden in der Cramer 2060 statt Literarische Notizen Für das Hebrew Union College Der Chairman der American Reform Judaism Campagne Jack Davis, in New York, gedenkt mit einer Veranstaltung für grosse Spender die erste Million Dollar für das Budget von vier Millionen aufzubringen, um das Ausbildungs-, Synagogen- und Hilfsprogramm des Reformverbandes und des Hebrew Union College durchzuführen. Neuer Praesident der der YMHA Ted Lurie, Redakteur der „Jerusalem Post“, ist zum Präsidenten der YM and YWHA (Young Men and Young Women Hebrew Association) gewählt worden, die einen Teil der Weltföderation der YMHA bilden. Lurie, ein gebürtiger Newyorker, lebt in Israel seit mehr als 30 Jahren. Er diente in der Hagana und war Mitbegründer der ,,Palestine Post“. Kaschrut-Ausstellung In Detroit fand durch die orthodoxe Gemeinde eine Ausstellung von koscheren Lebensmitteln statt; sie wurde ergänzt durch Informationen über Kaschrut, Rezepte und weitere Literatur zur Kaschrutfrage. Die letzte Synagoge Das Greater Lawndale- Quartier von Chicago, früher das .Jerusalem von Chicago“ genannt, wo viele jü- Nachdem das erste Stück von Perlman und der Galina, „Der Vater bin ich“, Verdientermassen lange auf dem Spielplan stand, bringen die beiden nun das zweite Gastspiel, das sie „Man muss das Leben leben“ nennen. Titel, Autor (Meir Margulit) und Komponist sind übrigens nebensächlich. Herrmann Ludwig dirigiert die sehr reichliche melodiöse Musik mit der bei ihm gewohnten leichten Hand, wobei Erinnerungen an frühere Weltschlager auftau chen. Das Publikum wird gerührt, hat zu lachen und freut sich ob der brillanten schauspielerischen Leistungen. Perlman singt, tanzt, lacht so überlegen wie immer und ist stets Herr der Szene. Diesmal hat er auch das goldene jüdische Herz zu zeigen, das so grossmütig ist, dass man es schon als platinenes Herz bezeichnen muss. Er trägt übrigens so unerhört elegante Hüte, Anzüge und Schuhe (als Schlosser), dass man ihm keine Handarbeiten anvertrauen dürfte. Guita Galina und Maurer kommen ganz anders als gewöhnlich. Sie ist nicht wie sonst Brecherin männlicher Herzen im Dutzend, sondern eine alte sitzengebliebene Jungfer, die sie mit viel Humor und sehr frechem Mundwerk darstellt. Dass sie gut singt und zum Schluss, als sie doch eine Eroberung gemacht hat, wieder hochelegant ist, versteht sich. José Maurer, der erstklassige Intrigant und Bösewicht des jüdischen Theaters, spielt diesmal einen schüch- \ Teafro Solei! | m CORRIENTES 3150 H s T E. 86-2307 3 5 «I m g Freitag um 22 Uhr 13 5 Son a bend um 22 Uhr 3 P Sonntag 18 und 22 Uhr * 3 Täglich um 22 Uhr :3 2 GASTSPIEL m § MAX PERLMAN 2 m 5 und § GITTA GALINER 3 H 3 » in dem musikalischen «jj g Lustspiel g 1 WENN MAN LEBT, 3 S ERLEBT MAN! £ 5 M g Musikalische Leitung: ¡3 jjjj Kapellmeister;jj S HERRMANN LUDWIG Jj dische Institutionen ihren Sitz hatten, hat seine letzte jüdische Institution, die Gemeinschaftliche Talmud Tora, an eine anderes Quartier verloren. Im vergangenen Jahr hat die jüdische Akademie den Bezirk verlassen, in dem früher unzählige Synagogen waren. Das Quartier wird heute fast nur von Negern bewohnt ternen Liebhaber, und er spielt ihn ausgezeichnet, mit einer treffenden und doch menschlich feinen Komik, die man bei ihm nicht erwartet hatte. Salomon Stramer als alter Musiker-König singt eine ernste Partie mit einer Stimme und einem Ausdrucksvermögen, um die ihn viele, noch dazu wesentlich jüngere Opernsänger mit Recht beneiden dürfen. Rivkele Reben, die in ihrer erst zweiten Rolle auftrat, wurde bei ihrem Erscheinen schon mit dem Beifall begriisst, der sonst nur den Stars gezollt wird. Und keineswegs unberechtigt. Sie singt und spricht gut, sieht reizend aus und zeigt als Partnerin von Perlman eine natürliche Koketterie, die sie kaum in einer Theaterschule gelernt hat. Alle anderen: Sofia Ravalowicrh und Luis Mintzen, zwei angenehme neue Gesichter, die ihre Rollen gut sprachen, sowie die bewährten alten Kräfte: Bella Ariel, Margot Steinberg Guldin und Klatzkin, machten ihre Sache gut. Das Publikum war hochzufrieden. Und damit ist ja wohl der Sinn eines solchen Abends befriedigend gelöst. Dr. Karl Kost TEATRO COLON Sábado 16 a las 17.30 hs.: la. función de abono a 2: 'Andrés Segovia. A las 21.30 horas: . 4a. función del abono a sábados nocturnos; "Tosca“ de Puccini. Lunes 18 a las 21.30 hs.: 3ra. función del abono a 8: Orquesta Filarmónica. Director: Enrique Jorda, Solista: Regine Crespin. Martes 19 a las 21 horas: 5a. función de Gran Abono: “Pelleas et Melisande" de Debussy. Miércoles 20 a las 18 hs.': 3ra. funicón del abono a 7: Societá Corelli. Jueves 21 a las 21 hs.: 4a. función del abono popular: “Pelleas et Melisande“ de Debussy. i DQutfcfies Theater AM 2. JULI BEGINNT DIE DIESJAEHRIGE SPIEL¬ ZEIT MIT ERFOLGREICHEN WERKEN: „EINE ETWAS SONDERBARE DAME“ Komödie von John Patrick „INGEB0RG“ Komödie von Curt Götz „DER MANN MIT DEM ZYLINDER“ Musikalisches Lustspiel von Scheu und Nebhut „NUN SINGEN SIE WIEDER“ Versuch eines Requiems von Max Frisch „EINSAME MENSCHEN“ Drama von Gerhart Hauptmann .DAME KOBOLD“ von Calderón de la Barca - Hugo von Hofmannsthal oMer „GEFAEHRLICHE KURVE“ Schauspiel von J. B. Priestley Neben dem ständigen Ensemble aus Buenos Aires konnten bis jetzt der dem Publikum vom Vorjahr bekannte Schauspieler und Regisseur KLAUS JAEGEL, ferner die aus Berlin stammende EVELYN MAYKA und der aus Köln kommende WOLF SCHLAMMIN- GER verpflichtet werden. Die Vorstellungen werden wie "bisher im TEATRO ODEON, Esmeralda 367, an folgenden Tagen stattfinden: jeweils Montag um 21 Uhr, Mittwoch, Donnerstag und Freitag um 19 Uhr 30, sowie Sonntag um 15 Uhr 15. Der Abonnementverkauf begann im Teatro Odeon. — Für die vorjährigen Abonnenten und Stammsitzbesucher bleiben ihre Plätze bis Montag, den 18. Juni, reserviert. Die Theaterkasse ist von 10—12 und von 14—19 Uhr geöffnet.