Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1962 (1.6.1962)
- Date
- 1962-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO X A3 a .5 Concesión 966 t s « ¿ W E TARIFA REDUCIDA < (J Concesión 1629 ISRAELITA Afio XXIII. BUENOS AIRES, VIERNES 1’ OE JUNIO DE 1962 No. 1962 EL EJEMPLAR IR en toda la República PUEYRREDON 2190 19 tz*. T. E. 83 2613 Buenos Aires Lage in Algerien unhaltbar^ Syrien: Einen Moment bitte...! Dass sich neuerdings die Ueberfälle auf die jüdischen Wohnviertel in Algerien laufen. bewert, wie unhaltbar die Lage der Juden in diesem Lande ist, dessen Bevölkerung für seine herannahende politische Unabhängigkeit sichtlich noch nicht reif ist. Die algerische Führerschaft hat. wie die Ergebnisse des kairoer Besuches von Mahmud Ben Bella mit seiner .Kriegserklärung an Israel' und seinem .Lernend zeigen, nicht einmal theoretisch eine klare, einheitliche Stellung, geschweige denn die Kraft der jüdischen Minderheit in der Praxis Toleranz und bürgerliche Gleichberechtigung, Sicherheit von Leben und Eigentum zu geben. Die Juden können sich in Algier, Bonne, Constantine. Oran usw. keineswegs auf die von den inneren Unruhen und den Kämpfen zwischen Mohammedanern und Franzosen überforderten offiziellen Sicherheitskräfte verlassen. Sie mussten ihre eigene Selbstwehr organisieren, die gelegentlich gezwungen ist, mit OAS-Leuten zusammenzuarbeiten, Mit Panzerwagen und Polizeistunde lässt sich die Sicherheit der Juden nicht gewährleisten. wenn in einem! Lande mit überwiegend moj bammedaniseher Bevölkerungsmehrheit allgemeine Unsicherheit herrscht. * von MEIR FAERBER Die FLN-Leute scheinen t beschlossen zu haben, dir Volksbefragung über den ' Charakter des Regimes in Algerien nicht abzuwarien, sondern gegen die Juden sofort mit umfangreichen Teri roraktionen vorzugehen, um sie einzuschüchtern und zum Verlassen ihres Vermögens, ihrer Häuser und Geschäfte, sowie zur Flucht : aus dem Lande zu zwingen. ■ Es sind nicht mehr einzelne | Ueberfälle, sondern sichtlich handelt es sich um eine Kette von organisierten und forcierten Aktionen, denen die Juden ausgesetzt sind. Kommandotruppen der OAS arbeiten gelegentlich mit der jüdischen Selbstwehr zusammen, aber wenn es ihnen auch gelingt manchmal eine Mörderbande zu liquidieren, so besteht doch keine Aussicht darauf, die Gefahr niederzuringen, da die Hetzkampagne gegen die Juden unter den Mohammedanern allgemein geworden ist. und vor allem, da neben der Mordlust auch die Raubgier eine grosse Rolle spielt und das jüdische Vermögen wieder einmal vogelfrei zu sein scheint. Jeder Tag fordert seine Opfer unter den Juden Al- | geriens, und alias deutet! darauf hin, dass sich die i Gefahr jetzt von Tag zu Tag j steigert. Diesen Eindruck j bestärkt auch der resignierl te Ton der ErUärung des I den Juden mit Sympathie | gegenüberstehenden Führers der .Algerischen National-Bewegung‘ MNA, Massali Chadj, der den Angriff Ben Bellas bedauert und zurückweist und gegen den antijüdischen Terror Stellung nimmt, indem er darauf hinweist, dass es lange vor dem Eindringen der Europäer in Nordafrika bereits jüdische Gemeinden in Algerien gegeben hat und die Juden daher als Algerier zu betrachten seien. Schicksalsfragen dieser Art werden aber, wie wir schon zur Genüge gelernt und erfahren haben, nicht von den Gemässigten und Liberalen entschieden, sondern von den Aggressiven und Extremisten; und verschiedene Gruppen unter den Mohammedanern jedes Ortes wollen einander beim Raub des jüdischen Vermögens und der Besetzung jüdischer Häuser zuvorkommen, «o dass diese kriminelle Bewegung lawinenartig wächst. Auch Juden, die bereit sind, bis zum Letzten zu kämpfen und ihre Rechte als Algerier zu verteidigen, haben sich nun entschlossen, ihre Kinder nach Frankreich in Sicherheit zu bringen. wo sie den jüdischen Wohlfahrts-Institutionen an- DAMALS WIE HEUTE ’■ „Ende 1950 erhielt ich von der damaligen „Dienststelle Blank“ den Auftrag, ihr den Entwurf eines Militärstrafgesetzbuches vorzulegen“, schreibt Oberstaatsanwalt a. D. Martin Rittau im Vorwort zu seinem Kommentar der Kriegssonderstrafverordnung: Nur fünf Jahre nach dem Zusammenbruch des Hitler- Regimes also zu einem Zeitpunkt da die Aufstellung der Bundeswehr noch auf dem Wunschzettel der deutschen Bundesregierung stand, wurde der „bewährte“ Martin Rittau wieder beauftragt. Ein Mann der beispielsweise 1944 noch forderte: „Es bleibt die Pflicht des Richters, auch dis alten Vorschriften im Geist der nationalsozialistischen Rechtserneuerung auszulegen und fortzubilden.“ Bezeichnend für die Geisteshaltung des früheren Kriegsrichters sind ferner seine „Randbemerkungen zur Neufassung des Militärstraf - Gesetzbuches“ die er 1940 in der „Zeitschrift für Wehrrecht“ veröffentlichte. Darin heisst es: ..Stets daran denken, dass die Rechtsprechung der Wehrmacht „uf der Grundlage der Neufassung des Militürstrafgesetzbuches auch ein Mittel, und zwar ein sehr wichtiges, zur Erringung des Sieges ist und dass " Mars die Stunde regiert.“ In der Kriegssonderstrafrechtsverordnung widmete sich Rittau besonders der „Zersetzung der Wehrkraft“ Der Tatbestand der Wehrkraftzersetzung richtete „sich vor allem gegen pazifistische Bestrebungen, die darauf abzielen, die soldatische Haltung des Volkes (!) zu schwächen oder allgemein die Disziplin zu unterhöhlen.“ Tausende Deutscher, die den Wahnsinn des Krieges erkannt hatten wurauf Grund dieser Verordnungen und Erläuterungen in die KZ gebracht oder gleich zum Tode verurteilt. Martin Rittau ist heute wieder „im Fach“ tätig. Wie unheilvoll sich der Kommentar bislang schon ausgewirkt hat, soll nur an einem Beispiel demonstriert werden: Theorie nach Rittau: „Dass schon wegen der blossen Verletzungsmöglichkeit, wie sie mit dem verbotswidrig einem Untergebenen zugemuteten Sprung vom 3-m-Brett ins Wasser verbunden ist, von einer „Misshandlung“ gesprochen wird, geht... erheblich zu weit.“ Praxis in der Bundeswehr: „Dienstlicher Befehl! Springen Sie sofort vom 3-m- Brett andernfalls erfolgt Bestrafung wegen Befehlsverweigerung“ — befahl Bundeswehr-Kompaniechef Janelt in Oldenburg. Der 21jährige Panzerschütze K. Benders sprang — und tauchte nicht mehr auf. Als Nichtschwimmer, unter ständigen Kopfschmerzen leidend, war er in den Tod gesprungen. Nach all dem ist es nicht verwunderlich, wenn Rittau selbst einen Fusstritt als Mittel bei „aussergewöhnlich dienstlichen Umständen“ rechtfertigt „um die Aufmerksamkeit des Untergebenen zu erregen.“ Was ist da vom vielzitierten „Staatsbürger in Uniform noch übrig geblieben?“ Martin Rittau bekennt sich im übrigen selbst zu der Kontinuität seiner Arbeit. Vom Militärstrafgesetzbuch aus dem Jahre 1872, das schon 1J35 die Grundlage für seinen Kommentar bot, konnte er sich auch diesmal nicht trennen. So schreibt er ^958 — wir zitieren wieder aus seinem Vorwort: „Infolge der zahlreichen Abweichungen vom früheren Militärstrafgesetzbuch, die das Wehrstrafgesetz enthält, konnte das vorliegende Werk keine Neuauflage (!) meines 1944 in 5. Auflage erschienenen Kommentars zum Militärstrafgesetzbuch sein, sondern stellt eine völlige Neubearbeitung dar. Aber auch für diese bildete die vorbildliche Rechtsprechung des früheren Reiehsmilitärgeriehts (1900 bis 1920) die Hauptgrundlage.“ Nun, die deutsche Bevölkerung hat aus dem vergangenen Krieg allerdings andere Erfahrungen mitge bracht und andere Schluss folgerungen gezogen. Sie will vom Krieg und vom preussischen Soldatentum nichts mehr wissen. Wann werden sich das solche Leute, wie die Rittaus endlich hinter die Ohren schreiben? (Aus einer deutschen Zeitung) vertraut werden, die sich 'iner Katastrophen-Situation gegenüberstehen, welche sie nicht bewältigen können. Der Jüdische Sozial-Fonds hielt in Paris eine Landeskonferenz ab, um über die Finanzierung der Einordnung der Flüchtlinge zu beraten. Mit seinem Budget von nur einer Million Dollar für das Jahr 1962 steht der Fonds dem Problem der Massenfiucht völlig mittellos kommender Juden ratlos gegenüber und appellierte an den Joint und die britische Judenheit, damit diese weitere Gelder zur Verfügung stellen. Das ist — ohne Uebertreibung — eine Existenzfrage der Juden Frankeichs selbst, denen bei weiterem Zustrom von Flüchtlingen, nachdem bereit^ marokkanische Juden in Massen nach Frankreich gekommen sind, eine antisemitische Welle droht. Die jüdische Geschichte wiederholt sich, und was für die deutschen Juden in den zwanziger Jahren, nach dem ersten Weltkrieg, die Ostjuden waren, das werden für die französischen jetzt die nordafrikanischen Juden. Es müsste wohl nicht unbedingt so sein, aber die alteingesessenen Juden Frankreichs befürchten dies eben doch. Israel und der Zionismus stehen wieder einmal vor einer Bewährungsprobe.' Die jüdischen Flüchtlinge aus Nordafrika müssen für die Einwanderung in den jüdischen Staat gewonnen werden, wo sie wirklich ihre neue Heimat finde., können und müssen. Das Kultur- und Zivilisations-Niveau der Juden Algeriens ist weit höher als das der Juden Marokkos, und ihre Einwanderung nach Israel wäre daher doppelt zu begrüssen. Wieder wird in Israel alles gefördert und als besonders dringlich behandelt werden müssen, was zur Einordnung der Einwanderer beitragen kann. Vorerst umfasst das Wohnbauprogramm für die nächsten fünf Jahre 200.000 Wohnungen, aber darüber hinaus wird für weitere Anspornung der Baubewegung und der Schaffung entsprechend vieler zusätzlicher Arbeitsplätze gesorgt werden müssen. Staat und Volk in Israel sind bereit, alle Anstrengungen auf sich zu nehmen, um auch diese neue menschliche und jüdische Aufgabe zu bewältigen, hoffen aber gleichzeitig auf die Hilfe der Judenheit in der Diaspora. V)T TAGUNG DES A.C. Aus Costa Rica Guatemala. — Der gewählte Präsident von Costa Rica, Francisco Orlich, erschien überraschend auf einer Veranstaltung der Zionistischen Zentrale von San José, wo Benno Weiser, der Direktor des Instituts für Kulturaustausch zwischen Israel, Lateinamerika, Spanien und Portugal, eine Rede hielt. Später berichtete Orlich in kurzen Worten über seinen kürzlichen Besuch in Israel. (ITA) Jerusalem. — Der Eröffnungssitzung des Aktionseomites wohnten Staatspräsident Ben Zwi, Minister und Deputierte bei. Abba Eban sprach im Namen der Regierung. Nachum Goldmann gab in seiner Eröffnungsrede einen Ueberblick über die Lage der Judenheiten und die Probleme der Einwanderung. Er betonte, dass ohne den Wunsch und die wirksame Mitarbeit Israels, zur Stärkung der zionistischen Bewegung diese ihr Ansehen im jüdischen Leben nicht wiedergewinnen könne. Eine andere Bedingung, vielleicht die wichtigste, sei die Vereinheitlichung der zionistischen Aktion, ihre Strukturänderung und der Mut, veraltete Methoden fallen zu lassen. Die heutige Struktur der zionistischen Bewegung, die sich auf Parteien stützt, so führte er aus, entbehre nicht nur der Vernunft, sondern sie sei sogar schädlich. Wenn auch die zionistischen Gruppen und die Zionistische Organisation im allgemeinen alle Funktionen erfüllen und manchmal nützliche und wichtige Aufgaben in der Diaspora durchführen, wie auf dem Gebiet der Erziehung und der Erfassung der Jugend, so müse man doch als ausschlaggebend ansehen, in welchem Mass sic eine Quelle des Einflusses und der Führung in der allgemeinen Entwicklung des jüdischen Lebens darstellen. Hierauf ging er dazu über, die Tendenzen zu analysieren. die im jüdischen Leben Nordamerikas zu beobachten sind. DIE REDEN DER DELEGIERTEN Der Tagung wohnen 105 Delegierte aus 12 Ländern, 45 Mitglieder der Zionistischen Weltorganisation und 15 Beobachter bei, die die jüdischen Gemeinschaften in der gangen Welt vertreten. Jakow Tsur, der Präsident des Jüdischen Nationalfonds und Vorsitzender des A.C., verwies auf die „Während der Sicherheitsrat über die kürzlichen Zwischenfälle an der israelisch-syrischen Grenze diskutierte, setzte die syrische Armee die Zivilregrierung ab und verhaftete die Mitglieder des Kabinetts. Dies war die siebente Revolution seit dem Jahre 1949.“ (Pressemeldung) Notwendigkeit, sich erneut bewusst zu sein, dass wir in eine Zeit der dringlichen Probleme eintreten, die dem Staat und der zionistischen Bewegung grosse Verantwortlichkeit auferlegen. Mit dem Hinweis, dass die Einwanderung in diesem Jahr gestiegen ist, berührte er die Lage der algerischen Juden, die nicht nur eine Tragödie für Algerien oder Frankreich darstelle, sondern auch die Juden in Israel angehe. Dieses Jahr werde einen neuen Rekord in der Einwanderung bringen, so führte Mosche Sharett aus, wobei er betonte, dass die Schichtung der Immigranten sich gesünder gestaltet habe, da viele junge Menschen ins Land kommen. Bei der Unterbringung der Einwanderer falle der Jewish Agency eine entscheidende Rolle zu. Seit Staatsgrün, düng seien über eine Million Menschen in Israel eingewandert, und niemand sei ohne ein Dach über dem Kopf geblieben, nicht einmal für eine Nacht. Er fügte hinzu, er müsse die Delegierten darauf aufmerksam machen, dass noch grössere Anstrengungen nötig sein werden, weil das Werk der Absorption sonst nicht mit dem Tempo der Einwanderung Schritt halten könnte. Sharett würdigte im besonderen die Arbeit der Jugendalija, die im vergangenen Jahr 4.000 Jugendliche aus 40 Ländern eingeliedert hat. Er unterstrich, dass ein jedes Kind, dessen Eltern eine religiöse Erziehung für ihre Kinder wünschen, diese erhalte. Sharett teilte ferner mit, dass das Wirtschafts-Ministerium im vergangenen Jahr rund 5.000 Einwanderer aus westlichen Ländern unterstützt hat. Auch seien Ulpanim für Familien errichtet worden, in denen ganze Einwanderer - Familien hebräischen Unterricht erhalten. Gegenwärtig bestehen 65 dieser Ulpanim. — ' (ITA) /1 Registro de 1* Propiedad Intelectual No. 656.635 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 iiriT'tr.rnBiii»i