Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1959 (11.5.1962)
- Date
- 1962-05-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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JÜDISCHE lUIKHI) 14. Jahrestag des Stau tes Israel PUEYRREDON 219« — 1’ iz«. fa JfewtcuiaJshjc&üla T. E. 83-2613 AR« XXIIi. BUENOS AIRES, VIERNES 11 I>E MAYO DE 1962 No. 1959 Botschaft Ben Zwis Anlässlich des 14. Unabhängigkeitstages des Staates Israel entbiete ich dem in Zion lebenden Volke und allen Söhnen Israels in der Diaspora, dem Verteidigungsheer und allen unser en Sicherheitskräften, welche Tag und Nacht für die Sicherheit und Verteidigung unseres Vaterlandes sorgen, meine herzlichen Grüsse. Vor allem gedenken wir an unserem Festtag unserer teuren Opfer, die unsere Sicherheitskräfte und die gesamte Bevölkerung in diesem Jahr ebenso wie in anderen Jahren, bei •4er Verteidigung des Vaterlandes gegen den Angriff des Feindes dargebracht haben. Wir bewahren eine Minute des Schweigens zu ihrem gesegneten Andenken. Zwei grosse Aufgaben wurden dieser Generation des Staates Israel und dem ganzen Volk Israel gestellt, Aufgaben, die die Generationen vor uns nicht gekannt haben: die Vereinigung der Verbannten unseres Volkes aus ihrer Zerstreuung und die Wiedererweckung unseres alten Vaterlandes aus seiner Verwüstung, zwei historische Aufgaben, die sich ergänzen. Die ersten vierzehn Jahr« brachten uns über eine Million Einwanderer aus Ost und West zu gleicher Zeit, aufgeteilt in siebzig Stämme, und unsere grosse Aufgabe — die grosse Aufgabe des Staates — war es, die Einwandex-er zu einem einzigen nationalen Organismus zusammenzuschweissen. Wahrlich, im Lauf dieser kurzen Zeit ist in Israel eine gigantische Arbeit vollbracht worden, wie sie niemals weder geleistet wurde noch unter den Bedingungen der Diaspora durchgeführt werden kann. An erster Stelle ist es uns gelungen, ein nationales Erziehugnsnetz, einzigartig und einheitlich zu schaffen, einen staatlichen, obligatorischen Unterricht, der alle Kinder im schulpflichtigen Alter, vom Kindergarten bis zur Universität vereint hat, und deren Zahl in diesem Jahr sich auf fast 800.000 belief. Hierauf folgte Militärdienst und militärische Ausbildung der Jugend, der im Lande Geborenen zusammen mit den Eingewanderten, für die Verteidigung des Vaterlandes, eine Erziehung, welche die Mauern zwischen den Landsmannschaften und Stämmen, zwischen den Einwanderern aus Ost und West niederreisst. Drittens, nicht geringer als dieses Werk, ist es gelungen, die arbeitenden Massen Israels, die zu einem einzigen Block geschweisst wur- (Schluss 'auf Seite 12) WIE ICH ES SEHE Israel im Weltgeschehen von JEHUDA GOTTHEMER Als Theodor Herzl im Jahre 1896 sein, Geschichte machendes Werk „Der Juden- Staat' verfasste, fand er bei vielen Juden, vor allem im europäischen Osten und auch bei manchen Christen eine begeisterte Zustimmung. Die meisten jedoch hielten ihn für einen Phantasten, lehnten seine Gedankengänge schroff ab, griffen ihn scharf an, bekämpften ihn und die von ihm geschaffene Zionistische Bewegung mit allen Mitteln oder hatten nur ein mitleidiges Lächeln für den bekannten Journalisten und beliebten Theaterschriftstelter übrig. Verwundert blickten sie auf den Mann, dessen elegante Erscheinung in allen literarischen Kreisen Europas gern gesehen wurde, und der nun plötzlich von der Idee der Wiedergeburt seines jüdischen Volkes besessen war. Die wohlwollenden Zeitgenossen sahen ihn so. wie ihn Theo Zasche gezeichnet hat: Dicke Tränen rollen von seinen Augen, während Herzl auf einer zerbrochenen Säule des Tempels in Jerusalem sitzt. Einige Verse, die von Julius Bauer stammen, sollten die Karikatur erläutern: „Von Sudermann hat er den Bart, Die Ironie von Heine, Doch sein Talent von starker Art Gehört ihm ganz alleine. Ec sieht ein Ziel, ein Ziel so weit, Im Träumen, wie im Wachen: Er denkt daran, in dieser Zeit Mit Juden Staat zu machen!“ Ja. er dachte wirklich daran. in eiper Zeit den jüdischen Staat aufzubauen, als alle Voraussetzungen fehlten. die Zeifcströmungen gegen ein solches Beginnen gerichtet waren, die westeuropäischen Juden im Tauj met der Assimilation und einer vermeintlichen Gleichberechtigung nichts von solchen Bestrebungen wissen wollten und sogar die Existenz eines jüdischen Volkes verneinten, während die jüdischen Massen im Osten des alten Kontinents im Elend und Ohnmacht verharrten. Aber es gab kein Hindernis, das den unerschrockenen Mann vor der Realisierung der einmal für richtig erkannten Idee zuriickschrecken konnte. So kam es zum 1. Kongress (1897». Damals schrieb Herzl, nach Hause zurückgekehrt. in sein Tagebuch: „Fasse ich den Basler Kongress in ein Wort zusammen — das ich mich hüten werde, öffentlich auszusprechen —, so ist es dieses: In Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich das heute laut sagte, würde mir ein universelles Gelächter antworten. Vielleicht in fünf Jahren, jedenfalls in fünfzig wird es jeder einsehen“... Genau fünfzig Jahre später, im November 1947, beschlossen die Vereinten Nationen mit einer überwältigenden Zweidrittelmehrheit die Errichtung eines jüdischen Staates. Heute begehen wir seinen 14. Jahrestag. Wir kennen die bittere und schmerzensreiche Geschichte dieser 50 Jahre.Wir selbst sind Zeugen des blutigen Unterganges des europäischen Judentums, Niemals kann man das Rad der Geschichte zurückschrauben, aber die Frage ist als Mahnung immer berechtigt, was geworden wäre, wenn... ja wenn die verantwortlichen Männer und Frauen der einst so stolzen jüdischen Gemeinden in ganz Europa den Ruf Herzls befolgt hätten, wenn sie die Mittel zu einer breiten Ansiedlung der bereits vor der grossen Katastrophe entwurzelten Massen zur Verfügung gestellt haben würden, und wenn sie 3ich und andere nicht in jener gefährlichen Sicherheit gewiegt hätten, vor der sie Herzl gewarnt hatte, weil er sie als trügerisch erkannte. Die kurze Geschichte Israels spiegelt das schnell wechselnde internationale Panorama unserer Zeit wider. Die UN-Resolution über die Errichtung eines jüdischen Staates war vielleicht die einzige transzendentale politische Tat, die durch eine gemeinsame Aktion der beiden, sich sonst feindlich gegenüber stehenden Blöcke vollbracht worden ist. Die USA waren die erste und Russland die zweite Macht, welche die Gründung des Staates Israel anerkannten. Erst die Verschärfung des kalten Krieges machte Is- Feuerüberfall in Oran Oran. — Im jüdischen Viertel von Oran kam es zu schweren Unruhen. Schon am frühen Morgen wur j den Schüsse aus dem mohammedanischen Stadtteil: auf das von Juden bewohnte Viertel abgefeuert, wobei zwei Personen Verwundungen davontrugen. Eine' Stunde später wurde in einer Gegend, in der Moham- 1 medaner und Juden leben, ein Jude getötet Etwas später versuchte eine Rotte von mit Stök-' iten und Eisenstangen bewaffneten Mohammedanern gegen das jüdische Viertel zu marschieren. Dieses Vorhaben wurde jedoch von der Armee vereitelt. Bei diesem Zusammenstoss fand ein Mohammedaner den Tod, und ein Europäer wurde verwundet. Kommandant der Ehrenlegion Paris. — Dr. Jacob Kaplan, der Oberrabbiner von Paris, ist zum Kommandanten der Ehrenlegion ernannt worden. Die Auszeichnung stellt einen der höchsten Ränge dieses Ordens oar. Die Ernennung, die in jüdischen Kreisen mit grosser Befriedigung aufgenommen wurde, erhebt Rabbiner Kaplan auf die gleiche Stufe wie Kardinal Foltin, den Primas der katholischen Kirche in Frankreich, und das Oberhaupt der Protestanten, Pastor Westphal. — (ITA) Chaos im Mittelosten Die Unsicherheit im Mittleren Osten hat in den letzten Wochen zugenommen. Hartnäckig halten sich die bereits des öfteren verbreiteten Gerüchte über ein Attentat gegen Nasser. Mit der gleichen Hartnäckigkeit folgen die Dementis. Es ist bezeichnend, dass für derartige Meldungen überhaupt ein Raum ist: der engste Mitarbeiter des Diktators soll Nasser aus der Nähe erschossen haben... ’ Aus offiziellen Quellen wurde verlautbart, dass alle Gerüchte über ein Attentat gegen Nasser leere Redereien seien. Niemand kann sagen, ob dieses Dementi richtig ist. Die Nachrichtenagenturen in Kairo könneii nicht frei kabeln. Eine londoner Zeitung meldete am 28. April, dass Generalleutnant Ali Amer, der Generalstabschef der Armee, die Schüsse auf Nasser abgegeben habe. Am 5. rael zu einem Opfer der internationalen Spannungen. Moskau mit seinen Satelliten, die keinen unwichtigen Beitrag für den israelischen Verteidigungskrieg gegen die arabische Invasion geliefert hatten, zogen sich von Israel zurück, und nahmen in der Folgezeit stets gegen die Juden und für die Araber Stellung. Eine ,,historische“ Notwendigkeit für eine solche Entwicklung ist nicht zu erkennen. Sie ist die Folge der ursprünglichen Situation der internationalen Politik, die vom Willen und den Möglichkeiten Israels völlig unabhängig ist. j Da es heute kein Land auf; der Erde gibt, das ausserj halb der grossen Spannungsfelder liegt, muss auch jeder Staat mit den Gegebenheij ten rechnen, die sich ihm als ' Folge dieser Konflikte präi sentieren. Nur auf diese Weise ist die erhebliche Abküh-. lung der Beziehungen Nord- ] amerikas zu Israel zu erklä- * ren. Wenn man einmal die immer wieder aufgetretene Schwäche der amerikanischen Führung während der beiden Eisenhower - Präsi-. dentschaften nicht in den1 Vordergrund der Betrachtungen stellt, so wiri man be-1 greifen müssen, dass auch | das State-Departement mit seinen eigenen Notwendig-; keilen rechnen musste, die (Schluss auf Seite 2) > von B. B. SAMUEL Mai, also noch eine Woche nach dem angeblichen At- , tentat wusste man nicht Bej scheid, was wirklich in Ae-1 gypten vor sich geht. — Jede Minute kann sich wieder j das Panorama ändern. Aber die Unsicherheit, die seit vielen Jahren oder gar seit Jahrzehnten zu einem Cha-1 rakteristikum der mittelöstlichen Lage geworden ist. die-1 se Unsicherheit dürfte auch j noch lange anhalten. ] Einige Tage zuvor hatte der Irak seine Konsulate im j Ausland angewiesen, in keinem Fall Visen an solche Personen zu erteilen, die bej reits ein Visum für Israel oder Kuweit in ihren Pässen I haben. Mit anderen Worten:! wer Israel besucht, erhält I keine Einreise für Irak, j und wer Kuweit besucht, der! darf auch nicht nach Bag-1 dad kommen... Dass die arabischen Ländern den Be Suchern Israels Schwierig-: keiten bereiten, war bekannt. Aber jetzt dürfen auch die Touristen oder Ge-: schäftsleute, die nach Ku-: weit reisen, den Irak nicht besuchen. Diese Haltung des i Irak gegenüber Kuweit und seinen eventuellen Besuchern zeigt erneut das feindj liehe Verhältnis, in dem die' Araberländer miteinander leben. . i Dessen ungeachtet versuchen sie alle gemeinsam immer wieder, einen unerhörten Druck auf diejenigen! Staaten auszuüben, die mit 1 Israel in Handelsbeziehungen stehen oder solche anzuj knüpfen beabsichtigen. Es hat sich bisher nichts geäu-! dert: die Feindschaft gegenüber Israel ist das einigen-1 de Band zwischen den ara bischen Staaten. Aber auch diese These kann man nicht unbeschränkt und ohne Vorbehalte gelten lassen, weil der Hass zwischen den ara-' bischen Staaten im Ansteigen begriffen ist. Der Irak ergreift zwar feindliche Massnahmen gegen Israel.! beteiligt sich aber nicht an den Konferenzen der Arabischen Liga, auch wenn diese über die gemeinsame Haltung der arabischen Mitgliedstaaten gegen Israel be-1 raten. Der Gegensatz zwischen Irak und Aegypten, ihre Konkurrenz und ihre Führungsansprüche vereiteln eine koordinierte Aktion, je denfalls heute. I Wie die Nachrichtenbüros meldeten, nahm die letzte Boykott-Tagung der Liga in Riad, der Hautpstadt Saudi Arabiens, ein ebenso merkwürdiges wie bemerkenswertes Ende. Der Aussenminister des Sudan stimmte nach den zahlreichen Lobpreisungen, die von de« Delegationsführern auf den „Völkerbund der arabischen Staaten” in langen Reden ausgesprochen wurden, einen islamischen Totenaesang an. Vorher hatte er erklärt: „Ich bin sehr glücklich, mich Eurer Karawane der Hoffnungen und Bestrebungen anschliessen zu können.** Es ist kein Geheimnis, dass .Aegypten heute in scharfem Gegensatz zu den meisten anderen arabischen Ländern steht, dass es eine lange Auseinandersetzung mit dem Irak und Transjordanien führt, die schon zu den schwersten gegenseitigen Verdächtigungen, Verleumdungen und Anklagen geführt hat. Erst vor kurzem wurde der Iman von Yemen als Sklavenhalter und Diener des Imperialis, mus angegriffen. Vor einigen Wochen machte sich Syrien selbständig und zerschlug damit Nassers Träume von der unter seinem Szepter Vereinigten Arabischen Republik. Der gewaltige Nassersche Propaganda-Apparat versucht eine direkte Einmischung in die internen Angelegenheiten der anderen, indem die Bevölkerungen der anderen Länder aufgestachelt werden. Keine Regierung ist sicher. Militärische Revolten, Attentate und Anschläge sind an der Tagesordnung. Diese Lage wird durch die kontroverse Politik der Grossmächte immer komplizierter. Ost und West üherbieten sich in Hilfsangeboten und Waffenlieferungen. Sie spielen mit dem Feuer, das bisher noch niedrig gehalten werden kann. Aber dass eine helle Flamme die Leidenschaften im Mittleren Osten entzündet bleibt akute Gefahr. U Thant, der interimistische Generalsekretär der UN. beschuldigte die Grossmächte ganz offen. Das war ein Zeich?n persönlichen Mutes. Aber dies allein kann nichx genügen Als Generalsekretär der UN hat er auch die Möglichkeit, dieses Problem und den Frieden mit Israel auf die Tagesordnung zu bringen und einen ernsten Versuch zur Lösung zu unternehmen