Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1951 (19.3.1962)
- Date
- 1962-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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O .S «J «-> •Z! P S FRANQUEO TACADO Concesión S08 £2 ¡- — 2 g TARIFA REDUCIDA Concesión 1829 Año XXIII. BUENOS AIRES, VIERNES 16 DE MARZO DE 1962 No. 1951 EL EJEMPLAR A en toda la República PUEVRREDON 2190 1? izq. T. E. 83 2613 Buenos Aires assers Flotte Die ägyptische Flotte hat seit 1955 dank sowjetischen Lieferungen in quantitativer Hinsicht grosse Fortschritte gemacht. Ais die Briten 1882 ihre Schutzherrschaft über den türkischen Vasallenstaat Aegypten errichteten, gab es ausser einigen Yachten des Khediven keine ägyptische Marine mehr. Von der einstigen Seemacht der Pharaonen und der Flotte Kleopatras, die bei Actium in Erscheinung getreten war, und von den ägyptischen Geschwadern, die noch im 16. Jahrhundert im Indischen Ozean die Portugiesen bekämpft hatten, blieb nur die Erin nerung übrig. Die Flotte Mehemet Alis W'ar 1827 bei! Navarino ohne Kriegs erklä- J rung von einem britischfranzösisch - rassischen Geschwader vernichtet worde^. Das letzte Seegefecht fand 1828 statt zwischen der russischen Fregatte ,,Castor” und zwei ägyptischen Fahrzeugen. Die Engländer organisierten eine bescheidene ägyptische Küstenwachtflotte, die in beiden Weltkriegen beträchtliche Verluste erlitt und den Bedürfnissen Aegyptens, dessen Ein- und Ausfuhr fast ausschliesslich auf dem Seeweg erfolgt, keineswegs genügte. Im Krieg mit Israel 1948 versagte dann auch die ägyptische Flotte vollständig und verlof in eine-m Gefecht mit improvisierten israelischen 1 Kriegsschiffen zwei Transporter, darunter das ägyptische Flaggschiff mit 700 Mann Truppen ar. Bord. Die Aegypter wandten sich nunmehr an Grossbritannen und kauften aufgrund des britisch-ägyptischen Bündnisvertrages in den folgenden Jahren acht Geleitschiffe und etwa 20 kleinere Einheiten und einige Landungsfahrzeuge, denen 1955 noch zwei moderne Zerstörer folgten. Weitergehende ägyptische Wünsche glaubte Grossbritannien im Interesse der Aufrechterhaltung des Frie- , dens im Nahen Osten und infolge der wachsenden Spannung zwischen London und Kairo nicht erfüllen zu können. Abdel Nasser wandte sich deshalb an Moskau und erhielt bereits Anfang 1956 zwei sowjetische Zerstörer und mehrere Kleinfahrzeuge. Einige Unterseeboote waren schon unter polnischer Flagge nach Aegypten untenvegs, als es im November 1956 zum Sinaifeldzug Israels und zur Suezkrise kam. Die Untersee-! boote kehrten um, und die | ägyptische Marine erlitt schwere Verluste durch Selbstversenkung, durch die Luftangriffe der Westmächte und im Gefecht mit britischen Seestreitkräften. Am schwerwiegendsten war der Umstand, dass ein ägyptischer Zerstörer, der allein und ohne Fliegerdeckung versucht hatte, Haifa zu be- ROCKWELL MUSS FLUECHTEN San Diego (Kalifornien) — Die Behörden der Staatsuniversität von San Diego kündigten eine Untersuchung des'Zwischenfalls an, der sich bei einer Studentenversammlung zutrug, auf der ein jüdischer Student aus Brooklyn dem als Redner auf tretenden Führer der nordamerikanischen Nazipartei, George Rockwell, einen Faustschlag auf die Nase versetzte. Der 21jährige Edward Cherry, der an der Hochj schule für Leibesübungen j immatrikuliert ist, griff-j Rockwell an und entfesselte eine Saalschlacht, in deren Verlauf einer der zwei „Sturmtruppler” Rockwells den jungen Mann aus Brooklyn mit einem Baseball-Stock niederschlug, worauf er selbst von mehreren Studenten, die auf die Tribüne stürmten, zu Boden geschlagen wurde. Die Studenten hatten die wütenden antisemitischen Anpöbeleien Rockwelis schon vorher mit einem Bombardement von Eiern quittiert. Sie fielen auch über Rockwells Auto her, zertrümmerten eine Fensterscheibe und zerbeulten es, bevor sich die Polizei einen Weg bahnen und Rockwell mit seinen Spiessgesellen den Wagen besteigen und abfahren konnte. Der. junge Cherry erklärte, er habe‘Rockwell nicht tätlich angreifeh wollen, als er auf die Tribüne stieg. Doch dieser habe die Hand gegen ihn erhoben, als ob er '**-n wegstossen wolle, und „Machen Sie dass Sie wegkommet,'.” gerufen. Da erst habe er zw^gj-hlagen. Der Schlag sei jen^Vi nicht so hart gewesen, um n.«ckwell, der viel grösser und stärker als der junge Jude ist, ausser Gefecht zu setzen. Immerhin drehte sich Rockwell um sich selbst und verlor dabei seine Brille. Aber er riss sich sofort wieder zusammen, und als Cherry zum zweiten Schlag ausholte, wurde er selbst von einem der beiden „Leibwächter” niedergestreckt. Der jüdische Student erklärterer hoffe, dass der Zwischenfall nicht zu seiner Verweisung von der Universität führen würde. Rockwell hat seinerseits köine Beschwerde gegen seinen Angreifer angestrengt und vor seinem Rückzug erklärt, er gedenke dies auch nicht zu tun, aber er würde ihn gern „gehörig verprügeln”. Die Behörden der Universität erklärten, sie seien überzeugt davon, dass Cherry die Wahrheit sage und sich nicht herausreden wolle. Er fügte seiner Aussage noch hinzu, er bedaure nicht, dass er Rockwell geschlagen habe, doch würde es ihm leid tun, wenn er durch seine „unbewusste Reaktion” die Universität geschädigt haben sollte. Rockwell war von einer Studentengruppe, die für „Redefreiheit’ ’eintritt, eingeladen worden. Seiner Ansprache wohnten 2.000 Studenten bei. Dr. Ernest Obryne, der Vizepräsident der Hochschule, sagte aus, Rockwell habe offen davon gesprochen, „andere Amerikaner zu ermorden damit das Land besser werde”, und fügte unzu: „Solche Worte haben unsere Stu d-enten noch niemals gehört.” (ITA) [ schies^en, von einem im Ha-! fen liegenden französischen Zerstörer lahmgeschossen, | sich den Israelis ergab, von diesen eingebracht und in Dienst gestellt wurde. Trotz dieser negativen Erfahrungen mit der ägyptischen Flotte lieferten die Sowjets in den fahren 1956 bis 1959 insgesamt acht grosse und mindestens ein kleines Unterseeboot, vier Minensucher und eine grössere Anzahl Motortorpedoboote. Im Zuge der politischen Kombinationen zwischen Marschall Tito und Abdel Nasser sollen auch einige jugoslawische Kleinkampfschiffe nach Aegypten verkauft worden sein. Aegypten verfügt somii über vier moderne Zerstörer, vier Ge-; leitschiffe, mindestens neun Unterseeboote und annähernd 50 Hilfs- und Kleinfahrzeuge. Die ägyptische Flotte kann sich auf einige ausge zeichnete Häfen wie Alexandrien, Port Said und Suez stützen. Sie besitzt dort auch Reparaturmöglichkeiten, die jedoch mangels guter Fachkräfte nicht völlig ausgenützt werden können. Obwohl die ägyptische Flotte den Seestreitkräften ihrer Nachbarn weit überlegen ist, will nun die Sowjetunion Aegypten weitere Zerstörer, Unterseeboote, Minensucher und Motortorpedoboote, vielleicht sogar Kreuzer abtreten. Libyen und der Sudan besitzen nur einige Küstenwachtboote, Israel zwei Zerj störer, zwei Unterseeboote, j zwei Geleitschiffe und etwa j 30 kleinere Einheiten. Auch Syrien, dessen Flotte lediglich aus einigen I Wachtbooten besteht, könn- I te in seiner wiedergewon-j nenen Unabhängigkeit stän-; dig durch die ägyptische i Flotte bedroht werden. Da! die Marine Südafrikas nur acht Zerstörer und Geleitschiffe und etwa 20 kleinere Schiffe umfasst, besitzt Nasser bereits jetzt die grösste afrikanische Flotte. Wenn sich die amerikanische Sechste Flotte nicht gerade im östlichen Mittelmeer aufhält. ist die ägyptische Seemacht auch dort am stärksten. Was den Kampfwert der ägyptischen Flotte anbelangt, so darf man auf Grund der Ereignisse von 1948, 1956 und anlässlich cTes Abfalls Syriens mit Recht skeptisch sein. Es genügt nicht, Kriegsschiffe zu kau- Ein Rabbiner ermordet Paris. — Der Oberrabbiner von Mascara wurde von Angehörigen der Nationalen Befreiungs- ' Front auf seipem Wege | von der Synagoge nach | seiner Wohnung erdolcht. | Die Mörder wurden von! einer Gi'uppe wütender | junger Juden verfolgt, ] denen es gelang, sie einzuholen und totzuschla- ■ gen, wie aus algerischen Quellen verlautet. Die französischen Behörden Hessen hierauf das jüdische Viertel von Mascara durch Truppn abriegeln und verhängten die Polizeistunde. (ITA) fen, um eine schlagkräftige Flotte zu besitzen. Erfahrungsgemäss dauert es selbst in Westeuropa mehrere Jahre, bis die zur Bedienung eines modernen Kriegsschiffes notwendigen Spezialisten herangebildet sind. Zudem verfügt Aegypten überhaupt nicht über die nötige Anzahl von Technikern und Ingenieuren, um eine so grosse Flotte instand halten zu können. Deshalb sind wohl immer noch polnische und sowjetische Spezialisten an Bord, und gewisse Stellen werden einfach mit nichtqualifiziertem Personal besetzt, was natürlich die Schlagfertigkeit beeinträchtigt. Die einzige unbestrittene Qualität des ägyptischen Soldaten, seine Standhaftigkeit in der Verteidigung, kann zudem im Seekrieg nur selten zur Geltung kommen. Es ist vermutlich falsch, von der Errichtung sowjetischer Flottenbasen in Aegypten zu sprechen. Die Beziehungen zwischen Moskau und Kairo sind nicht sehr gut. Abdel Nasser bekämpft bei sich den Kommunismus mit grosser Schärfe. Der Kreml weiss auch, dass Nassers Regime keineswegs stabil ist und dass der Bestand der ägyptisch sowjetischen Freundschaft und eventuelle sowjetische Basen jederzeit in Frage gestellt wären. Es gibt im Nahen Osten keine sicheren politischen Bindungen. Abdel Nasser will auch gar nicht Sowjetrussland dienen, sondern vor allem eine für Aegypten erspriessliche Politik treiben, wozu er wohl sowjetische Waffen und diplomatische Unterstützung, nicht aber das Sowjetsystem braucht. Der ägyptische Nationalismus ist auch so stark, dass die Errichtung fremder Stützpunkte und damit eine Erneuerung der ausländischen Herrschaft über den Suezkanal kaum geduldet würde. Endlich weiss Abdel Nasser, dass Aegypten durch sowjetische Basen der Gefahr der Verwicklung in einen allfälligen dritten Weltkrieg ausgesetzt würde. Man kann sich deshalb fragen, warum denn die Sowjets fortfahren, Aegypten Schiffe, Flugzeuge und sonstiges Kriegsmaterial zu liefern, mit denen die Aegypter doch nicht umzugehen verstehen. Zunächst muss festgehalten werden, dass es sich bei den Kriegsschiffen vor allem um ältere Typen handelt, die von den Sowjets systmadsch ausgeschieden und an die Satelliten abgegeben werden. Vor allem aber erhofft sich Moskau von der ägyptischen Aufrüstung eins gesteigerte politische Aktivität Abdel Nassers, was eine entsprechende Schwächung und Ablenkung des Westens im östlichen Mittelmeer bedeutet. Ein Verkauf „eingemotteter” amerikanischer und i englischer Kriegsschiffe an I Israel könnte zwar die ägyp-* 1 tische Flotte weiterhin im | Zaum halten, würde aber | die sowjetischen Lieferungen vielleicht noch steigern, was auf jeden Fall der Erhaltung des Friedens im Nahen Osten nicht förderlich wäre. („Neue Zürcher Zeitung”) HEUTE IN BERGEN-BELSEN IMUL: -• ' - * -- Vor dem Monument fiir die jüdischen Opfer der Naziyerfoigungren findet im ehemaligen KZ Bergen Belsen eine Gedenkfeier statt. UM DEN HEYDE - PROZESS In dem , bevorstehenden Prozess gegen Dr. Heyde- Sawade werde sich der Angeklagte äuf eine Versammlung unter Vorsitz des damaligen Staatssekretärs Schlegelberger berufen, in der die Euthanasie angekündigt wurde. An dieser Versammlung haben sämtliche damals amtierenden Oberlandsgerichts - Präsidenten und Oberstaatsanwälte teilgenommen, die ganze deutsche Justiz sei hier repräsentiert gewesen, und niemand habe Einspruch erhoben (soweit sie noch leben, werden gegen alle diese Männer, wie auf der Tagung bekanntwurde, Verfahren angestrengt). Man müsse auch, so plädiert Güde. für die angegriffene Justiz, diese scheinbar milden Urteije in der Nachkriegszeit in die deutsche Gesamtverantworfung einbetten. Mancher braune Mörder wäre der harmlose Gewerbetreibende geblieben, der er heute sei, wäre er nicht in diese Gesamtsituation hineingerissen worden. Das ist zugleich Güdes Antwort auf die in der Diskussion von Oberlandesgerichtspräsidenten a. D. von Hodenberg (Celle) aufgrund der Darlegungen von Frau Just-Dahlmann mitgetcilten „tiefen Erschütterung über die hässliche Diskrepanz zwischen den Taten und den Urteilen.” Noch während der Tagung hat der niedersächsische Innenminister gegen die Ausführungen von Frau Just- Dahlmann protestiert, soweit sie die Polizei betreffen. Hessens Generalstaatsanwalt, Dr. Fritz Bauer, warnt aber vor solchen Protesten: „Wir sind noch nicht am Ende mit unseren Untersuchungen, es wird noch mancher Herr seine blauen Wunder erleben.” Bei der Machtübernahme seien die meisten Kripo-Beamten aufgefordert worden, zur Gestapo zu gehen. „Wer den Mut und die Kraft hatte, konnte ausweichen, die grosse Mehrzahl ging zur Gestapo.” Sämtliche deutschen Staatsanwaltschaften gehen, wie Bauer ausführt, davon aus, dass die NS-Unmenschlichkeiten kriminelle, nicht politische, auch nicht relativj politische Taten seien. Die | Schwierigkeiten kämen von j den Verteidigern, meint Bauer, der eine Serie von! Unrechts - Ausschliessungs- \ gründen bringen. Heydes Zelle sei gefüllt mit Schrif- | ten von Platon bis zu moi dernen Autoren, worin die I Euthanasie verteidigt wird. \ In allen Fällen berufe man I sich auf ein NS-Gesetz oder einen Befehl. Die Generalstaatsanwälte seien mit Hunderten von Urteilen von Sondergerichten allein in Polen beschäftigt, wo während des Krieges nach der „Polen - Strafrechtsverordnung” wegen Geringfügigkeiten Todesurteile am laufenden Band gefällt wurden. | „Wir sind der Ueberzeu- I gung, dass diese Urteile Tot*! schlag und damit rechtswi- I drig sind.” | Bauer hat eine eigene, , einfache Formel: „Bei den j Nazis und Ihren konformisti- ■ sehen Mitläufern nach dem; Rechtsbewusstsein zu fra. I gen, ist sinnlos. Die Nazis ■ haben nach dem Bewusst* j sein gehandelt: Recht oder Unrecht — meine Rasse, die Nichtnazis nach dem Motto: Recht oder Unrecht — ' meine Sicherheit.” Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavii 831 ".'.V 'TN,# ■