Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1921 (3.11.1961)
- Date
- 1961-11-03
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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g aa s «s - £ n « tí p 9 U h ¿ < U FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXII. ISRAELITA EL EJEMPLAR en (oda la República 4.- BUENOS AIRES, VIERNES 3 DE NOVIEMBRE DE 1961 PUEYRREDON 2190 19 faq. T. E. 83 2613 Buenos Aires No. 1921 Die Regierung Madagaskars)'**arischer humor Der Präsident der Malegassischen Republik (Madagascar), Philibert Tsiranane, der Israel einen Besuch abstatiete, ist einer der Staatsmänner der afro-asiatischen Welt, der sein Land zur staatlichen Selbständigkeit geleitet hat, ohne es auf dm Weg des Hasses gegen alle Europäer und eines antiwestUchen „Neutralismus” zu führen. Nicht zufällig besuchte er Israel. Er sucht hier ein bestimmtes Erlebnis, eine Erfahrung, die er nur hier machen zu können glaubt: Er will von den Errungenschaften der Israelis auf dem Gebiet der Bewässerungstechnik und der Wasserwirtschaft überhaupt lernen, vor allem aber als Sozialist von den „Experimenten” bei der Errichtung sozialistischer Gemeinschaftssiedlungen. Der 49jährige Präsident musste einen langen Weg des Aufstieges zurücklegen, bis der Sohn einfacher und armer Bauern das höchste Amt des neugescl affenen j Staaies antreten konnte. Die j Stationen dieses Weges wa- \ ren: Ochsenhirt, Dorfschü-j 1er, Schüler einer Regionalschule, Student in einem! Seminar für Volksschullehrer in Frankreich; 1940—45 war et- Lehrer „im Busch” an verschiedenen Dorfschulen seiner Heimat. Dann aber ging er noch einmal zu vierjährigem Studium nach Montpellier in Frankreich und wurde 1950, nach Ablegung einer Reihe von Examen, Professor am College Technique in Tananarive, der Hauptstadt seines Landes. Wie die meisten Intellektuellen der Insel wandte er sich dem politischen Leben zu, wurde am 2. Januar 1956 Abgeordneter der National- Wegen Mordverdacht verhaftet Tübingen. — Wegen Beihilfe zum Mord hat jetzt die Tübinger Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen 55jährigen Mann aus Reutlingen erhoben. Der Angeklagte, der aus Chemnitz stammt, soll in der sogenannten Kristallnacht am 8. November 1938 zusammen mit drei anderen Männern, die bisher noch nicht ermittelt sind, den jüdischen Besitzer eines Kaufhauses in Chemnitz im Keller des Kaufhauses erschossen haben. (AWZ) Versammlung, gründete im gleichen Jahr die Sozialdemokratische Partei von Madagascar und wurde deren Generalsekretär. Dann wurde er Rat in einer Provinzialversammlung, ihr Präsident (1957), ferner Minister und Vizepräsident des Conseil de Gouvernement, im Juli 1958 dessen Präsident und im November 19c i Präsident und Innenminister der Provisorischen Regierung. Am 1. November 1959 wurde der Kleinbauernsohn, der ehemalige Ochsenhirt und Volksschullehrer der erste Präsident der Malegassischen Republik, und j Frankreich ernannte ihn kurz darauf zum Minister Conseiller der Französischen Republik und zum Mitglied der französischen UN Delegation. Es war also ein stetiger, allmählich aufwärts führender Weg, auf dem Tsiranane mit grosser Energie an die Spitze seines selbständig gewordenen Staates gelangte, kein Weg des Aufruhrs und der Empörung. Die französische Kultur lernte er in Schulen, .Seminaren und Hochschulen, nicht in Gefängnissen kennen, schätzen und lieben. Ueber die berühmte „loi cadre”, die in der ganzen französischen Communauté leidenschaftlich diskutiert wurde, sagte er in der Eröffnungssitzung des malegassischen Parlaments am 6. Dezember 1959: „Alle Welt weiss, was wir Frankreich zu verdanken haben, und kennt den Anteil Frankreichs an der Arbeit, angemessene Institutionen für dieses Land zu schaffen .. Manche, die sich auf eine unfruchtbare Opposition beschränken, haben dieses Gesetz „loi-gadra” (gadra — malegassisch: Eisen Ketten) genannt, als ob die Weiterentwicklung nicht ein Naturgesetz wäre... Es war notwendig, sich stufenweise der Machtergreifung zu nähern; man konnte nicht alles in einem Augenblick erreichen, wenn man vermeiden wollte, das Land in ein Chaos zu stürzen .. Worin sehen wir das Interesse Madagascar? Sich ganz allein abzusondern als Land mit fünf Millionen Einwohnern, oder sich in eine grosse Familie einzuordnen, wo es dem Land freisteht, nach seiner Art zu leben, ungehemmt durch die übrigen Mitglieder, aber eventuell durch sie unterstützt und jedenfalls von der Macht Zusammensto« zweier Schiffe Tel Aviv. — Die israelische Flotte untersucht die Umstände, unter denen ein libanesisches Fischerboot mit einem israelischen Schiff zusammenstiess. Die israelischen Matrosen retten sieben Mitglieder der Mannschaft, alles Griechen, doch ein achter Fischer konnte nicht gefunden werden. Ein Sprecher der israelischen Armee teilte mit, das israelische Schiff habe ein Boot gesichtet, das ohne Flagge fuhr, was eine Verletzung des internationalen Seerechts bedeutet und noch schwerwiegender ist in Gewässern, die für den Schmuggel mit Rauschgift bekannt sind. Als sich das israelische Schiff näherte, machte das Boot eine brüske Wendung, stiess mit dem israelischen Fahrzeug zusammen und sank Zwei griechische Fischer wurden nach Haifa ins Spital geschafft. (ITA) der Gesamtheit getragen?” Am 2. Juni 1960 wurde in Tananarive die Unabhängigkeit der Malegassischen Republik feierlich proklamiert. Der französische Ministerpräsident Michel Debré erklärte, dass beide Staaten künftig „als Schwestern im Schoss der erneuerten Gemeinschaft” Zusammenleben würden, und Tsiranane erwiderte: „Es ist das Beispiel einer grossen Nation, die eine andere kolonisiert hat und ihr jetzt ohne Aufsehen und Blutvergiessen die Unabhängigkeit gewährt.” Madagascar werde mit Frankreich assoziiert bleiben wie die Staaten des Commonwealth mit Grossbritannien. Wenn Madagascar den W'eg zur Unabhängigkeit auf diesem unblutigen evolutionären Weg zurücklegen konnte, so ist dies wahrscheinlich in erster Linie das Verdienst von zwei Männern: General de Gaulle und Präsident Philibert Tsiran.vne. „KEINE AFRIKANER” Eine der grössten Aufgaben, die ihm gestellt sind, bildet die Einigung des Volkes. Die fünf Mülionen Einwohner der „grossen Insel” — sie ist die viertgrösste der Welt, nach Grönland, Neuguinea und Borneo, und grösser als Frankreich — zerfallen in 18 verschiedene Stämme mit Hunderten von Unterstämmen, und die Unterschiede und Gegensätze zwischen ihnen sind recht erheblich. Ihre Hautfarben variieren vom Gelblichen über Olive- und Bronzefarben bis zum Pechschwarzen. Die gemeinsame Sprache aller dieser Stämme aber bildet ein starkes einigendes Band Die Madegassen lieben es übrigens nicht, als Afrikaner bezeichnet zu werden; im Grunde betrachten sie ihre Insel als einen besonderen Kontinent — und nicht ganz mit Unrecht. Rassisch und sprachlich stehen sie nämlich zum grössten Teil nicht den Bewohnern Kontinentalafrikas nahe, von denen sie eine nur 400 km breite Meeresstrasse trennt, sondern den Bewohnern Malayas und Polynesiens. So nehmen die Forscher mit Sicherheit an, dass in grauer Vorzeit — vor etwa 2.000 Jahren — Polynesier in ihren Booten in grosser Zahl Tausende von Kilometern über das weite Meer gekommen sind, das Land erobert und besiedelt und die negroiden Einwohner unterjocht, ausgerottet oder verdrängt haben. Die Forscher vermuten ausserdem, dass Madagascar zu noch viel früheren Zeiten zu einem einstigen Kontinent „Gondwana” gehörte, der mit Südindien verbunden gewesen sein dürfte. Darauf deutet jedenfalls die Tatsache hin, dass die Flora und Fauna Madagascars von der des afrikanischen Kontinents sehr stark verschieden ist, während sie der Indiens stärker ähnelt. Vor etwa einem Jahrtausend begannen dann die Araber, afrikanische Sklaven auf die Insel zu bringen, deren Nachkommen jetzt vor allem in den Küstenebenen leben und das negroide Element verstärkt i haben. WIRTSCHAFTLICH NOCH UNERSCHLOSSEN Obwohl Frankreich erhebliche Anstrengungen gemacht hat und weiter macht, um das Land zu entwickeln und ihm jährlich Zuschüsse in Höhe von annähernd 50 Millionen Dollar zahlt, um sein Budget auszugleichen, ist seine Wirtschaft noch recht unentwickelt. Die Bauern verharren noch bei rückschrittlichen Methoden der Bodenbebauung, für eine Industrie bestehen kaum Ansätze, und an europäischamerikanische Arbeitsintensität hat man sich noch nicht gewöhnt — wobei es fraglich sein mag, wie weit dies bei dem tropischen Klima der Insel jemals geschehen kann. Die Landwirtschaft erzeugt Maniok, Reis, Rohrzucker, Süsskartoffcln, Erdnüsse, Kaffee und Tabak, Vanille und Gewürznelken; ihr grösster Reichtum aber besteht in sechs Millionen Rindern und Hunderttausen_ den von Schafen und Schweinen. Der Boden des Landes birgt zwar Graphit, Edelsteine, Gold, Quarz, Beryllium und Blei, und der tropische Urwald liefert Edelhölzer, aber alle diese Reichtümer sind erst zum geringsten Teile erschlossen. Hier und da gibt es einige Fabriken, in denen Fleischkonserven hergestellt werden, und die Landbewohner schaffen sich Nebenverdienste mit dem Flechten von Hüten aus Reisstroh, die in die ganze Welt versandt werden. Madagascar gilt heute schon als einer der wichtigsten Thorium - Produzenten der Welt. Ferner befinden sich auf der Insel zahlreiche Vorräte von beryllhaltigen Erzen, die für Atomreaktoren an Stelle von Schwerem Wasser oder Graphit verwandt werden können. Ebenfalls für die Atomwirtschaft von Bedeutung sind Mozanit und Zirkon, die im schwarze*? Sand an der Küste des Indischen Ozeans gefunden werden. Obwohl etwa 2 Millionen Malegassen sich zum Christentum bekennen — dem Islam ist es nicht gelungen, dort Fuss zu fassen — sind die alten Totenkulte noch ausserordentlich stark, und zwei Tage der Woche — Dienstag und Donnerstag — sind ihnen weitgehend gewidmet, so dass sich mit der Einhaltung des christlichen Sonntags oft praktisch eine Woche mit nur vier Arbeitstagen ergibt. Zweifellos steht Madagascar vor grossen Aufgaben der Landesentwicklung. Bestimmt gibt es grosse Möglichkeiten der Kooperation mit Israel. An den Feiern seiner Unabhängigkeit nahm Minister Dr. Burg teil und überbrachte als Israels Geschenk 25 Stipendien für malegassische Studenten. Der Besuch des Präsidenten wird die Bande zwischen den beiden jungen Staaten sicher weiter verstärken, zwei Staaten, die in ihrer Haltung zu den grossen Fragen der Weltpolitik, vor allem durch ihre Freundschaft mit Frankreich, eine ähnliche Haltung einnehmen. 2? ö Die vier Parteien zum Minlsterpraesidenten: „Wollen Sie nicht bitte auf diesem bequemen Stuhl platz nehmen und mit uns zusammen regieren!” Aus aller Welt Sachverstaendiger in Bolivien La Paz. — Levy Levy, Generaldirektor des israelischen Ackerbau-Ministeriums, weilte zu einem zehntägigen Aufenthalt in Bolivien, um die ’andwirtschaftlichen Probleme des Landes zu prüfen. Sein Besuch erfolgte aufgrund der Abmachungen zwischen den beiden Ländern über technische HUfe. Herr Levy wird ln Bolivien die Bodenerosion, Bewässerung, Aufforstung und Fischereiwesen studieren und nach seiner Rückkehr nach Israel Vorschläge ausarbeiten. (ITA) Freispruch München. — Die Jugendkammer des Landgerichts München sprach kürzlich den 39 Jahre alten Max Rättig von der Anklage des Mordes und Totschlags in je zwei Fällen aus Mangel an Beweisen frei. Die Verfahrenskosten übernimmt der Staat. Das Urteil des miinchener Schwurgerichts vom Mai 1949 auf Todesstrafe, das später in lebenslänglich Zuchthaus umgeändert wurde — Rättig verbüsste davon acht Jahre —, ist damit aufgehoben. Der Staatsanwalt hatte in der Berufungsverhandlung acht Jahre Jugendgefängnis wegen Totschlags in zwei Fällen gefordert. Rättig war beschuldig^ worden, als Angestellter der polnischen Kriminalpolizei in den Jahren 1941/42 an Erschiessungen im Ghetto von Tomaszow beteiligt gewesen zu sein. Trotz jahrelanger Ermittlungen konnte jedoch bisher nicht geklärt werden, ob Rättig tatsächlich der „Schrecken von Tomaszow” war. Sämtliche Belastungszeugen verwickelten sich in so unlösbare Widersprüche, ihre Angaben über Tatort, -zeit und -umstände gingen so sehr auseinander, dass die Jugendkammer — der Angeklagte war zur Tatzeit erst 19 Jahre alt — in keinem Fall zu einem Schuldspruch kam. (AWZ) Weltkongress sucht Zeugen New York. — Im Hinblick auf zur Zeit in der Bundesrepublik laufende Verfahren sucht der Jüdische Weltkongress überlebende NS- Opfer, die über die Deportation und Vernichtung der Juden in Lublin und Umgebung, über den ehemaligen SS-Sturmbannführer Martin Fellenz, über die für jüdische Angelegenheiten zuständigen Gestapobeamten in Krakau und über die Verantwortlichen für die Massenmorde in Starachowice aussagen können. Fellen* organisierte u. a. die Deportationen in Tarnow, Przemysl, Rzeszow, Miechow und Michalowice. Personen, die sachdienliche Angaben machen können, werden gebeten, sich mit Dr. Nehemia Robinson, Director, Institute of Jewish Affairs, World Jewish Congress, 15 East 84 Street, New York 28, N. Y., in Verbindung zu setzen. Spende dar USA-Botschaft Tel Aviv. — Die amerikanische Botschaft in Israel hat 50.000 Israel-Pfund füi die Errichtung eines Stuhl? für amerikanische Literatui an der Universität in Tel Aviv gestiftet. (ITA) Neue Drohungen Jerusalem. — Ein mit dem Vervielfältigungsapparat hergestelltes Flugblatt, das in deutscher Sprache mit .antisemitischen Kraftausdrücken „schreckliche Strafen” androht, falls die Juden den Nazimörder Adolf Eichmann verurteilen sollten, wurde in der Nachmittagsauslieferung des Postbüros in Jerusalem gefunden. Die Postbehörden konnten nicht feststellen, ob die Flugblätter durch die Post oder auf einem anderen Weg eingetroffen waren. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635 impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831