Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1899 (4.8.1961)
- Date
- 1961-08-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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T. E. 83-2613 PUEYRREDON 2190 — 1? iz«. Ano XXII. BUENOS AIRES, VIERNES 4 DE AGOSTO DE 1961 1899 Nach Eichmans Einvernahme Die Einvernahme Eiehnatms im Jerusalemer Prozess ist durch Gerichtspräsident Landau abgeschlossen worden. Landau richtete seine Fragen auf Hebräisch an den Angeklagten und übersetzte sie anschliessend selber ins Deutsche. Auch die Einvernahme durch den Gerichtspräsidenten war in der Form massvoll und höflich, in der Saj che jedoch sehr entschie-! den, und sie gestattete dem Angeklagten nahezu kein I Ausweichen. Der Angeklag-1 te bestätigt, dass er selber | in Nisko am San war, wo er angeblich eine autonome jüdische Siedlung geplant: hatte, und die dorthin de- [ portierten Juden sah. Er! will sich jedoch nicht an ei-! ne von Zeugen in Jerusalem geschilderte Rede erin-1 nern können, in der er die; Jude* vor dem Trinken des j typhusverseuchten Wassers* warnte. Vielleicht, so meint er, hrbe er dies dort einem I der jüdischen Funktionäre; aus Prag gesagt. Sodann befragt ihn der! Gerichtspräsident über das, in der Voruntersuchung ab-1 gelegte Geständnis, dass er j Propst Grüber ins Konzen-' i Vorbem. — Ueber die letzten Verhandlungen und! Vernehmungen im Eichmann-Prozess veröffentlichen wir im folgenden eia» zusammenfassende Uebersicht mit! zahlreichen Einzelheiten, aus denen sich mit Deutlichkeit; zweierlei ergibt: erstens der Versuch des Angeklagten, I bis zum letzten Augenblick seine Verantwortlichkeit abzustretten. zweitens das Bestreben der als Zeugen vernommenen früheren Nazigrössen, ihre eigene Schuld zu verkleinern. trationslager gesteckt habe, ein Geständnis, das er im Laufe des Prozesses zurückgezogen hatte. Nun muss er die Möglichkeit zugebea, dass er die Einliefexuog Grübers in ein Konzentrationslager mitveranlasst hat. In den Besprechungen mit Grüber, so erklärt er weiter, habe er diesem die Entscheidungen in seinem eigenen Namen bekanntgegeben. weil dies das Amtsdeutsch und die Gepflogenheit gewesen sei. Landau fragte in» ,oö es iür ihn nicht angenehmer gewesen wäre, Grüber bekanntzugeben, dass die abschlägigen Bescheide von höherer Stelle kämen. Der Angeklagte antwortete, er werde dies den Geistlichen, mit denen er zu tan hatte —- an Propst Grüber im besonderen erinnert er sich j zwar nicht — „irgendwie” im Gespräch mitgeteilt und I ihnen erklärt haben, dass es ihm leid tue. Der Gerichtspräsident stellt, diese Ausi sage damit entwertend, fest, dass Propst Grüber , nichts Derartiges bezeugt habe. I Eichmann will sich auch! Picht entsinnen, Einwaggonierungen von Juden mitan- , gesehen zu haben, obwohl : der Gerichtspräsident darauf hinweist, dass man ei-! nen solchen Anblick doch nie mehr vergessen könne. I Eichmann antwortet, wenn J er es Sassen gegenüber zugegeben habe, so offenbar i nur, „um die Sache interessanter zu machen"; es I sei aber keine Verfälschung I der Tatsache an sich gewe-! sen. Der Gerichtspräsident | bemerkt dazu: „Wenn also i dort (in den Sassen-Doku- WIE ICH ES SEHE ‘ Auf der internationalen Bühne m JEHUDA GOTTHEMER Waffen aas Israel Die israelische Regierung fasste vor einiger Zeit den Beschluss, dass alle Waffenlieferungen an Staaten untersagt werden, die für di» Aufrechterhaitung der Kolonialherrschaft kämpfen. In der Regierungserklärung wurde gesagt, dass in Israel hergestellte Waffen nur mit Billigung der Regierung an fremde Staaten geliefert Werden dürfen. Dabei wurde ausserdem gefordert, dass diese Waffen nicht an ein drittes Land weiterverkauft werden dürfen. Wie der Sprecher der israelischen Regierung weiter ausführte, sei dieser Beschluss aufgrund von Presj semelduagen gefasst wor-! den, denen zufolge in Israel i hergestfeilte Waffen an die j : Bundesrepublik Deutschland | geliefert worden seien, die | I dann nach Portugal weiter-1 verkauft wurden. Die Portu-j ] giesen haben diese Waffen I; zum Einsatz in Angola ge- ’ bracht. Allerdings seien die- . se Meldungen bisher, nicht j nffiziell bestätigt worden. — ’ \ Die Nachricht ist in mehr-1! facher Hinsicht interessant. I Dass Israel Waffen produj; ziert, die exportiert werden, war bekannt. Man kann, hierin einen Beweis für die J industrielle Entwicklung eines jungen Staates sehen. Dass diese in Israel berge- | Kein gleiches Mass für alle Washington. — Landeskommandant I. Feuer der jüdischen Kriegsveteranen in den USA, ersuchte Justizrninister Robert J. Kennedy, die „Amerikanische Nazipartei” George RockweHs auf die Liste der umstiirzlerischen Organisationen .zu setzen. Feuer fügte seinem Antrag eine Propagandaschrift der Nazi« bei, ** «e sich brüsten, nicht auf der genannte« Liste zu stehen. Er beschuldigte die Anhänger Rockwells, Mitglieder zu werben und geldliehe Unterstützungen unter der Vorgabe zu fordern, dass ihre Bewegung vom Justizministeium „erlaubt” worden sei. Unter dem Hinweis auf die jüngste« Gewaltakte und Verurteilungen der Rockweltaazis in Arlington, Virginia, ersucht Feuer das Justizministerium, neuerlich eine Untersuchung zu verfüg««, um festzustellen 1 die Amerikanische Nazipartei als umst-ürzlerische | Organisation unter das Dekret 1Ü.540 falle.” Er prä-1 sentierte ferner Beweise, dass sieh Bundesbeamte an! nazistischen Umtrieben beteiligt haben und „ein Beamter des Verteidigungsministeriums das Geld für dea Kauf des Hassomnibusses bereit gestellt habe mit dem die Nazis ihre Reise durch Alabama unternahmen, was von der kommunistischen Presse weidhch ausgebeutet wurde.” „Niemand kann verstehen”, so stellt Feuer fest „warum das Justizministerium so aktiv den Kommun**iuu« verfolgt und sieh so ruhig verhält wen« es sich «m Nanig handelt.” (ITA) stellten Waffen nach Westdeutschland verkauft wurden, ist ebenfalls kein Geheimnis. Es kam wegen dieser Lieferungen im israelischen Parlament zu heftigen Auseinandersetzungen, da weite Kreise die Lieferungen von Waffen an die Deutschen aus verschiedenen Gründen mit der Vergangenheit nicht für vereinbar hielten. Für Israel dürfte dieser Sachverhalt als solcher Anlass zur Genugtuung sein, dass der junge Staat mit seiner noch jüngeren Schwerindustrie bereits fähig ist, einem der am höchsten industrialisierten Länder Waffen liefern zu können. Die Sonderfrage, ob es richtig und würdig sei, ob es mit den Gefühlen der durch die Deutschen verfolgten Juden in Einklang zu bringen ist, ausgerechnet nach Deutschland Waffen zu liefern, wurde in der Knesset sowie in der israelischen und jüdischen Oeffentlichkeit heftig umstritten. Der von Ben Gurion eingenommene Standpunkt, dass man die Politik eine® Staates nicht mit Sentiments und historischer Belastung führen könne, setzte sich durch. Ben Gurion wies darauf hin, dass nur eine begrenzte Anzahl von Staaten bereit sei, Israel zu helfen und mit Israel enge Handelsbeziehungen zu unterhalten. Die Bundesrepublik gehöre zu diesen Ländern. Israel könne in dieser aufgewühlten Welt sich nicht den Luxus erlauben, eine ausgestreckte Hand zuräckzuweisea, zumal die Bundesrepublik durch das Reparatio&s Abkommen ihre» gute« Willen gezeigt habe, eine Verbindung mit Israel trotz des starke« arabischen Drukke« auf Bonn au odeeen. menten) steht, . Sie hätten! Einwaggonnierungen gesehen, obwohl Sie keine gesej hen haben, dann ist das kei-! re Verfälschung?” Bei der Wannseekonfe- I renz, so bestätigt der Angeklagte sodann, wurde sehr I unverblijhmt über die Tö- I tungsmethoden gesprochen, | auch von Stuckart, „den! man immer als einen sehr genauen und heiklen Geset- I zesonkel betrachtete”. Diei se Aussprache sei für Hey- I drich jedoch nicht das We- I sentlicbe an dieser Konferenz gewesen und von ihm, Eichmann daher nicht ins Protokoll aufgenommen worden. Gerichtspräsident Landau machte den Angeklagten sodann auf das Widersprüchj liehe seiner Aussage auf- I merksam, dass er zwar kein Antisemit, aber ein I überzeugter Nationalsozialist gewesen sei. In seinen , Aufzeichnungen in Israel j hatte Eichmann geschrieben, er habe den „Vöiki- | sehen Beobachter” mit Andacht verschlungen”; Lan- , dau fragte daher, ob sich [ dies auch auf das viele Antisemitische in dieser Zei- | tung bezogen habe. Eich- | mann antwortete auswei- . chend, er habe den „Völki- I sehen Beobachter” zuerst in Kaffeehäusern in Oester- I reich gelesen und sich da- I mals um die antisemitischen Teile, anders als die | Korpsstudenten, wenig ge- I kümmert; später habe er das Parteiblatt von Amtes | wegen zugestellt erhalten. : Die sich auf die Juden be- I ziehenden Stellen des Parteiprogramms will der Anschluss auf?eite 8) WAS DENKT DIE JUGEND ISRAELS! Jugendlichen unter 17 Jahren ist der Zutritt zum Gerichtshof des Eichmann-Prozesses nicht gestattet. „Wir wollen unseren Kindern ersparen, von den Grausamkeiten der Nazis gegen jüdische Kinder zu hören”, ist die i offizielle Erklärung des Justizministeriums. Trotzdem lässt es sich nicht vermeiden, dass die Kinder die furchtbaren Geschehnisse aus den täglichen Zeitungsberichten und Radiosendungen kennen lernen. Wie reagieren sie darauf? Adam Lyniord, ein Korrespondent des „Jewish Observer’' in London, hat eine Umfrage unter fünfzig jerusalemer Schülern und Schülerinnen veranstaltet, und zwar im Alter von 10—16 Jahren. Nur drei von ihnen gaben zu, von den Greueltaten erschüttert.zu sein; elf Mäd- * chen antworteten, Eichmann müsse langsam zu Tode I gefoltert werden; zwei ebenfalls Mädchen, sprachen sich I gegen die Todesstrafe für Eichmann aus. Auf die Frage, welche Lehren sie aus dem Prozess zögen, erwiderten j zwanzig, dass Juden nicht im „Ausland” — d. h. ausserhalb Israels — leben solltenweifere zwanzig zogen die . Konsequenz, dass „die Deutschen ein grausames Volk” wären; die restlichen zehn konnten sich nicht entscheiden. I Als in einer Klasse von 14-Jährigen die Anklagerede I des Generalstaatsanwalts übertragen wurde, weinte ei-; ne einzige — die Lehrerin. Die Kinder sassen verlegen ) da und waren froh, als das Radio endlich abgestellt wurj de. Die Lektüre des Buches „Die Geissei des Hakea- | kreuzes”, das sie auf Empfehlung der Schule lasen, ¡machte keinen grossen Eindruck auf sie. dagegen hatten nicht weniger Kinder Angstträume, nachdem sie die ¡Filme „Kapo” und „Der Nürnberger Prozess” gesehen hatten. | In manchen Klassen gilt es als Zeichen des! „Schwächlings”, sich durch die Zeugenaussagen des; Prozesses aus der Fassung bringen zu lassen. Was aber j nichtsdestoweniger auffrüttelnd uRd erschreckend wirkt, i sind die Berichte.von den Morden an Kindern, den Mor- I den an Tausenden und Abertausenden von Kindern in ' Frankreich, Warschau, Auschwitz. \ Viele können nicht verstehen, dass man einen so lan- 1 gen Prozess braucht, um die Schuld Eichmanns zu beweisen. Hat man das alles nicht schon vorher gewusst,! fragen sie. Waren die Dokumente, die man jetzt vorge-! legt hat, nicht schon bekannt? Haben die Bücher und i Zeitungen nicht schon genug vorher berichtet gehabt? Sie kümmern sich nicht um die Tatsache, dass der Fall; gegenwärtig „sub judice” ist und man in einem schwe- : benden Verfahren nicht über Schuld und Unschuld des! Angeklagten sprechen darf, bis die Richter ihr Urteil ge-; fällt haben. Für die Kinder ist Eichmann schuldig, und die einzige Frage, die sie noch beschäftigt, ist die der Bestrafung. Ein überraschend hoher Prozentsatz hält nicht viel vom Hängen: das geht zu schnell und schmerzlos. Eher schon einen Tod, der dem der Millionen seiner Opfer gleicht — langsam und qualvoll. Allerdings gibt es auch hier wieder abweichende Antworten, wie die der löjährigen Ayala: „Wir sind nicht wie die Deutschen. Wenn die sich wie Bestien benehmen, sollten wir nicht ein Gleiches tun.” Der 13jährigen Rina erscheint die Todesstrafe für Eichmann zu leicht. Sie schlägt eine Alternative vor. „Er sollte hier in Israel am Leben gehalten werden, damit er sehen kann, wie das Land vom jiidischn Volk aufgebaut wird. Das wäre für ihn am schwersten zu ertragen.” Der 12jährige Mica ist ein gutmütiger Bursche — nur eins hat ihn aufgebracht: dass Eichmann sich als „nicht schuldig” erblärt hat. Seine Schlussfolgerung ist: „Ich glaube, man hätte ihn in Argentinien töten sollen — dieser Prozess macht viel zu viel mit ihm her.” Nebenbei sei erwähnt, dass i die Bundesrepublik heute! auch ein wichtiger Markt I für andere Erzeugnisse Is- | raels ist. - Sicherlich kann , jeder einzelne, ob Jude oder nicht, seine eigene Meinung über die israelischen Waffenverkäufe an die Deutschen haben. Die israelische Haltung werden und müssen wir respektieren. Die Argumente Ben Gurions : sind von grossem Gewicht. Man kann unmöglich über- I sehen, dass die deutschen I Reparationen in einem er- ' heblichen Masse zur Konsolidierung der Wirtschaft Israels beigetragen haben. ' Andererseits dürfte es au- | sser Zweifel stehen, dass I Israel eines der wenigen! Länder ist, das mit der ihm von den Amerikaner« und ■ durch die deutschen Liefe- I rungen zuteilgewordeae Hi{-! feleistung durch eigenen Fleiss, durch eigene Energie und Intelligenz „etwas” anzufangen wusste. Der Beschluss, die Waffenlieferungen an andere Staaten von der Bedingung abhängig zu machen, dass die israelischen Waffen nicht zur Verteidigung oder Festigung der kolonialen Herrschaft dritter Mächte verwandt werden, zeigt die fest« Haltung der Regierung Israels, im Kampf für di« Freiheit der Menschen und Völker niemals jene Kräfte zu unterstützen, die sich den Wünschen und Hoffnungen der noch nicht befreiten Nationen entgegenstellea. Israel will nicht um jeden Preis verrufen, keinesfalls aber seine Waffeeoroduktioo zu Zwecken abi setzen, die mit der Gesinj nung, der Haltung und den i Vorstellungen Israels über eine freie Welt im Wider- I spruch stehen. Würden sich! alle Ländler auf diesen Standpunkt stellen, so könnte ein grosser Schritt auf dem Wege der Befriedung und der Befreiung der Welt von den Ketten der Unterdrückung gemacht werden. II. Molotow Als Krutschew mit Kennedy in Wien zusammentraf, wurde ein Bfld veröffentlicht, auf dem der frühere russische Aussenmioister Molotow, der Nachfolger Litwinows, zusammen mit anderen Mitgliedern der russischen diplomatischen Vertretung in Wien zu sehen war. In der Bildunterschrift wurde ein kleiner Kommentar gegeben, der | dieses Foto erläntern sollte. Dort hiess es: | „Motolow, der letzte noch | lebende Führer der bolschewistischen Oktoberrevolul tion und lange Zeit der 1 zweite Mann hinter Stalin, l war in Wien nur Zuschaü- ■ er. Als Sowjetvertreter bei der internationaeln Atombe-! hörde in Wien stand er beim untergeordneten Botschaftspersonal, als Krutschew in Wien eintraf. Er stand auch dort, kühl, äusserlich unbewegt, als der robuste Kremlchef auf dem . Wiener Flughafen in die I Maschine stieg, die diesen;zurück nach Moskau brachte. Er winkte nicht, als ' Krutschew sich zum Ab- I schied an der Flugzeugtür I zeigte. Er gab sieh gefasst in die Statistenrolle, in die j ihn Krutschew verwiesen i hat. Auf die Journalisten- , frage nach seiner Meinung! (Schluss auf Seite 20 Synagogen in U-Boolen Tel Aviv. — Die israelische U-Bool-Flotillo nahm an einer doppelten Zermonie teil, als die ersten Mannschaften, die für den Unterseebootdienst ausgebildet worden sind, ihre Diplome erhielten und jedem der zwei U-Boot eine Thorarolle zum Geschenk gemacht wurde. Die Rollen wurden den Mannschaften von Staatspräsident Ben Zwi überreicht und vom Kommandanten der israelischen Kriegsflotte Chochai Ben Nun und dem Armee-Oberrabbiner Schlomo Goren an Bord geleitet, wo die Matrosen in blendend weissen Uniformen Aufstellung genommen hatten. Die Rollen wurden an Bord in besonderen Räumen untergebraeht len (ITA)2 *1S schwimmend« Synagogen dienen sol-