Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1892 (11.7.1961)
- Date
- 1961-07-11
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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c Ê“ FRANQUEO PAGADO Concesión 908 t B «? sr c W L- O) TARIFA REDi CIDA Concesión 1629 ISRAELITA Año XXII. BUENOS AIRES, MARTES 11 DE JULIO DE 1961 No. 1892 EL EJEMPLAR en toda la Republic« 4, Bueno« Airee PUEYRREDON 2190 1» iaq. T. E. 83 . 2613 ichmann im Kreuzverhoer S!. E!*£ 5.. 'S“!!1??. (Fortsetzung von Seite 1) verschiedenen europäischen | Ländern, die von den Deutgenschaft als Zeuge in eischen besetzt worden sind, gener Sache die Frage, wel-. in die Ausrcttungslager teilclie Verbindung zwischen genommen habe. „Diese Deihm und dem Obersten Paul portationen wurden von Blobel bestanden habe, der dem Regime anbefohlen, als Adjutant Müllers damit Nur dieses Regime ist hierbeauflragt war. alle Spuren für verantwortlich. Wo es der Massenmorde an den' aber keine Verantwortung Juden auszutilgen.; gibt, kann es auch keine Eichmann setzte ausein-. Schuld geben. In unserer ander, er habe niemals ofstaatlichen Ordnung mussfiziellen Kontakt mit Blobel1 ten die Befehle ausgeführt gehabt, der nur ein Be-' werden, man musste gehorkannter von ihm gewesen , chen ’, sagte Eichmann, sei. Blobel sei ihm nicht | /*->er Angeklagte entwikunterstellt gewesen und er kelte dann seine eigene Phihabe ihm niemals Befehle , losophie über die Verantgegeben I wortliehkeit des einzelnen Eichmann leugnete erngegenüber dem Staat und pört und kategorisch, dass j er je mit den Ausrottungskadern der Nazis etwas zu tun gehabt habe, ebensowenig wie mit der Lieferung von Giftgas, das für die Erstickung von Millionen jüdischer Leben in den Todeslagern zur Anwendung gelangte. EIN GESTAENDNIS In der Freitagsitzung des Prozesses erklärte sich „Die Sicherheit des Staates verlangt Mittel, um den NS-Versammtang I verboten Duisburg. — Eine öf- ' fentliche Versammlung, welche von der neonazistischen „Deutschen Reichspartei” einberuien wurde, ist durch die Po- Eichmann „moralisch für! j lizei verboten worden. In den Einladungen zu der Veranstaltung hiess schuldig” an der Ausrottung der sechs MiHicner« europäischcr Juden betonte aber gl«ichzcitis wiederum, eine . - - - „gesetzliche schuld-; an aen 1 | eine „Verleumdung des Verbrechen nlcTn "zu Tragen.“ | ganzen deutschen Vol- In einer langen Erklärung, | kes.” (ITA) die Eichmann zu seiner eigenen Verteidigung vorlas, gab er sein Bedauern an €jnz€inen zu zwingen und der Ausrottung der Juden ■ dag Individuum unterzuordhalte ich mich moralisch für schuldig und ich betrachte mich auch weiterhin für moralisch schuldig. Zusammenfassend will ich sagen, dass ich die Ausrottung der Juden, die von dem deutschen Regime angeordnet worden ist, bedauere, aber ich kann nicht über meinen eigenen Schatten springen, ich war lediglich ein Instrument in der Hand meiner Vorgesetzten und des Schicksals, das kein Mitleid gekannt hat ” Auf eine Frage des Generalstaatsanvvaltes Hausner erwidert^ Eichmann, er würde nicht seine Aussagen leugnen, die er nach seiner Verhaftung in Argentinien gemacht hat. Er habe gesagt, man werde ihn für schuldig befinden und möglichenveise zum Tode verurteilen. Als Hausner ihn fragte, ob er sich selbst als einen Komplizen bei der Ermordung der Juden bezeichnete, entgegnete Eichmann: „Das habe ich niemals zugestanden. Hinsichtlich einer persönlichen Schuld durch Beteiligung an den Morden muss ich nochmals betonen, dass Ich mich vom gesetzlichen Standpunkt aus nicht für schuldig halte.” durch zum Ausdruck, bedauerte jenen. Die Verantwortung doch er habe nicht die §e'¡hierfür trägt der Staat, das ringste Machtbefugnis ge- Regime eines Landes. Der habt, um diese Morde zu jenige, der in einem glüekverhindern. i Rchen Regime lebt, ist ein In seinen weiteren Aus-; glücklicher Mensch. Derjei nt»un rfo« nnK ap r* n rföriop I ° ... führungen gab er zu, gegen Kriegsende gesagt zu haben, er würde beruhigt sterben in dem Bewusstsein, dass so viele Feinde des nazistischen Deutschlands den Tod gefunden hätten. Diese Bemerkung, so versicherte Eichmann, habe sich nige, der in einem schlechten Regime lebt ist ein Unglücksmensch. Ich war ein unglücklicher Mensch.” — DAS „UNGLUECKSREGIME” Eichmann brachte dann jedoch auf, den Tod der zum Ausdruck, dass im nafeindlichen russischen und 1 zistischen Deutschland der alliierten Soldaten bezogen, I Ungehorsam und die Nichtnicht aber auf die Juden, die ' crfüllung von Befehlen mit ausgerottet worden sind. ' dem Tode bestraft worden Diese Erklärung würde er j sind. „Eine völlig andere heute durchaus nicht be- Sache ist es, über eine modauern. I ralische Schuld zu spre- Die gegen ihn erhobene chen”, sagte Eichmann. Anklage, so sagte Eich-! „Das gehört in ein Gebiet, mann, würde sich nur darj wo die Paragraphen der auf stützen, dass er an der * Gesetze nicht mehr Geltung Deportierung der Juden aus i haben. In dieser Hinsicht Bankguthaben in der Schweiz Bern. — Wie verlautet, soll in Kürze ein Gesetzentwurf den Regierungen der Kantone vorgelegt werden, damit sie sich äussern, ob es angezeigt sei, ein Verzeichnis der nicht zurückgeforderten Guthaben in schweizer Banken anzufertigen. Dr. Nachum Goldmann verhandelte kürzlich über diese Frage mit dem schweizer Bundespräsidenten Friedrich Wahlen und dem Chef der Bundesjustiz Ludwig von Moos. Das Gesetz soll im September dem Bundesparlament unterbreitet werden. Man glaubt, dass aus dem Verzeichnis das Vorhandensein von Millionen schweizer Franken erhellen wird, die von europäischen Juden, welche später itden Ausrottungslagern der Nazis umkamen, vorsichtshalber in der Schweiz deponiert wurden. Die schweizer Regierung wird, wie man annimmt, diese herrenlosen Vermögen entheben und sie einem Hilfsfonds für die Opfer der Naziverfolgungen aushändigen. (ITA) DER MÜEDE SERVATIUS Dag Verliör _ Eicüm seinen Verteidiger, Dr. Servatius, wurde nach 14 Sitzungen, die insgesamt 60 Stunden in Anspruch genommen haben, nunmehr , beendet. Eichmann leugnete j jede Schuld und Verantwor- 1 tung an der Ermordung der j 6 Millionen Juden in Euro-! pa. Mit müder Stimme prä- ‘ sentierte der Verteidiger die : Erklärungen von Entla- I stungszeugen, die im Ausland vernommen worden sind. Alle diese Zeugen sind ehemalige Nazis. Anschliessend verhörte der Ankläger, General- [ staatsanwalt Hausner, den ' Angeklagten. Auch auf die j | Fragen Hausners beteuerte . Eiehmann seine Unschuld; , j nur vom moralischen Stand-! i punkt hätte er eine Schuld 1 : auf sich geladen. Eichmann j | versuchte seine Taktik fort-1 ■ zusetzen, die Zuhörer zu: j verwirren, indem er immer j wieder die gleichen Redens-! arten benutzte. Hausner un-! terbrach ihn und forderte! ihn auf, mit Ja oder Nein zu antworten. Der Vorsitzende wies darauf hin, dass der Angeklagte zwar kurz zu antworten habe, dass man ihm aber; die Möglichkeit geben müs- | se, die Erklärungen abzu- I geben, die er aussprechen wolle. Der Angeklagte verstummte zunächst gegenüber der Entschiedenheit des Anklägers, fand dann aber seine gewohnte Art zu antworten wieder. Hausner befragte den Angeklagten über seine Erklärung, er würde beruhigt sterben, nachdem so viele Feinde des Dritten Reiches getötet worden sind. Eichmann hatte hierauf zunächst gesagt, wie bereits berichtet wurde, dass er damit die alliierten und russischen Soldaten gemeint habe. Hausner fragte, ob er, der Angeklagte, nicht auch in den Juden Feinde des Dritten Reiches erblickt haben würde. Eichmann: „Ja, aber nicht in dem Sinne, wie sich die Dinge gestalteten als der Krieg seinem Ende zuging.” In diesem Sinne waren die Feinde die russischen Heeressäulen und die amerikanischen Bomber. Hausner fragte den Angeklagten, ob er die Urteilssorüche in Nürnberg gegen di« nazistischen Hauptkriegsverbrecher für gerecht halte, von denen die Befehle zur Ausrottung der Juden gegeben worden sind. Eichmann sagte, diese Urteile seien gerecht gewesen, denn diese Mänser seien für die Ausrottung der Juden verantwortlich gewesen und mussten demzufolge auch die Konsequenzen tragen. Das könne man aber, so fügte Eichmann hinzu, nicht auf diejenigen ausdehnen, die nicht zur obersten Führung gehört haben und die gezwungen gewesen sind, die Befehle auszuführen. — London. — Der „Guardian” berichtet aus Madrid von einer „neuen Sehnsucht nach der Nazidoktrin”, die sich in der spanischen Presse bemerkbar mache. Dort erscheinen Artikel, in denen der Sieg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg, sowie der Tod Hitlers und Mussolinis beklagt werden und der Eichmann-Prozess als „lächerlich und ekelerregend” erwähn^ wird. In einer madrider Wochenzeitung, so schreibt der , Guardian”, behauptet der Leitartikler Rodrigo Royo u. a., „die Nazifaschisten waren gar nicht so schlecht, wie die Juden sie hinstellen. Wenn wirklich ein paar Juden von den Nazis verfolgt wurden, <o ist die Verfolgung der Nazis durch die Juden in den letzten 16 Jahren viel schlimmer gewesen.” Royo versichert, er sei „überzeugt”, dass es keine Gaskammern für die Ausrottung der Juden gegeben habe. „Ich bin in Deutschland gewesen”, erzählt er. „und ich habe die Gaskammern gesehen. Das waren technische Anlagen der Wehrmacht, um di; Gasmasken der Soldaten auszuprobieren. Die Juden haben Eichmann I erfunden und ihn wie einen Schmeitcrling in Argentinien gejagt, um ihn z-u einem schlechten Ziskuselown abj zurichten und ihm Seine Rolle einzustudieren.” | Der „Guardian” bemerkt hierzu, dass diese offiziell 1 geduldeten Schmierereien auf die Spanier im allgemei- | nen ihren Eindruck verfehlen, da diese weder Faschij sten noch Antisemiten seien. Andererseits könne man; durch die Berichterstattung über den Eiehmann-Prozess rin der spanischen Presse nur zu der Ansicht gelangen, 1 dass es der Wunsch der Regierung ist, das Volk über das | Ausmass der von den Nazis verübten Scheusslichkeiten 1 aufzuklären. (ITA) Prozesse gsgen Nazimoerder lute SSjiUiriKien ligen Chef einer nazistischen Kommando - Einheit, Otto ßratfisch, und vier seiner unmittelbaren Untergebenen wurden! Verfahren eröffnet. Die Angeklagten wurden beschuldigt, 19 035 Personen, in der Mehrzahl Juden, in Russland und Polen während des zweiten Weltkrieges ermordet zu haben. (ITA) Nach vier Jahren gefasst Düsseldorf. Nach vier- Israelischer Minister in Madrid Jerusalem. — Der Minister für Volkswohlfahrt Josef Burg wird in Kürze nach Spanien reisen, um Israel auf der Internationalen Wohifahrtskonferenz zu vertreten. Das Kabinett stimmte dieser Entsendung ohne Debatte zu, obwohl sich verschiedene Parteien dagegen aussprachen. Zum ersten Mal wird ein Mitglied des israelischen Kabinetts Spanien besuchen, dessen faschistischer Diktator im Kriege Hitler unterstützte. Es wird ferner darauf verwiesen, dass Burg Mitglied der Religiös-Nationalen Partei ist und die orthodoxen Juden es stets | vermieden haben Spanien ¡zu besuchen, seit im Jahre 1492 die Massenaustreibung der Juden aus diesem Lan- Ide stattfand. (ITA) Handelsaustausch mit den USA New York. — Der israelisch - amerikanische Handelstaustausch ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Während sein Wert im Jahre 1959 144 Millionen Dollar betrug, belief er sich 1960 auf 152 Millionen Dollar. (ITA) jähriger Ermittlungsarbeit |! wurden kürzlich die Täter ■ l-X»- At»w4 1967 Äw* I j länderfriedhof Jammertal > bei Salzgitter/Lebenstedt gej schändet hatten Nach einer I Mitteilung des niedersächjsischen Justizministeriums wurden der 30jährige Elek- ' tromonteur Günter Sonnej mann aus Wolfenbüttel und | der 35jährig€ Maschinen- , schlosser Edelmut Dietze aus Salzgitter-Tiede als mutmassliche Täter festgenommen. | Sonnemann war bereits 1954 wegen Landfriedens-1 bruchs zu vier Monaten Gej fängnis verurteilt worden. ■ Er und Dietze sind gestän-' dig. Mit einem Dritten, der, 1957 kurz nach der Tat starb, hatten sie auf einem j jüdischen Gräberfeld des rund 2.000 Tote aus elf europäischen Ländern umfasi senden Friedhofs einen 20 Zentner schweren Gedenkstein von seinem Sockel gestürzt und 78 Grabsteine ausgerissen. (AWZ) Produktion der ~ Jai'wmlt'H». — FWe* ppp, .. duktion der israelischen Industrie betrug im’ ersten Vierteljahr 1961 um 13 Prozent mehr als in der gleichen Periode des Vorjahres, während die Zahl der in der Industrie beschäftigten Arbeiter um 8 Prozent höher war. Diese Information stammt von Industrie- und Handelsminister Pinchas Sapir. Angesichts der erhöhten industriellen Produktivität, so führte der Minister aus, dürfte es schwer halten, für die gegenwärtig nach Israel strömenden zahlreichen Einwanderer Beschäftigung zu finden. Aufgrund der vorliegenden Pläne könnten 15.000- bis 20.000 Immigranten bis Ende des Jahres von der Industrie absorbiert werden. (ITA) Er hat noch nichts zugelernt Rio de Janeiro. — Prof. Silveira Bueno, Autor eines portugiesischen Schulwörterbuchs in dem die Worte „Jude”, „Synagoge” u. a. mit rassistischen Schlagwörtern erklärt werden, hat sich geweigert, diese Definitionen zu ändern, obwohl der Präsident Janio Quadros dies verfügt hat. Vor einigen Monaten hatte der Präsident Brasiliens angeordent, dass das in den Landesschulen gebräuchliche Wörterbuch revidiert werden solle, um alle für „Rassen Völker oder Religionen beleidigenden Definitionen zu entfernen.”. In dem Wörterbuch, das seit vielen Jahren in den. Schulen gebraucht wird, ist für das Wort „Jude” die; Erklärung „gewissenloser Händler” und für „Syn^ agoge” die Definition „Ort, an dem die Juden ihre ■ Wuchergeschäfte treiben” angegeben. j Prof. Bueno, ein bekannter Sprachforscher, haL eine „revidierte” Auflage herausgegeben, in der die für die Jesuiten. Neger und Panamaer beleidigenden; Definitionen nicht meht figurieren, während er seine j Beleidigungen des jüdischen Volkes nicht abänderte. | Er behauptet, er könne den Beweis antreten, dass die Juden „Hochstapler” seien. Die Konföderation jüdischer Institutionen in Brasilien hat sieh erneut an den Präsidenten Quadros gewandt und um seine Intervention ersucht. (ITA) Registre de la Propiedad intelectual No 656.635 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rtvadavi* 833