Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1887 (23.6.1961)
- Date
- 1961-06-23
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO Concesión 908 £. L EJEMPLAfc ea tod* la Republic; ¡ Bueno* Aire* PUEYRREDOR 2190 1* iaq. T. E. «3 . »13 c sí a TARIFA REDI CIDA Concesión 1829 No. 1887 BUENOS AIRES, VIERNES 23 DE JUNIO DE 1961 Año XXII. Elchmann beteuert seine (Fortsetzung von Seite 1) die Stunden mich jedesmal mindestens drei Mark kosten konnten, doch d’e Erlaubnis erhielt ich nicht, weil man mir misstraute.” Der Angeklagte gab zu. dass er in seiner Eigenschaft a's Chef des Büros IV-B-4 des N'S-Sicherheitsdienstes mit ..Judenfragen im aUg-emmnen” betraut gewesen sei, doch r.u mit Bezug auf die Abteilung Gestapo. Zu Beginn der Aussage Eichmanns ist das Interesse der israelischen Bevölkerung sichtlich gestiegen. Kein Sitz auf der für das Publikum reservierten Tribüne war frei, und viele Leute fanden keinen Eintritt zu der Sitzung, weil keine Plätze mehr verfügbar waren. Wie Gerüchte wissen wollen. besitzt Staatsanwalt Hausner möglicherweise neue Beweise für die Schuld Eichmanns. Man spricht von einer ..Trumpfkarte”, die Eiehmanns Behauptung, als Chef d r Abteilung des Sicherheitsdienstes, die mit öer ,.Endlösung der Judenfrage” betraut war, nur Befehle seiner Vorgesetzten ausgeführt zu habem endterial in Händen^um zu beweisen. dass Elchmann die Entlassung einer Jüdin aus einem Konzentrationslager erreichte. der die Auswanderung in die Schweiz erlauDt wurde. Es handelt sich um eine Kusine Eiehmanns. In diesem Fall will de- Staatsanwalt 9 den Beweis führen, dass Eiehmann die Befehle umgehen konnte, wenn er dies tun wollte. | Wie man weiss, wurde ' Eichmann während der einwöchigen Unterbrechung! der Gerichtsverhandlung einer gründlichen ärztlichen , Untersuchung unterworfen, j Einige ausländische Korrespondenten, die zum Verhör Eichmans nach Israel zuriiekgekehrt sind, vertreten die Ansicht, dass Eichmann den Anstrengun- ' gen einer direkten Einvernahme nicht gewachsen ist. Eichmann soll in den letz-! ten Wochen mehrere. Herz- 1 anfälle gehabt haben, obwohl dies in Abiede gestellt; wird. Allerdings ist von of- I fizieller Seite zugegeben worden, dass er Zeichen nervöser Anspannung auf- 1 weist. EICHMANN ALS ZIONIST j Auf die vorsichtig gestelli ten Fragen seines Verteidigers sagte Eiehmann aus. : er sei um das Schicksal der ¡Juden aufrichtig besorgt gewesen und habe ihnen geholfen. eine sichere Zukunft I zu finden. Der Gedanke, einen jüdischen Staat zu schaffen, sei ihm bei der Lektüre des Buches von 1 F)r. Theodor Herzl ..Der Judenstaat” gekommen. , und er habe auch diesen ¡Vorschlag seinen Vorge-; “litW BbTeiii erhalten habe. derung um jeden Preis zu ■ organisieren, so berichtete er. habe er keinen Unter- . schied darin gesehen, den Zionismus zu unterstützen oder die zwangsweise Ausj Wanderung voranzutreiben.! Er behauptete, den Zionis-! mus gefördert zu haben. 1 um die Auswanderung zu I beschleunigen. und fügte ¡hinzu: .'.Kein Zionist kann ' sich beklagen, dass ich ihn jemals an der Durchfühlin im Dezembei 1939 zur rung seiner Pliine gehindert Uebernahme der Leitung haoe.” Hier setzte Eichder Reichszentralstelle für mann eine traurige Miene die Aussiedlung der Juden auf und bedauerte, dass eibildete den Anlass zu einer nige AmtssteJen im Dritten Frage, die Richter Mosche Reich ihm nicht nur die Landau stellte. Er fragte Mitarbeit verweigert son- Eichmann: „Sird Sie der dern auch seine Bemühun- Chef dieses Büros gewegsn um eine .gutwillige sen?” Auswanderung” der d?ut-! Eichmann begann, Versehen Juden durchkreuzt auf zu antworten, ohne sich hätten. zu erheben, worauf Richter ¡Landau ihn unterbrach: F,R BESCHULDIGT I ^gitte stehen Sie auf. wenn Sn eine Frage des Gerichts beantworten.” Eichmann sprang auf und bat um Ent- Juden in Europa ANDERE Der Angeklagte erwähnte den Fall von Joachim von Ribbentrop. des damaligen ¡¡¡¡¡g™ Hatunf^fort: hauptsächlichstes Hindernis "Ich war nlcht '^R^nhCrd .... Büros, das war Reinhard Transfer der Jüdischen. He^h’ di* B*£ehle | Vermögen nicht bewilligen I ^^LrT^ete^\!twollte, die sich übrigens __.. auch andere Länder anzu-! nehmen geweigert hätten. | Hier legte Servatius einen Bericht von Joseph Kennedy, des seinerzeitigen I USA-Botschafters in Engmusste ergriffen land vor. der sich auf weü der Propagan. Versicherung R '^n rops | damöinister Josel Goebbels ■ beneL nach der alle Juden und mUer ohne Ausnahme Diebe, Mor- , .., . . , ,. te nur mit administrativen Fragen zu tun.” Auf die Frage, ob er den Juden befohlen hatte. Armbinden mit dem Davidstern zu tragen, erwiderte er: ..Diese Mass Zur Lage cer Juden Europas haben in letzter Zeit mehrfache Konferenzen stattgefunden insbesondere | vom Joint einberuf »ne. Es sind auch eine Reihe von Aufsätzen in jüdischen Zei- ■ tungen erscnienen, die von '■ Einzelpersonen stammen Zu den letzteren gebürt Abraham Schiuman, der neun I Jahre lang als Journalist die Länder bereiste und nunmehr in dit Reaakiion des New Yorser “Forward” eingetreten ist ' Schulman stellt sich beim Verlassen Europas die Frage, ob überhaupt ein ge meinsames europäisches Judentum bestehe ob zum Beispiel die Juden Englands gemeinsame Interessen mit 'c’.er.en Jugoslawiens oder Griechenlands haben. Haben die Juden Europas noch ei- ne Zukunft >der werden sie langsam unter den Völkern aufgehen? der und Falschspieler sei-, hierauf bestand' . en. deren Besitz vom Staat ANDERE GABEN DIE I konfisziert werden müsse. BEFEHLE Der Bericht Kennedys war i schon vorher voriücr Ahr i ,, JJ¡'‘r “ -.JJjV-. Sr’o “aJüV - i^jtteiehskommisseria+s -t*Pr NIUHT SFIVF SCHULD i die Stärkung des deutschen N1CH1 SEINE sdHULii ¡Volkes”, in dem die Depor- Jerusalem. - Ruhig doch tation v°n SS»-“® Juden blass, setzte Eichmann am i a“s den dem Reich angezweiten Verhandlungstag ghederten polnischen Geseine Aussage in eigener dl*te" verf«gt wurde. „Hat- Verteidigung fort. Er gab , t€n„?,ier hlfrmlt Zu zu, dass er von den Gas-i tun? .fra| e. Eichmann, lastwagen gewusst habe, in d«r “1* antwortete, denen man die Juden in Po-, ’D,e Entscheidungen wurlen erstickte. Auf eine Fra-!d?n vom Reiehskommissar I Gewiss gibt es kleine Staa- , ten in Europa mit wenigen tJuden und ganz ohne jüdi- | sches Leben, und Schulman I hat nicht nur em Mal mit Pessimismus über sie berichtet. Nicht etwa um theoretische Auseinand^rsetzun- 1 gen geht es, sondern um die realen Verhältnisse. Es geht | auch nicht um die wirt-; sehaftlielji ’ «> —• j «•* i-kvetse THTT! beitern, wie zum Beispiel in der Kontektionsbranche. Es ist kein Geheimnis, dass dies j nur so war, solange die erste Generation, die aus Europa ausgewandert war, noch; lebte. mehr für das Judentum, sondern führen zur Assimilation. In Europa sind alle ¡Arten von Judentum vertreten, nicht nur bezüglich der : Theorie, sondern vielmehr I aus Herkommen, i Juden ausallen Ländern I wohnen in Europa, ähnlich | wie in Israel. Während es hier aber »inen jüdischen Schmelztiegei gibt, aus dem ■ sich mit der Zeit eine Ein-! heit ergibt, werden die Unterschiede in Europa immer grösser. Man merkt dies 1 schon an den verschiedenen ¡Sprachen, wobei Jiddisch, das in früheren Jahren das j einigende Ba.id war, ganz in Iden Hintergrund tritt. Glück-! licherweise bestehen aber noch andere Wurzeln des Judentums, auf die Schulman 1 jedoch nicht eingeht. Das Problem des europäischen Juden.ums erhält ajaer j sofort einen anderen Aspekt, | wenn man mitten in der Wiederaufbauarbeit steht. . Der Joint-Prisident, Edward I M. Warburg. konnte an der kiirzlichen Konferenz des Joint in Genf feststellen, i dass nach 15jähriger Hilfsbereitschaft aus Amerika die europäischen Länder kaum mehr noch ier Hilfe durch die Juden in Amerika bedürfen. Dies zeige sich darin. dass acne auMusulCge seines Verteidigers erfiir die Stärkung des deut klärte er, zwar habe er Dosehen Volkes getroffen kumente hierüber gesehen iwahrend lch >n PraS war kumente nieruber gesemm,, Eichmann Auskunft doch seine Abteilung habe . - W>E SOLL DAS URTEIL LAUTEN! New York. — Sechs der höchsten christlichen Würdenträger in Israel haben übereinstimmend erklärt, sie seien mit der Art und Weise, in der der jüdische Staat den Prozess gegen Eichmann führt, vollauf einverstanden. Dagegen sind sie übet nie Strafe für der Naziverbiecher, falls das Urteil gegen ihn auf schuldig lauten sollte, getrennter Meinung wie aus einer Umfrage hervorgeht, die von der Antidiffamierungs-Liga der Bne- Brit angestellt wurde. Das Ergebnis dieser Befragung! ist jetzt veröffentlicht worden. j Während die sechs Geistlichen sich mit der Führung des Prozesses durch Israel einverstanden erklären, so sprechen sie sich andererseits entweder dafür aus, dass i Eichmann hingerichtet oder zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt werden solle, falls er der ihm! vorgeworfenen Verbrechen überführt wird. I Rev. William L. Hüll erklärte, „nur die Todesstrafe I könne nach dem in westlichen Ländern geltenden Gesetz | eire Sühne darstellen.” Rev. Robert J. Lindsey ist der Meinung, dass „über Eiehmann nur die Strafe verhängt werden könne, die das israelische Gesetz vorsieht”. Rev. Tcm Gibson nannte das Problem äusserst schwierig für Israel. „Wenn Israel Milde mit Eiehmann walten lässt”, erklärte er, „so kann es damit verhindern, dass man dem jüdischen Volk vorwirft, es habe Rache üben wollen Aber es kann auch der Eindruck erweckt werden, dass die Juden schwach sino.” Rev. Hugh Jones und Rev. Abbot Leo Tudloff vertraten beide den Standpunkt, dass Eiehmann die schwerste Strafe v’rdiene, doch sie gaben zu bedenken, dass es angezeigt sei, irgendeine andere Lösung zu finden. Erzbischof George Hakim schlug vor, Eiehmann zu lebenslänglichem Zuchthaus zu verurteilen und ihn dann an Deutschland auszuliefern, „wo er nochmals abgeurteilt und bestraft werden soll.” (ITA) hiermit nichts zu tun ge- „Spätere Dokumente wer- , ,, . . . den seine Rolle bei dieser habt, in seinem Büro seien „ „_ j. rr- Operation zeigen nur die P-ane für die Transporte von Juden ausgearbeitet worden. Dr. Servatius fragte ijin: Servatius verlas ein weiteres Schriftstück das vom _ 15. Dezember 1941 datiert „Herr Zeuge, konnten *Sie ^’ar und die Todesstrafe aufgrund Ihres Ranges in ^ar jeden polnischen Juden Ungarn Massnahmen verj anordnete, der ohne Sonderfügen, um die Befehle der erlaubnis seinen Wohnort SS und der Polizei zu um-. verliess. gehen?” Hierauf entgegne- Auf Befragung durch seife Eiehmann ohne zu zö-. nen Verteidiger stellte Eichgern: „Nein”. ¡mann in Abrede, dass sein Der Angeklagte vernein- ■ Büro sich mit der Verhänte, dass er, wie ein Zeuge! gung von Todesstrafen beangégeben hatte, eine Sonfasst habe, die vom Genederstellung bei dem Gesta-, ralgouverneur Hans Frank pochef Heinrich Müller ge-1 verfügt worden seien, er noss. Müller sei sein Chef habe nur Befehle von der gewesen, so erklärte er, Sicherheitspolizei empfandessen Befehle er ebenso I gen. Dies sei aus anderen ausführen musste wie seine Dokumenten, die dem Ge- Untergebenen Dieter Wisli-1 rieht vorlägen, deutlich zu ceny, Karl Richten und j ersehen. Auch mit der Be- Theodor Dannecker die seischlagnahme jüdischen Einen, die auch nicht auf eigentums hätten sich andegene Faust handeln konnre SteLen beschäftigt. Die Umsiedlung von Bevölkerungsteilen im besetzten Polen hätten auch andere durchgeführt, sein Büro habe nur die Fahrpläne für die Transporte aufzustellen gehabt. | Die Söhne haben Nadel und Faden weggelegt und (Sind Aerzte und Juristen gej worden, in len letzter. Jah- : ren auch Chemiker und In- ■ genieure. Die Väter haben j dafür gesorgt, dass die , Sühne Intellektuelle werden konnten. Damit hat teilweise 1 die Basis für die frühere! „Jüdischkeit“ zu bestehen , aufgehört. Die neuen Berufe sind keine Schutzmauern gründen, die in Zukunft ia Fragen der Erziehung, der j Fürsorge, der Altersbetreu- | ung und der anderen Gemeindedienste Zusammenarbeiten wird. Dies wäre I nicht möglich gewesen, wenn! sich das europäische Judentum nicht einigermassen stabilisiert hätte. Es werde I einer praktischen Führung I bedürfen, um aas Ziel der Zusammenarbeit zu errei- , chen. Die Propheten des Un- | trrganges des europäischen j Judentums werden dann auf lange hinaus nicht recht bei halten. ten. EICHMANN WIRD NERVOES Die Versetzung Eichmanns von Wien nach Ber- Registn de la Propiedad Intelectual No 656 635 Impreso en la imprenta POLIGLOTA — Rivadavù. 831 NEUE ATTENTATE IN MAROKKO Paris. — Die Nachricht wurde bestätigt, dass ei,n jüdischer Taxichauffeur von zwei Mohammedanern in Casablanca ermordet wurde, die ihn mit einem Ledergürtel erwürgten. Allem Anschein nach handelt es sich um ein antisemitisches Attentat,! denn das Opfer war mit | dem Vizepräsidenten des Hilfsverbandes für bej dürftige jüdische Kinder befreundet. In einem Kino wurde ein Jude überfallen, der den Tod durch zwei Dolchstiche fand. Verhaftungen wurden nicht vorgenommen. In der vergangenen Woche wurde ein jüdischer Kaufmann von einem Mohammedaner erstochen, von dem er eine Schuld zurilckgefordert hatte. Herstellung von Lastwagen Jerusalem. — Ein Abkommen. aufgrund dessen die Leyland Corporation aus England in Gemeinschaft mit israelischen Kapitalisten eine Montage-Anlage für Lastwagen in Aschdod errichten wird, wurde von Tnansportminister Jizehak Ben Aharon, Handels- und Industrieminister Pinchas Sapir und Charles Baker, dem Verkaufschef der Leyland-Werke unterzeichnet. Die englische Firma hat ¡sich verpflichtet. ein;n Teil des Kapitals sowie Sa »m erständige, Techniker und Motorenteile für die lokale Produktion zur Verfügung zu stellen. Sie wird ferner ihre Verkaufs-Organisation in 90 Ländern zur Erleichterung des Verkaufs der israelischen Erzeugnisse zur Verfügung stellen. Die israelische Regierung gewährt ihrerseits der Fabrik ki Aschdod ihren Schutz und hat sich verpflichtet, die Einfuhr ähnlicher Wagen für die D«uer von fünf Jahren zu verbiete«. (ITA)